Autor Thema: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen  (Gelesen 6600 mal)

Jürgen Ibs

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Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« am: März 22, 2009, 18:32:31 Nachmittag »
Halle,

da es mit dieser Tage an Zeit für gründliche Studien am Mikroskop fehlt, schmökere ich ab und zu zur Entspannung und Anregung für weitere Arbeiten in alten Mikrokosmosheften (eine Labsal und wahre Fundgrube).
Dabei fiel mir auf, dass die Firma Wilhelm Will KG 1969 für ihre Mikroskope mit dem Hinweis warb, dass die Formgestaltung durch die Folkwang-Schule in Essen erfolgt sei. Die Miks sehen ja auch schön aus. Leica wirbt für das DMLS und andere Miks der Reihe mit den weltbekannten Designern Ernest Igl und Christopher Apothéloz. Der Österreicher Carl Auböck soll 1964 einen Preis für Miks bekommen haben (welches?).
Auch das berühmte McArthur Kleinmikroskop hat 1972 einen Preis in Edinburg abgesahnt.
Nun finden wir Freizeitmikroskopiker Mikroskope ja oft "schön", v.a. unsere eigenen. Zum guten Design gehört jedoch mehr als bloße Ästhetik. Form, Farbe, die Oberfläche, die Geräusche, die es macht, und die Ergonomie usw. müssen gestaltet werden. Heute werden dazu offenbar Designer herangezogen, aber auch frühere Mikroskope hatten eine schönes Design. Ich will gar nicht von den älteren des 18. und frühen 19. Jahrhunderts reden, die schon aufgrund ihres Alters schön sind. Aber auch Mikroskope wie die von Leitz ab ca. 1909 gebauten muten schön an (Jugendstilfuß) und waren sicher in ihrer Zeit ergonomisch durchdacht, auch wenn es den Begriff möglicherweise noch nicht gab. Gleiches gilt für fast alle Zeiss Miks, so auch für das etwas spätere Standard oder die Optons.  Die Reihe ließe sich fast endlos ergänzen, obwohl manche nicht meinen Geschmack treffen. Aber das persönliche Geschmacksurteil allein zählt bei der historischen Betrachtung ja nicht.

Meine Frage: Kann man ermitteln, wer hinter berühmten Miks steht, seien es Designer oder Größen der Zunft wie Kurt Michels? Gibt es schon Literatur oder Web-Seiten darüber?

Grüße

Jürgen
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Meine Vorstellung:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34.0

PAKRO

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #1 am: März 22, 2009, 20:30:05 Nachmittag »
Hallo Herr Ibs!

Ihren Ausführungen kann ich nur zustimmen! Aber ich möchte ihre Auflistung um ein weiteres Mikroskop, den "Mikrobenjäger" der Firma Steindorff erweitern. Diese Mikroskop sucht meiner Meinung nach seines gleichen betreffend Design.

Zu diesem Mikroskop habe ich zufällig auch heute morgen einen Link auf meiner Webseite veröffentlicht der
nähere Details zum "Mikrobenjäger" für alle Interessierten beinhaltet.

Beste Grüße

Peter

Peter V.

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #2 am: März 22, 2009, 20:47:46 Nachmittag »
Hallo!

Ja, beim Stichwort Mikroskop-Design fällt mir auch immer der "Mikrobenjäger" ein. Hier gibt es eine realtiv lange Abhandlung zum "Microbe Hunter" und Steindorff; eine der ausfürhlichsten zu dieser Firma. Gemessen an der Zahl der bei ebay angebotenen Mikroskope ( nicht das Modell Mikrobenjäger, sondern die normalen Labormikroskope ) ist die ergoogelbare Informationslage über Steindorff mehr als dürftig.

http://www.microscopy-uk.org.uk/mag/artdec08/mm-mdc-steindorff.html


Ich konnte mich lange nicht entscheiden, ob ich den Mikrobenjäger "potthäßlich", schön, originell oder skurril finden sollte. Meine Ansicht hat sich im Laufe der Zeit aber deutlich von "häßlich" zu "schön" gewandelt. Sicher aber ein sehr außergewöhnliches Design.
Außergewöhnliches ( vielleicht sogar besser umschrieben als "gewohnungsbedürftiges" ) Design war ohnehin eine Stärke ( oder möglicherweise die letztlich zum Konkurs führende Schwäche? ) dieses Unternehmens.
In den - wie ich vermute - Siebzigern und vielleicht auch noch Achtzigern hat Steindorff ein extrem schweres, wuchtiges und unverwüstliches Mikroskop in moderner, "eckiger" Form ( ähnlich den grauen Ortholux, DialuX etc. Modellen von Leitz, nur noch wuchtiger und schwerer ) gebaut. Das Besondere daran: ich glaube, daß Steindorff weltweit die einzige Firma war, die es gewagt hat,  Mikroskope nicht in schwarz, weiß oder grau, sondern - absolut dem Zeitgeist entsprechend - komplett grün und quiteschorange angeboten hat! Da fehlte nur noch die Prilblume drauf......
Jedenfalls hat sich Steindorff wohl immer schon vom Mainstream im Mikrskopdesign unterschieden.
Aber wie pflegt eine meiner Mitarbeiterinnen im zu sagen "Schönheit entsteht im Auge des Betrachters".

Zu den meines Erachtens "ästhetischsten" Mikroskpen gehören naben dem zweifellosen "Sieger" in dieser Kategorie, dem schwarzen Zeiss Standard, auch das "Große Forschungsmikroskop Lumipan" von Zeiss Jena.

Herzliche Grüße
Peter

Ach, noch etwas...falls jemand einen "Mikrobenjäger" hat und ihn loswerden möchte....allzeit bereit!



« Letzte Änderung: März 22, 2009, 21:15:00 Nachmittag von Peter Voigt »
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Jürgen Ibs

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #3 am: März 22, 2009, 21:03:15 Nachmittag »
Hallo, beide Peter ;),

eine ausgesprochen ausführliche und gut gestaltete Seite über das extravagante und schöne Mikroskop. Herzlichen Dank für den Hinweis.

Grüße

Jürgen

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PAKRO

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #4 am: März 22, 2009, 21:22:56 Nachmittag »
Hallo!

Also was Carl Auböck betrifft kann ich mit folgender Info dienen:

Zitat: "Auböck war in seiner gestalterischen Arbeit stets an Problemlösungen interessiert. Zukunftsweisend war dabei sein Entwurf des Mikroskops «Neopan» (1963) für die Firma Reichert/Optische Werke. Es brachte durch seine neuartige Justierung eine deutlich erleichterte Handhabung sowie bessere Reinigungsmöglichkeiten."

Quelle: http://www.designlexikon.net/Designer/A/aubockcarl.html


Beste Grüße

Peter

Peter V.

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #5 am: März 22, 2009, 21:29:10 Nachmittag »
Hallo!

Noch ein kurzer Nachtrag zu Steindorff:

Anbei Fotos des besagten Mikroskopes, das es auch in grün und knallornage gab ( ich habe hier jetzt nur ein Foto der weiß-grauen-Version )

Dann noch ein weiteres "Steindorff": Man beachte an dem schwarzen Mikroskop die extrem simple, aber dennoch absolut funktionelle Einrichtung für das Einschwenken und die Zentrierung der Phasenkontrastringblenden.


Übrigens waren alle Steindorff-Kreuztische "umgekehrt" konstruiert - also mit dem Objektträger"anschlag" vorne!
Wie gesagt, ich habe den Eindruck, daß es bei Steindorff immer die Devise gab, es auf jeden Fall "anders zu machen ans die Anderen!" ;-)









Hrzliche Grüße
Peter
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PAKRO

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #6 am: März 22, 2009, 21:44:03 Nachmittag »
Hallo!

Da ja der Trend zum zweit Mikroskop geht würde mich interessieren wie die Chancen stehen einen "Mikrobenjäger" am Gebrauchtmarkt zu finden bzw. in welchen Preisregionen er sich denn bewegt.


Beste Grüße

Peter

Peter V.

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #7 am: März 22, 2009, 21:47:39 Nachmittag »
Hallo!

Da ja der Trend zum zweit Mikroskop geht würde mich interessieren wie die Chancen stehen einen "Mikrobenjäger" am Gebrauchtmarkt zu finden bzw. in welchen Preisregionen er sich denn bewegt.

Auch das Hufeisen-Phako-Mikroskop von Steindorff, das ich gezeigt habe, scheint nicht sehr häufig zu sein; es gehört zu dem Dingen, für deren seinerzeitigen VERkauf ich mir nachträglich "in's Hinterteil beissen" könnte; nicht des Wertes wgen, sondern weil einem manchmal erst später klar wird, was für eine "schönes Stück" man da abgegeben hat.


Beste Grüße

Peter

Hallo!

Zu Letzterem kann man wohl wenig sagen; ich beobachte zumindest den ebay-Markt recht gut seit ca. 5 Jahren und habe noch nie einen Mikrobenjäger gesehen! Ganz im Gegensatz zu den ansonsten sehr häufig zu findenden 0-8-15-Steindorffs scheint es so viele Mikrobenjäger nicht gegeben zu haben.

Herzliche Grüße
Peter
« Letzte Änderung: März 22, 2009, 21:50:51 Nachmittag von Peter Voigt »
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Robert Götz

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #8 am: März 22, 2009, 21:50:53 Nachmittag »

Hier noch ein recht ungewöhnliches Design von der Firma Frieseke & Hoepfener aus Erlangen, wenn auch nicht so schön wie der
Mikrobenjäger.




PAKRO

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #9 am: März 22, 2009, 21:55:43 Nachmittag »
Zitat
Hallo!

Da ja der Trend zum zweit Mikroskop geht würde mich interessieren wie die Chancen stehen einen "Mikrobenjäger" am Gebrauchtmarkt zu finden bzw. in welchen Preisregionen er sich denn bewegt.

Auch das Hufeisen-Phako-Mikroskop von Steindorff, das ich gezeigt habe, scheint nicht sehr häufig zu sein; es gehört zu dem Dingen, für deren seinerzeitigen VERkauf ich mir nachträglich "in's Hinterteil beissen" könnte; nicht des Wertes wgen, sondern weil einem manchmal erst später klar wird, was für eine "schönes Stück" man da abgegeben hat.


Beste Grüße

Peter


Hallo!

Zu Letzterem kann man wohl wenig sagen; ich beobachte zumindest den ebay-Markt recht gut seit ca. 5 Jahren und habe noch nie einen Mikrobenjäger gesehen! Ganz im Gegensatz zu den ansonsten sehr häufig zu findenden 0-8-15-Steindorffs scheint es so viele Mikrobenjäger nicht gegeben zu haben.

Herzliche Grüße
Peter

Hallo!

Ich hatte schon so einen Verdacht das sich der "Mikrobenjäger" recht rar macht! >:(

Beste Grüße

Jürgen Boschert

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #10 am: März 22, 2009, 22:10:42 Nachmittag »
Hallo,

vor ca. 1/2 Jahr war ein Mikrobenjäger in der Bucht und ging trotz relativ schmutzigem Äußerem soweit ich mich erinnere für über 1000 Euronen weg.
Ist halt auch ein Sammlerstück.

Gruß !

JB
Beste Grüße !

JB

Peter V.

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #11 am: März 22, 2009, 22:13:40 Nachmittag »
Hallo,

vor ca. 1/2 Jahr war ein Mikrobenjäger in der Bucht und ging trotz relativ schmutzigem Äußerem soweit ich mich erinnere für über 1000 Euronen weg.
Ist halt auch ein Sammlerstück.

Gruß !

JB

Hallo Herr Boschert,

so etwas war zu befürchten! Allerdings hätte ich einen so hohen Preis denn doch nicht erwartet. Erstaunlich.... War er im "deutschen" ebay oder in ebay.com eingestellt?

Herzliche Grüße
Peter

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Jürgen Boschert

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Re: Soft-Skills: Ästhetik von Mikroskopen
« Antwort #12 am: März 22, 2009, 22:16:22 Nachmittag »
Hallo Herr Voigt,

ich meine, es war in der "Deutschen Bucht".  ;)

Gruß !

JB
Beste Grüße !

JB