Reinigung von Mikroskoplinsen mit Styropor

Begonnen von Peter V., Juli 29, 2012, 12:16:27 NACHMITTAGS

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reblaus

Hallo Wolfgang -

diese gefährliche Abziehlippe kenne ich auch noch. Das Problem ist, dass ein hartes Körnchen, das irgendwie eingefangen wird, sich an der Wischkante austoben kann. Im nassen Hirschleder hingegen kann es in der Tiefe der Strukturen verschwinden (bei dem berüchtigten Linsenpapier habe ich da meine Zweifel und beim Styropor ....).

Und das scheint mir das Basisprinzip der "sicheren" Wischmöglichkeiten zu sein, ob es sich nun um das legendäre, 100mal gewaschenen Läppchen aus Leinen handelt (wo kriegt man heute schon Leinen?), oder Lothars Maco-Unterhemden, oder die märchenhafte dreimal verdrillte Wundbenzin- oder Weihwasser getränkte Wundwatte am Zedernholzzahnstocher,  oder ein 100mal gewaschenes Mikrofasertuch. Letzteres habe ich seit längeren Zeit zur Zufriedenheit in Benutzung - obwohl es von Vielen als gefährlich abgelehnt wird. Allerdings können diese Mikrofasern auch ganz unterschiedlich gestaltet sein - ein Blick mit dem 10er Objektiv genügt.
Trotzdem will ich es jetzt mal mit weichem Fensterleder versuchen  ;).

Aber es sind eben nicht die Fasern, die Glas und Vergütung verkratzen, sondern manche der eingefangenen Staubkörnchen. D.h. bei kritischen Oberflächen darf man das Läppchen eben nur einmal benutzen - egal aus welchem Material es ist - und dann muss es zum 101ten Mal gewaschen oder weggeworfen werden - man kann es ja vorher noch benutzen um das Immersionsobjektiv oberflächlich zu säubern.

Das Weitere ist ein psychisches Problem: Obwohl ich weiß, dass ein paar Fusseln und kleine Kratzer an den meisten Stellen optisch völlig belanglos sind, versuche ich auch diese im Rahme einer rituellen Handlung abzuputzen, verschmiere dabei die Oberfläche, greife zum "Wundbenzin", trübe eine andere Stelle, hauche nochmal drauf .....

Vielleicht geht es euch auch manchmal ähnlich? Deshalb sind mir auch gebrauchte Mikroskope von Schlampern in mancher Hinsicht lieber als die von reinlichen Menschen.

Viele Grüße

Rolf


Oecoprotonucli

#16
Hallo liebe Linsenreiniger,

interessant und verwirrend finde ich doch die widersprüchlichen Angaben ein und derselben Firma: Ich habe jedenfalls in Leitz-Bedienungsanleitungen (z.B. zum SM-Lux, also vermutlich wohl auch aus den 1970ern/80ern*) gefunden, dass man eben keinen Alkohol, sondern A. dest. / Xylol / Benzin (Petrolether) nehmen soll. Also die damaligen Leitz-Objektive scheinen jedenfalls darauf ausgelegt zu sein.

Ich habe mir übrigens die Linsenoberflächen meiner Objektive unter der Stereolupe angeschaut und wüßte ganz gerne, wie es denn eigentlich aussieht, wenn die Vergütung a) drauf, b) beschädigt, c) ganz weg ist. Ich kann versuchen, ein Foto von meinen Linsen zu machen, aber dann fehlt mir immer noch der Vergleich (ich weiß, bei Kamera-Objektiven erzeugt die Vergütung diese gewisse rötliche oder grünliche Färbung, aber bei meinen Mikroskopobjektiven kann ich es nicht so sicher sehen - ob sie schon runtergerieben ist?).

Besten Gruß

Sebastian

* Edit 03.08.12, 22:21 Uhr: Die zitierte Bedienungsanleitung "Leitz-SM-LUX-instructions.pdf" hat hinten die Bezeichnung XII/73/LX/SD und stammt demnach wahrscheinlich aus dem Dezember 1973
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Bernhard Kaiser

Hallo,

Zitatsondern A. dest. / Xylol / Benzin (Petrolether)

wenn A. dest. = Alkohol dest. heißen soll, wäre zu fragen welcher Alkohol? Die Angabe dest. ist überflüssig. Flüssige Alkohole sind immer destilliert.

wenn A. dest. = Aqua dest. sein soll, dann wäre das ganze nicht mischbar und zum Reinigen von Objektiven wenig brauchbar.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Kaiser

Peter V.

Hallo Herr kaiser,

vermutlich ist eher gemeint A.dest ODER Xylol ODER Petrolether.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Oecoprotonucli

#19
Zitat von: Peter V. in August 03, 2012, 09:31:46 VORMITTAG
vermutlich ist eher gemeint A.dest ODER Xylol ODER Petrolether.

Ja, klar - sorry für die kurze Schreibweise! Und mit A. dest. ist eigentlich konventionsmäßig immer "Aqua destillata", also destilliertes Wasser gemeint. Heutzutage ist es aber auch häufig deinonisiertes Wasser, stammt also aus einem Ionenaustauscher und wird manchmal auch mit A. deion. abgekürzt.

Viele Grüße

Sebastian

P.S. Aber mich interessiert immer noch, ob Erfahrungen oder Informationen dazu bestehen, wie die intakte, die beschädigte und die entfernte Linsenoberflächenvergütung aussieht. Ich werde mal versuchen, ein Foto von einer Linse zu machen und hier einzustellen, habe aber keine vernünftige Mikrofotoausrüstung.
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Oecoprotonucli

Zitat von: Safari in August 02, 2012, 23:31:38 NACHMITTAGS
Es hat nie zu Problemen geführt, aber vielleicht wechselt auch nicht jeder Fotograf täglich die Unterhose.

...übrigens auch ein sehr interessanter Beitrag!  ;D  ;D  ;D
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Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Lothar Gutjahr

Apropopöchen Unterhöschen,

damit habe ich neulich mit einem kleinen Stück davon und der Zeissschen Reinigungsflüssigkeit eine Objektivoberfläche verschmiert. Nähere Betrachtung ergab einen Hautfetttransfer von der Fingerspitze durch das Läppchen hindurch auf die Glasoberfläche. Es lohnte sich demnach für solche Tätigkeiten zusätzlich Handschuhe anzuziehen oder die Finger zuerst zu entfetten. Hierbei spielt die Stoffdicke wohl eine untergeordnete Rolle, da das Lösungsmittel in jedem Fall für einen bestenfalls verdünnten Transfer sorgt. Je dicker vielleicht weniger. So ein 103 mal gewaschener, ausrangierter Mako ist zu allem Überfluß sehr dünn und besteht genau betrachtet aus aneinandergereihten Löchlein.

löchrige Grüße

Lothar


Oecoprotonucli

Zitat von: Oecoprotonucli in August 03, 2012, 10:12:43 VORMITTAG
Aber mich interessiert immer noch, ob Erfahrungen oder Informationen dazu bestehen, wie die intakte, die beschädigte und die entfernte Linsenoberflächenvergütung aussieht. Ich werde mal versuchen, ein Foto von einer Linse zu machen und hier einzustellen, habe aber keine vernünftige Mikrofotoausrüstung.

FOTOS DER FRONTLINSEN MEINER LEITZ-OBJEKTIVE

Also: Ich schicke voran, dass ich Biologe, kein Materialforscher, bin und wie gesagt keine vernünftige Mikrofotoausrüstung habe. Folgende Fotos sind durchs Okular meines Hensoldt Wetzlar Stereomikroskops mit einer Nikon Kompaktkamera Coolpix L6 gemacht, und ich hätte besser drei oder vier Hände gehabt. Die Objektive hielt ich in der Hand, die Kamera auch, wobei ich mir kleine Unterstützung durch eine Art Fototubus aus einer Art Klopapierrolle gemacht habe.

Die fotografierten Objektive habe ich zuvor gereinigt abwechselnd mit Aqua dest. und mit leichtflüchtigem Wundbenzin und schließlich durch Anhauchen. Stäubchen habe ich mit Dosen-Druckluft entfernt.

Alles, was ich im Folgenden äußere, sind keine Feststellungen, sondern Vermutungen/Fragen, um hier vielleicht eine Diskussion/Informationen/Eure geschätzte Meinung zu erhalten:

Bilder 1 u. 2: Leitz 40x Objektiv




Die Spitzlicher/Reflektionen der Lichtquelle (kleines LED-Standlicht mit zwei Armen mit je einem LED-Paar, das hier vor kurzem empfohlen wurde) in Bild 1 erscheinen in verschiedenen Farben. Ich vermute, dies kommt durch verschiedene Linsenvergütungen oder Gläser?

In Bild 2 das gleiche Objektiv, so daß die Oberfläche spiegelt. Man sieht eine bläulich erscheinende "Schliere" fast diametral durch das Objektiv laufen. Es könnte eine Beschädigung der Linsenvergütung sein, dachte ich mir. Dann hauchte ich die Linse an, wischte sanft mit meinem T-Shirt darüber - und weg war die Schliere. Was allerdings blieb, sind ein paar winzige, eher punktförmige Störungen der Oberfläche, die hier in Bild 2 wohl zum Teil als helle Pünktchen zu erkennen sind. Sind dies nun die Verletzungen der Linsenoberfläche, die wir so fürchten?

Bilder 3 u. 4: Leitz 100x Objektiv




Mein 100er Objektiv erscheint klar und Kratzerfrei - bis auf den Linsenrand. Ist der gefurchte Rand das Ergebnis der jahrelangen Benutzung (habe das SM-Lux vor kurzem gebraucht erworben) oder sehen auch neue Objektivlinsen von 100er-Objektiven so zerklüftet aus? Weiterhin kann ich kaum Farbspiel erkennen - ist hier etwa die Vergütung schon komplett entfernt?

Bilder 5 u. 6: Leitz 10x Objektiv




Das 10er-Objektiv sieht OK aus - nur am äußeren Linsenrand in Bild 6 sind farbige Schlieren zu erkennen - einfach noch Dreck, der im Rand sitzt, oder aber der einzige Rest, der nach Jahren der Benutzung von der Linsenvergütung übrig geblieben ist?

...Ich bin gespannt auf Eure Meinung...

Viele Grüße

Sebastian
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Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

reblaus

Hallo Sebastian -

a) Abgesehen von der Wertminderung sind  kleine Macken auf der Linsenoberfläche (neudeutsch "chips")  für die praktische Arbeit belanglos, selbst deutliche Kratzer sind weit besser als eine diffuse Mattierung durch allzuhäufiges Putzen. Dasselbe gilt für einen holperigen Rand und Fusseln auf der Hinterlinse. Also - du hast für das nächste halbe Jahr jetzt genug geputzt.

b) Eine Vergütung auf einem Ölimmersionsobektiv wäre sinnlos, sogar kontraproduktiv - das Öl soll ja eine optische Kontinuität zwischen Deckglas und Linse herstellen.

Viele Grüße

Rolf

Oecoprotonucli

Hallo Rolf,

vielen Dank für die Infos!

Hört sich sehr plausibel und logisch an, das mit dem Immersionsöl!

Und jetzt also ein halbes Jahr nicht mehr Putzen  ;), obwohl in den Schriften zu lesen war: Immersionsöl immer gleich und sogar jeweils mit Lösungsmittel entfernen - oder gilt das eher für das frühere Öl auf Basis von Zedernholzöl? Als ich mein (Merck-) Immersionsöl kaufte, sagte mir der Verkäufer, dass diese synthetischen Öle nicht so schnell eintrocknen - was heißt denn ungefähr "nicht so schnell"? Wenn man das überschüssige Öl vorsichtig aufnimmt und dann nicht weiter "poliert", könnte man das Objektiv ein paar Wochen bis zur nächsten Benutzung stehen lassen, oder würden die Reste festtrocknen? Ich müßte wohl auch da meine "Versuchs-Foto-Reihe" mal weiterführen um das anzuschauen.

Als ich das Mikroskop bekommen habe, war wohl mein 40er Objektiv ziemlich verdreckt und es hat etwas gedauert, bis sich der Belag löste. Da bin ich aber noch nicht auf die Idee gekommen, es unter dem Stereomikroskop zu betrachten oder gar zu fotografieren.

Und darüber hinaus fände ich es natürlich interessant, einen Vergleich mit nagelneuen oder aber angekratzten oder mattierten Objektivoberflächen zu haben - wenn es mir also jemand nachtun würde und von seinen entprechenden Objektiven Beispielfotos hätte, wäre das doch hier ein rundes Thema mit empirischen Ergebnissen...

Einen schönen Sonntag noch!

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

reblaus

Hallo Sebastian -

zu Entfernen von Immersionsöl gibt es irgendwo im Forum einen ähnlich langen Zwirn mit ähnlichen Meinungsverschiedenheiten, auch zwischen den Firmen.

Gruß

Rolf


peter-h

Liebe Putzer,

bei diesem Objektiv wurde etwas zu viel geputzt  >:(  oder hat klein Erna damit im Sand gespielt?


Als Auflichtobjektiv (Olympus MSPlan 50/0,80) nur sehr eingeschränkt zu verwenden, denn jedes Fehlstellchen mindert den Kontrast. In Durchlicht ist es noch brauchbar. Da es aber für die Benutzung ohne Deckglas gerechnet ist, hat es nur geringe Verwendungsmöglichkeit.

Mit Immersionsöl benetzte Objektive werden bei mir nach Gebrauch mit Augenwatte und reinem Wundbenzin gereinigt. Danach mit Lupe oder Stemi kontrolliert. Die Augenwatte darf nicht mit den Fingern in Berührung kommen, sonst verschmiert man wieder einen Fettfilm.
Richtig oder falsch ? Ich habe bisher keine Schäden zu beklagen.

Frühere Versuche eine frisch mit Magnesiumfluorid bedampfte Oberfläche zu säubern, haben die Optikpinsel als schlimmste Täter entlarvt. Feinste Rillen in der Vergütungsschicht !
Das trifft heute auf die harten Entspiegelungsschichten natürlich nicht zu.

Gruß
Peter

Oecoprotonucli

Zitat von: reblaus in August 05, 2012, 17:15:47 NACHMITTAGS
zu Entfernen von Immersionsöl gibt es irgendwo im Forum einen ähnlich langen Zwirn mit ähnlichen Meinungsverschiedenheiten, auch zwischen den Firmen.

Hallo Rolf, vielleicht meintest Du einen von diesen, ich als Linksammler schreib sie mal hier mit hinein:

http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=7686.15

http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=5251.30

http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=7163.0

Viele Grüße

Sebastian
Ich benutze privat:
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Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Oecoprotonucli

Zitat von: peter-h in August 05, 2012, 17:47:56 NACHMITTAGS
bei diesem Objektiv wurde etwas zu viel geputzt  >:(  oder hat klein Erna damit im Sand gespielt?

Hallo Peter,

sieht mit den Bläschen aus wie "gekocht", als hätte es jemand in einen Schmelztiegel oder Vulkan fallen lassen...  :o

Viele Grüße

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)