Autor Thema: Kosmos-Mikroskop "C" und Deutsches Schulmikroskop "A" von R. Winkel  (Gelesen 7152 mal)

Dünnschliffbohrer

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Kosmos-Mikroskop "C" und Deutsches Schulmikroskop "A" von R. Winkel
« am: Mai 11, 2013, 00:43:26 Vormittag »
Liebe Foristen,
zunächst muss ich mich mal entschuldigen, wenn ich öfters mal Diskussionen anstoße, aber dann nicht die Zeit finde, daran weiter zu schreiben. Nachdem ich endlich mal ein paar Tage wohl verdienten Urlaub habe, möchte ich mal zwei Mikroskope zeigen, die dem einen oder anderen aus der Literatur bekannt sein mögen. Nachdem in einem anderen Faden kürzlich nach Kosmos.-Mikroskopen gefragt wurde, passt es umso besser, dass ich die beiden Mikroskope schon seit  längerem vorstellen wollte. Zunächst das ältere von beiden, es stammt aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, denn es ist nur mit R. Winkel (bis 1911, nicht mit Winkel-Zeiss, ab 1911) gemarkt:

Deutsches Schulmikroskop A





Leider war es einzeln, d.h. ohne Zubehör und Schränkchen. Den Zweifachrevolver habe ich abgeschraubt und für das Kosmos-Modell verwendet, da er zusätzlich mit einem neueren Fremdobktiv von Hertel und Reuss bestückt war, was zeitlich nicht ganz zusammen passte. Immerhin ein Indiz, wie lange das Instrument im Einsatz gewesen sein muss. Das Mikroskop wird in Hanns Günther: "Das Mikroskop und seine Nebenapparate", Handbuch der Mikroskopischen Technik, Band 1 auf Seite 16 vorgestellt. Es ist mit einer Prismenschraube als Feintrieb ausgestattet. Unter dem Tisch ist eine Irisblende - im  Unterschied zu dem Kosmos - Mikroskop, welches mit einer Schiebehülse für Zylinderblenden in der Grundausstattung versehen ist.


Irisblende durch den Beleuchtungsspiegel von unten fotografiert.



Der Tubusauszug mit der Typ-Bezeichnung.


Abbildung aus Günther, S. 16.

Es gab im Übrigen auch von E. Leitz ein "Deutsches Schulmikroskop GH", abgebildet in Rolf Beck: "Die Mikroskope von Ernst Leitz  in Wetzlar" auf S. 77.

Das Kosmos-Mikroskop C wirkt moderner, es ist auch deutlich jünger, aus den späten 20er Jahren. Seit wann es gebaut wurde, ist mir nicht bekannt. Mein Exemplar des Buches von H. Günther stammt von 1918. Daher vermute ich, dass es wohl schon vor dem ersten Weltkrieg produziert worden ist. Das 1918, nach dem Diktat von Versailles, sofort neue Mikroskop-Modelle auf den Markt gebracht worden sein sollten, erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Vieleicht weiss jemand mehr hierzu?

Abbildung aus Günther (1918):


Das Mikroskop befand sich in einem ausgesprochen gutem Zustand. Es kam in dem Schränkchen, und alle Triebe liefen wie neu. Bis auf eines der beiden Okulare war auch die Optik sauber (das war aber auch schnell gereinigt). Es fehlt nur die Tischeinlegeplatte, was aber bei der Benutzung kein Problem darstellt. Eine passende Unterlegscheibe als Ersatz habe ich noch nicht gefunden. Das Loch im Tisch ist klein genug, dass kein Objektträger hinein fallen kann. Ausgestattet war es neben den beiden Okularen (2 und 5) mit zwei Objektiven I. / I.+II. [bzw. A / A+B], und 5). Eines davon ist ein Satzobjetiv, so dass Gesamtvergrößerungen von 27 bis 550 mit der Grundausstattung möglich sind. Bei H. Günther wird es auf Seite 12 vorgestellt.



Die Feineinstellung erfolgt über eine Schlittenschraube (Günther, S. 21).

Bemerkenswert ist auch, dass der Hersteller im Unterschied zu allen späteren Kosmos-Mikroskopen klar erkennbar ist. Das Zeiss-Winkel Firmenzeichen und die Seriennummer sind sogar viel auffälliger, als die sehr unauffällige feine Gravur am Tubusauszug, die das Instrumet überhaupt erst als "Kosmos" erkenntlicht macht.






Hier die Zylinderblenden:


Mit dabei war außerdem ein Testpräparat, welches aber von dem stärksten Objektiv nicht aufgelöst wird. Da die Firma Winkel sicherlich kein Testpräparat beigelegt hat, um zu zeigen dass die Objektive nichts taugen, gehe ich davon aus, das es am fehlenden Kondensor liegt, den man seinerzeit zusätzlich erwerben konnte, wie auch den Objektührungsapparat. Leider habe ich bisher noch keinen Kondensor gefunden, der in die Steckhülse passt. Ich hab mir aber vorgenommen, einmal das Objektiv Nr. 5 in ein neues Mikroskop einzuschrauben, um  so die Vermutung zu überprüfen. Mit Kondensor und Objektführer könnte man es sogar heute noch als einfaches Kurs- und Labormikroskop verwenden.



Außerdem waren noch einige weitere Präparate dabei. Ob es Original-Kosmos-Präparate sind?  Ein entsprechnder Hinweis auf den Etiketten ist nicht erkennbar.

Zum Schluß noch etwas Werbung für das schöne Instrument aus Brohmer & Stehli (1925): Das Mikroskp in der Schule, 3 Aufl., Stuttgart.



Leider zeigt die Vorschau, dass irgend etwas mit der Ausrichtung der Bilder nicht funktioniert hat. Wenn mir jemand einen entsprechenden Hinweis geben kann, werde ich es gerne ändern.

Viel Spass bei der Lektüre,

Dünnschliffbohrer
« Letzte Änderung: Mai 11, 2013, 15:27:14 Nachmittag von Dünnschliffbohrer »
"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]