Autor Thema: Geldscheine, Iriodin-Streifen  (Gelesen 3395 mal)

Udo Hammermeister

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Geldscheine, Iriodin-Streifen
« am: Oktober 21, 2016, 14:34:27 Nachmittag »
Gestern haben wir in Bonn einen hervorragenden Vortrag von Dr. Horst Wörmann gehört über die Sicherheitsmerkmale von Geldscheinen http://www.mikroskopie-bonn.de/berichte_von_treffen_und_aktionen/doernberg_iv/index.html#a6844. Hier komme ich jetzt darauf zurück. Unter anderen sehr vielen verschiedenen Detailes, ging es auch über den sogenannten Iriodin-Streifen auf der Rückseite der Euro-Scheine, einen im Schräglicht schwach glimmernden Streifen mit Wertangabe, z.B 20€. Dieser Streifen fluoresziert auch unter UV-Licht rot-orange. Ich meine, dass es nicht die gleichen Pigmente sind, die glimmern und die, die fluoreszieren. Möglicherweise wurde das auch im Vortrag gesagt, aber es war nicht so deutlich. Dies habe ich selber noch einmal versucht, zu reproduzieren, hier einige Aufnahmen.

Bild 1: linke Hälfte die glimmernden Partikel im schrägen Auflicht (Schreibtischlampe), rechte Hälfte die Aussparung für das Euro-Zeichen (ohne Glimmer-Effekt).
Bild 2: ein Auschnitt davon.
   

Bild 3: der gleiche Ausschnitt im Durchlicht, schwach zu erkennen die später floureszierenden Pigmente.
Bild 4: Aufnahme im Fluoreszenzlicht, Anregung 365 nm.
   

Bild 5: Überlagerung von Glimmer- und Fluoreszenz, künstliche Fehlfarben, um die leuchtenden Stellen besser hervorzuheben. Man sieht deutlich, dass es nicht die gleichen Stellen sind.


Grüße
Udo

peter-h

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Re: Geldscheine, Iriodin-Streifen
« Antwort #1 am: Oktober 21, 2016, 17:13:17 Nachmittag »
Hallo Udo,

ich habe für einen Vortrag auch einen "neuen" 20 € Schein unter das Mikroskop gelegt.


dann mit Auflicht UV @365nm bestrahlt und das vis. Spektrum ab 410nm aufgenommen damit auch die Farbe blau noch erkennbar ist.


So sehen die bunten Streifchen bei mir aus.
Grüße
Peter


Klaus Herrmann

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Re: Geldscheine, Iriodin-Streifen
« Antwort #2 am: Oktober 22, 2016, 00:01:23 Vormittag »
Hallo,

bei mir sieht er so aus: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=24820.0

Man muss schon durch den ganzen Beitrag scrollen, ist etwas verteilt.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Horst Wörmann

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Re: Geldscheine, Iriodin-Streifen
« Antwort #3 am: Oktober 23, 2016, 14:14:51 Nachmittag »
Hallo Udo,
schön, daß Dir der Abend gefallen hat! Sobald ich mein Gerümpel vom Freitag wieder zusammengebaut habe, werde ich das mal spektroskopisch prüfen, auch die am Abend gezeigten Bilder des Iriodinstreifens hier einstellen und das "Glimmern" erklären.
Peter und Klaus sind da auf der falschen Spur, hat mit der Fluoreszenz der Melierfasern (das ist der rot/grün/blaue Streifen in der Mitte) nichts zu tun.
Bitte noch Geduld, das ist nämlich etwas umfänglich.
Viele Grüße
Horst

Klaus Herrmann

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Re: Geldscheine, Iriodin-Streifen
« Antwort #4 am: Oktober 24, 2016, 00:17:35 Vormittag »
Hallo Udo,

Rotfluoreszenz kann ich in den Iriodinstreifen nicht entdecken, sondern Gelbfluoreszenz und du hast Recht: Die Iriodinflakes fluoreszieren nicht - hätte mich auch gewundert. Aber da sind noch rundliche Pigmente, die recht lebhaft im UV mit gelber Farbe leuchten. Die unregelmäßig flachen Iriodine sind schattenhaft zu sehen. 20er Auflicht-Objektiv

Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Horst Wörmann

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Re: Geldscheine, Iriodin-Streifen
« Antwort #5 am: Oktober 25, 2016, 18:54:26 Nachmittag »
Liebe Kollegen,

hier die versprochenen Ergänzungen.

Auf der Rückseite (das ist die Seite mit den Brücken-Motiven) z.B. einer 10- Euro-Banknote ist etwa 35 mm neben dem linken Rand ein 10 mm breiter „Iriodinstreifen“ aufgebracht. Der Streifen glänzt beim Kippen der Banknoten gegen eine Lichtquelle von hellgelb bis goldgelb und weist als Aussparungen das Euro-Symbol und die jeweilige Wertzahl auf. Der Streifen wird bereits in der Papierfabrik per Siebdruck aufgebracht.
Bild 1 zeigt den Iriodinstreifen im Auflicht. Man erkennt flache Partikel, im Pol oder DIK bunt erscheinend.


Bild 1: Iriodin-Partikel im Perlglanzstreifen

Diese Partikel bestehen aus mit Titandioxid beschichteten Glimmerplättchen, die parallel zur Papieroberfläche übereinander geschichtet sind. Beschichtung und Lagerung bewirken infolge von Interferenzeffekten und Brechung einen perlmuttartigen, silbrigen Glanz. Derartige "Perlglanzpigmente" sind sehr weit verbreitet, sie werden von Merck unter der Bezeichung "Iriodin" vertrieben und werden beispielsweise in Kosmetika (Bild 2, ein "Eye Shadow"mit überraschend ähnlichen Partikeln), Automobillacken und Druckfarben eingesetzt.


Bild 2: Lidschatten “Eye Shadow Colourize Powder Shadow "Lily of the Valley", The Boots Co., UK”


Bei genauem Hinsehen entdeckt man im Iriodinstreifen die auch von Udo und Klaus beobachteten kleinen Partikel mit abweichender  Kristallform (Bild 3). In der Auflichtfluoreszenz mit 365-nm-Anregung fluoreszieren diese Partikel rötlich-gelb (Bild 4).  Diese Partikel wurden erst mit der neuen Euro-Serie eingebracht, bei der alten fluoresziert nichts.
Das Emissionsspektrum zeigt bei Anregung mit 365 nm eine sehr breite Bande mit einem flachen Maximum zwischen 576 und 626 nm (Bild 5)


Bild 3: Iriodinstreifen im Durchlicht, die Glimmerpartikel erscheinen hier bläulich. Eingelagert rundliche Körner.


Bild 4 Überlagerung Durchlicht und 365-nm-Auflichtfluoreszenz.


Bild 5: Emissionsspektrum bei 365-nm-Anregung, Zeiss Filtersatz 02

Jetzt kann man wunderbar streiten, welche Farbe das ergibt. So ein eindeutiges, kräftiges Rot wie bei den Omron-Ringen der ersten Euro-Serie ist es sicher nicht - dort haben wir eine scharfe Emissionsbande des Europiums bei 611 nm – aber auch kein Gelb. Will mich aber nicht festlegen, ich als Mann kann eh‘ nur 256 Farben.
Unter der UV-Banknotenprüflampe erscheint der Streifen rot, nicht gelb (Bild 6).



Ich hoffe, das hat etwas zur Klärung beigetragen,
viele Grüße aus Bonn
Horst

Heiko

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Re: Geldscheine, Iriodin-Streifen
« Antwort #6 am: Oktober 26, 2016, 22:12:02 Nachmittag »
Hallo Horst,

diese Iriodin-Partikel erinnern tatsächlich an das ebenfalls von Merck vertriebene Effektpigment Timiron Silk Blue, hier im pol-Durchlicht:



Gruß, Heiko

Horst Wörmann

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Re: Geldscheine, Iriodin-Streifen
« Antwort #7 am: Oktober 27, 2016, 10:32:27 Vormittag »
Hallo Heiko,
das sieht gut aus. Ich nehme an, der blau-grün-farblose Farbwechsel ist abhängig von der Partikellage? Also je schräger, desto blauer?
Die Partikelgrößenverteilung sieht sehr einheitlich aus, hast Du die Möglichkeit zur Messung? Schließlich sind Deckkraft und Glanzeffekt stark von der Partikelgröße abhängig, und zwar gegenläufig.
Viele Grüße
Horst

Heiko

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Re: Geldscheine, Iriodin-Streifen
« Antwort #8 am: Oktober 27, 2016, 21:27:53 Nachmittag »
Hallo Horst,

hier finden sich einige Angaben: https://www.ulprospector.com/en/na/PersonalCare/Detail/613/29849/Timiron-Silk-Blue

Viele Grüße,
Heiko

Horst Wörmann

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Re: Geldscheine, Iriodin-Streifen
« Antwort #9 am: Oktober 29, 2016, 10:39:28 Vormittag »
Hallo Heiko,
vielen Dank, kannte ich noch nicht. Informationen aber nur gegen Anmeldung.
Mal sehen, ob es funktioniert - jedenfalls habe ich da schon einige andere
interessante Pigmente gefunden.
Viele Grüße
Horst