Autor Thema: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung  (Gelesen 63070 mal)

Alfons Renz

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #90 am: September 12, 2012, 23:28:47 Nachmittag »
Für alle Schnakengeplagten,

Wie dünn die Epidermis unserer Haut tatsächlich ist, ersieht man leicht, wenn man ein Präparat einer Mücke 'kopfüber' auf einen histologischen Schnitt der Haut legt. Beide Präparate sind ja in Originalgröße und lassen sich bei schwacher Vergrößerung ganz gut in den gemeinsamen Focus bringen.



Die Bilder sind nicht gestackt und daher leicht unscharf. Ganz ohne Photoshop, frei von Hand gelegt. Da ist wieder unser Gehirn und unsere Intelligenz gefragt, um diese Bilder zu verstehen. Aber auf die Details kommt es hier auch gar nicht an. Vielmehr auf die Frage: Wie kommen die Mücken an unser Blut?

Links eine Phlebotomus-Mücke, die schon in der Toskana Leishmanien überträgt und für noch viel schlimmere Krankheiten in den Tropen verantwortlich ist (Orientbeute, Kala Azar etc.). Seit ein paar Jahren findet man sie auch schon am Oberrhein. Sie hat vergleichsweise winzige Mundwerkzeuge und muss sich gewiss anstrengen, um durch die Epidermis zu bohren.

Die Schnake (Culex) in der Mitte hat da einen vergleichsweise riesigen Stechrüssel, mit welchem sie ganz gezielt Kapillaren anbohrt. Wie schnell sie bei Bedrohung diesen Saugrüssel wieder zurückziehen kann, haben wir schon alle erlebt. Übertragen werden Viren, Protozoen (Plasmodien der Vögel etc.) und Fadenwürmer.

Rechts eine Kriebelmücke (Simulium), die in den Tropen die Flußblindheit (Onchocerca volvulvus) überträgt. Sie hat keine langen Stechborsten, mit denen sie die Epidermis durchbohren könnte. Statt dessen spannt sie die Haut zwischen Ober- und Unterlippe, schneidet sie mit den messerförmigen Mandibeln an und saugt das aus den durchtrennten Kapillaren austretende Blut auf ("Poolfeeder"). Sie ist bei der mehrere Minuten andauernden Blutmahlzeit so in ihr Geschäft vertieft, dass sie sich nicht mehr verscheuchen lässt. Sie kann deshalb sehr leicht gefangen werden.

Die blutführenden Kapillaren liegen gleich unter der leuchtend roten Schicht der Epidermis.

So interessant dies auch ist, wir schätzen es aus guten Gründen nicht, wenn uns das Blut abgezapft wird. Insbesondere dann, wenn dabei auch noch Krankheitserreger übertragen werden.

Herzliche Grüße,

Alfons