Autor Thema: Busch Kleinmikroskop  (Gelesen 12044 mal)

Jürg Braun

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Busch Kleinmikroskop
« am: April 07, 2013, 21:42:56 Nachmittag »
Guten Tag

Heut ist mir die Mutter vom ROW Kleinmikroskop B zugelaufen. Es scheint aus der Zeit zu stammen, in der es auch im Osten von Deutschland noch Messing gab. Denn im Gegensatz zur aus Plaste und Aluminium gefertigten Tochter, wurden hier noch hochwertige Materialien verwendet. Dies schlägt sich im deutlich höheren Gewicht nieder.

Optisch ist es einfach aufgebaut. Das wechselbare Okular mit ca. 15-facher Vergrösserung ist in der Ausführungqualität und Abbildungsleistung um Welten besser als das von ROW. Es zeigt bei 100-facher Vergrösserung einen Bildkreis von 1.55mm, was sehr beachtlich ist.

Das mit 1 und 2 gravierte Satzobjektiv erzeugt mit der Linse 1 eine Vegrösserung, abhängig von der Tubuslänge, von 30x bis 75x, mit beiden Linsengliedern von 100x bis 200x. Zur Fokussierung läst sich der gesamte Tubus im Stativ verschieben. Für die Feinfokussierung verfügt das Objektiv über ein Gewinde mit Anschlag.
Beleuchtet wird über einen Planspiegel. Einen Kondensor gibt es nicht.

Da die Firma Busch nach dem zweiten Weltkrieg in den VEB ROW eingegliedert wurde, weiss ich nur, dass es aus der Vorkriegszeit stammen muss.

Anzumerken ist, dass das ganze Mikroskop mit sehr grosser Sorgfalt gebaut wurde. Sämtliche Gravierungen sind ausserordentlich fein. Selbst das Objektiv hat noch eine eingravierte Nummer.


Die mit grünem Samt ausgeschlagen Schachtel.


Das bescheidene Mikroskop.


Der Schriftzug.

Gruss in die Runde

Jürg

Tausendblatt

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #1 am: April 07, 2013, 23:32:09 Nachmittag »
Moin,

sehr interessant, danke für's Zeigen. :-)

Viel Freude noch mit dem schönen Mikroskop.

Viele Grüße

Jens

Florian Stellmacher

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #2 am: April 08, 2013, 08:57:57 Vormittag »
Lieber Jürg,

ein hübsches kleines Mikroskop! Leider kann ich es im Moment nicht bestimmen.

Zur Geschichte der Firma Busch hatte ich HIER schon einmal etwas geschrieben.

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 40 (DL, Pol, AL-Fluoreszenz)
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Leitz Orthoplan (DL, DF, Pol, AL-Fluoreszenz)
Zeiss Phomi I - III (DL, DL-DIK, Phako, AL-Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Klaus Henkel

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #3 am: April 08, 2013, 12:51:51 Nachmittag »
Lieber Jürg,

ein hübsches kleines Mikroskop! Leider kann ich es im Moment nicht bestimmen.

Zur Geschichte der Firma Busch hatte ich HIER schon einmal etwas geschrieben.

Herzliche Grüße,
Florian

Lieber Herr Stellmacher!

Ihre Antwort mit Hinweis auf Busch hat mich veranlaßt, Ihren veranlaßt, Ihren älteren Beitrag zu ROW nochmals nachzulesen. Dabei ist mir folgender Satz aufgefallen:
Zitat
"Die Firma Busch in Rathenow ist Nachfolgerin der Firma Duncker und Vorgängerin der ROW bzw. eines Teils des VEB Kombinat Carl Zeiss Jena und lebt heute noch in der Firma Askania fort."

Dazu möchte ich zwei Ergänzungen machen:

Erstens
Strenggenommen gibt es keinen Mikroskophersteller namens Askania. Die Firma heißt, wie Ihnen ja bekannt Mikroskop Technik Rathenow GmbH. Askania ist nur eine Marke, wie Aspirin ein Markenname der Bayer AG oder Plexiglas eine eingetragene Markenbezeichnung von Röhm & Haas in Darmstadt ist. Die neue Rathenower Nachwendefirma war auf der Suche nach einem griffigen Markennamen auf den Namen der früheren Firma Askania Werke Aktiengesellschaft gestoßen, die sich gegen Ende der Sechziger mit Forschungs- und Entwicklungsausgaben übernommen hatte und deshalb auf eigenen Wunsch 1971 von der Siemens AG gekauft wurde. Seither lagen die Rechte an der Wort- und Bildmarke Askania bei der Siemens AG, die sie dann an die Rathenower abtraten bzw. verkauften.

Zweitens
Sie erwähnen die Viel[linsen]schleifmaschine des Pastors Duncker aus Rathenow. Vielleicht ist interessant, daß er mit dieser urtümlich aussehenden, 1801 patentierten Maschine als Erster in der Lage war, viele Linsen mit gleichen Krümmungsradien gleichzeitig maschinell zu schleifen und zu polieren. Damit hat er damals die optische Industrie in Deutschland revolutioniert, so daß sie in der Lage war, den ausländischen Firmen in Qualität und Preis Paroli zu bieten. Dieser Vorsprung war ein ganzes Jahrhundert lang für die Konkurrenz in anderen Ländern nicht aufholbar.

Beste Grüße

Florian Stellmacher

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #4 am: April 08, 2013, 13:18:15 Nachmittag »
Lieber Herr Henkel,

vielen Dank für Ihre wichtigen Ergänzungen. Die Firma Mikroskop Technik Rathenow GmbH als eigentlicher Hersteller der Askania-Mikroskope ist mir wohl bekannt, und natürlich habe Sie völlig recht, dass Askania nicht der Hersteller sondern der Produktname ist. Gleichwohl kennt man die Mikroskope eben unter dem Namen Askania, sodass auch mir das hier durcheinander geraten ist.

Die Viel(linsen)schleifmaschine konnte ich leider nicht fototgrafieren. Sie sieht verblüffend "bodenständig" aus, wenn man bedenkt, mit welcher Präzision sie ihre Arbei verrichten konnte. Man würde, um ehrlich zu sein, so eine Maschnine eher in der Landwirtschaft vermuten, gleichwohl bedeutete ihre Erfindung einen Durchbruch und darf vielleicht als Beginn der optischen Industrie angesehen werden.

Herzliche Grüße,
Ihr
Florian Stellmacher
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TPL

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #5 am: April 08, 2013, 19:01:08 Nachmittag »
Glückwunsch, Jürg, zu diesem hübschen kleinen Mikroskop!

Mit der zeitlichen Einordnung wäre ich allerdings vorsichtig: auch während des Kriegs wurden Mikroskope gebaut und in den unmittelbaren Folgemonaten wurden auch in der russischen Besatzungszone noch Mikroskope nach alten Bauplänen montiert und ausgeliefert. Dabei wurden - zumindest bei Zeiss Jena - auch noch mindestens bis 1946 alte Druckstöcke für die Bedienungsanleitungen verwendet deren Gestaltung eher in die frühen 1930er Jahre passt. Ich halte es für möglich, dass auch bei Busch das gravierte Firmenemblem allein nicht zur exakten Altersbestimmung ausreicht.

Viel Freude mit Deinem kleinen Schätzchen.
Viele Grüße
Thomas

Klaus Henkel

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #6 am: April 08, 2013, 19:35:17 Nachmittag »

Die Viel(linsen)schleifmaschine konnte ich leider nicht fototgrafieren. Sie sieht verblüffend "bodenständig" aus, wenn man bedenkt, mit welcher Präzision sie ihre Arbei verrichten konnte. Man würde, um ehrlich zu sein, so eine Maschnine eher in der Landwirtschaft vermuten, gleichwohl bedeutete ihre Erfindung einen Durchbruch und darf vielleicht als Beginn der optischen Industrie angesehen werden.


Lieber Herr Stellmacher!

"Damit hat er damals die optische Industrie in Deutschland revolutioniert" schrieb ich. So ein Unsinn. Siehe oben. Tatsächlich gab es weder hierzulande noch sonstwo auf der Welt eine "optische Industrie". Es war ja noch die Zeit der kleinen feinmechanischen Werkstätten. So wie Sie es ausdrücken, ist es gewesen: Duncker hat mit seiner gebastelten Erfindung den optisch-mechanischen Werkstätten den den Weg zur industriellen Fertigung von Glaslinsen erst gewiesen, industriell-rationelle Brillen- und Objektiv-Fertigung erst ermöglicht.

Mit der Bitte um Entschuldigung für meine ungenaue Ausdrucksweise
Ihr
Klaus Henkel


Florian Stellmacher

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #7 am: April 08, 2013, 19:54:54 Nachmittag »
Lieber Herr Henkel,

nun stellen Sie bitte nicht zu sehr Ihr Licht unter den Scheffel! So, wie wir nun gemeinsam die Sache formuliert haben, ist sie sicherlich richtig.

Vielleicht sollte man Duncker einmal einen eigenen Beitrag widmen!

Herzliche Grüße,
Ihr
Florian Stellmacher
« Letzte Änderung: April 08, 2013, 20:43:41 Nachmittag von Florian Stellmacher »
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Alfons Renz

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #8 am: April 08, 2013, 21:08:46 Nachmittag »
Hallo Jürg,

Hier noch der jüngere Bruder Ihres Kleinmikroskops, die Nr. 18131, also ca. 2.500 Nummern früher.



Auch ich würde die Produktion eher in die Vorkriegszeit verlegen.

Mit herzlichen Grüßen,

Alfons

Florian Stellmacher

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #9 am: April 08, 2013, 21:39:15 Nachmittag »
Lieber Jürg,

Dein Mikroskop ist in DIESER QUELLE auf Seite 8 abgebildet. Das Herstellungsjahr wird mit "um 1925" angegeben.

Mein eigener Bücherschrank gibt leider nichts Gescheites her, ich habe bisher nur eine unkommentierte Abbildung des Mikroskops finden können.

Herzliche Grüße,
Florian
« Letzte Änderung: April 08, 2013, 21:49:51 Nachmittag von Florian Stellmacher »
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David 15

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #10 am: April 08, 2013, 21:44:08 Nachmittag »
Hallo Florian,

Sobald man den hintersten Punkt aus der Adresszeile entfernt, funktioniert dein Link auch  ;)

Viele Grüße
David
« Letzte Änderung: April 08, 2013, 21:46:28 Nachmittag von David 15 »
''Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.'' ( Albert Schweitzer)

Vorstellung: ''Hier''

Florian Stellmacher

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Re: Busch Kleinmikroskop
« Antwort #11 am: April 08, 2013, 21:50:43 Nachmittag »
Danke, David,

daran lag's!

Herzliche Grüße,
Florian
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