Autor Thema: Vorstellung: Mikroskop P. Waechter, Wetzlar  (Gelesen 7106 mal)

Haus@Hund

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Vorstellung: Mikroskop P. Waechter, Wetzlar
« am: März 24, 2012, 18:10:54 Nachmittag »
Hallo zusammen,

nachdem ich hier vor einigen Tagen die Frage nach P. Waechter, Wetzlar, gestellt hatte und von Florian freundlich dahin geschubst wurde, es doch auch mal ausführlicher vorzustellen, hier jetzt der entsprechende Beitrag.

Ersteigert hatte ich mir und meiner Familie (insbesondere unserem Nachwuchsforscher  ;)) das Mikroskop auf Ebay, allerdings von einem Verkäufer, der nichts weiter über das Gerät wusste. Nachdem ein kurzer Check via google den Namen Zanger ins Spiel brachte, rief ich Herrn Zanger (Enkel des Gründers von Karl Zanger & Söhne, Weilmünster - ca. 15 km von Wetzlar entfernt) an, der mir gleich bestätigen konnte, dass seine Firma etwa Anfang der 70er-Jahre diese Mikroskope für die Marke P. Waechter gebaut hatte:





Als ich am letzten Freitag aus verschiedenen Gründen zu Zanger musste, mit denen wir auf verschiedenen Ebenen zusammen arbeiten, erzählte mir Herr Zanger, dass die Marke, über die im Online-Mikroskop-Museum schon einiges zu finden ist, damals einem der beiden Pridat-Brüder aus Rodheim-Bieber gehörte, etwas seitlich des halben Weges zwischen Wetzlar und Gießen. Der andere Bruder, Christian, hatte übrigens die Firma Steindorff in Berlin gekauft. Heute gibt es in Biebertal immer noch eine Firma Pridat, die sich jetzt allerdings auf die Fertigung von reiner Optik spezialisiert hat. Hier ein Hinweis auf die Herkunft des Mikroskops:



Das Stativ, das keine weitere Typenbezeichnung hat, verfügt zur Beleuchtung über einen Hohl- und Planspiegel sowie über eine 10 W-Leuchte mit Tageslichtfilter. Sie wird über einen Bolzen am Fuß befestigt und kann damit noch um eine horizontale Achse geschwenkt, womit auch so etwas wie  schiefe Beleuchtung realisiert werden kann. Der Kondensor, der über einen Triebknopf höhenverstellbar ist, hat keine weitere Zentriermöglichkeiten, so dass die Nachrüstung mit Phasenkontrast wohl nicht so trivial wird. Herr Zanger hatte mir bei meinem Besuch noch eine Dunkelfeld-Einlegeblende geschenkt, das funktioniert allerdings ganz gut.

Der Kreuztisch (übrigens der gleiche wie auf dem an anderer Stelle vorgestellten Will RK4) trägt das Märzhäuser-Logo und muss noch in seinen x-Führungen nachgestellt werden. Ansonsten läuft er sauber - ist aber fest auf das Stativ geschraubt! Grob- und Feintrieb wirken getrennt voneinander auf das gesamte Stativ-Oberteil, so dass wie in alten Zeiten der Tubus zur Fokussierung verstellt wird. Der Grobtrieb hat auch noch eine Arretierung:



Im Anlieferungszustand waren in den Vierfach-Revolver drei Objektive geschraubt: 10/0,25 (schwarzer Ring!), 40/0,65 (gelber Ring!), 100/1,25 Oel (roter Ring!). Herr Zanger hatte mir bei meinem Besuch noch ein 4/0,1 (grüner Ring!) verkauft und hat - nur mal als Geheimtipp - noch einige 37 mm-Objektive auf Lager. Nachfragen lohnt sich, die auf seiner Internet-Seite zu findende Liste ist allerdings nicht mehr aktuell, wie er mir sagte. Hier der noch sauber rastende Revolver in Nahaufnahme:



Auf dem Stativ sitzt ein Schiebe-Binokulartubus mit Verstellung des Augenabstandes über einen Triebknopf zwischen den Okularstutzen. Das sieht auf den ersten Blick ganz nett aus - wenn er nur nicht manchmal der Nase im Weg wäre   :D :



Zwei Okularpaare, 12x und 8x, waren dabei, jeweils recht einfache Huygens-Okulare, die jedoch ihren Zweck erfüllen. Weiteres Zubehör sind eine kleine Pol-Einrichtung mit einem Polarisator für den Filterhalter des Kondensors und mit einem Analysator zum Aufstecken auf eines der Okulare, ein Objektmikrometer, jeweils ein Päckchen Objektträger und Deckgläschen und natürlich die originale Holzkiste.

Das Mikroskop ist zeittypisch recht zierlich und in einem Zustand, den man fast als fast neuwertig mit üblichen Gebrauchsspuren bezeichnen könnte. Lediglich am Fuß gibt es einige deutliche Kratzer und links oberhalb des Grobtriebes gibt es Spuren, die wohl von Säure stammen. Auch das Chrom an den Kappen der Objektive, insbesondere am 40:1 und am 100:1, ist nicht mehr ganz frisch. Die Optik allerdings schon: Erste Versuche mit dem Blumenwasser meiner Holden, mit denen die Familie schon mal Ausflüge in den Mikro-Zoo zuhause antreten konnte, sind erstaunlich erfolgreich verlaufen. Wenn ich es schaffe, liefere ich auch mal ein paar Bildergebnisse nach.

Zuletzt stelle ich nochmal die Frage, ob jemand hier noch mehr Informationen über das Mikroskop hat. Was mir Herr Zanger berichten konnte, war nicht so schrecklich viel, aber es scheint, als ob hier mit den Marken Waechter, Steindorff und Pridat doch eine spannende Geschichte verbunden ist, die es wahrscheinlich aufzuarbeiten lohnt.

Viele Grüße,

Jörg




Frank D.

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Re: Vorstellung: Mikroskop P. Waechter, Wetzlar
« Antwort #1 am: März 24, 2012, 19:49:37 Nachmittag »
Hallo Jörg,

auch ich hatte vor einigen Jahren das Glück, ein Zanger Mikroskop ersteigern zu können und war (bin) von der stabilen Ausführung und der präzisen Mechanik wirklich begeistert. Man sieht dem Mikroskop die 5,1kg nun wirklich nicht an und beim ersten Kontakt -ich bin nun schon einige Gewichtsklassen gewohnt- ging mir ein "HOLLA" durch den Kopf.  :D (Zum Vergleich: Mein ähnlich bestücktes Zeiss Junior bringt gerade mal 3,9kg auf die Waage)

Ein Anruf bei Zanger ergab für die Seriennummer 226306 ein Verkaufsdatum vom 17.11.1969.
Neben einer Ansteckleuchte, deren 6V/20W BA15D Leuchtmittel durch ein festellbares Kugelgelenk und eine Schiebehülse justiert werden kann, ist an meinem Mikroskop eine Phasenkontrasteinrichtung montiert.
Der Kondensor besitzt einen Filterhalter, eine Aperturblende sowie die Blendenstellungen N (freier Durchlass), 10, 20/40 und 100. Auch die Zentrierung der Ringblenden, die durch zwei weit herausragende, von Hülsen unterstützte, Stellschrauben ermöglicht wird, ist sehr präzise.
Die Kondensorapertur konnte mir Herr Zanger nicht nennen, aber sie sollte, wie auch beim zugehörigen PH 100/1,30 Objektiv, 1,3 und bei abgeschraubter Frontlinse 0,9? betragen.

Im Gegensatz zu Deiner tief liegenden Tischverstellung, ist auf meinem Tisch nur ein Präparateführer aufgesetzt. Aber auch der läuft "wie warme Butter".
Die 170mm Tubus- und die 37mm Abgleichlänge waren dann auch die letzte Info, die ich erfahren konnte.

Obwohl ich kein Mikroskopsammler bin, ist mir dieses Mikroskop, auf Grund seiner optischen und besonders seiner mechanischen Eigenschaften, -wie sagt man- ans Herz gewachsen.

Und .... es verfügt sogar über eine "Anticrashschraube" im Mikroskopfuß.

Danke für Deinen Beitrag
Frank

« Letzte Änderung: Dezember 17, 2016, 12:55:17 Nachmittag von Frank D. »

Eckhard F. H.

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Re: Vorstellung: Mikroskop P. Waechter, Wetzlar
« Antwort #2 am: März 24, 2012, 20:30:07 Nachmittag »
Zitat
Mein ähnlich bestücktes Zeiss Junior bringt gerade mal 3,9kg auf die Waage

Hallo zusammen,
Was bringen schwere Ausführungen so auf die Waage? Meins ist derzeit bei 19kg angelangt und nimmt immer noch zu.  :-\
Gruß - EFH

Frank D.

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Re: Vorstellung: Mikroskop P. Waechter, Wetzlar
« Antwort #3 am: März 24, 2012, 21:39:15 Nachmittag »
........ Meins ist derzeit bei 19kg angelangt und nimmt immer noch zu.  :-\ .....

Aber wir haben doch Fastenzeit Eckhard!

Ich wollte damit nicht sagen, dass das Zanger Mikroskop besonders schwer sei, sondern dass man dessen Gewicht im Verhältnis zur Größe falsch einschätzt.
Habe keine Ahnung was mein Phomi wiegt, aber bei diesem Volumen ahnt man den Bandscheibenvorfall.

Gruß
Frank
« Letzte Änderung: März 24, 2012, 21:41:26 Nachmittag von Frank D. »