Besteht Interesse an einer Schlittenmikrotomentwicklung und -bau?

Begonnen von Bastian, März 30, 2013, 10:54:05 VORMITTAG

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Bastian

Liebe Forumsgemeinschaft,
seitdem Daniel Steiner sein sehr schönes und solide gebautes Schlittenmikrotom vorgestellt hat geht mir das nicht mehr aus dem Kopf. Dieses Interesse wurde verstärkt durch Johannes Beitrag letzte Woche, der bedauerlicherweise mal wieder zu schnell ins off abdriftete.
Da sich im Forum die Frage nach einem guten Mikrotom in schöner Regelmäßigkeit wiederholt und gebetsmühlenartig geantwortet wird, dass es richtig gute und bezahlbare Mikrotome nicht mehr gibt habe ich mir vorgenommen eines zu entwerfen und – ja nach Resonanz – in Kleinserie zu fertigen oder auch nicht.

Ich bitte um besonders viel Hinweise aus der Praxis der Mikrotomanwender, so dass ich ein ordentliches Pflichtenheft anlegen kann.

Grobe Idee:
Das Gehäuse des Mikrotoms soll aus Aluminium – wie soll es auch anders sein – gegossen werden. Für den Schlitten wird auf Linearführungen gesetzt. Im übrigen werde ich versuchen den teuren Kreuztisch zu vermeiden und eine einfachere aber ebenso genaue Probenhalterung/-vorschub zu verwenden. Der Klingenhalter soll derart gestaltet sein dass er verschiedene Klingen spannen kann.
Ein erstes Pflichtenheft hat mir freundlicherweise Rolf-Dieter Müller per Email zu kommen lassen. Rolf-Dieter, ich hoffe dass diese Veröffentlichumg in Deinem Sinne ist, wenn nicht nehme ich es wieder heraus:

ZitatHallo Bastian,

das ist eine richtig gute Idee und da ich Deine Projekte zu schätzen weiß, würde mich an einer Kleinserie mit der Abnahme eines Mikrotoms beteiligen.

Für Dein Pflichtenficht erst einmal die wesentlichen grundsätzlichen Anforderungen:

-   Probenvorschub 10 µm bis 30 µm in 1 bis 2 µm Schritten,
-   Probenhalterung zur Aufnahme von rechteckigen Holzklötzchen (bis zu ca. 12 x 12 mm) und rundem Holundermark (bis ca. 12 mm Durchmesser),
-   Deklination *) des Messers einstellbar bis extrem schräg für Schnittlänge von bis zu 10 cm,
-   Inklination *) des Messers einstellbar (ideale Werte sind 3° bis 5° Grad),
-   Messeraufnahme flexibel für Rasierklinge bis zum plan/konkaven Rasiermesser für botanische Schnitte.

*) Um über gleiche Begrifflichkeiten zu sprechen, möchte ich auf die Beschreibung von Klaus Henke verweisen (Absatz ,,Messergeometrie III"): http://www.klaus-henkel.de/cut-mikrotom.html

Viele Grüße
Rolf-Dieter

Bevor nun allerlei Bedenken geäußert werden, warum ein solches Unterfangen schwierig werden wird, verwendet bitte eure Gehirne lieber auf konstruktive Belange. Mir ist durchaus klar, dass es eine ganze Menge Dinge gibt die gegen eine Fertigung eines Mikrotoms sprechen, das soll aber in diesem Stadium noch gleichgültig sein.

So nun bleibt mir nur noch auf eure Antworten zu warten und euch auf alle Fälle schon mal frohe Ostern zu wünschen.
Beste Grüße,
Bastian



Eckhard

#1
Lieber Bastian,

Das ist eine prima Idee! Ergänzend zu Rolf-Dieters Anmerkungen möchte ich noch ein paar Gedanken hinzufügen:

1) Der Klingenhalter sollte fest sein und die Probe auf dem Schlitten eingespannt sein.
2) Die Einspannvorrichtung sollte austauschbar sein, um unterschiedliches Schnittgut perfekt einzuspannen.
3) Optimal wäre es, wenn der Klingenhalter wagerecht liegt. Dann kann man die Klinge mit Ethanol benetzen - das erleichtert das Schneiden sehr.

Herzliche Grüsse
Eckhard
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
Nikon SE2000U (HF, DIK, Ph)
Olympus SZX 12 (HF, DF, Pol)
Zeiss Sigma (ETSE, InLens SE)

www.wunderkanone.de
www.penard.de
www.flickr.com/wunderkanone

Bastian

Hallo Sören  :P,
Ich heiße zwar nich Daniel aber...
Ich danke Dir für deine Hinweise. Nachdem ich ein wenig Informationen gesammelt und eure zahrleichen Hinweise bekommen habe, werde ich eine Zeichnung machen.
Ich bin mir derzeit aber nicht sicher ob ich die Prbe auf den Schlitten setze, denn das verursacht höhere Fertigungskosten (Kreuztich für Probe) im Vergleich zu einer Mikrometerschraube, die fest steht und die Probe nach oben befördert. Zudem kann ich das Messer, wenn es auf dem Schlitten sitzt eher in die Waagrechte bringen.

Aber, wir sind ja erst am Anfang. Ich freue auf eine furchtbar fruchtbare Diskussion (;

Bastian

Detlef Kramer

Lieber Eckhard,
Zitat) Optimal wäre es, wenn der Klingenhalter wagerecht liegt. Dann kann man die Klinge mit Ethanol benetzen - das erleichtert das Schneiden sehr.
Das geht leider nicht oder ich habe das nicht richtig verstanden. Das Messer muss zur Schnittrichtung gekippt werden und zwar einstellbar. Rolf-Dieter hat ja darauf hingewiesen. Er meint 3 - 5 °, ich denke, es können durchaus auch über 10 sein. Nicht umsonst hat Streble den Klingenhalter mit einem festen Winkel von 14 ° konstruiert.

Herzliche Grüße und ein schönes Osterfest,
Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

Vorstellung: Hier klicken

Eckhard

Lieber Bastian,

das kommt davon, wenn man versucht mit dem iPad beim Frühstück Beiträge zu schreiben und einen Haufen PNs zu beantworten.


Lieber Detlef,

ganz wagerecht muss es nicht sein. Bei dem Klingenhalter nach Streble funktioniert das mit dem Benetzen der Klinge ganz wunderbar. 


Herzliche Grüsse
Eckhard
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
Nikon SE2000U (HF, DIK, Ph)
Olympus SZX 12 (HF, DF, Pol)
Zeiss Sigma (ETSE, InLens SE)

www.wunderkanone.de
www.penard.de
www.flickr.com/wunderkanone

hebi19

Ich bin beim Selbstbau dabei - bitte beachten:

ich habe nur eingeschränktes mechanisches Talent und eingeschränkte Werkstatt/Werkzeug-Ausrüstung

Martin
Grüße von
Martin alias hebi19

Motic BA-300, div Lomo, Stereo-Mikroskop noname

Daniel Steiner

Hallo Mikrotombauer (in spe...)
Erstens finde ich das wunderbar, dass da etwas in Gang kommt. Daran bin ich gerne mitschuldig.
Im Gebrauch meines Mikrotoms ist mir aufgefallen, dass sich die Quersteifigkeit durch die Führung des Schlittens nicht auf einer, sondern zwei parallel laufenden Schienen wesentlich verbessern liesse
Ich werde die Entwicklung hier mit Spannung verfolgen!

Herzliche Grüsse, Daniel

Bastian

Guten Morgen Daniel und Martin,

es ist schön dass Du mir bestätigst was ich bei der Führung die Du verwendet hast befürchtete. Ich denke an zwei konventionelle parallel verlaufende Linearführungen für das Mikrotom. So kann auch das Messer waagrecht, oder nahezu waagrecht, d.h. bis 15% Inklination, wenn man Herrn Henkels Terminologie verwendet (Danke für den Link Rolf-Dieter) Ich habe zwei mal unabhängig voneinander das Grundschlittenmikrotom von Leitz genannt bekommen und mir dieses angesehen. Ich muss feststellen, dass das eine kluge Lösung ist. Messer steht fest, Probe wird darunter durchgeschoben. Dadurch dass die Probe "nur" nach oben gefahren werden muss, erleichtert sich die Konstruktion des Schlittens. Man benötigt keinen Kreuztisch, was definitiv eine Konstruktionsvorgabe für mich ist.

Eine grundsätzlich andere Variante wäre, das Messer (samt Halter und Inklinations- und Deklinationsmöglichkeit) auf den Schlitten zu verfrachten und den Probenvorschub zwischen den Führungen im Mirkrtomfuss unterzubringen. Der Vorteil wäre hier eine bessere Handhabung bei der Höhenverstellung, denn diese wäre fest am Mikrotomfuss, also eigentlich ganz ähnlich wie bei Handzylindermikrotomen. Ebenfalls kann auf diese Weise der Wunsch verwirklicht werden mehrere Probenhalter zu verwenden, da diese aufgrund der Schwerkraft am vorgesehenen Ort verbleiben.

Bastian



Jürgen H.

Lieber Bastian,

zu den beiden Varianten kann ich als Besitzer eines Schlitten- als auch eines Rotationsmikrotoms sagen:

Montierst Du das Objekt auf den Schlitten, lässt sich der Schnitt während des Schneidens gefühliger vom Messer abnehmen. Das spielt bei der Paraffineinbettung eine große Rolle, sonst wohl eher weniger.

Montierst Du das Messer auf den Schlitten, lässt sich der Schneidevorgang m. E. gefühliger durchführen.

Schöne Grüße und viel Erfolg

Jürgen

derda

Hallo Bastian,

ich finde deine Idee gut. Was mich allerdings an einem Schlittenmikrotom total anstinkt sind das Gewicht und die Ausmaße eines solchen Monstrums. Im Prinzip gibt es auch keinen Mangel an Schlittenmikrotomen. Gut erhaltene Exemplare sind oft für kleines Geld zu bekommen. Der passende Klingenhalter kostet im Anschluss oft mehr.

Was der "Otto-Normalmikroskopiker" oft sucht sind kleine transportable Mikrotome => bessere Hand- bzw. Tischmikrotome mit einer Messerführung. Ich habe einigen Leuten beim Umgang mit dem Zylindermikrotom auf die Finger geschaut und hätte ihnen häufig gerne das Messer aus der Hand genommen => zwangsgeführt würden auch diese Leute bessere Schnitte machen.

In Kombination Zylindermikrotom & dem Herrmannschen Klingenhalter kommen auch Viele sehr gut zurecht. Vielleicht ein Ansatz aus dieser Kombination etwas Brauchbares herauszuarbeiten.

Viele Grüße

Erik


CMB

Hallo Bastian,
ich sehe das ähnlich wir Erik.

Ein ordentliches Zylindermikrotom mit einer Schlittenführung  für das Messer (Einmalklinge)einschliesslich Schnittwinkeleinstellung wäre aus meiner Perspektive sinnvoll.

Unter Umständen würde es ja reichen, für  die vielen Handmikrotomnutzer einen montierbaren Messerschlitten zu entwerfen, der über das Mikrotom gestülpt wird und mit ihm verschraubt wird.

Freundliche Grüsse
CMB

Bastian

So nun komme ich endlich dazu zu antworten.
Vielen Dank für eure Gedanken. Ich habe ein relative einvernehmliches Echo erhalten:
Demnach erachten die meisten ein solides und ordentliches, kleines, sowie transportables Gerät für das sinnvollste. CMB und Erik haben es ja auch schön zusammengefasst.
ZitatEin ordentliches Zylindermikrotom mit einer Schlittenführung  für das Messer
ZitatWas der "Otto-Normalmikroskopiker" oft sucht sind kleine transportable Mikrotome => bessere Hand- bzw. Tischmikrotome mit einer Messerführung

Das Lastenhaft liest sich daher folgendermaßen:

-   Probenvorschub 10 µm bis 30 µm in 1 bis 2 µm Schritten,
-   Probenhalterung zur Aufnahme von rechteckigen Holzklötzchen (bis zu ca. 12 x 12 mm) und rundem Holundermark (bis ca. 12 mm Durchmesser),
-   Deklination *) des Messers einstellbar bis extrem schräg für Schnittlänge von bis zu 10 cm,
-   Inklination *) des Messers einstellbar (ideale Werte sind 3° bis 5° Grad),
-   Messeraufnahme flexibel für Rasierklinge bis zum plan/konkaven Rasiermesser für botanische Schnitte.
-   hochwertige Umsetzung
-   leicht und transportabel (im Vergleich zu Schlittenmikrotomen u.a. "Großgeräten)

Ich habe bereits ein paar Konstruktionsskizzen angefertigt und werde hoffentlich in den nächsten Tagen dazu kommen ordentliche Zeichnungen zu machen. Diese werde ich dann zur Diskussion stellen.

@ Herbert Dietrich
Du hattest in Johannes' Beitrag eine Konstruktion aus Holz erwähnt. Ich wäre an den Anleitungen sehr interessiert...


HERZLICHE :P Grüße,
Bastian

Herbert Dietrich

Hallo Bastian,

dann gib mir doch Deine e-mail-adresse, ich sende Dir dann die Anleitungen

mein Adresse  herbert.dietrich@online.de

viele Grüße

Herbert

hebi19

Zitat von: Bastian in April 05, 2013, 11:30:05 VORMITTAG

Das Lastenhaft liest sich daher folgendermaßen:

-   Probenvorschub 10 µm bis 30 µm in 1 bis 2 µm Schritten,


Allgemein Zustimmung - nur für die Zoologen (und "Human- oder andere -Histologen)

Bitte bei 5  µm (oder besser 2  µm) anfangen.....bitte

Martin
Grüße von
Martin alias hebi19

Motic BA-300, div Lomo, Stereo-Mikroskop noname