Autor Thema: Erfahrungsbericht: 5 MP Mikroskop-Okular- und c-mount-Kamera für 179 EUR  (Gelesen 58512 mal)

Peter V.

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Hallo,

Bezug nehmend auf dieses Posting habe ich einmal diese für 179 EUR angebotene Mikroskopkamera mit auf einem c-mount-Gewinde aufgeschraubtem Okular getestet.

Die Kamera trägt die Modellbezeichnung UCMOS5100KPA.

Die Kamera ist aus Metall gefertigt, mattschwarz lackiert (oder eloxiert, das kann ich nicht sicher beurteilen), relativ schwer und macht einen „wertigen“ Eindruck.
Üblicher Lieferumfang mit einem ausreichend langen (2 m)  USB-Kabel und Software CD.
Kurios ist der beigelegte Adapter von 23,2 mm auf 30,5(!) mm! Ich habe ja nun doch einige Mikroskope und Stemis, aber keines davon hat einen Okulardurchmesser von 30,5 mm. So kann diese Kamera jedenfalls zunächst nur an Mikroskopen oder Tuben mit 23,2mm verwendet werden!
 
Die Installation der Treiber und der Software verlief unter XP problemlos und schnell.

Bei der Software „Toup View“ handelt sich wohl um eine Fortentwicklung der bekannten ScopePhoto-Software, die den Kameras der „DCM“-Serie beilag. Sie ist praktisch identisch.

Im Gegensatz zu den früheren DCM-Kamera, ihren Treibern und der Software finden sich hier nun wirklich deutliche Fortschritte, die die Bedienung erheblich komfortabler machen. Es gibt zahlreiche Einstellmöglichkeiten, die auch tatsächlich funktionieren und einen merklichen Effekt haben.
Insgesamt lässt sie sich an einem mittelalten Durchschnitts-PC-System (meines ist ca 3 Jahre alt, Intel Dual Core-Prozessor, Mittelklasse- Grafikkarte) sehr gut und flüssig bedienen.

Vorweg: Was die Menüs betrifft bzw. die Benennung der Regler, bedarf es keiner Worte. Krude unverständliche Übersetzungen, wie immer! Aber nicht anders kennt man es selbst von „Markenkameras“ für über 1000 EUR. Aber man bekommt ziemlich schnell heraus, dass eine Taste namens „Anklicken“ (die ist ernsthaft so beschriftet!) den Weißabgleich vornimmt.

Im zoombaren LiveStream-Vorschaufenster kann man einen frei positionierbaren Ausschnitt beliebiger Größe festlegen, in welchem alle relevanten Messungen für die Belichtungsautomatik und den Weißabgleich vorgenommen werden. Die Belichtungsautomatik funktioniert gut.  Insbesondere der „One-Klick-Weißabgleich“ funktioniert absolut tadellos (besser  als ich es auch von teureren Systemen gewohnt bin!). Bislang habe ich bei keiner Mikroskopkamera eine so ordentlich funktionierende Weißabgleichfunktion gesehen. Das Meßfeld in einen leeren Bildbereich gelegt, Weißabgleich angeklickt und der Hintergrund ist wirklich „reinweiß“!.

Für den Livestream können drei Auflösungen gewählt werden, sodass ein erstaunlich flüssiges Bild mit einer Framerate um 13 – 16/s erreicht wird. Damit hat das unerträgliche Ruckeln ein Ende und auch die Fokussierung ist damit problemlos durchführbar.

Mit zahlreichen Helligkeits-, Kontrast- und Sättigungsreglern kann das Bild effektiv optimiert werden.

Insgesamt bietet die Kamera deutlich mehr und bessere Einstellmöglichkieten als die alten DCMs.

Und nun das Wichtigste: Die Kamera erzeugt, man mag es kaum glauben, keinen (ja, ihr habt richtig gelesen: keinen!) Hot Spot!!!
Ich hoffe, dass ich nicht einen besonderen Glücksgriff getätigt habe, sondern dass es bei allen Kameras dieser Serie so ist. Alle Okularkameras, die ich bislang gesehen haben, erzeugen einen mehr oder wenigen intensiven, meist aber deutlich störenden Hot Spot.
Insofern wäre das die erste Okularkamera, mit der ich mich auch für bestimmte Einsatzbereiche „anfreunden“ könnte.

Die üblichen bekannten Nachteile aller Okularkameras ist natürlich (und zwangsläufig) auch hier vorhanden, nämlich eine deutliche CVD zum Rand hin bei Endlichsystemen. Ob das tatsächlich relevant die Bildqualität beeinflusst, hängt von den eigenen Qualitätsansprüchen ab und natürlich auch von Objekt. Bei Pflanzenschnitten / Histologie fällt das eher nicht ins Gewicht.

Mein persönliches Gesamturteil: Brauchbar und durchaus nicht schlechter als manche "suboptimale" Adaption einer deutlich teureren c-mount-Kamera.
Ich möchte die Kamera nun wirklich nicht „in den Himmel loben“, denn generell haben all diese Kameras Schwächen. Wenngleich ich nach wie vor andere Lösungen vorziehe, kann diese Kamera für den einen oder anderen Mikroskopiker durchaus sinnvoll sein, wenn die Ansprüche nicht zu hoch sind.  Für den Preis ist die Leistung wirklich o.k.! Denn ich kenne  "Marken"-Okularkameras und auch c-mount-Kameras, die bei mehr als dreifachem Preis keine nennenswert besseren Ergebnisse liefern. Im Zweifelsfalle: Bei Interesse bestellen und testen, ggf. 14-tägiges Rückgaberecht nutzen.

Hier einige Software-Fenster:









Hier ein paar Beispielbilder (nicht nachbearbeitet, also auch keine Nachschärfung etc.). Leitz Dialux 20 EB, Leitz Pl Apos und NPL-Fluotare.

















Strichplatte





Darstellung der CVD am Bildrand



Erwartungsgemäß gibt es auch einige (im normalen Bild nicht störende) Hotpixel:



Herzliche Grüße
Peter


« Letzte Änderung: Juni 01, 2012, 23:22:02 Nachmittag von Peter V. »
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Lothar Gutjahr

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Re: Erfahrungsbericht einer 5 MP Mikroskopkamera für 179 EUR
« Antwort #1 am: Mai 06, 2012, 23:47:06 Nachmittag »
Lieber Peter,

dafür herzlichen Dank, daß du dir die Mühe gemacht hast. Das sieht ja besser aus als erwartet. Ich werde Heike den Link zu diesem neuen thread schicken.

Gruß Lothar

smashIt

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #2 am: Mai 07, 2012, 00:34:19 Vormittag »
Kurios ist der beigelegte Adapter von 23,2 mm auf 30,5(!) mm! Ich habe ja nun doch einige Mikroskope und Stemis, aber keines davon hat einen Okulardurchmesser von 30,5 mm.

30,5 stinkt nach teleskop
dort is meines wissens nach 1,25" gebräuchlich
MfG,
Chris

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koestlfr

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #3 am: Mai 07, 2012, 07:01:50 Vormittag »
Guten Morgen!

Der Adapter hat bei meiner Mikroskopkamera (Bresser) 30mm und passt somit in den Leitztubus mit dem gleichen Innendurchmesser. Der Adapter hat auch einen O-Ring, wodurch die Kamera dann sehr fest sitzt.

Kommt für den Preis recht gut!

Liebe Grüße

Franz
Liebe Grüße
Franz

Peter V.

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #4 am: Mai 07, 2012, 08:14:54 Vormittag »
Hallo,

ich werde heute noch an einem anderen Mikroskop einen Vergleich gegen eine Moticam 2300 mit originalem Leica c-mount-Adapter an einem DMLB fahren. Wobei das immer schwierig ist, da das Ergebnis ja sehr von den Einstellungen in der Kamerasoftware abhängig ist.

Hezrliche Grüße
Peter
« Letzte Änderung: Mai 07, 2012, 15:14:29 Nachmittag von Peter V. »
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rheinweib

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #5 am: Mai 07, 2012, 15:06:16 Nachmittag »
Na, das sieht doch garnicht so übel aus, Danke für die Mühe und den Bericht.
Ob die auch zum stacken geeignet ist? Ich werd sie mir wohl zulegen, mal sehen, was bei raus kommt.

lieber Gruss
Heike

Peter V.

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #6 am: Mai 07, 2012, 15:14:45 Nachmittag »
Hallo,

hier einmal der Vergleich am Leica DMLB mit HC(X) Pl APOs zwischen der Okularkamera (OKU)  und einer "fachgerecht" adaptierten 3 MP Moticam 2300 (MOTIC) mit dem originalen 0,63 Leica c-mount-Adapter.
Ein solcher Vergleich ist sehr schwer, weil es kaum möglich ist, exakt gleiche Einstellungen zu finden. Beide Systeme sind allein schon sehr unterschiedlich in der Lichtempfindlichkeit, sodass die Aufnahmen bei völlig unterschiedlicher Beleuchtungsstärke aufgenommen wurden. Zudem gibt es in der Software sehr viele Einstellmöglichkeiten des Kontrastes, der Farbsättigung etc. (Die Faktoren muss man wohl bei der Bewertung außen vorlassen, denn die Einstellungen sind subjektiv)  Wobei die Farben generell bei der Moticam "nicht so knackig kommen".
Hier am Monitor-Livebild sieht man aber schon, dass die Moticam-Adaption bessere Ergebnisse liefert, insbeondere, was die "Auflösung" / Feinzeichnung und die Dynamik bzw. Differenzierung feiner Farbunterschiede betrifft. Auch ist das Rauschen deutlich geringer, wobei der Vergleich in diesem Punkt unfair ist, denn die Moticam 2500, also die 5-MP-Kamera von Motic, rauscht ebenfalls deutlich mehr als die 2300er.

Bedenken muss man natürlich, dass die 3-MP-Moticam 2300 (die auch besser ist als die 5MP Moticam 2500) allein um 900 EUR kostet und der Adapter sicher auch noch einmal um 500 EUR heurm kosten wird, also zwischen den beiden Adaptionen ein Faktor von gut 7 bis 8 liegt!!!

Ich denke, für den Preis ist die Okularkamera o.k., wenn man sich der Grenzen deren Leistungsfägigkeit bewußt ist.

MOTIC:



OKU:



MOTIC:


OKU:



MOTIC:


OKU:





MOTIC:


OKU:


Herzliche Grüße
Peter
« Letzte Änderung: Mai 08, 2012, 08:09:51 Vormittag von Peter V. »
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Lothar Gutjahr

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #7 am: Mai 07, 2012, 17:51:21 Nachmittag »
Lieber Peter,

nochmals danke für deine Arbeit mit diesen Cams. Was mich nun interessieren würde ist die Frage, kann man mit der gleichen  Auflösung Videos, >> meinetwegen auch Bildfolgen mit weniger als 25 Hz genannt<<  aufnehmen ?

Das was ich "Videostacking" nenne, führt bei meiner NEX zu der reduzierten Auflösung von 1920 x 1080 Pixel, auch als HDMI bezeichnet. Wenn nun diese Art Okularkamera ihr Einzelbild auch relativ schnell hintereinander weg liefert und auch noch speichern kann, wäre die schon mal etwas im Vorteil.

Film ab und die Vorrichtung legt in der Zeit ihren Weg zurück. Anfang und Ende abschneiden, Stacker füttern.  Das müßte normalerweise in den technischen Daten zu finden sein.

Danke fürs Nachschauen

Gruß Lothar

ManK

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #8 am: Mai 07, 2012, 19:05:07 Nachmittag »
Lieber Peter,
danke für den Bericht.
Für alle Interssierten hier Links zur Cam (und anderen) und Software:
http://www.touptek.com/product/product.php?lang=en&class2=48
http://www.touptek.com/download/
viel Spass
Manfred

Lothar Gutjahr

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #9 am: Mai 07, 2012, 20:11:44 Nachmittag »
Lieber Manfred,

sei bedankt für das Ausgraben der Firma. Immerhin weiß man jetzt, daß 5 Frames per second bei der maximalen Auflösung machbar sind.

Das ergäbe immer noch eine vergleichsweise kurze Zeit, wenn man 20 Sekunden für 100 Aufnahmen anpeilt.

Schönen Abend allerseits

Lothar

Peter V.

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #10 am: Mai 08, 2012, 15:17:27 Nachmittag »
Hallo,

gerade fiel mir dieser schöne Schnitt von Jörg Weiß in die Hände. Ich habe ihn mal mit dieser Okularkamera fotografiert. Alle Einstellungen in der Kamerasoftware, keinerlei Nachbearbeitung außer einem Stitching aus 4 Einzelbildern, die mit einem Leica HC Pl Apo 10 aufgeommen wurden. Das Ganze übrigens in recht kurzer Zeit, ein paar Regler verschoben und schon sahen alle Farben im Kamera-Vorschaubild wirklich so brillant aus wie im Okular. Da habe ich mich mit anderen Okular- und c-mount-Kameras schon mehr abgemüht ( da diese oft seltsam "flaue" Farben liefern). Wenn das so weitergeht, behalte ich sie noch... ;)



Hier noch mit "geputztem" und im Farbton etwas verändertem Hintergrund....



...und noch ein wenig scharfgezeichnet:



Ist doch brauchbar - oder?

Herzliche Grüße
Peter


« Letzte Änderung: Mai 08, 2012, 16:36:59 Nachmittag von Peter V. »
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beamish

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #11 am: Mai 08, 2012, 19:59:04 Nachmittag »
Hallo Peter,

da könnt ich ja schon wieder ein T-Shirt draus machen... ;-)

Aber im Ernst, beeindruckend wie offenbar problemlos diese Kamera arbeitet.


Grüße

Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

ManK

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #12 am: Mai 09, 2012, 17:38:59 Nachmittag »
Hallo Peter,
eins würde mich noch interessieren:
wie "groß" (%) ist denn das fotographierte Bild im Vergleich zum Blick durch das (10er/12.5er) Okular?
viele Grüße
Manfred

Peter V.

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #13 am: Mai 09, 2012, 20:31:24 Nachmittag »
Hallo Manfred,

hier die gerade ausgemessenen Felder bei einem 10x/18-Okular. Das ist aber bei allen "Mikroskopkameras", die ich bisher hatte, so.



Herzliche Grüße
Peter
Bzgl. Netiquette: Heinrich Lübke, Bundespräsident 1959 - 1969: You can say you to me!
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ManK

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Re: Erfahrungsbericht über eine 5 MP Mikroskop-Okularkamera für 179 EUR
« Antwort #14 am: Mai 09, 2012, 23:25:00 Nachmittag »
Hallo Peter,
vielen Dank fürs ausmessen.
Da ist natürlich noch etwas "Luft" drin, speziell wenn man die Kamera z.B an einem SteMi einsetzen will und dort das Blickfeld von 10x23 Okularen gewöhnt ist.
Ist die Optik an der Kamera irgendwie bezeichnet?
schönen Abend
Manfred