Hauptmenü

Standard...mit D! Bitte!!!

Begonnen von Peter V., Februar 12, 2009, 17:17:53 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Robert Götz



Außer von der Verunsicherung durch die völlig überflüssige und unsinnige Rechtschreibereform kommen die zunehmenden Fehler wohl überwiegend durch die Vermischung mit amerikanischer Schreibweise zustande. In einem deutschsprachigen Computerhandbuch der Firma Siemens las ich das Wort "authorisieren"!
Aber die Sprache verkommt überhaupt immer mehr. Außer dem leidigen "scheinbar" und "anscheinend" werden auch dasselbe und das Gleiche ver-
wechselt und immer wieder liest man: Der Tote wurde überführt (statt übergeführt).



Ernst Hippe

Hallo Herr Götz,

laut Duden ist sowohl "überführt" als auch "übergeführt" zulässig. Ich kenne die erste Form seit 70 Jahren!
Gruß Ernst Hippe
Vorstellung:Hier klicken

Robert Götz


Das stimmt nicht!
Das Wort "überführt" gibt es natürlich auch, aber es hat eine andere Bedeutung.
Ein Verbrecher wird einer Tat überführt, ein Toter wird in seine Heimat übergeführt.


Paul Keller

Danke, Herr Chmela. Mein Beitrag bezieht sich auf das Wort 'Adaptation', das in unserem Forum so oft um eine Silbe gekürzt auftaucht.
Gruss,
Paul

Vorstellung: Hier klicken

Ernst Hippe

Hallo Herr Götz,

bitte im Duden oder Wikipedia selbst nachlesen!!
Gruß Ernst Hippe
Vorstellung:Hier klicken

Dieter Friedrich

#20
Zu dem Thema fällt mir nur ein, was mir ein befreundeter Germanist gesagt hat:

"Sprache wird nicht vom Duden oder irgendwelchen möchtegern Rechtschreibexperten definiert sondern lebt".

Anders ausgedrückt heißt das: Wenn morgen alle Welt auf die Idee kommt Standard mit "t" zu schreiben, dann IST es richtig. Punkt!

Der Duden ist doch ausserdem selbst ein inkompetenter Haufen, die widersprechen sich in der neusten Auflage ständig. Gab da mal so eine lustige Internetseite. Z. B. empfiehlt der Duden "per Du sein", aber unter dem Stichwort "Du" benutzen die selbst "perdu sein"...

BTW: Wer gibt eigentlich einem Verlag das Recht aller Welt vorzuschreiben wie sie zu schreiben hat? Ist das irgendwo gesetzlich geregelt?

Robert Götz


Hallo Herr Hippe,

hier steht was dazu: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,349852,00.html
Sieht also so aus, als hätten Sie recht.
Nun ja, die deutsche Sprache ist eine lebendige Sprache, d.h. sie verändert sich im Lauf der Zeit, ob es uns gefällt oder nicht.
Der Duden ist mir allerdings zu großzügig.

Schönen Abend noch.



Peter V.

#22
Hallo!

ZitatAnders ausgedrückt heißt das: Wenn morgen alle Welt auf die Idee kommt Standard mit "t" zu schreiben, dann IST es richtig. Punkt!

So ist es! Aber selbst dann wird aus dem "Zeiss Standard" kein "Zeiss Standart", denn es ist ein Eigenname bzw. Markenname. Und der bleibt feststehend, auch, wenn die mehrheit Standart schreibt.

Zu Adaption / Adapatation:

Meines Wissen hieß es ursprüglich einmal richtig "Adaptation". Ich selbst habe mir aber auch erst, seit ich dieses Forum kenne, angewöhnt, mich der hier üblichen Schreibweise "Adaption" anzuschließen.
Laut Duden sind beide Schreibweisen richtig.

Das Selbe / das Gleiche...
...konnten aber auch früher schon Viele nicht auseinander halten. Das ist - glaube ich - nicht erst ein Phänomen der neuerdings verkommenden Sprache.

Zum Thema "Bedeutung der Rechtschreibung": Leute, die sich für den Erhalt einer gewissen Sprachkultur einsetzen, gelten heutzutage ja oft als kleinkarierte Spinner, und "Legasthenie" ist oftmals eine gute Ausrede für ein unzureichendes Bemühen, sich die Schriftsprache vernünftig anzueignen. Womit ich wirklich nicht Jene meine, die tatsächlich unter einer echten Lese-/Rechtschreibschäche leiden.
Ich möchte die Orthographie wahrlich auch nicht überbewerten, allerdings verstehe ich nicht, wieso man insgesamt in den letzten Jahren einen so laxen Umgang damit pflegt. Es käme doch auch niemand auf die Idee, ähnlich lax mit der Mathematik umzugehen. 9 x 10 = ?  Ach, Irgendwas so um die Hundert rum, mein Gott, so genau muß man das doch nicht wissen, oder?  :)

Hätte ich geahnt, daß das solche Kreise zieht...

Herzliche Grüße
Peter







Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Gunther Chmela

Zitat von: Dieter Friedrich in Februar 13, 2009, 21:02:59 NACHMITTAGS
Zu dem Thema fällt mir nur ein, was mir ein befreundeter Germanist gesagt hat:

"Sprache wird nicht vom Duden oder irgendwelchen möchtegern Rechtschreibexperten definiert sondern lebt".

Anders ausgedrückt heißt das: Wenn morgen alle Welt auf die Idee kommt Standard mit "t" zu schreiben, dann IST es richtig. Punkt!

Der Duden ist doch ausserdem selbst ein inkompetenter Haufen, die widersprechen sich in der neusten Auflage ständig. Gab da mal so eine lustige Internetseite. Z. B. empfiehlt der Duden "per Du sein", aber unter dem Stichwort "Du" benutzen die selbst "perdu sein"...

BTW: Wer gibt eigentlich einem Verlag das Recht aller Welt vorzuschreiben wie sie zu schreiben hat? Ist das irgendwo gesetzlich geregelt?

Lieber Herr Friedrich,

jetzt aber einmal ganz langsam! Was Sie über den Duden, bzw. die Duden-Kommission schreiben, das ist im Wesentlichen richtig. Ich habe da so meinen eigen (schlechten) Erfahrungen, was das süddeutsche Hochdeutsch betrifft. Was Sie über die Fortentwicklung einer Sprache schreiben, das ist im Wesentlichen auch richtig.

Aber: Es kann auf keinen Fall der positiven Fortentwicklung einer Sprache dienlich sein, wenn aus Unkenntnis, Affektiertheit, Borniertheit usw. Mode-"Trends" gedankenlos übernommen werden (z.B. der Deutschen Vorliebe für alles, was "von weit her" ist - z.Z. also Englisch). Es kann ebenfalls nicht der normalen Weiterentwicklung dienen, wenn neuerdings nicht Schriftsteller oder Dichter bestimmen, was richtiges Deutsch sei, sondern z.B. Werbeleute, bei denen man sich oft fragen muss, ob sie wirklich die deutsche Sprache beherrschen. Oder Rundfunk-, Zeitungs- und Fernsehleute, die, so scheint es oft, auch nie gelernt haben, was richtiges Deutsch ist.

Sprachentwicklung sollte sich nicht daraus ergeben, dass Regeln, die in anderen Sprachen gelten, nachgeäfft werden.

Aber das ist nur meine Meinung .... und wahrscheinlich in den Wind gesprochen. Aber, wie ich an den vielen Reaktionen hier ablesen kann, es scheint doch eine erfreuliche Zahl von Forumsteilnehmern zu geben, die ähnlich empfinden wie ich.

Ich grüße Sie!
Gunther Chmela

Klaus Herrmann

Hallo Kämpfer für "saubere" Sprache.

Wir sind hier nicht alleine. Im Le Naturaliste gibt es den 72 jährigen Jean, der unermüdlich einfordert etwas sorgfältiger mit der schönen französischen Sprache umzugehen.

Hier ein Beispiel, wo er mal in einem kurzen Beitrag 15 Fehler ankreidet:

http://www.lenaturaliste.net/forum/viewtopic.php?f=50&t=2900&p=12391#p12391

ZitatJe suis allé faire un tour sur le site de Christian et sur un forum j'ai vu un éleveur qui disait qu'il donnait de la salade en hiver car il était assez difficile de trouver des feuillages en hiver!!!! donc je pensais que c'était bon pour elle! car je lui ai mis des ronces mais elle n'y a pas touché!!! j'ai vu aussi que l'on pouvait leur donner de l'eucalyptus est ce vrai? car je suis fleuriste donc ça je peux en avoir facilement!!! en tout cas je remercie toutes les personnes qui me répondent!!!


Il y a dans ce message , au bas mot,15 fautes...en quelques lignes, ça fait beaucoup!

Im Original korrigiert er alle Fehler in rot und bittet einfach um mehr Sorgfalt.

Ich finde es gut, dass jetzt hier im Forum die Funktion Rechtschreibprüfung eingeführt wurde, da hat jeder die Chance wenigstens die Flüchtigkeitsfehler zu eliminieren.

Jonathan ist für mich ein sehr positives Beispiel, am Anfang waren seine Texte so, dass ich schon dachte, er will uns auf den Arm nehmen. Aber jetzt kommen von ihm gepflegte Beiträge, die gut formuliert sind und kaum Schreibfehler haben!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Peter V.

Hallo Klaus,

man kann es aber auch übertreiben!

Auch, wenn ich der "Initiator" dieses threads war, wäre ein Oberlehrer a la Jean das Allerletzte, was ich mir hier wünschen würde. So etwas ist für meine Begriffe eine Anmaßung!

Herzliche Grüße
Peter

PS: Leider bin ich nicht des Französischen mächtig und musste Dein Zitat erst über den Google Translator laufen lassen, um zu verstehen, worum es ging; vielleicht könntest Du für uns Frankreich-Banausen solche Zitate übersetzen!? Danke.
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Ernst Hippe

Hallo Klaus,

die Rechtschreibeprüfung ist eine humoristische Fundgrube für heftigste Alternativen von Eigennamen, die man eingegeben hat!!!
Gruß Ernst Hippe
Vorstellung:Hier klicken

Robert Götz


Wie schon gesagt, eine lebendige Sprache verändert sich.
Nur leider erfolgt die Veränderung offensichtlich dadurch, dass es immer mehr Leute gibt, die die Sprache nicht richtig können,
vor allem Journalisten (und auch Germanisten!) und die falsche Audrucksweise der Mehrheit übernommen wird.
Dass ein Toter überführt statt übergeführt wird wäre früher einfach falsch gewesen.
Akzeptiert werden auch immer mehr solche gräßlichen Ausdrücke wie "in keinster Weise" (kein kann man nicht steigern!).
Und möglicherweise (ich traue mich nicht, nachzuschauen) steht auch schon "unkaputtbar" im Duden.


Peter V.

#28
"Ach, liebes Forum, laß, das ist ein zu weites Feld"
( abgewandelt nach: Theodor Fontane, aus: Effi Briest )

Es ist eben schwierig den goldenen Mittelweg zu finden: Zwischen einer lebendigen, dynamischen und nicht "toten" Sprache ( die sich somit zwangsläufig ändern, anpassen muss ), die aber andererseits gewissen Regeln folgen, Ihre Eigenheiten behalten und nicht völlig verwässern soll.

Ob ein obrigkeitliches Wachen über die Sprache wie in Frankreich sinnvoll ist, mag auch dahingestellt sein.

Lasst es uns dabei belassen......

Herzliche Grüße
Peter

PS: Eine Anekdote am Rande: In der Ära der gemeinsamen Entwicklungsarbeit von Großbritannien und Frankreich an der Concorde haben sich die beiden ersten Flugkapitäne der Air France und von British Aiways beharrlich geweigert, auch nur ein Wort in der Sprache des Anderen zu sprechen!
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Klaus Herrmann

Hallo Peter,

ZitatAuch, wenn ich der "Initiator" dieses threads war, wäre ein Oberlehrer a la Jean das Allerletzte, was ich mir hier wünschen würde. So etwas ist für meine Begriffe eine Anmaßung!


Also dazu muss ich sagen: der Jean genießt dort hohes Ansehen er ist Coadmi und die Admis, aber auch andere Mitglieder finden gut was er macht.
Und hier habe ich gelesen, dass es Teilnehmer gibt, die direkt Brechreiz bekommen, wenn sie bestimmte Fehler entdecken.

Also ist das was der Jean dort macht gar nicht so anmaßend, sondern erwünscht.

Sein Zitat war ein 4-Zeiler mit 15 Fehlern.

Und wenn man das Standard auf seiner Standarte führt, dann engagiert man sich doch für ordentliche Orthographie und klare Ausdrucksweise?

Das mit dem Übersetzen wäre mir dann doch zu mühsam, da gibt es hier Berufenere (Halb)-Franzosen, die das aus der lamäng machen ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken