Autor Thema: Zygnema - Autofluoreszenz  (Gelesen 9236 mal)

peter-h

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #15 am: April 30, 2012, 14:32:51 Nachmittag »
Noch ein Tipp,

will man kein sichtgares Licht von der Nichia mit 365nm abstrahlen lassen, so hilft ein Bandfilter von Baader "U-Filter" sehr gut. Zentralwellenlänge liegt bei 350nm.
http://www.sonnen-filter.de/Filter-1/Ba-U-lin.gif

Für den Mikroskopiker wird es aber nun etwas gefährlicher, denn man sieht und bemerkt die starke Strahlung nicht mehr. Also nur mit gesichertem Augenschutz hantieren ! Und selbstverständlich ist jede direkte Beobachtung zu vermeiden.

Gruß
Peter

P.S.
Auch optische Zusatzbauteile im Strahlengang (Optovar) sind bei diesen Wellenlängen sehr hinderlich. Aus eigener Fehlersuche : Das Optovar in Stellung 1x läßt gerade mal 25% Strahlung durch und vermindert den Kontrast erheblich. Der Linsensalat mit Kittschichten ist nicht UV förderlich.



Nomarski

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #16 am: April 30, 2012, 15:23:37 Nachmittag »
Zitat
P.S.
Auch optische Zusatzbauteile im Strahlengang (Optovar) sind bei diesen Wellenlängen sehr hinderlich. Aus eigener Fehlersuche : Das Optovar in Stellung 1x läßt gerade mal 25% Strahlung durch und vermindert den Kontrast erheblich. Der Linsensalat mit Kittschichten ist nicht UV förderlich.


Das ist ja hochinteressant! Soweit ich informiert bin, enthält z.B. der der Fluoreszenz-Auflichtkondensor IV-FL auch ein solches Telanlinsensystem wie das Optovar und dürfte demnach auch nicht für UV geeignet sein. Oder sind diese etwa UV-durchlässig?

Viele Grüße
Bernd

Ralf

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #17 am: April 30, 2012, 17:20:32 Nachmittag »
Hallo Ralf,

mal auf die Ursprungsfrage zurück, und auch auf die Gefahr hin mich zu blamieren, Zygnema hat doch
zwei sternförmige Chloroplasten, wenn ich mich nicht irre? Sollte dieses „dazwischen” denn dann überhaupt
chlorophyllig fluoreszieren?

Die Farbe könnte ja auch ein Artefakt des Weißabgleiches sein?

Viele Grüße

 Timm


Lieber Timm,

ich glaube du liegst mit deiner Vermutung genau richtig. Ich habe eben noch mal eine Hellfeldaufnahme gemacht. In der Tat ist in der Mitte kaum Chlorophyll vorhanden. Danke für deinen Hinweis!





Ralf

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #18 am: April 30, 2012, 17:23:24 Nachmittag »
Hallo Bernd,

Zitat
LP397 als Sperrfilter geeigneter und wird auch meist verwendet. Sowas hast du bestimmt auch noch
Aber natürlich! Werde ich Ralf zum Test schicken.

# Ralf: leider habe ich keinen λ -Schieber übrig! Aber den von Bernd vorgeschlagenen Sperrfilter verpacke ich gleich!

Lieber Klaus, liebe Filterexperten,

ich werde jetzt mal den Filter von Klaus testen und dann hier (in einem neuen Beitrag) darüber berichten.



peter-h

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #19 am: Mai 01, 2012, 10:29:06 Vormittag »
Hallo Bernd,

richtig, dass auch der Fluoreszenzknochen IV-FL ein Telansystem enthält. Aber die Strahlung durchläuft das Kondensorsystem, den Anregungsfilter, den Strahlenteiler und nun nur einmal eine Telanlinse!

Im Optovar sind es die untere und obere Telanlinse und noch auf dem Drehteller ein Optiksystem. Also im Minimum 6 Linsen zu 3 Glieder mit 3 Kittschichten. Da bleibt eben was hängen.

Jetzt könnte man noch untersuchen, ob die untere Telanlinse vom Optovar und dem IV-FL aus identischen Gläser gefertigt sind. Wer prüft das mal schnell ?  ;D

Schönen 1.Mai
Peter

reblaus

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #20 am: Mai 01, 2012, 11:43:38 Vormittag »
Hallo Peter -

mit der UV-Durchlässigkeit der (Zeiss)gläser ist das so eine Sache.
Bezogen auf die Nichia LED scheint mir die untere Telanlinse des Knochens nicht viel zu sperren (Gefühlsstatistik, sollte aber auch nicht sein).

Einerseits ist es Allgemeingut, dass die Planapochromaten wenig UV 365 durchlassen - andererseits ist hier das Planapo 40/0,95 (trocken) besser als ein Neofluar 40. Natürlich ist der subjektive Eindruck auf die höhere Apertur zurückzuführen, allerdings sind die anderen Planapos tatsächlich fast alle UV-blind!

Viele Grüße

Rolf

Nomarski

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #21 am: Mai 01, 2012, 11:51:10 Vormittag »
Hallo Peter,

Zitat
mit der UV-Durchlässigkeit der (Zeiss)gläser ist das so eine Sache.
Bezogen auf die Nichia LED scheint mir die untere Telanlinse des Knochens nicht viel zu sperren (Gefühlsstatistik, sollte aber auch nicht sein).

Aber haben wir es bei Ralfs Aufbau nicht mit der Durchlichtfluoreszenz zu tun? Die UV-Strahlung gelangt also in dem gezeigten Fall von der LED direkt in den Kondensor und so in das Präparat. Weiter braucht und soll sie auch nicht.
So kann die UV-Strahlung also noch getrost vom Objektiv und den folgenden Linsensystemen abgeblockt werden, was dann auch spätestens der LP397 macht, der sich schon vom Klaus auf dem Postweg befindet.

Viele Grüße
Bernd

Ralf

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #22 am: Mai 01, 2012, 19:35:30 Nachmittag »

So kann die UV-Strahlung also noch getrost vom Objektiv und den folgenden Linsensystemen abgeblockt werden, was dann auch spätestens der LP397 macht, der sich schon vom Klaus auf dem Postweg befindet.



Hallo Bernd,

ich frage vorsichtshalber noch einmal nach: Kann ich mit dem LP397 wirklich bei meinem Aufbau mit den Augen durchs Okular schauen ohne Schädigungen befürchten zu müssen?


Nomarski

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #23 am: Mai 01, 2012, 20:04:48 Nachmittag »
Hallo Ralf,

wenn der LP397 als Kantenfilter tatsächlich alle kürzeren Wellenlängen sperrt, dürfte dieses Risiko auf jeden Fall herabgesetzt sein. Denn wenn man keinen Kantenfilter verwendet, kann auch nicht die Anregungswellenlänge gesperrt werden, sei sie im nicht sichtbaren Bereich bei 365nm als auch im sichbaren Bereicht, z.B. bei 455nm oder gar 546nm. Schließlich kann man die Fluoreszenz auch nur als solche erkennen, wenn die Anregungswellenlänge vor dem Lichtaustritt, also vor dem Okular gesperrt wird.
Die Sperrfunktion hängt aber auch noch von der Intensität der Strahlungsquelle ab, deswegen kann ich hier keine Unbedenklichkeitsbescheinigung abgeben, was dein Aufbau betrifft.
Wenn also mit einer Wellenlänge von 365nm angeregt wird und der Kantenfilter diese Wellenlänge auch sprerren kann, sollte normalerweise zunächst der Bildhintergrund schwarz sein. Dein erstes Foto zeigt aber etwas anderes. Es sind dann nur Objekte sichtbar, die aufgrund der Bestrahlung durch die Anregungswellenlänge, in dem Fall 365nm, in einer längeren Wellenlänge gem. der Stokes'schen Regel Licht abstrahlen können. Und diese Wellenlängen müssen im Durchlassbereich des Kantenfilters liegen.


Das ist zwar keine Zygnema, aber mit etwa 365nm angeregt und durch ein LP410er Kantenfilter aufgenommen.

Viele Grüße
Bernd
« Letzte Änderung: Mai 01, 2012, 21:07:58 Nachmittag von Nomarski »

peter-h

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #24 am: Mai 01, 2012, 23:07:22 Nachmittag »
Hallo Ralf,

ich gebe zu bedenken, dass die Nichia nicht nur bei 365nm emittiert, sondern bis über 400nm noch abstrahlt. Ein Sperrfilter um 400nm wird vor dem Maximum schützen, aber der Untergrund wird vermutlich nicht schwarz sein.
Eine Verbesserung bringt das U-Filter aus der Astronomie ; leider teuer.
Da die Farbfilter der Bayermaske sehr unterschiedlich sind, ist eine allgemeine Aussage nicht möglich. Die Kamera kann also im Gegensatz zum Auge einen ganz anderen Farbeindruck bekommen.

Wenn die Nichia eingeschaltet ist sehe ich niemals durch das Okular und schirme auch jede Streustrahlung gut ab.

Gruß
Peter

TPL

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Re: Zygnema - Autofluoreszenz
« Antwort #25 am: Mai 01, 2012, 23:20:56 Nachmittag »
Hallo Bernd, Peter, Ralf-

ein LP397 oder irgendein anderes Langpass-Fiter um 400 nm schneidet weder alle Wellenlängen kürzer als den Nennwert sicher ab, noch läst es alle Wellenlängen länger als den Nennwert mit gleicher Intensität durch. Die Transmissionskurve (!) hat selbst bei recht "scharfen" Interferenzfiltern typischerweise einen Anstieg im kurzwelligeren Bereich des Nennwerts und auch eine Annäherung der maximalen Transmission, der Einiges längerwellig ist als der Nennwert des Filters.

Das bedeutet für die Sicherheit der Augen, dass vor den Okularen noch ein weiteres Filter liegen sollte, dass ganz sicher Wellenlängen unter 400 nm vollständig blockiert, oder aber solch Eines schon vor dem Strahlenteiler eingeschaltet ist und dann auch im Wege der Bildgebung liegt. Alles Andere halte ich für bedenklich.

Herzliche Grüße,
Thomas