Autor Thema: Gestatten: Michael Baader, München  (Gelesen 10115 mal)

Dypsis

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Gestatten: Michael Baader, München
« am: März 30, 2013, 16:30:05 Nachmittag »
Hallo,

inspiriert Durch Florians neueste Vorstellung und das herrliche Osterwetter, möchte ich meinen Neuzugang vorstellen. Es ist sozusagen ein Mikroskop vom anderen Ende der Fahnenstange, geographisch wie konzeptionell.

(Vielleicht können durch viele "Messingvorstellungen" die Tage doch etwas sonnenscheinartiger werden als es das Wetter zustande bringt)

Ein kleines Mikroskop von Michael Baader, München. Wohl um 1865 gebaut.


Über Michael Baader ist per Tante Google so gut wie nichts herauszubekommen. Die ergiebigste Quelle ist diese Seite: http://www.mikroskop-museum.de/galerie_baader.htm.
Es wäre zwar bequemer hier den Text einzukopieren, aber ich glaube das wäre nicht gut.
Ansonsten habe ich nur zwei kurze Erwähnungen in Jahresberichten und eine Zeitungsanzeige aus der Zeit finden können.

Mein Exemplar weicht etwas von dem im "mikroskop-museum" vorgestellten ab. Der Fuß ist gänzlich aus Eisen. Der Spiegel weißt eine etwas aufwändigere Aufhängung auf. Er lässt sich in verschieden Neigungswinkeln arretieren.
Einen Blick auf ein Objektmikrometer werde ich noch nachreichen, bin auch schon gespannt darauf.

Insgesamt ist das Mikroskop noch sehr schön erhalten. Sogar die Lederauflage am Fuß ist noch da. Alles andere sieht man auf den Bildern. Die Trieb des Feinfokus geht weich und kann am ersten Tag auch nicht besser gegangen sein.
Wenn jemand von Euch noch Information zu diesem Mikroskop bzw. Hersteller hat, würde ich mich sehr freuen, wenn ich an diesen partizipieren dürfte. Es ist doch erstaunlich, wie schnell man mit Tante Google an Grenzen stößt.

Dass ich das Mikroskop bekommen habe freut mich besonders, weil ich gerade begonnnen habe Jagd auf verschiedene mechanische Konzepte der Fokussierung zu machen. Bisher hatte ich noch keines mit der Stellschraube von unten.  :)

Herzliche Grüße
Thomas








































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Florian Stellmacher

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Re: Gestatten: Michael Baader, München
« Antwort #1 am: März 30, 2013, 17:29:37 Nachmittag »
Lieber Thomas,

ein wunderschönes Mikroskop, das ich noch nie gesehen habe! Zudem in wirklich allerschönster Erhaltung. Meine allerbesten Glückwünsche dazu!

Herzliche Grüße,
Florian
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Zeiss Axioskop 40 (DL, Pol, AL-Fluoreszenz)
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purkinje

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Re: Gestatten: Michael Baader, München
« Antwort #2 am: März 31, 2013, 13:37:58 Nachmittag »
Hallo Thomas,
Dir und allen Lesern "frohe Ostern" und gute Suche der Eier im Schnee (auch der Bau eines Schneehasen bietet sich an ;))
Ich habe auch nix allzu konkretes nur so ein paar geggogelte Dinge:
- Diese seite behauptet irgendeinen historischen (familiären?) Zusammenhang zu der renomierten Firma Baader Planetarium GmbH
  Mammendorf/Munich Germany: http://www.astro-physics.com/index.htm?products/accessories/baader/baader_history
- Bei Nägeli /Schwendener "Das Mikroskop, Theorie und Anwendung desselben (1867)" findet sich:
"M Baader in München. Der Körper des Mikroskops ruht 10;i  auf einem viereckigen, schwarz lackirten Fuss von Gusseisen. Die
grobe Einstellung geschieht bei den kleineren Instrumenten wie ge- wöhnlich durch Tubusverschiebung, bei den grösseren mittelst Zahn und Trieb. Die
feine Einstellung vollzieht eine Mikrometerschraube , welche den Tubus hebt und senkt.
Der Tisch ist unbeweglich, der Spiegel seitlich verstellbar. — Die kleineren Instrumente sind äusserst preiswürdig (-15 fl.) und aller Empfehlung werth. " und andernorts
"Die Preise betreffend, so sind zwar die Doublets beträchtlich billiger, als achromatische Objective; sie werden von Zeiss zu 2 — 3 Thlr. , Triplets von 200 —
300facher Vergrösserung zu 6 — 8 Thlr. geliefert, während ein Objectivsystem immerhin doppelt so viel kostet. Allein ein vollständig ausgestattetes einfaches Mikroskop kommt dessenungeachtet auf 26 Thlr. (bei Plössl auf 59 fl. österr. W.) zu stehen, welche Summe gerade ausreicht, um sich ein kleines zusammengesetztes Mikroskop von Baader zu kaufen. "
(den Mikroskopiker plagte also immer schon Geldnot  ;D)
- das deutsche Museum könnte evtl weiterhelfen , also unweit der Fraunhofer , Utzschneider, Reichenbach und Baaderstraße (angeblich aber nach einem Theologen benannt-hmm ob ich das jetzt immer noch glauben soll  mit den ganzen anderen Optikerstraßen rundherum?

Beste Grüße
Stefan

Dr. Timo Mappes

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Re: Gestatten: Michael Baader, München
« Antwort #3 am: März 31, 2013, 16:31:58 Nachmittag »
Nachmals Gratulation zu dem schönen Instrument Thomas!

Deine Fotos unterstreichen was ich Dir vor zwei Tagen bereits schrieb und wird durch das Zitat von Nägeli und Schwenderer noch unterstützt: Baader lehnte sich mit seinen Stativen an Konstruktionen anderer Hersteller an - hier hatte er für den unteren Teil des Instruments ganz offenbar das Stativ von Belthle zum Vorbild, welches in der Literatur der Zeit illustriert war (Abb. 1).


Abb. 1: Mittlerers Stativ von Fr. Belthle, No. 576 aus 1864

Sogar die Raste für die Einstellung des Spiegels ist vergleichbar, vergleiche Abb. 2.


Abb. 2: Beleuchtungsapparat von Mikroskop Fr. Belthle, No. 576 aus 1864

Der Aufbau über dem Tisch folgte dagegen jenem der einfacheren Mikroskope. Während die ebenfalls in München ansässigen Werkstatt von G. & S. Merz (ehemals Utzschneider und Fraunhofer) bereits Ende der 1850er Prismentriebe anbot (Abb. 3), verwendete Baader die mechanisch weit günstigere Lösung der runden Stange zur Führung des Feintriebes.


Abb. 3: Mittleres Mikroskop G. & S. Merz in München, um 1862

Dies ermöglichte Baader seine Mikroskope günstig anzubieten, für mittlere Vergrößerungen reicht die Zuverlässigkeit dieses Triebes noch aus. Die Apertur seiner Objektive war im Vergleich zu jenen der Zeit eher gering - doch genau wie heute galt auch zu jener Zeit: Das Instrument sollte den Anforderungen des Anwenders genügen. Wenn der Anwender das Instrument eher für einfachere Untersuchungen brauchte und keine Erweiterung vorsah, dann benötigte er nicht notwendigerweise hochwertige Optiken von Belthle, Hartnack & Oberhäuser, Merz oder Zeiss.

Beste Grüße
Timo Mappes
PD Dr.-Ing. Timo Mappes
Museum Optischer Instrumente
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Die erste vollillustrierte deutschsprachige Seite zur Geschichte der Mikroskope für die Wissenschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Dypsis

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Re: Gestatten: Michael Baader, München
« Antwort #4 am: März 31, 2013, 21:26:08 Nachmittag »
Hallo Stefan,

danke für die Infos. Gut gegoogelt!
Dann werde ich dem Müncher Optikviertel mal einen Besuch abstatten. Vielleicht warte ich aber noch, bis ich auch ein Fraunhofer, Merz, Utzschneider und die anderen beisammen habe  ;D

Herzliche Grüße
Thomas
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Dypsis

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Re: Gestatten: Michael Baader, München
« Antwort #5 am: März 31, 2013, 21:33:22 Nachmittag »
Liebe Timo,

danke für die vergleichende Gegenüberstellung und Einordnung.
Das ist ja echt frapierend. Als Du es mir geschrieben hattest habe ich zwar auf Deiner Seite nachgeschaut, aber so drastisch ist mir die Ähnlichkeit nicht aufgefallen.
Man hatte da wohl recht wenig Hemmungen aufs Fröhlichste abzukupfern. Aber immerhin, die Form des Fußes ist vom Design her "hübscher" als die beim Belthle (finde ich).
Jetzt hat sich doch schon einiges an Nebel gelüftet. Ich werde Stefans Rat mal befolgen und im Deutschen Museum vorsprechen, vielleicht wissen die auch noch ein bisschen.

Herzliche Grüße und allen Mitlesern noch einen schönen Ostermontag!
Thomas


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Florian Stellmacher

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Re: Gestatten: Michael Baader, München
« Antwort #6 am: März 31, 2013, 21:53:01 Nachmittag »
Lieber Thomas,

es wäre jetzt einmal interessant zu wissen, wie groß Dein Baader ist. Ich weiß, wie groß das Belthle ist, und ich glaube, dass das Baader eine Nummer kleiner ausfällt. Dabei hätten sich dann die Proportionen zwar nicht automatisch verschoben, aber Baader hat es verstanden, das Mikroskop leichter aussehen zu lassen als sein berühmtes Vorbild.

Also mir gefallen beide gleichermaßen!

Herzliche Grüße,
Florian
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Dypsis

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Re: Gestatten: Michael Baader, München
« Antwort #7 am: März 31, 2013, 22:02:16 Nachmittag »
Lieber Florian,

das Baader hat eine Höhe von etwas über 28 cm.
Mir gefällt es besser  :P. Zumindest bis ich das entsprechende Belthle habe...
Ich finde, auf den Bildern sieht es riesig aus. In echt ist es so etwa in der Liga des 4a/b von Belthle, also eher "übersichtlich"

Herzliche Grüße
Thomas
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Florian Stellmacher

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Re: Gestatten: Michael Baader, München
« Antwort #8 am: März 31, 2013, 22:06:05 Nachmittag »
Lieber Timo,

ich bin sicher, Du kennst dieses Mikroskop, aber hier ist der Fuß dem Baader von Thomas von den Umrissen sogar noch ein bisschen ähnlicher:



Dieses Belthle (die dreistellige Nummer kann ich leider auf meinem Foto nicht entziffern (429?), das Fotografieren in die schlecht beleuchtete Vitrine war eine Herausforderung!) steht in der Beck´schen Sammlung im Neunen Rathaus in Wetzlar. Ob das Stativ auf dem Fuß drehbar ist?

Herzliche Grüße,
Florian
« Letzte Änderung: März 31, 2013, 22:16:34 Nachmittag von Florian Stellmacher »
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Florian Stellmacher

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Re: Gestatten: Michael Baader, München
« Antwort #9 am: März 31, 2013, 22:09:53 Nachmittag »
Lieber Thomas,

so viel größer ist das Stativ 2 von Belthle dann aber auch nicht.

Herzliche Grüße,
Florian
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