Liebe Pflanzenfreunde,
neben dem Rainfarn habe ich im Urlaub auf Römö auch ein wenig Besenheide geschnitten und gefärbt und wieder zurück weiter bearbeitet. Die Ergebnisse möchte ich hier zeigen, zusammen mit einem Zufallsfund, der ich in eines der Präparate eingeschlichen hat.
Die Besenheide (Calluna vulgaris) ist die einzige Vertreterin der monotypischen Gattung Calluna in der Familie der Ericaceae. Der Gattungsname Calluna leitet sich vom griechischen "kallyno" (reinigen) ab, während der deutsche Name Besenheide einmal auf die alte Nutzung der Pflanze zum Besenbinden hinweist, aber auch das Wort Heide enthält, das auf das althochdeutsche "heida" zurück geführt werden kann. Heida hat seine indogermanische Wurzel in "kait", was so viel bedeutet wie "unbebautes Land" - eine schöne Überleitung zum Verbreitungsgebiet.
Bild 1: ein typischer Standort der Besenheide auf Römö mit einzelnen Birken und Kiefern
Das Vorkommen der Besenheide erstreckt sich heute in Europa über Spanien und Portugal bis nach Norwegen und ostwärts bis nach Westsibirien mit einem Schwerpunkt in Mittel- und Nordeuropa. Im 19. Jahrhundert brachten schottische Einwanderer die Besenheide mit nach Kanada, sie hat sich seitdem in Nordamerika ausgebreitet und gilt dort als Neophyt.
Calluna vulgaris ist ein Säureanzeiger und liebt sandige, kalkfreie Böden - gerne auch an wechselfeuchten Standorten z.B. an den Rändern von Mooren. Dabei bevorzugt sie sonnige oder lichte Stellen vom Flachland bis in Höhenlagen von etwa 2700 Metern.
Heideflächen sind gute Bienenweiden (jede einzelne Blüten produzieren in der Hauptblütezeit Nektar mit einem Zuckergehalt von etwa 25% bei einer Zuckerproduktion von täglich etwa 0,12 mg). Jüngere Heidebestände werden auch als Schafweide in der extensiven Landwirtschaft genutzt, ältere Bestände sind zu stark verholzt und werden somit von den Schafen nicht mehr gefressen.
Bild 2: Makroaufnahme der Blütenstände der Besenheide

Calluna vulgaris ist ein mehrjähriger, langsam wachsender Zwergstrauch und erreicht ungestört Wuchshöhen zwischen 80 und 100 cm. Er ist immergrün und kann bis zu 40 Jahre alt werden. Die kleinen gegenständigen Blätter der Besenheide sind nur wenige Millimeter lang, liegen schuppenartig am Spross an und sind nach oben eingerollt. Die Stoma liegen an der Blattunterseite geschützt in einem behaarten Spalt, was man auch in der Detailzeichnung rechts oben auf Thomés Illustration (Bild 3) gut erkennen kann. Als Hintergrund wird eine Anpassung an stickstoffarme Böden vermutet.
Bild 3: Eine alte Illustration darf auch hier nicht fehlen

Aus "Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz", Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé, Gera 1885. Quelle:
http://www.biolib.de von Kurt Stüber.
Die Blütezeit reicht vom Spätsommer bis in den Herbst. An einem 5 bis 15 cm langen traubigen Blütenstand hängen die über Weiß und Rosa bis ins kräftig Purpurrot spielenden Einzelblüten der Besenheide. Die glockenförmige Blüte ist vierzählig und von vier grünen Hochblättern umgeben. Die auffälligen, 3 bis 4 mm langen Kelchblätter überragen die kleineren Kronblätter deutlich. In der Blütenmitte steht ein heller Stempel, der von 8 dunklen Staubblättern in zwei Viererringen umgeben ist.
Die Früchte sind flachspaltige Kapseln, die lange im Kelch verborgen bleiben und von März bis April des Folgejahres reifen. Sie enthalten kleine, etwa 1,5 mm langen Samen, die vom Wind ausgeschüttelt werden und sich als Körnchenflieger ausbreiten.
Zur PräparationGeschnitten habe ich frische Sprossstücke auf dem Haga Kastenmikrotom bei einer Schnittdicke um die 40 µm. Die Schnitte der 2 und etwa 8 Jahre alten Sprosse habe ich anschließend für ca. 20 Minuten in AFE fixiert.
Ein Teil der Ausbeute habe ich zur späteren Verarbeitung in Ethanol 70% überführt und den Rest mit Etzold Grün im Standartverfahren gefärbt. Die so gefärbten Schnitte wurden in reinem Isopropanol entwässert, wie beim Rainfarn in reinem Isopropanol gelagert und wieder zu hause in Euparal eingedeckt.
Die ungefärbten Schnitte habe ich dann noch nach Wacker W3A gefärbt und ebenfalls in Euparal eingedeckt. Färbeanleitungen für Etzold Grün und Wacker W3A können wie immer auf der
Webseite des MKB eingesehen und heruntergeladen werden.
Nun zu den AufnahmenDie folgenden Bilder sind auf meinem Leica DME entstanden, nicht ohne auch diesmal wieder einige Aufnahmen mit dem kleinen Leitz HM gemacht zu haben. Allerdings nicht von den Etzold-, sondern diesmal von den Wacker-Präparaten. Leider sind die Schnitte etwas wellig, was bei den Einzelaufnahmen auf dem Leitz HM zu Unschärfen führt.
Der bei der Etzold-Färbung zu beobachtende wärmere Farbton insbesondere des Fuchsins tritt beim Acridinrot der Wackerfärbung so nicht in Erscheinung.
Vielen Dank an Detlef für die Unterstützung bei der Bestimmung der einzelnen Gewebearten der Rinde.
Zunächst einmal die ungefärbte (aber fixierte) Version:
Bild 4a/b: Sproßquerschnitt eines etwa achtjährigen Sprosses der Besenheide, Bild 4b mit Maßstab. Vergrößerung 200x, Stapel aus 24 Bildern.

Jetzt die mit Etzold Grün nach Brügmann gefärbten Schnitte, zunächst vom zweijährigen, dann vom etwa achtjährigen Spross.
Bild 5: Querschnitt des zweijährigen Sprosses in der Übersicht. Vergrößerung 50x, Stapel aus 10 Bildern

Der Durchmesser des Sprosses beträgt etwa 2 mm.
Bild 6a/b: Auschnitt aus dem obigen Querschnitt, Bild 6b mit Beschriftung. Vergrößerung 200x, Stapel aus 5 Bildern.


T = Trachee, Ca = Cambium
Bild 7: Rinde und Phloem des Sprosses im Alter von zwei Jahren. Vergrößerung 400x, Stapel aus 5 Bildern

Bild 8: Querschnitt durch den achtjährigen Spross (es können auch nur 7 Jahre sein ...), Vergrößerung 50x, Stapel aus 11 Bildern.

Gegenüberliegend zwei Blattansätze, der Durchmesser des Sprosses beträgt ca. 4 mm, trotz des etwa vierfachen Alters nur eine Verdoppelung - die Besenheide wächst eben recht langsam.
Bild 9a/b: Rinde und Phloem des achtjährigen Sprosses, Bild 9b mit Beschriftung. Vergrößerung 400x, Stapel aus 6 Bildern.

T wieder Trachee, Ca Cmbium. Der Schnitt ist leider so wellig, dass ein größerer Stapel die Strukturen zu sehr verwischt hätte, desshalb hier die Unschärfe.
Es folgt die Wacker-Färbung, die besonders im Bereich des Xylems deutlich besser differenziert. Wieder zuerst vom zweijährigen, dann vom älteren Präparat.
Bild 10: Querschnitt vom zweijährigen Spross, Vergrößerung 50x, Stapel aus 9 Bildern

Hier sind wieder zwei Blattansätze zu erkennen, der Durchmesser des Sprosses beträgt ca. 2 mm.
Bild 11: Etwas näher heran, Vergrößerung 100x, Stapel aus 10 Bildern

Bild 12: Und wieder die Rinde und das Phloem, Vergrößerung 400x, Stapel aus 11 Bildern

Bild 13: Ein Detail mit Mark und Protoxylem, Vergrößerung 200x, Stapel aus 8 Bildern

Bild 14: Querschnitt des älteren Sprosses, Vergrößerung 50x, Stapel aus 11 Bildern

Auch hier der Durchmesser wieder bei etwas mehr als 4 mm.
Bild 15: Etwas näher heran, Vergrößerung 100x, Stapel aus 12 Bildern

Bild 16a/b: Nun ncoh einmal Rinde und Phloem, Bild 16b mit Beschriftung. Vergrößerung 200x, Stapel aus 16 Bildern


T und Ca wieder Trachee und Cambium. Ein Phellogen war leider nicht aus zu machen.
Bild 17a/b: Mark und Protoxylem, Bild 17b mit Beschriftung. Vergrößerung 200x, Stapel aus 12 Bildern


Auffällig erscheint mir der Ring rot gefärbter Zellen zwischen Protoxylem und Mark. Diese haben leicht sklerifizierte Zellwände und verfügen über große Tüpfel (?).
Auch scheint es Sekretkanäle zu geben, die ich mit (*) gekennzeichnet habe.
Hat jemand eine Idee, um was es sich da handeln könnte?
Jetzt die versprochenen Bilder mit dem Leitz HM. Dabei handelt es sich i.d.R. um Einzelaufnahmen mit Spiegelbeleuchtung, zum Einsatz kamen die gleichen Präparate wie oben. Ich habe versucht, ähnliche Bildausschnitte zu wählen.
Bild 18: Der Querschnitt des älteren Sprosses, Vergrößerung 35x, Einzelaufnahme

Da kann man doch noch Wolken und blauen Himmel unterscheiden ...

Bild 19: Detail aus dem obigen Querschnitt, Vergrößerung 100x, Einzelaufnahme

Leider änderte sich durch vorbeiziehende Wolken die Belichtungssituation recht schnell, die zwei Sekunden Auslöseverzögerung nach dem Anmessen brachten ab und an Überraschungen mit sich.
Bild 20: Wieder Mark und Protoxylem, Vergrößerung 450 x, Stapel aus 2 Bildern (es geht auch am Leitz HM - nur nichts verdrehen!)

Bild 21a/b: Noch schnell zwei Impressionen vom zweijährigen Spross, Vergrößerung 100x bzw. 450x, Einzelaufnahmen.


Und nun der angekündigte Zufallsfund:
Bild 22: Eine Milbe oder deren Larve, Einzelaufnahme mit dem Leitz HM, Vergrößerung 100x.

Ich habe keine Idee, ob das ein Häutungsrest oder ein "ganzes" Tier ist und ob mein Zufallsfund aus meinem Keller stammt oder schon an der Probe haftete. Und fragt bitte nicht nach der Art.

Eine besser ausgeleuchtete und gestackte Aufnahme mit dem DME liefere ich nach.
Uups, das war wieder lang! Danke fürs Lesen, ich hoffe, es hat Spaß gemacht. Wie immer freue ich mich über Anregungen und Kritik.
Herzliche Grüße
Jörg