Autor Thema: Botanik: „Rose im Wasser“, Rosa palustris *  (Gelesen 4739 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: „Rose im Wasser“, Rosa palustris *
« am: Januar 10, 2013, 09:42:44 Vormittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

Rosen waren bereits bei den Ägyptern beliebt und wurden als Grabbeigaben verwendet. Die Griechen weihten die Rosen der Aphrodite (in der griechischen Mythologie die Göttin der Liebe und der Schönheit)  und dem Dionysos (Gott des Weines und der Freude).
Rosa palustris wurde 1785 von Charles Dwight Marsh beschrieben und benannt.
Die Sumpf-Rose ist eine Art aus der Gattung Rosa, die 250 Arten umfasst und zur Familie der Rosaceae (Rosengewächse) gehört.

Bild 01 Sumpfrose (Rosa palustris)

Blühender Strauch im Monat August

Rosa palustris stammt aus dem östlichen Kanada, und dem zentralen Nordosten der USA, wo sie meistens im Feuchtgebiet (Sumpf) wächst. Der Strauch wird etwa 2,4 Meter hoch.  

Bild 02 Tafel im WeltWald  -  Harz http://www.weltwald-harz.de/


An feuchten Standorten blüht die Sumpfrose verlässlich und reichlich jedes Jahr und begeistert durch ihren angenehmen Duft. Rosa palustris sorgt stets für einen Überraschungseffekt als „Rose im Wasser“!
Die Triebe sind gebogen, verzweigt, rötlich-violett; sie sind mit flachen Stacheln bedeckt. Die Blätter sind grün, glänzend, oval oder lanzettlich, mit gezahnten Rändern; im Herbst färben sie sich rot. Diese Rose blüht von Juli bis August; die Blumen strömen einen intensiven Duft aus.
 
Bild 03  Die  leuchtend rosa, stark duftende Blüte zeigt 5 Blütenblätter.


Diese Wildrose wartet mit einer 5 cm breiten, rosa Blüte in den Sommermonaten auf. Aus ihr entwickelt sich eine rote, kugelige, etwa erbsengroße Hagebutte.
Die Sumpf-Rose bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort und verträgt Temperaturen bis minus 34,4 º C.

Systematik:

Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Sumpfrose
Wissenschaftlicher Name: Rosa palustris
Volkstümliche Bezeichnung: ist mir nicht bekannt.

Teil 1 einjähriger  Spross, Querschnitt, 30 µm

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Arbeitsablauf :

Vorbehandlung mit Klorix – Bleichmittel (1 Teil Klorix + 9 Teile Wasser)

1. Schnitte  liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung  8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 12 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 2 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis  4 : 1
verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in DePeX.

Ergebnis :

Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000, die Übersichtsaufnahmen wurde mit „MagniFlash“ erstellt.

Zunächst einmal ein Bild vom ungefärbten Schnitt.

Bild 04 ungefärbter Querschnitt, Rosa palustris


Bild 05 Übersicht, junger Spross, Rosa palustris

Die Übersichtsaufnahmen wurde mit „MagniFlash“ erstellt.

Bild 06  Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Rosa palustris

Die Kambiumzellen teilen sich tangential, wobei sie wechselweise nach innen (Xylem = Holz) und außen (Phloem = Bast) Tochterzellen abgeben.
CU = Cuticula, EP = Epidermis, RP = Rindenparenchym, SK = Sklerenchymkappen, PH = Phloem, K = Kambium, T = Trachee, XY = Xylem, MST = Markstrahl, PX = Protoxylem, MA = Markparenchym

Bild 07 Übersicht, Rosa palustris , Programm: FastStone Image – negativ


Bild 08 Übersicht, Rosa palustris, Programm: FastStone Image,  gelblich-bräunlicher Sepia – Effekt.


Bild 09 AF – Fluoreszenzaufnahme,  Rosa palustris

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 519 IF.

Bild 10 AF – Fluoreszenzaufnahme,  Rosa palustris

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED.

Bild 11 AF – Fluoreszenzaufnahme,  Rosa palustris

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 519 IF.

Bild 12 AF – Fluoreszenzaufnahme, Großzelliges Markparenchym mit einfachen Tüpfeln,  Rosa palustris

Damit die Zellen untereinander in Kommunikation treten können, bleibt die Zellwand an verschiedenen Stellen dünn. So entstehen feine, plasmaerfüllte Kanäle – die Tüpfel.
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED.

Bild 13 Polarisation, Rosa palustris


Bild 14 Dunkelfeld, Markparenchym, Rosa palustris

Dickwandige Zellen und wenige Calciumoxalat – Kristalle.

Teil 2 Junger Spross, Längsschnitt, 30 µm

Bild 15 Angeschnittener Spross auf einen kleinen Holzklotz geklebt.

Fünf ungefärbte Längsschnitte (Bild 16 – 20 ) in Glyzerin – Einbettung.

Bild 16 ungefärbter Längsschnitt, Markparenchym,  Rosa palustris


Bild 17 ungefärbter Längsschnitt, Markparenchym, Rosa palustris


Bild 18  ungefärbter Längsschnitt, Markparenchym,  Rosa palustris


Bild 19 ungefärbter Längsschnitt, Rosa palustris

 
Bild 20 ungefärbter Längsschnitt, Polarisation, Markparenchym und  Xylem mit Tüpfelstrukturen, Rosa palustris

In den Zellen des Xylems werden hauptsächlich Wasser und darin gelöste Nährsalze transportiert. Für diese Funktion stehen zwei Elemente zur Verfügung, die aus abgestorbenem Gewebe bestehen, die Tracheen und die Tracheiden. Tracheen sind Röhren, die durch Zusammenschluss mehrerer Zellen entstanden sind, wobei die Querwände teilweise oder ganz aufgelöst wurden. Man bezeichnet diese Röhren auch als Gefäße. Die einzelnen Gefäße sind untereinander durch Tüpfel verbunden.
Die Tüpfel sind Aussparungen in der Wandverdickung pflanzlicher Zellen. Die Tüpfel benachbarter Zellen stoßen aneinander und sind durch Schließhäute getrennt, durch deren siebartige Durchbrechungen hindurch feine Plasmaverbindungen (Plasmodesmen) die Zellinhalte verbinden.
Ich vermute, es handelt sich hier um Tracheen.

Auch die Längsschnitte habe ich mit Klorix gebleicht uns wie oben beschrieben mit W-3A – Wacker gefärbt.

Bild 21 Übersicht, Rosa palustris

Die Übersichtsaufnahmen wurde mit „MagniFlash“ erstellt.

Bild 22 Vergrößerung, Rosa palustris


Bild 23 Spross im Längsschnitt, Rosa palustris

Fünf Bilder manuell aneinandergereiht.

Bild 24 AF – Fluoreszenzaufnahme,  Rosa palustris

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED.

Zum Schluss noch ein Tipp.

Bild 25 Thermoblock für Deckgläser

Mit diesem kleinen Thermoblock erwärme ich meine Deckgläser. Das Eindeckmittel DePeX verteilt sich sehr schnell und die Schichtdicke ist gleichmäßig dünn.

Quellen:

Katherine Esau: Pflanzenanatomie (1969)
Schmidt/Hecker: Taschenbuch der Gehölze, ISBN 978-3-494-01448-7
Schütt/Schuck/Stimm, Lexikon der Baum- und Straucharten, ISBN: 978-3-86820-123-9
Wikipedia

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
« Letzte Änderung: Oktober 28, 2013, 14:09:33 Nachmittag von Florian Stellmacher »
Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.

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frfmfrfm

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Re: Botanik: „Rose im Wasser“, Rosa palustris
« Antwort #1 am: Januar 10, 2013, 11:20:47 Vormittag »
Thanks for your great work Hans-Jürgen, I love and I follow.
The beautiful pictures.
Greetings from Sevilla.

Dr. Jekyll

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Re: Botanik: „Rose im Wasser“, Rosa palustris
« Antwort #2 am: Januar 10, 2013, 11:48:54 Vormittag »
Hallo Hans-Jürgen,

wie immer sehr schöne Bilder und sehr gute Dokumentation.
Wie kommt bei Bild 09 AF der blaue Hintergrund zustande?

Viele Grüße
Harald
Beste Grüße
Harald

Fahrenheit

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Re: Botanik: „Rose im Wasser“, Rosa palustris
« Antwort #3 am: Januar 10, 2013, 12:34:48 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

wie immer eine schöne und lehrreiche Dokumentation! Besonders gelungen finde ich neben Deinen Längstschnitten die Fluoreszenzaufnahme 12 von den Markzellen.

Herzliche Grüße
Jörg
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: „Rose im Wasser“, Rosa palustris
« Antwort #4 am: Januar 10, 2013, 15:05:03 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

danke für Euer Interesse.

@  Francisco,

danke für Dein Feedback.
Gruß nach Sevilla, Spanien

@ Harald,

danke für Dein Lob.
Der blaue Hintergrund im Bild 09 ist durch Zufall entstanden. Die Belichtungszeit stand auf 20 Sekunden, und ich habe etwas Pilot-Licht Halogen (Durchlicht) dazugegeben.

@ Jörg,

es freut mich, dass Dir die Längsschnitte gefallen.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
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