Autor Thema: Moosstämmchen mit PEG geschnitten *  (Gelesen 4180 mal)

Rolf-Dieter Müller

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Moosstämmchen mit PEG geschnitten *
« am: November 18, 2011, 22:59:13 Nachmittag »
Liebe Forumsmitglieder,

Moosstämmchen lassen sich recht einfach eingebettet in PEG schneiden.

Ich habe hierfür aus meinem Moos-Herbar ein getrocknetes Stämmchen mit Rasierklinge freigeschnitten, in einem Ende eines  Holundermarkstücks eine Stufe eingeschnitten und auf diese PEG 1500 einschmelzen lassen. Das Einschmelzen geht recht gut mit einer über Spiritusflamme (Teelicht geht auch) erhitzten Messerspitze. Darauf erfolgte noch etwas PEG im Überschuss in dem ich dann das trockene Stämmchenstück eingeschmolzen habe. Die Ausrichtung erfolgt in Längsrichtung mit dem Holundermarkstück, damit wir dann Querschnitte schneiden können.

Eine gute und nachvollziehbare Anleitung dieser Präparation ist von Ralf Wagner hier beschreiben worden: http://www.blam-hp.eu/allgbryo.html . Der Artikel steht ganz unten am Seitenende.

Das so zugerichtete und mit Mossstämmchen vorbereitete Holundmarkstück konnte nun in einem Handzylindermikrotom eingespannt werden, geschnitten habe ich mit dem SHK-Einmalklingenhalter. Die mit PEG ummantelten Schnitte dann einfach in Leitungswasser überführen und die darin freigelösten Schnitte vielleicht in einer folgenden Stufe Leitungswasser säubern. Ein Schnitt wird in einem kleinen Wassertropfen gelegt, der sich auf einem Objektträger befindet, darauf vorsichtig ein Deckglas absenken lassen und es kann gleich mikroskopiert werden.

Für die ganzen Arbeitsschritte reicht eigentlich nur eine 10x-Lupe und ein feiner Rothmarderhaarpinsel (Größe 00 oder kleiner). Nur wenn man bei diesem Verfahren mitgeschnittene Moosblättchen untersuchen möchte ist zur Auswahl ein Stereomikroskop angenehmer.

PEG 1500 kann problemlos über Apotheken bezogen werden, es wird in der Pharmazie als Wirkstoffträger (Macrogol) verwendet. Bitte aber unbedingt auf den Zusatz „1500“ achten, die Zahl beschreibt die Molekülmasse und diese ist für solche Schnitte besonders gut geeignet.

Nachfolgend je eine Hellfeld- und Fluoreszenzaufnahme des von mir geschnittenen Moosstämmchens. Es ist so klein, das es gerade mit dem 40x Mikroskopobjektiv, dann aber formatfüllend abgebildet wird.

Das Moosstämchen ist von Hypnum cupressiforme, ein Allerweltsmoos, das den meisten von uns eher als Zypressen-Schlafmoos bekannt ist.

Eine komplette Übersicht des leider verkannten, weil kosmopolitisch vorkommenden Mooses mit Standortbildern, Blatt und diesem Stämmchen-Querschnitt ist auf der MKB-Webseite zu sehen: http://www.mikroskopie-bonn.de/themengalerie/moose/index.html



Im Übrigen können auf Holundermark und in PEG eingebettete Moosstämmchen auch sehr gut mit einer Rasierklinge geschnitten werden, ganz ohne Mikrotom, nur von Hand. Einfach mal versuchen und Bilder einstellen. Wenn die Schnitte schön dünn werden und das werden sie auch, lohnen sich Aufnahmen mit schiefer Beleuchtung. Wie das eigentlich mit (fast) jedem Mikroskop gelingen sollte, hat Bernd (Nomarski) hier beschrieben: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10763.0

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter Müller
« Letzte Änderung: Dezember 19, 2013, 09:41:10 Vormittag von Florian Stellmacher »

A. Büschlen

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Re: Moosstämchen mit PEG geschnitten
« Antwort #1 am: November 19, 2011, 06:36:53 Vormittag »
Hallo Rolf-Dieter,

sehr schöne Darstellung, im besonderen auch das Tableau auf der MKB Seite!
Deine Anleitung ist gut verständlich.

Gruss Arnold

Rawfoto

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Re: Moosstämchen mit PEG geschnitten
« Antwort #2 am: November 19, 2011, 08:02:37 Vormittag »
Guten Morgen Rolf-Dieter

Danke fuer den Link und die Beschreibung, super Anleitung ...

:-)

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Hans-Jürgen Koch

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Re: Moosstämmchen mit PEG geschnitten
« Antwort #3 am: November 19, 2011, 14:38:31 Nachmittag »
Hallo Rolf-Dieter,

Deine PEG-Schnitte vom Moosstämmchen sind spitze.

Gruß

Hans-Jürgen
Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2650.0" target="_blank">Hier geht es zur Vorstellung[/url]

Gerne per "Du"

Rolf-Dieter Müller

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Re: Moosstämmchen mit PEG geschnitten
« Antwort #4 am: November 20, 2011, 00:50:52 Vormittag »
@Arnold, vielen Dank für Deine Zustimmung. Solche Tableaus beeindruckten mich schon vor Jahren, als ich diese auf der Seite von Norbert Stapper (http://www.stapper.monheim.de/imgstap.html) gesehen habe. Für die Zusammenstellung nutze ich Photoshop Elements, das geht damit recht einfach (mit anderen Programmen sicher auch).

@Gerhard, auch Dir vielen Dank für Dein Lob. Das beschriebene "Trocken-Einbettungsverfahren" geht recht schnell. Von der Entnahme aus der Sammeltüte über Einschmelzen und bis zum Schneiden benötigt man wirklich nur wenige Minuten. Aber Vorsicht, das geht nur bei Moosen und Flechten, die dann nach dem Lösen des PEG's in Wasser ihr (fast) natürliches Aussehen wieder erhalten. Bei krautigem Pflanzenmaterial sollte das PEG immer schonend infiltriert werden. Stücke in 20% PEG-Lösung eindicken lassen, nach 24 Stunden in geschmolzenem PEG überführen, 3x wechseln, ausblocken und dann kann sogar mit quer gestelltem Messer geschnitten werden.

@Hans-Jürgen, Dir ebenso mein Dank. Der Schnitt dürfte etwas kleiner als 30 µm dick sein. Ich achte nicht auf die Skaleneinteilung beim Vortrieb, sondern eher wie die Schnitte auf der Klinge zum Liegen kommen. Obwohl ich andere Möglichkeiten habe, nahm ich hierfür bewusst Einmalklingenhalter und Handzylindermikrotom. Es geht aber noch deutlich dünner, wie ich einer privaten Mitteilung von Ralf Wagner entnehmen konnte. Es wurden 15 µm beispielhaft für Flechtenschnitte genannt, dieses aber mit mit messergeführten Mikrotomen. Also auch für Dich sicher auch kein Problem.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter
« Letzte Änderung: November 20, 2011, 00:56:23 Vormittag von Rolf-Dieter Müller »