Autor Thema: Botanik: Ein ganz besonderes Kraut - Sedum rupestre *  (Gelesen 19312 mal)

Fahrenheit

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Re: Botanik: Ein ganz besonderes Kraut - Sedum rupestre
« Antwort #15 am: Juni 22, 2012, 21:59:21 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

so, nun gibt es die Aufnahmen von den gefärbten Schnitten des sterilen Sprosses. Das Protokoll ist exakt das gleiche wie beim fertilen Spross.

Zunächst einmal ist zu sagen: Detlef hat recht gehabt: zwischen Phloem und Xylem ist nur das Cambium sicher zu erkennen, die Zelllagen lassen sich nicht einmal als Fasern ansprechen. Es gibt also außer dem Kollenchym zwischen Phloem und Rindenparenchym und direkt unter der Epidermis keinerlei Festigungsgewebe. Zumindest, soweit ich mich nicht wieder verguckt habe.
Das Bild 14b habe ich also entsprechend korrigiert.

Hier nun die Aufnahmen vom gefärbten Schnitt:

Bild 16: Übersicht, Vergrößerung 50x, Stapel aus 10 Bildern

Schon hier ist zu erkennen: es gibt außer einigen "gefüllten" Epidermiszellen kein Rot im Schnitt - somit sind keine wirklich ligninhaltigen Zellen vorhanden.

Bild 17 a/b: Die Leitgewebe, Bild 17b mit Beschriftung (Aufnahme analog zu Bild 14a/b); Vergrößerung 200x, Stapel aus 10 Bildern


Beschriftung von Innen nach Außen (Links nach Rechts):
MP:   Markparenchym
Am:   Amyloplasten
Xl:    Xylem
T:    Trachee
Ca:   Cambium
Pl:    Phloem
Kol?: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber wohl ein Kollenchym
RP:   Rindenparenchym
Trotz des gleichen Protokolls wie beim fertilen Spross fällt die Färbung hier doch recht seltsam aus - der Spross ist ein echter "Weichling".  :D

Bild 18: Nochmal die Leitgewebe im Detail, Vergrößerung 400x, Stapel aus 8 Bildern

Hier sind zwischen Xylem und Phloem deutlich Zellen in Teilung zu sehen, was auf das Cambium hinweist. Allerdings scheint die Linie etwas unterhalb der Bildmitte durch eine Trachee unterbrochen zu sein.

Bild 19a/b: Die Epidermis des sterilen Sprosses, Bild 19b mit Beschriftung; Vergrößerung 200x, Stapel aus 8 Bildern


Beschriftung von Innen nach Außen (Unten nach Oben):
RP:  Rindenparenchym
Am: Amyloplasten
Kol: Kollenchym
Ep:  Epidermis
Eine Cuticula ist hier nicht zu erkennen.

Anregung und Kritik sind wie immer willkommen!

Lieber Hans-Jürgen,

bitte melde Dich, wenn Du keine blühende Felsen-Fetthenne für die Längstschnitte findest, ich sende Dir gerne Material in AFE.

Allen herzliche Grüße!
Jörg  

Edit 05.12.2013: Bilder wieder hergestellt
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2013, 21:20:01 Nachmittag von Fahrenheit »
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Ein ganz besonderes Kraut - Sedum rupestre
« Antwort #16 am: Juni 23, 2012, 08:33:12 Vormittag »
Lieber Jörg,

das Foto von der Übersicht ist schon klasse.

Jörg, Du hast mein Problem erkannt. Ich finde in der Tat keine Felsen-Fetthenne. Was in unseren Gärtnereien angeboten wird, hat mit dieser Pflanze nichts zu tun. Schicke mir bitte eine Probe.

Gruß
Hans-Jürgen
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Fahrenheit

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Re: Botanik: Ein ganz besonderes Kraut - Sedum rupestre
« Antwort #17 am: Juni 23, 2012, 11:51:14 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,

herzlichen Dank!  :)

kein Thema, ich schicke Dir Stücke vom fixierten fertilen Spross. Wie lang magst Du sie denn haben?
Und bitte sei so nett und schicke mir noch mal Deine Adresse per PN.

Herzliche Grüße
Jörg
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Ein ganz besonderes Kraut - Sedum rupestre
« Antwort #18 am: Juni 27, 2012, 19:09:04 Nachmittag »
Lieber Jörg,

danke für die Probe. Die Pflanze ist ein "Weichling". Ich habe versucht Längsschnitte vom Spross der Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre) zu erstellen.

- Schnitte mit dem Reichert - Jung Schlittenmikrotom, 35 µm -
- W-3A-Färbung nach Wacker -

Das Material ist im Zentrum weich und schwierig zu bearbeiten.
Bei den Schnitten des fertilen Sprosses sind schön die Ansätze  der Tragblätter zu erkennen.

Bild A ungefärbter Schnitt, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Bild B ungefärbter Schnitt, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Bild C Dunkelfeld, ungefärbter Schnitt, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Bild D Ansatz eines Tragblattes, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Bild E  Vergrößerung, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Bild F Ansatz eines Tragblattes, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Bild G  Vergrößerung, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Bild H starke Vergrößerung, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Bild I starke Vergrößerung, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Bild J starke Vergrößerung, Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)


Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
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Re: Botanik: Ein ganz besonderes Kraut - Sedum rupestre
« Antwort #19 am: Juni 28, 2012, 07:54:10 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,

vielen Dank, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, die Längstschnitte von diesem nicht so ganz einfachen Material zu machen und hier einzustellen! Deine Unterstützung finde ich wirklich klasse!

Ich finde, dass Deine Bilder B (Markparenchym rechts), F (Markparenchym links), H und I (Markparenchym jeweils wieder links) zeigen, dass es sich bei den verholzten Zellen zwischen dem Xylem und dem Phloem um Stützzellen ohne Leitfunktion handelt. Die besonders in Bild B erkennbaren Tüpfel erscheinen mir dazu auch zu klein und "nur" dem normalen Austausch zwischen den Zellen geschuldet.
Allerdings bin ich als Laie auf die Expertise unserer Botaniker gespannt.

Herzliche Grüße
Jörg 

p.s.
Die Beschreibung in Klammern soll nur zur Lagebezeichung dienen, das Parenchym selbst ist in der Regel nicht zu sehen.
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Ein ganz besonderes Kraut - Sedum rupestre
« Antwort #20 am: Juni 28, 2012, 13:43:20 Nachmittag »
Lieber Jörg,

gern geschehen. So eine Gemeinschaftsarbeit ist immer interessant. Es hat mir Spaß gemacht.

Gruß

Hans-Jürgen
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