Autor Thema: HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen  (Gelesen 17473 mal)

Ronald Schulte

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HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen
« am: Juli 15, 2012, 12:04:01 Nachmittag »
Heute mal was Pathologisches.

Theorie aus: C. Thomas, Histopathologie, 14. Auflage, Seiten 85 und 86

Die Tuberkulose ist die wichtigste spezifische Entzündung der Lunge. Sie wird durch 'Mycobacterium tuberculosis' hervorgerufen.
Der erste Kontakt mit den Erreger erfolgt meist aerogen (durch Einatmung) und findet in der Lunge statt.

Beim Nachweis eines epitheloïd-riesenzellhaltigen Granuloms mit Zentraler Nekrose ist die histologische Verdachtsdiagnose einer Tuberkulose zu stellen. Diese Diagnose muss aber letztlich mikrobiologisch (Nachweis des Erregers im Sputumausstrich und Kultur) gesichert werden, da auch andere Erkrankungen (z.B. Lungenmykosen) ähnliche feingewebliche Veränderungen zeigen.

Wichtige Histologische Merkmalen sind: Grosszelliges intraalveoläres Exsudat mit aktivierten und transformierten Alveolarmakrophagen, käsigen Nekrosen, Epitheloïdzellen, mehrkernige Riesenzellen und reichlich Lymphozyten.

Bild 1: Die Nekrosestellen sind hier schon gut zu erkennen (Bild kommt von: Weblog about pathology and laboratory medicine, http://pathtalk.org/archives/22).





Bild 2: Mycobacterium tuberculosis.





Bild 3: Mycobacterium tuberculosis in eine Ziehl-Neelsen Färbung (Bild kommt von: Weblog about pathology and laboratory medicine, http://pathtalk.org/archives/22).





Bild 4: Gross-schnitt, stitch von 72 Bilder, Objektiv Leitz plan Fluotar 4x, HE Färbung.
Pfeilen = Nekrose stellen
* = Alveolaren mit Exsudat





Bild 5: Gross-schnitt, stitch von 404 Bilder, Objektiv Leitz plan Fluotar 10x, HE Färbung.
Ich habe das Präparat mit Zoomify eingestellt. Bitte HIER klicken.





Bild 6: Objektiv Leitz plan Fluotar 16x, HE Färbung.
Schwarze Pfeilen = Alveläres Exsudat
Schwarze Pfeilpunkten = Epitheloïde Zellen
Gelbe Pfeilpunkten = Lymphozyten
Rote Ellipsen = Riesenzellen
* = käsige Nekrose





Bild 7: Objektiv Leitz plan Fluotar 16x, HE Färbung.
In die Mitte, Alveoläres Exsudat





Bild 8: Objektiv Leitz plan Fluotar 16x, HE Färbung.
Alveoläres Exsudat





Bild 9: Objektiv Leitz plan Fluotar 25x, HE Färbung.
Schwarze Pfeilen = Epitheloïde Zellen
Schwarze Pfeilpunkten = Lymphozyten
* = Riesenzelle





Bild 10: Objektiv Leitz plan Fluotar 25x, HE Färbung.
Alveläres Exsudat





Bild 11: Objektiv Leitz plan Fluotar 25x, HE Färbung.
Links ein mehrkernige Riesenzelle von Typ Langhans (Hufeisenförmige Anordnung der Kerne).
Rechts käsige Nekrose



Viel Spaß beim anschauen, grüße aus Holland, Ronald
« Letzte Änderung: Juli 15, 2012, 16:38:25 Nachmittag von Ronald Schulte »
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Peter Herkenrath

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Re: HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen
« Antwort #1 am: Juli 16, 2012, 11:41:41 Vormittag »
Hallo Ronald,

die Lungentuberkulose sieht ja zum Fürchten aus (im allerersten Bild), wenn es schon zu diesen gelben "käsigen" Nekrosen gekommen ist, hat der Betroffene wohl keine Chance mehr. Die Schnitte zeigen nirgendwo gesundes Lungengewebe, sondern nur die käsige Nekrose und das in Bild 1 angrenzende hellrote teilzerstörte Gewebe, sehe ich das richtig? Der Stitch aus 404 Bildern  muss ja riesig sein, wenn man ihn ausdrucken wollte.

Lieben Gruß
Peter


Ronald Schulte

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Re: HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen
« Antwort #2 am: Juli 16, 2012, 13:55:55 Nachmittag »
Peter,

Stimmt, die Lunge sieht nicht mehr gesund aus.

Das Bild war ungefähr 250 MB groß geworden aber ich habe es beschrankt bis ungefähr 40 MB. Es muss ja schließlich noch am Internet.

Grüße Ronald
« Letzte Änderung: Juli 16, 2012, 13:57:57 Nachmittag von Ronald Schulte »
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purkinje

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Re: HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen
« Antwort #3 am: Juli 16, 2012, 16:17:55 Nachmittag »
Da kann man erahnen warum diese Erkrankung im Mediziner-Jargon auch nur kurz die "Motten" genannt wird  :-X
Beste Grüße
Stefan

Dieter Stoffels

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Re: HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen
« Antwort #4 am: Juli 16, 2012, 18:50:15 Nachmittag »
Hallo Ronald,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Die Erforschung und Behandlung der Tuberkulose, die zur Zeit aus osteuropäischen Bereichen wieder im Vormarsch ist, beschäftigt nach wie vor viele Immunologen. Eine effektive Impfung ist meines Wissens zur Zeit noch nicht möglich. Die Tuberkulose stellt einen immunologischen Sonderfall dar. Die über die Atmung aufgenommenen Bakterien werden von Makrophagen phagozytiert, aber nicht verdaut. Diese fehlende Verdauung ist auf das Ausbleiben einer Verschmelzung infizierter Vesikel mit Lysosomen des Makrophagens zurückzuführen. Bakterien können zudem (nicht vesikelgebunden) in das Zytoplasma des Makrophagen eindringen. Im Makrophagen selbst sind die Bakterien vor einem immunologischen Zugriff geschützt.

In Folge kann es zu einer chronischen Entzündung kommen, bei der die Makrophagen die Fähigkeit verlieren, aktiviert zu werden. Eine Aktivierung erfolgt normalerweise durch inflammatorische CD4-T-Zellen, die durch Abgabe und rezeptorgebundene Präsentation von Cytokinen (vor allem y-Interferon), aber auch durch die gleichzeitige Präsentation spezifischer Oberflächenproteine, den infizierten Makrophagen veranlassen, die Verschmelzung von bakterienbefallenen Vesikeln und Lysosomen einzuleiten. Des Weiteren werden im aktivierten Makrophagen bakterizid wirkender Verbindungen wie Stickoxide, aber auch bakterizid wirkende Enzyme gebildet. Da diese Verbindungen  bei einer extrazellulären Freisetzung auch auf die umgebenden Körperzellen toxisch wirken, muss die Aktivierung der Makrophagen streng zellspezifisch erfolgen. Hiermit ist gemeint, dass nur der Makrophage aktiviert wird, der tatsächlich bakteriell befallen ist.

Im Bereich der von Dir gezeigten nekrotischen Bereiche hat das Immunsystem unter "Granulombildung" bereits kapituliert. Ein Granulom entsteht, wenn Tuberkel-befallene Makrophagen zu einem Kern verschmelzen und sogenannte vielkernige Riesenzellen bilden. An diese Kerne lagern sich große Makrophagen (epitheloide Zellen) an, die häufig von inflammatorischen CD4-T-Zellen umgeben werden. Die Bildung eines Granuloms (Kapselung) soll eine fortgesetzte Infektion des umgebenden Gewebes durch ausgeschwemmte Bakterien verhindern. Durch Sauerstoffmangel und den hohen Anteil lytisch wirkender Verbindungen und Enzyme kommt es in den Granulomen zu einer verkäsenden Nekrose. Bei Unterernährung und immunologischer Supression (AIDS) ist Tuberkulose häufig die letztendliche Todesursache. Eine Erkrankung mit gleichartigem immunologischem Status liegt bei der Lepra vor.

Vielleicht können diese Ausführungen Deinen Beitrag ein wenig ergänzen.

Nochmals vielen Dank!

Dieter
« Letzte Änderung: Juli 16, 2012, 18:53:13 Nachmittag von Dieter S. »

Holger Adelmann

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Re: HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen
« Antwort #5 am: Juli 16, 2012, 22:58:06 Nachmittag »
Ein sehr schöner Beitrag, lieber Ronald,

ich wäre sehr an Kunststoffschnitten der Granulome und Riesenzellen interessiert, die Feinstruktur dieser von Dieter so schön beschriebenen "hilflosen" Entzündung ist sicher interessant.
Planst Du denn, welche zu machen?

Herzliche Grüsse aus Köln
Holger


Ronald Schulte

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Re: HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen
« Antwort #6 am: Juli 17, 2012, 10:40:30 Vormittag »
Holger,

Wäre selbst auch sehr Interessiert und habe darum auch Dreihundert Schnitte geplant nur suche ich noch das Material um in Technovit ein zu betten.

Grüße Ronald
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arturoag75

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Re: HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen
« Antwort #7 am: Juli 17, 2012, 19:09:04 Nachmittag »
Hi Ronald,
 very interesting shots and super quality ;D ;)
arturo

Ronald Schulte

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Re: HISTOLOGIE: Lungentuberkulose, Riesen- und Epitheloïde Zellen
« Antwort #8 am: Juli 19, 2012, 21:27:29 Nachmittag »
Arturo,

Danke.

Grusse Ronald
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