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Alaun

Begonnen von Heiko, Januar 21, 2013, 00:38:33 VORMITTAG

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Dünnschliffbohrer

Lieber Olaf,

dieser Hokus-Pokus ist eine hypertensive Krise nun Wirklich nicht wert. Früher hatte ich mich über so etwas auch noch aufgeregt. Die Esoteriker sind zwar spinnert, aber Dank ihrer Zersplitterung und unpolitischen Einstellung harmlos. Im Fall der "Paramedizin" führt das bestenfalls zu einer erhöhten natürlichen Auslese (z.B.: ein berühmt-berüchtigterbayrischer Politiker soll vorzeitig zu den Trilobiten gewandert sein, weil er auf Rat seines Heilpraktikers die von seinem Arzt verordnete blutdrucksenkende Medikation eigenmächtig abgesetzt hatte, und sich so einen Schlaganfall zuzog).

Schlimmer finde ich, die nicht so esoterischen großen Glaubensströmungen, insbesondere die drei großen abrahamitischen. Die haben viel mehr Einfluß und Macht.

Aber die Wissenschaft ist selbst auch nicht unschuldig an diesem Treiben. Die macht sich leider immer wiederselbst unglaubwürdig, wenn sie sich beispielsweise intensiv -aus angeblicher Sorge um den Fortbestand der Menschheit - um Meteoriten-Impakte sorgt (hier steht wohl eher die Sorge um die einzuwerbenden Drittmittel im Vordergrund*), die dann nicht eintreten. Statt dessen kann man dann den Impakt von Verkehrsflugzeugen in Wolkenkratzer beobachten...

Als ob die Öffentlichkeit das Spiel nicht durchschauen würde, und unsere Finanzpolitiker sich von so etwas erweichen lassen würden. Nicht, das ich irgend etwas gegen Meteoritenforschung, Waldsterbensforschung oder Klimaforschung etc. hätte, aber dieser unglaubwürdige und durchsichtige Alarmismus, mit dem heut zu Tage Forschungsergebnisse in der Grundlagenforschung, und leider besonders in den Geowissenschaften "aufgeprotscht" werden, schadet langfristig der Wissenschaft weit mehr, als er nützt. Über "Heil"-Steine kann ich da nur noch nachsichtig lächeln.

Viele Grüße, Dünnschliffbohrer

*) Hier fällt mir dann noch gleich der Verkauf von einer alten historischen Mineraliensammlung aus dem frühen 19. Jahrhundert aus dem Bestand eines großen Naturkundemuseums über Ebay ein. Offenbar, um dem Günstling des damaligen Direktors die Stelle zu finanzieren. Es handelt sich dabei so gesehen auch das Einwerben von "Drittmitteln" auf eine andere Art, welche die Glaubwürdigkeit der betroffenen Institution nach den Presseberichten unglaublich gefördert hat ...
"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]

Heiko

Hallo Ole,

ist dies in Deinem Sinne?









Viele Grüße,
Heiko

Heiko

Hallo,

hab' Chromalaun beschafft, hier im Auflicht auf dem Objektträger – aber irgend etwas mache ich falsch: bekomme keine Einkristalle, nur heftigste Verwachsungen.



Grüße, Heiko

Miner

Hallo Heiko,
könnte sein, dass ich solche Kristalle meine, wie du sie da auf den letzten Fotos zeigst. Einerseits finde ich die Form noch nicht kubisch genug, aber der Eindruck mag täuschen. Andererseits bin ich mir nicht recht sicher, ob sie wirklich doppelbrechend sind. Sie scheinen ja recht viele Baufehler zu haben, die sich als Linien oder Flecke zeigen. Da könnte dann auch lokal das Licht abgelenkt werden, und ein nicht-doppelbrechender Kristall erschiene hell zwischen gekreuzten Polfiltern.
Ich hätte anders fragen sollen: gibt es Kristalle, die der Form nach kubisch sind, aber bei gekreuzten Filtern in den meisten horizontalen Orientierungen etwas hell sind, in einigen, genauer in vier, Orientierungen aber doch schwarz oder zumindest deutlich dunkler? Um das zu testen braucht man freilich entweder einen Drehtisch am Mikroskope oder viel Geduld und ruhige Finger, um den OT mitsamt dem Kristall auf dem Tisch zu drehen. Falls du keinen Poltisch hast, mußt du nun wissen, ob du dazu Geduld und Lust hast, die Kristalle mit dem OT zu drehen.
Der Hintergrund ist der: Wahrhaft kubische Kristalle sind nicht doppelbrechend, wohl wahr. Aber wenn sie kubische Formen entwickeln, wie z.B. den Würfel, das Oktaeder oder das Rhombendodekaeder, dann wird ihre Kristallstruktur wohl mindestens mal fast kubisch sein ("pseudokubisch"). Wenn sie dann aber trotzdem doppelbrechend sind, na dann sind sie eben nicht kubisch sondern pseudokubisch. Dann spricht man von optischer Anomalie, solange, bis man verstanden hat, was an ihnen denn nun nicht kubisch ist. Und dass ist dann ziemlich interessant. Wenn du also Kristalle findest, die sich wie beschrieben verhalten, dann hätte ich gerne ein paar davon. Soll dein Schaden nicht sein.
Viele Grüße
Ole

Heiko

Hallo Ole,

ich tue jetzt einmal so, als hätte ich zumindest Deine Arbeitsanweisung verstanden und zeige 10 Aufnahmen einmal um's Rund:



Für mich sehen beide Kristalle ,,alaunisch" aus, beide sind gestört und ich bin verstört, da der eine ,,ja" der andere ,,nicht".

Viele Grüße,
Heiko

TPL

Hallo Heiko,
schön ruhig bleiben: die normale oder doch nicht so normale Doppelbrechung hängt ja auch mit der Orientierung des Kristalls zur optischen Achse zusammen. Ob das in diesem Fall wirklich beruhigend ist, sei einmal dahingestellt. Ich finde es ganz interessant, dass diese (vermeintlich popeligen) "Deo-Kristalle" kristallogaphische Diven sind. Ole hat es ja beschrieben, dass da eine Menge Fehler im Gitter zu sein scheinen.
Faszinierend und schön (und auch noch wirksam gegen Körperschweiß 8))

Schönen Gruß
Thomas

Heiko

Hallo Lothar,

etwas gestapelt ist er schon, aber da das 10er Tiefe mitbringt, nicht einmal so sehr – 10 bis 15 Ebenen, wenn ich mich recht erinnere ...

Viele Grüße,
Heiko

Miner

Hallo Heiko,
ich war bis jetzt nicht so recht dazu gekommen, zu antworten. Sorry!
Tja, was soll ich sagen...Die meisten Fotos sind wohl eher nicht mit gekreuzten Polfiltern aufgenommen. Aber ich schätze deinen Einsatz! Ich will dir auf keinen Fall vorschlagen, die ganze Knipserei nochmal zu machen. Aber wenn du magst, kannst du ja für dich die Probe zwischen gekreuzten Filtern drehen, über einen Bereich von etwas mehr als 90°, und bei einigen Kristall schauen, ob da die Helligkeit ein wenig variert. Wenn ja: spannend. Wenn nicht: normal. Kleiner Vorschlag: Falls einige dieser zahlreichen Baufehler, die die Kristalle offenbar haben, Stufen an der Ober- oder Unterseite sein sollten, so könnte eine Immersionsflüssigkeit zumindest diese Störungen im Bild ein wenig wegzaubern. Irgendein Öl wäre wohl schon besser als Luft, falls es sich tatsächlich um Stufen handelt. Aber ich will dir keine Arbeit aufschwatzen, die vermutlich nichts interessantes produzieren wird.
Schönen Abend
Ole

Heiko

#23
Hallo Ole,
danke für Deine Antwort.
Hatte ich's doch schon geahnt, nicht einmal Deine Arbeitsanweisung hatte ich richtig verstanden.
Dann sollte ich wohl einen erneuten Versuch starten ...

Viele Grüße,
Heiko


Nachtrag,
nein, das wird ohne Drehtisch nichts, die Kristalle sind zu klein, verliere sie ständig aus dem Sehfeld ...

Heiko

Hallo,
dieser etwas größere Chromalaun-Brocken hat mich heute noch einmal ,,gequält".
Mit dem 3,2er im Mix aus Durch- und Streiflicht, gestapelt:



Nur im Auflicht ist die Sache nicht ganz einfach: pechschwarz oder gleißende Reflexionen – ein Mittelding war schwer zu finden:



Viele Grüße,
Heiko

olaf.med

ZitatNachtrag,
nein, das wird ohne Drehtisch nichts, die Kristalle sind zu klein, verliere sie ständig aus dem Sehfeld ...

... da gibt's doch irgendwo hier im Forum den schönen Tipp von Udo Maerz zum ganz einfachen Eigenbau eines Drehtischs aus einer CD-Hülle und zwei aufeinandergelegten CD's. Funktioniert garantiert.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Ulrich S

#26
Hallo Olaf,
leider findet die Suche nach CD-Hülle und/oder Drehtisch nur Deinen Beitrag
zerknirscht
Ulrich
Es kommt immer anders wenn man denkt

Heiko

Hallo Olaf,

danke für den Hinweis. Kann den Beitrag zwar auch nicht finden, habe aber – gerade auf eine CD-Hülle schauend – eine Vorstellung, wie das gehen kann.

Gruß, Heiko

olaf.med

Hallo Heiko und Ulrich,

eigentlich war's ganz einfach. Man bohrt ein Loch in die Mitte der Hülle für den Strahlengang (stumpfer Bohrer, sonst splitterts), legt zwei mit Doppelklebeband verbundene CD's hinein (wegen der zentralen Halterungen müssen es zwei sein, sonst stören die Kunststoffteile der Hülle) und hat ein recht gutes und vor allem ganz flaches Drehlager. Das zentriert und fixiert man auf dem Mikroskoptisch und feddisch. Udo hatte noch einen ganz eleganten runden Aufkleber mit Grad-Einteilung ausgedruckt, aber das braucht's für einfache Untersuchungen garnicht.

Falls ich den Link finde poste ich ihn noch, ansonsten kann man aber Udo auch per PN erreichen.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Heiko

Hallo,

ganz schönes Gefummel – jetzt wird klar, warum Drehtische eben nicht aus CD und zugehörender Hülle gefertigt werden ...
Aber immerhin, es funktioniert:





Die beiden Kristalle wurden also bei gekreuzten Pol-Filtern im Abstand von 10 Grad fotografiert. Bei 0 und 180 Grad kommt es zur Totalauslöschung.
Und die Schlussfolgerung? Optische Anomalie?

Viele Grüße,
Heiko