Bestimmung Blattfußkrebse und unbekannter "Wurm"

Begonnen von Moritz Kann, Juni 17, 2024, 23:14:05 NACHMITTAGS

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Moritz Kann

Hallo zusammen,

kann mir jemand bei der Bestimmung folgender Tierchen helfen?

Bild 1, 2 & 3: Ich habe versucht es mit dem "Leben im Wassertropfen" von Streble & Krauter zu bestimmen. Vielleicht Daphnia longispina? Kann das jemand bestätigen?
Bild 3 ist nicht das selbe Individuum, wie auf Bild 1 & 2, ich habe einfach mal vermutet, dass es die gleiche Art ist.

Bild 4: Hier bin ich leider völlig blank.

Bild 5 & 6: Bei diesem Viech weiß ich nichtmal, wie ich es einordnen soll, deshalb nenne ich es mal "Wurm" :-\
Ich hatte zuerst etwas zu wenig Wasser auf den Objektträger gemacht, deshalb wurde er zwischen Objektträger und Deckglas zerquetscht (siehe Bild 5). Erstaunlicherweise hat er sich innerhalb weniger Minuten wieder vollständig von selbst "zusammengeflickt"  :o , auch wenn er einige seiner "Innereien" zurücklassen musste. Bild 6 ist nachdem er sich wieder zusammengesetzt hat. Der "Wurm" hat sich nur sehr langsam bewegt und ist die ganze Zeit zumindest so einigermaßen rund geblieben. Er ist recht dunkel und relativ undurchsichtig, deshalb sind die inneren Strukturen nur undeutlich erkennbar.

Falls ihr noch Infos braucht, gerne schreiben! Ich habe von den meisten Viechern recht viele Bilder gemacht, falls ihr bestimmte Strukturen nochmal deutlicher braucht, einfach Bescheid geben, vielleicht findet sich ein geeignetes Bild.

Vielen Dank schonmal im Voraus!

LG Moritz


Bild 1:
P1240735 (Individuum 1).JPG

Bild 2:
P1240776 (Individuum 1).JPG

Bild 3:
P1250022 (Individuum 2).JPG
Weiß jemand, was die beiden Strukturen auf der Rückseite des Viechs sind? Sieht aus wie Eier...

Bild 4:
P1240790 (Individuum 3).JPG

Bild 5:P1240780 (Individuum 4).JPG

Bild 6:
P1240834 (Individuum 4).JPG

Daniel Scheibenstock

Hallo,

könnten es Planarien sein, diese hätten die beschrieben Selbstheilungsfähigkeiten.

mfg

Daniel

Moritz Kann

Zitat von: Daniel Scheibenstock in Juni 18, 2024, 13:26:47 NACHMITTAGSkönnten es Planarien sein, diese hätten die beschrieben Selbstheilungsfähigkeiten.

Hallo Daniel,
da habe ich im ersten Moment auch dran gedacht, als ich festgestellt habe, dass dieser Wurm besagte Selbstheilungskräfte hat. Aber das erscheint mir nicht wirklich realistisch. Planarien sind bilateralsymmetrisch, man sollte ein Vorne, Hinten, Rechts und Links erkennen, aber das ist hier definitiv nicht der Fall.
Außerdem bezieht sich die "Selbstheilungskraft" bei Planarien nach meinem Wissen darauf, dass Organe und Gewebe vollständig aus eigentlich anders differenzierten Zellen neu gebildet werden können, auch wenn das eigentliche Gewebe verschwunden ist. Also wenn man sie durchschneidet, wächst auf der einen Hälfte der Kopf und auf der anderen der Körper nach. Aber ich lasse mich gerne korrigieren, falls das Quatsch ist.

Jedenfalls erschien es mir eher, als hätte sich die zerrissene Zellmembran wieder zusammengefügt (oder die äußere Zellschicht - ich bin mir nicht einmal sicher, ob es ein Ein- oder Mehrzeller ist). Denn es sah hinterher wieder nach einer "glatten Außenkante" aus und er hat auch keine Zellbestandteile mehr bei der Fortbewegung verloren.
Zumal ich mir kaum vorstellen kann, dass sich eine Planarie innerhalb weniger Minuten wieder vollständig zusammenflickt. :-\

LG Moritz

Michael Plewka

Hallo Moritz,

sinnvoll ist es immer, den Fundort der Probe möglichst genau anzugeben, sowie die Größe des Objekts (NICHT! die Vergrößerung). Das ist für das Objekt von Bild 5+6 besonders wichtig.

Bei Bild 4 würde ich in Richtung Simocephalus suchen; siehe mal als Beispiel  hier:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Crustacea/e-Crustacea/e-source/Simocephalus-vetulus.html



Schaut man sich das  Objekt von Bild 5 genauer an, fällt die Oberfläche mit Cilien auf. Da muss man  also entscheiden können, ob es ein Ciliat ist oder nicht. Da wäre somit auch die Größe (s.o.) entscheidend. irgendwelche weiteren Strukturn wie z.B. Extrusome sind nicht erkennbar, spricht also gegen einen Ciliat. Dann kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu:
Ich habe mir erlaubt, eine m.E. wichtige Struktur hier zu markieren:



Sowas gibt es bei Ciliaten nicht, wohl aber bei Strudelwürmern, wo es sich dann um Drüsen im Zusammenhang mit dem Pharynx handelt. Sowas ist auf den Bilden hier (aber von einer anderen Art) zu sehen:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Turbellaria/e-source/Typhoplana%20viridata.html

Mehr wird man wohl kaum zu diesem Zombie sagen können.

Beste Grüße
Michael Plewka

B.Neuhaus

Lieber Moritz,

ich vermute ebenso wie Michael aus den von ihm genannten Gründen, dass es sich bei dem Wurm um einen Strudelwurm handelt. Das Tier hat allerdings eher keine "Spontanheilung" seiner Innereien hinter sich, denn die Regeneration von Organen dauert Tage und Wochen. Ich nehme vielmehr an, dass der Darminhalt bei zunehmendem Deckglasdruck ausgepresst wurde. Anschließend hat der Wurm das Ausgewürgte wieder aufgenommen.

Viele Grüße
Birger

Moritz Kann

Vielen Dank Michael, für deine sehr ausführliche Antwort und auch Birger, für deine Ergänzungen.

Der Tümpel liegt in einem nahegelegenen Naturschutzgebiet (ehem. Steinbruch). Er hat sehr klares und sauberes Wasser und führt das ganze Jahr über Wasser (ich bin dort häufiger). Hat aber, soweit ich das beurteilen kann, keinen Zu- oder Abfluss.
Angesichts des wochenlangen Regenwetters bei uns im Raum Stuttgart, war der Tümpel gut gefüllt und hat auch einen Teil der Wiese in Anspruch genommen (also ist übergelaufen). Er ist nicht sehr groß und zu einem guten Teil von Bäumen umgeben, trotzdem viel der Sonne ausgesetzt. Viel mehr kann ich jetzt auch nicht sagen. Es waren hauptsächlich Wasserflöhe und Hüpferlinge im Wasser, aber auch noch anderes Getier, insbesondere Glockentierchen, die sich auch gerne auf den kleinen Krebstierchen festgeheftet haben.

Zur Größe habe ich eben ein Bild vermessen. Ich habe nicht das selbe Foto genommen, aber ich finde durch die Überbelichtung erkennt man die "Innereien" sehr gut, vielleicht ist das hilfreich.

Plattwurm vermessen.jpg

Zitat von: Michael Plewka in Juni 20, 2024, 13:49:35 NACHMITTAGSSchaut man sich das  Objekt von Bild 5 genauer an, fällt die Oberfläche mit Cilien auf.
Also so sehr ich mich auch anstrenge, ich kann da keine Cilien sehen, vielleicht magst du mir nochmal mit einem deiner grünen Pfeile helfen.

Ich hätte ja jetzt echt nicht erwartet, dass es sich um einen Plattwurm handelt, irgendwie würde ich da etwas symmetrischeres erwarten. Aber vielleicht hatte er sich auch einfach noch nicht richtig "zurechtgeformt", nachdem ich ihn zerquetscht habe.

LG Moritz

Michael Plewka

Hallo Moritz,

vielen Dank für die inhaltlichen Ergänzungen. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, von allen Fundorten/Probeentnahmestellen  Fotos zu machen. Ist mit einem Smartphone  kein Hexenwerk. Dadurch werden Details sichtbar, deren schriftliche Beschreibung viel zu lange dauert.

ZitatAlso so sehr ich mich auch anstrenge, ich kann da keine Cilien sehen, vielleicht magst du mir nochmal mit einem deiner grünen Pfeile helfen.

ZitatIch habe von den meisten Viechern recht viele Bilder gemacht, falls ihr bestimmte Strukturen nochmal deutlicher braucht, einfach Bescheid geben, vielleicht findet sich ein geeignetes Bild


Da würde es sich doch  anbieten, die entsprechenden Bilder mal zu durchforsten; ansonsten macht es hier im Forum m.E. wenig Sinn, weiter an der Bestimmung dieses bis zur Unkenntlichkeit veränderten Viechs zu werkeln; da halte ich es für sinnvoller, in weiteren Proben nach ähnlichen Viechern Ausschau zu halten, um dann entspechende Merkmale besser zu dokumentieren.

Beste Grüße
Michael Plewka

Moritz Kann

#7
Hallo Michael,

Zitat von: Michael Plewka in Heute um 09:33:22 VORMITTAGMittlerweile habe ich mir angewöhnt, von allen Fundorten/Probeentnahmestellen  Fotos zu machen.
Da kann ich sogar Abhilfe schaffen ;D . Zugegeben, das Bild ist vielleicht nicht 100% optimal.

IMG_20240615_182358329_HDR.jpg

Nach links ist der Teich noch ein kleines Stück weiter, im Wesentlichen ist der größte Teil aber zu sehen. Das Foto ist mit Blick nach Norden aufgenommen, auf der Seite, auf der ich stehe ist nur ein Baum (links von mir), der den Tümpel beschattet, ansonsten ist er nach Süden frei.

Zitat von: Michael Plewka in Heute um 09:33:22 VORMITTAGda halte ich es für sinnvoller, in weiteren Proben nach ähnlichen Viechern Ausschau zu halten, um dann entspechende Merkmale besser zu dokumentieren.
Das ist eine gute Idee, wenn ich etwas Zeit finde, werde ich mir nochmal eine neue Probe beschaffen. Vielleicht gibt auch die alte Probe noch etwas her, die noch bei mir im Kühlschrank steht. Mal sehen...

Kannst du mir ein paar Tipps geben, auf welche Merkmale ich im Bezug auf den Strudelwurm konkret achten soll, wenn ich ihn noch einmal dokumentiere? Oder sind das im Wesentlichen die bisher genannten Merkmale (Cilien, Größe, Drüsen am Pharynx)?

Sobald es Neuigkeiten gibt, melde ich mich!

LG Moritz

Michael Plewka

hallo Moritz,

der Tümpel sieht doch schon sehr vielversprechend aus! Dieses Gewässer bietet mit Sicherheit für viele Monate mikroskopische Beschäftigung, zumal sich ein solches Gewässer im Lauf der Zeit  verändern wird und damit auch die Flora und Fauna.

Du hast ja offenbar Zugriff auf den "Wassertropfen"; da steht ja vorne schon eine Menge zu den einzelnen Gruppen der Strudelwürmer. Wenn Du tiefer einstigen willst, brauchst Du Fachliteratur. Da mein Fokus auf andere Viecher gerichtet ist, kenne ich mich nur oberflächlich aus: einen Bestimmungsschlüssel findest Du in der "Süßwasserfauna Deutschlands," (Band 19; antiquarisch), der dann schon einmal die Gattungen anspricht. Lässt sich bestimmt im www. herunterladen.


Beste Grüße
Michael Plewka