Autor Thema: Botanik: Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus *  (Gelesen 7204 mal)

Fahrenheit

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Botanik: Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus *
« am: Juli 25, 2012, 22:52:09 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

in seinem Thread zur Afrikanischen Schmucklilie hat uns Jochen ja schon seine schönen Schnitte und Färbungen gezeigt. Um die Wirkung der Färberezepte vergleichen zu können, hat mir Jochen einige Stücke vom Blütenstängel dieser schönen Pflanze in AFE geschickt und ich möchte hier nach Abstimmung mit ihm kurz die Ergebnisse zeigen.

Lieber Jochen, nochmals herzlichen Dank für die zugesandte Probe in AFE!

Bild 1: Da Jochen schon Fotos gezeigt hat, hier nur eine Illustration

Die schöne Zeichnung stammt von der National Agricultural Library of the United States Department of Agriculture und ist public domain.

Zunächst einmal sind die Schmucklilien (Agapanthus) als einzige Pflanzengattung der Unterfamilie der Schmuckliliengewächse (Agapanthoideae) in der Familie Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae aus der Ordnung der Spargelartigen - Asparagales) gerade keine Lilien. Die tummeln sich nämlich unter der Ordnung Liliales (der Lilienartigen).  Ein weiterer Trivialname ist Liebesblumen, der kommt als wörtliche Übersetzung des botanischen Gattungsnamens der Wahrheit schon deutlich näher.

Die Heimat der Schmucklilien findet sich ausschließlich in Südafrika: sie sind charakteristische Bestandteile der Kapflora. Als Zierpflanzen für Parks, Gärten und Schnittblumen sind sie praktisch weltweit beliebt und vielerorts anzutreffen. Die Schmucklilien sind allerdings nicht winterhart und werden daher in den gemäßigten Zonen als Kübelpflanzen kultiviert.

Alle Agapanthus-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen, die Rhizome als Überdauerungsorgane bilden. Die grundständigen und mehr oder weniger zweizeilig angeordneten Laubblätter sind einfach, ungestielt und parallelnervig mit glattem Blattrand. Vielleicht daher die Bezeichnung als Schmucklilie.

Der endständige, doldenartige Gesamtblütenstand steht auf einem teilweise hohle, blattlose Blütenstängel, der eine Länge von 50 bis 100 cm erreichen kann. Er enthält viele Hochblätter und auch eine Vielzahl einzelner Blüten. Deren Stiele sind 5 bis 8 cm lang und somit bildet sich die bekannte Kugelform des Blütenstandes. Die zwittrigen Blüten sind dreizählig und radiärsymmetrisch. Sie besitzen je sechs gleichgestaltigen blaue Blütenhüllblätter. Auch violette oder weiße Formen kommen vor. Im Blüteninneren sind zwei Kreise mit je drei untereinander freien, fertilen Staubblättern vorhanden. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen und enthalten 20 bis 50 Samenanlagen je Fruchtknotenkammer. Der Griffel endet in einer kopfigen Narbe. Es sind Septalnektarien vorhanden. Der dort abgesonderte Nektar lockt Insekten an, die die Bestäubung übernehmen.
Später bilden sich dreifächerigen Kapselfrüchte, die 20 bis über 100 schwarze Samen enthalten.

Hier diesmal der komplette Präparationsablauf mit der W3A Färbung nach Robin Wacker:

- Schnitt des fixierten Blütenstängels auf dem Handzylindermikrotom mit Leica Einmalklinge im SHK Halter.
  Schnittdicke ca. 50 µm.

- Spülen mit Ethanol 70% und stufenweises Überführen in Ethanol 50%

- Färbung einiger Schnitte nach Wacker W3A original Rezept
  - Acridinrot 1%
  - Acriflavin 1%
  - Astrablau 2%

- ca. 6 bis 8 Minuten in Acridinrot 1% in Ethanol 50% ohne Erwärmen
- Überführen in Aqua dest.
- ca. 30 Sekunden in Acriflavin 1% in Aqua dest
- Wässern (mehrmaliger Wechsel)
- ca. 1 Minute in Astrablau 2% in Aqua dest.

- Spülen in Aqua dest.
- Überführen in Isopropanol rein (mehrmals schneller Wechsel, dann 3 mal 3 Minuten)
- Eindecken in Euparal

Und jetzt die Präparate:

Bild 2: Übersicht, Vergrößerung 50x, Stapel aus 8 Bildern

Beim Schnitt ist leider das Mark zerrissen. Der Stängel war nicht hohl aber vielleicht sind an der einen oder anderen Stelle bereits Zellen abgestorben.

Bild 3a/b: Etwas näher heran, Bild 3b mit Beschriftung. Vergrößerung 100x, Stapel aus je 5 Bildern


Die Beschriftung von innen (unten links) nach außen (oben rechts):
MP: Markparenchym
LB:  geschlossen kollaterale Leitbündel ohne Cambium in unterschiedlichen Größen und Altersstadien
Skl: Sklerenchym, bildet hier auch eine Leitbündelscheide
La:  Lakunen oder Interzellulargänge im Sklerenchym
RP:  Rindenparenchym
Ep:  Epidermis, hier eine Zelllage dick
Cu:  Cuticula
Der Querschnitt mit den verteilten Leitbündeln ist typisch für eine einkeimblättrige Pflanze (Monokotyledone).

Bild 4a/b: Das Leitbündel schauen wir uns genauer an, Bild 4b mit Beschriftung; Vergrößerung 200x, Stapel aus je 8 Bildern


Die Beschriftung wieder von innen nach außen (links nach rechts):
MP:  Markparenchym
IZ:   Interzellularen, Zellzwischenräume, hier schön dreieckig
Tü:  Bei den Sklerenchymzellen um das Leitbündel und im Sklerenchymring sind die Tüpfelkanäle schön zu erkennen
Xl:   Xylem
T:   Tracheen
Pl:   Phloem
SR:  Siebröhren
GZ:  Geleitzellen
Skl:  Sklerenchym
Ein Cambium ist nicht vorhanden, typisch für ein geschlossen kollaterales Leitbündel.

Bild 5: Noch ein Blick auf die Lakunen, Vergrößerung 200x, Stapel aus 12 Bildern

Hier ist schön zu sehen, dass es sich um Lakunen oder Interzellulargänge innerhalb des Sklerenchyms handelt: es ist keine einzelne Zellwand zu erkennen, die das Lumen umschließt, der Rand wird vielmehr von den Zellwänden vieler verschiedener Zellen gebildet.  

Bild 6: Ein Stoma, Vergrößerung 200x, Stapel aus 10 Bildern

Ein unsauberer Schnitt hat einen Fetzen Epidermis am Rand des Querschnitts hinterlassen, der zufällig ein Stoma enthält. manchmal muss man halt Glück haben ...  :D

Vielen Dank fürs Lesen, Anregung und Kritik sind wie immer willkommen.

Herzliche Grüße
Jörg

Edit 05.12.2013: Bilder wieder hergestellt.
« Letzte Änderung: November 08, 2014, 07:28:03 Vormittag von Fahrenheit »
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hajowemo

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  • Jochen Mooßen
Re: Botanik: Nochmals die Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus
« Antwort #1 am: Juli 25, 2012, 23:13:06 Nachmittag »
Hallo Jörg,

klasse gemacht.
Ich hab noch viel zu lernen.

Liebe Grüße
Jochen
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Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Fahrenheit

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Re: Botanik: Nochmals die Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus
« Antwort #2 am: Juli 26, 2012, 07:11:43 Vormittag »
Lieber Jochen,

vielen Dank für Dein Lob!

Allerdings hast Du in Deinem Thread bereits große Fortschritte gemacht. Schnitt und Färbung Deiner Präparate sind nach Deinen Bildern einwandfrei.

Im Vergleich spielt natürlich auch die HW eine Rolle. Aufnahmen mit den Übersichtsobjektiven sind meist weniger Kontrastreich - da spielt die Physik nicht mit, was man auch bei meinen Bildern merkt. In der Regel putze ich diese wegen der nicht so gleichmäßigen Ausleuchtung, was ich diesmal unterlassen haben, um die tatsächliche Aufnahmequalität zu zeigen (alle Bilder sind nur normalisiert und nach dem Verkleinern auf Forenauflösung etwas nachgeschärft).
Das 20x Objektiv, das ich verwende, ist ein etwas älteres Leica PlanApo und hat doch eine andere Qualität als die sonst von mir verwendeten N-Plane (5x und 10x). Ich finde, der Sprung ist schon sehr auffällig.
Nicht zuletzt sind die Bilder gestackt, ich hätte aufgrund meiner Adaption sonst etwas Probleme mit der Randschärfe - besonders bei den kleinen Vergrößerungen. Das ist allerdings ein zweischneidiges Schwert, da die feinen Details der Aufnahmen durch die Überlagerung mehrerer Bilder etwas leiden. Dies sieht man besonders den Bildern in Originalauflösung an, das Verkleinern mildert den Effekt ein Wenig.

Nach meiner Einschätzung musst Du Dich hauptsächlich mit der Kamera beschäftigen, wenn Du die Qualität Deiner Bilder verbessern möchtest, ich denke, beim Blick durch das Okular ist der Unterschied nicht besonders groß.

Herzliche Grüße
Jörg
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David 15

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Re: Botanik: Nochmals die Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus
« Antwort #3 am: Juli 26, 2012, 12:26:10 Nachmittag »
Lieber Jörg,

Schöne Dokumentation !  :)

Viele Grüße
David
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Nochmals die Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus
« Antwort #4 am: Juli 26, 2012, 14:22:56 Nachmittag »
Lieber Jörg,

ein lehrreicher Beitrag zur Afrikanische Schmucklilie. Danke für die Beschriftung.
Mich verwirrt etwas dein Präparationsablauf.
Was meinst du genau mit: " ca. 6 bis 8 Minuten in Acridinrot 1% in Ethanol 50% ohne Erwärmen" ?

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
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Eckhard

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Re: Botanik: Nochmals die Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus
« Antwort #5 am: Juli 26, 2012, 22:17:45 Nachmittag »
Lieber Jörg,

Du kommst mir zuvor ;) Ich habe Schmucklilie vergeblich gesucht, dann bestellt, aber bisher noch nichts bekommen  :-\ Mal sehen, ob der frische Schnitt mehr zeigt.

Herzliche Grüsse
Eckhard
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Fahrenheit

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Re: Botanik: Nochmals die Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus
« Antwort #6 am: Juli 26, 2012, 23:13:35 Nachmittag »
Liebe Freunde,

auch Euch vielen Dank für Euer Lob!

Lieber Hans-Jürgen,

die einprozentige Stammlösung des Acridinrot wird nicht mit Aqua dest. sondern mit Ethanol 50% angesetzt. Dazu kommt auf 100 ml 1 ml Essigsäure und einige Kriställchen Thymol zum Stabilisieren.
Die anderen Lösungen haben destilliertes Wasser als Basis.
Auch bei der Zusammenstellung der W3Asim Lösungen kommt die ethanolische Lösung des Acridinrots zum Einsatz. Die Farbe zieht damit besser auf. Das ganze geht auf das ursprüngliche Rezept von Robin Wacker zurück, das im Mikrokosmos veröffentlicht wurde:

Eine neue und einfache Methode zur polychromatischen Anfärbung von
Paraffinschnitten pflanzlicher Gewebe für Durchlicht- und Fluoreszenz-
mikroskopie.
Robin Wacker,  Mikrokosmos Heft 4/2006, Seite 210-212

Lieber Eckhard,

sorry, das tut mir Leid, aber da kann man nichts machen - Jochen und ich waren eher an dem Pflänzchen dran. Aber Du wirst uns sicher Deine Interpretation der Wacker Färbung mit den wunderschönen Grüntönen zeigen: ich freue mich auf Deinen Beitrag.
Wenn Deine Stricke reißen, kann ich Dir gerne noch etwas AFE-fixiertes Material zusenden, Jochen hat mir reichlich geschickt.

Allen herzliche Grüße
Jörg
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Nochmals die Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus
« Antwort #7 am: Juli 27, 2012, 08:30:14 Vormittag »
Lieber Jörg,

danke für Deine Erklärung. Den Artikel von Robin Wacker habe ich im Mikrokosmos gefunden.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
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Re: Botanik: Nochmals die Afrikanische Schmucklilie - Agapanthus africanus
« Antwort #8 am: Juli 27, 2012, 17:44:35 Nachmittag »
Lieber Hans.Jürgen,

schön, dass Du Zugriff auf den Original-Artikel hast. Das Rezept, das wir zum "Färben im Uhrglas" verwenden, hat schon die eine oder andere Änderung erfahren.

Ich habe übrigens beides probiert: Acridinrot in Wasser und in Ethanol 50%. Lezteres führt m.E. zu besseren Färbungen, auch wenn der Unterschied nicht frappierend ausfällt.

Herzliche Grüße
Jörg
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