Autor Thema: Botanik: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides) *  (Gelesen 9373 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides) *
« am: Februar 20, 2013, 15:41:11 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

der Sanddorn kommt ursprünglich aus Asien. Die Gattung Hippophae besteht aus 3 Arten.  Längst ist er auch in Europa überall zu finden. Seine heutige geographische Verbreitung ist vielfach das Ergebnis von Anpflanzungen durch uns Menschen. Ökologisch betrachtet ist der Sanddorn von großem Wert. Das Wurzelwerk wirkt als Bodenfestiger.
Sanddorn ist Küstenschutz!
Sein dichtes Dornengestrüpp bietet Schutz und Nistmöglichkeiten für viele Vögel. Der Name Sanddorn kommt wohl vom bevorzugten Wuchsort dieses Strauches, es sind oft die Dünengebiete am Meer. Da er Salz verträgt, eignet er sich zur Begrünung von Straßenböschungen und steht deshalb an vielen Autobahnen.
 Im alten Griechenland verwendete man die Pflanze als Heilmittel für die Augen der Pferde. Daher kommt auch sein wissenschaftlicher Gattungsname Hippophae, hippos heißt Pferd und paos bedeutet Licht. Der botanische Artname rhamnoides heißt kreuzdornähnlich, wobei er sich auf den Strauch Kreuzdorn bezieht.
Der winterharte Strauch kann bis zu fünf Meter hoch werden, aber da er langsam wächst, dauert es lange, bis er so groß ist. Die rotbraunen Äste des Sanddorns tragen Dornen.
Die Heilkraft des Sanddorns wurde vermutlich erst im Laufe des Mittelalters erkannt. Nahrungs- und Genussmittel wie Marmeladen, Tees oder Likör sind inzwischen nicht mehr nur regional bekannt. Auch für Heilanwendungen und in der Schönheitspflege wird immer mehr auf den Sanddorn zurückgegriffen. Wegen des hohen Gehalts an Vitamin C  (etwa 900 mg /100 g Früchte) und anderer Vitamine wird der Beerenstrauch als Polyvitamingehölz bezeichnet. Seine roten Beeren strotzen nur so vor Vitaminen. Die natürliche Gesamtheit der Wirkstoffe ist synthetischen Präparaten überlegen. Die Beeren schmecken sauer und haben im Innern einen kleinen Samen.
Sanddornbeeren sind ungewöhnlich reich an den Vitaminen E, F, einigen B-Vitaminen und Provitamin A. Sie enthalten Fruchtsäuren und 7 % fettem Öl. Mit dem gereinigten Öl (Sanddornkernöl – Hippophae rhamniodes oleum) werden in Russland Strahlenschäden und Wunden behandelt, die indische Medizin kennt es als Lungenmittel.

Bild 01 Hippophae rhamnoides

Dieser Strauch ist mir aufgefallen, weil am Spross Veränderungen und Auswüchse zu sehen sind. Tatsächlich fand ich an mehreren Ästen einen kleinen rötlichen Schwamm. Es könnte sich um einen Feuerschwamm (Phellinus hippophaeicola) handeln. Das Foto habe ich im Mai 2012 auf Helgoland aufgenommen und die Proben  gleich im AFE III  – Gemisch fixiert.

Die graugrünen Blätter des Sanddorns sind sehr schmal und linealisch. Auf der Unterseite glänzen sie weisslich. Im April blüht der Sanddorn mit kleinen, gelben Blüten, die sehr unscheinbar aussehen. Zwischen August und Dezember reifen die orangefarbenen, eiförmigen Beeren heran, die der hauptsächlich genutzte Teil des Sanddorns sind. Die Beeren wachsen traubig direkt an den Zweigen.
Der Sanddorn sammelt mittels einer Symbiose mit Strahlenpilzen (Actinomyceten) in Wurzelknöllchen Luftstickstoff, dadurch wird eine bodenverbessernde Wirkung erreicht.

Systematik:

Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Ölweidengewächse (Elaeagnaceae)
Gattung: Sanddorne (Hippophae)
Art: Sanddorn
Wissenschaftlicher Name: Hippophae rhamnoides
Volkstümliche Bezeichnung: Weidendorn, Seedorn, Rote Schlehe, Amritscherl, Audorn, Dünendorn, Fasanbeere, Haffdorn, Korallenbeere, Sandbeere, Stechdorn oder Meerdorn.
Englischer Name: Sea Buckthorn

Bild 02 Schnittstellen, Spross und Dorn,  Hippophae rhamnoides

An der Unterseite der Blätter sind die flachen Schildhaare zu erkennen, sie sind
silbergrau (manchmal rot) gefärbt.

Bild 03 Spross im Probenhalter vom Mikrotom eingespannt.

Die Pflanzenteile haben über neun Monate im AFE – Gemisch III gelegen, das  Chlorophyll ist komplett ausgewaschen. AFE - Gemisch gründlich mit Ethanol ausspülen (abnehmende Alkoholreihe: 70%ig, 50 % ig und 30 % ig).
Wegen der kräftigen rotbraunen Eigenfärbung habe ich die Schnitte mit Klorix (1 Teil Klorix + 9 Teile Wasser) gebleicht, EWZ 15 Minuten.

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf :

1. Schnitte  liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung  8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.    12 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 2 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis  4 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in DePeX.
Ergebnis :

Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.

Fotos: Nikon D5000, die Übersichtsaufnahmen wurde mit „MagniFlash“ erstellt.

Die ungefärbte Schnitte   zeigen eine kräftige rotbraune Eigen - Färbung.

Bild 04 Übersicht, Hippophae rhamnoides


Bild 05 Vergrößerung von der vom Pilz befallenen Stelle

Das könnte eine Abwehrreaktion der Pflanze gegen Pilzhyphen - die sich zu nächsten Zelle  durcharbeiten wollen - sein. Dabei verdicken sich die Zellwände und es entstehen rotbraune Gebilde.

Bild 06 Auflicht -  Autofluoreszenzaufnahme, Hippophae rhamnoides

Primärfluoreszenz
Einige Objekte fluoreszieren bei der Anregung mit meist kurzwelligem Licht von sich aus, ohne dass weitere Präparation Schritte notwendig sind.
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 07 Auflicht -  Autofluoreszenzaufnahme, Hippophae rhamnoides

Primärfluoreszenz
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 08 Schnitte von Spross, Hippophae rhamnoides

Links die unbehandelten Schnitte und rechts die mit Klorix gebleichten Schnitte.

Bild 09 Übersicht, Hippophae rhamnoides


Bild 10 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Hippophae rhamnoides

EP = zerrissene Epidermis, P = Periderm, RP = Rindenparenchym, SK = Sklerenchym Inseln, PH = Phloem, K = mehrschichtiges Kambium, XY = Xylem, T = Trachee

Bild 11 Im Spross ist eine deutliche Veränderung sichtbar, Hippophae rhamnoides


Bild 12 Vergrößerung der befallenen Stelle, Hippophae rhamnoides


Bild 13 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Hippophae rhamnoides

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 14 Schuppenhaare, Hippophae rhamnoides


Bild 15  Das mehrschichtige  Kambuim umschließt die großvolumigen Tracheen, Hippophae rhamnoides


Bild 16 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Hippophae rhamnoides

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 17 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Hippophae rhamnoides

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Zum Abschluss noch einige Bilder vom Dorn im Querschnitt.

Ein Dorn ist ein hartes, trockenes stechendes Gebilde an einer Pflanze, das an der Stelle eines Organs sitzt. Dornen sind also umgewandelte Sprossachsen, Blätter, Nebenblätter oder Wurzeln. Dornen betreiben keine Photosynthese. Hier handelt es sich um einen Sprossdorn er entspringt aus dem Holzkörper des Tragastes.

Bild 18 Übersicht, Dorn,  Hippophae rhamnoides


Bild 19 Vergrößerung, Dorn,  Hippophae rhamnoides


Bild 20 Vergrößerung, Dorn, Hippophae rhamnoides


Bild 21 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Hippophae rhamnoides

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Quellen:

Ulrich Hecker: BLV-Handbuch Bäume und Sträucher. BLV, München 1995, ISBN 3-405-14738-7.
 R. Düll/H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1
Das neue Handbuch der Heilpflanzen, ISBN 978-3-440-12933-6
Biologie der Pflanzen, ISBN 3-11-018531-8
Wikipedia

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
« Letzte Änderung: Oktober 28, 2013, 13:11:42 Nachmittag von Florian Stellmacher »
Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.

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Fahrenheit

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #1 am: Februar 20, 2013, 20:51:38 Nachmittag »
Lieber Jürgen,

wieder eine Deiner hervorragen Dokumentationen! Vielen Dank für Deine Arbeit, die Du in die Schnitte und Färbungen sowie die Beschreibung der Präparate investierst!

Herzliche Grüße
Jörg
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reblaus

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #2 am: Februar 20, 2013, 22:19:54 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen -

für Deine multivalenten Beiträge müsste man extra einen Internet-Buchpreis begründen. Alle haben ihre Freude dran: Botaniker, Schnippler, Schönfärber, Fluoretiker, Naturkostler, Pharmakologen und -zeuten.

Ich freue mich auf die Fortsetzungen!

Rolf

P.S. Bei der  Winter-Erstersteigung der Eigernordwand, die eine knappe Woche (?) gedauert hat, habe sich die Teilnehmer u.a. mit großen Mengen Sanddornsirup aufrechterhalten.


Rolf-Dieter Müller

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #3 am: Februar 20, 2013, 22:24:39 Nachmittag »
Lieber Jürgen,

ich kann mich nur Jörg und Rolf anschließen, wieder einmal ein schöner Beitrag von Dir.

Natürlich gefällt mir besonders die Primärfluoreszenz, obwohl "nur" von fixierter Probe, aber immer noch eindrucksvoll.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Hans-Jürgen Koch

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #4 am: Februar 21, 2013, 14:39:01 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

ich bedanke mich, dass Ihr die Zeit geopfert habt (das Forum reagiert leider manchmal sehr langsam) und bis zu meinem Beitrag durchgedrungen seid.
Danke für das Lob, es motiviert zu neuen Taten.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #5 am: Februar 21, 2013, 19:47:55 Nachmittag »
.
« Letzte Änderung: Mai 07, 2021, 19:43:28 Nachmittag von mkk »

Hans-Jürgen Koch

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #6 am: Februar 22, 2013, 10:00:26 Vormittag »
Guten Morgen Mario,

danke für dein feedback.

Gruß

Hans-Jürgen
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koestlfr

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #7 am: Februar 22, 2013, 12:20:07 Nachmittag »
Hallo Hans-Jürgen!

GRANDIOS!

Liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

Hans-Jürgen Koch

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #8 am: Februar 22, 2013, 16:42:45 Nachmittag »
Hallo Franz,

DANKE

Gruß

Hans-Jürgen
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amos

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #9 am: März 19, 2013, 14:35:54 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen -

für Deine multivalenten Beiträge müsste man extra einen Internet-Buchpreis begründen. Alle haben ihre Freude dran: Botaniker, Schnippler, Schönfärber, Fluoretiker, Naturkostler, Pharmakologen und -zeuten.

Ich freue mich auf die Fortsetzungen!

Rolf

P.S. Bei der  Winter-Erstersteigung der Eigernordwand, die eine knappe Woche (?) gedauert hat, habe sich die Teilnehmer u.a. mit großen Mengen Sanddornsirup aufrechterhalten.



amos

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #10 am: April 10, 2013, 10:50:14 Vormittag »
Hallo Rolf,

Habe seit Jahren mit Sanddorn zu tun  und bin von den prachtvollen Aufnahmen von Hans-Juergen voll begeistert - complimenti!!

Gerne  wuerde ich aber deine Information zum Gebrauch von S.d. bei der Besteigung  der Eigernordwand vertiefen:
kannst Du mir Naeheres berichten ? eventuell mit Hinweise auf Literatur.
Besten Dank schon jetzt  ( sorry fuer mein holperiges Deutsch)

Amos aus der Toskana

Hans-Jürgen Koch

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #11 am: April 10, 2013, 13:30:55 Nachmittag »
Hallo Amos,

danke für Dein Lob.
Du kannst Rolf ja noch direkt per "Private Mitteilung" um Informationen bitten.

Gruß in die Toskana

Hans-Jürgen
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Gunther Chmela

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #12 am: April 10, 2013, 15:21:36 Nachmittag »
Hallo Herr Koch,

woher haben Sie die Information, daß die Art Hippophae rhamnoides "ursprünglich aus Asien" stammt? In der Fachliteratur findet sich nirgendwo ein derartiger Hinweis. Die Verbreitung der Gesamtart wird mit eurasisch angegeben. Zwei der Unterarten (ssp. fluviatilis und ssp. carpatica) gehören zum Arealelement präalpin-kontinental, eine andere (ssp. rhamnoides) wird sogar als endemisch für Nord- und Ostseeküste angegeben (also dort indigen). Die Unterart ssp fluviatilis wächst im Flußschotter der Alpenflüsse und gilt dort als indigen.

Grüße
Gunther Chmela

Hans-Jürgen Koch

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #13 am: April 10, 2013, 16:05:41 Nachmittag »
Hallo Herr  Chmela,

die  Pflanzenprobe habe ich Mai 2012 aus Helgoland mitgebracht. Meine  Informationen stammen von einer Hinweistafel.



Auf dieser Internetseite vom NABU Baden-Württemberg steht auch, dass die Art Hippophae rhamnoides "ursprünglich aus Asien" stammt.

http://baden-wuerttemberg.nabu.de/themen/streuobst/sorten/07412.html

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
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Gunther Chmela

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Re: BOTANIK: Schatz in den Dünen - Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
« Antwort #14 am: April 10, 2013, 16:29:58 Nachmittag »
Hallo Herr Koch,

ich glaub's ja gern, doch wie gesagt, die Fachliteratur gibt da nichts her. Meine Vermutung ist die, daß möglicherweise irgendwo ein Wort wie z.B. "Verbreitungsschwerpunkt" falsch interpretiert wurde. Das kommt öfter vor. Und der Verbreitungsschwerpunkt der Art könnte durchaus in Asien liegen.

Beispielsweise liegt der Verbreitungsschwerpunkt der Ophrys-Arten (Orchideengattung) in der Ägäis. Die Gattung hat sich also mit hoher Wahrscheinlichkeit von dort aus ausgebreitet (vor sehr langer Zeit). Daraus aber z.B. jetzt zu schließen, unsere einheimische Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) stamme von den griechischen Inseln, das wäre wohl verfehlt.

Wogegen die Aussage, daß der Klatschmohn (Papaver rhoeas) aus den osteuropäischen Steppengebieten stamme, absolut richtig ist. Er wurde wohl bereits im frühen Mittelalter mit Getreide von dort eingeschleppt.

Die beiden von mir genannten Unterarten rhamnoides und fluviatilis sind jedoch in Mitteleuropa endemisch und daher auch indigen. Zu behaupten, daß sie aus Asien stammen, wäre genauso falsch wie bei meinem obigen Beispiel der Fliegenragwurz.

Verbreitungskarten finden Sie übrigens hier:
Gesamtart: http://www.floraweb.de/MAP/scripts/esrimap.dll?name=florkart&cmd=mapflor&app=distflor&ly=gw&taxnr=2962
ssp. fluviatilis: http://www.floraweb.de/MAP/scripts/esrimap.dll?name=florkart&cmd=mapflor&app=distflor&ly=gw&taxnr=2964
ssp. rhamnoides: http://www.floraweb.de/MAP/scripts/esrimap.dll?name=florkart&cmd=mapflor&app=distflor&ly=gw&taxnr=2965

Ich bitte um Entschuldigung, daß ich Ihre hervorragende mikroskopische Arbeit nicht gewürdigt habe. Doch da die Botanik (vor allem die Floristik und Soziologie) halt mein Hauptsteckenpferd ist, konnte ich nicht anders, als hier einhaken.

Freundliche Grüße
Gunther Chmela