Pleurax - Verarbeitungsanleitung gesucht

Begonnen von Gerd Schmahl, Juli 16, 2013, 23:37:52 NACHMITTAGS

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Gerd Schmahl

Hallo Liebe Dauerpräparatoren,
wer kann mir eine Verarbeitungsanleitung für PLEURAX geben (Diatomeeneinschluss). Hab leider mit Hilfe der Suchfunktion keinen brauchbaren Hinweis gefunden. Trocknet das alleine oder wird das erhitzt?
Danke im Voraus!
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

abbeköhl


Gerd Schmahl

Hallo Reto,
danke für die Links!
Einige davon hatte ich auch schon mit der Suchfunktion des Forums gefunden, aber wirklich konkret zur PLEURAX-Verarbeitung ist ja nur der erste aufschlußreich: Wärmeschrank bei 90 Grad. Da muss ich wohl noch etwas basteln...
Vielleicht tuts ja doch auch das gute alte Bügeleisen, wenn ich vorher raus bekomme in welcher Einstellung es etwas bei 90 Grad aufhört mit Heizen.

Viele Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

peter-h

Hallo Gerd,

wenn ich für bestimmte Zwecke mal Pleurax einsetze, so wird es bei mir dann bei ~60°C für 3 - 5 Tage im Wärmeschrank belassen. Vorher aber auf einer Wärmebank bis zur ersten Blasenbildung erhitzt. Vielleicht hilft das auch noch als Info.

Gruß
Peter

felix

Uber Spiritusflamme bis Blasenbildung. In kreisförmigen Bewegungen mit ganz leichtem Druck auf OT in Position bringen.  Mind. 2 bis 3 Stunden auf Wärmeplatte oder Bügeleisen bei ca 90 Grad.  Wenn erkaltet, muß das Präp. ausgehärtet sein.  Pleurax braucht deutlich länger zum Aushärten als Naphrax.  ME ein sehr gutes Einschlußmittel, allerdings nicht für UV-Durchleuchtung geeignet.  -- felix
"Du" angenehm.

Gerd Schmahl

Hallo Peter, Hallo Felix,
danke für die zusätzlichen Infos. So ungefär habe ich mir das auch vorgestellt, weil ich das mit der Blasenbildung in dem Japanischen Filmchen zur Diatomeenaufbereitung mit Rohrreiniger glaube gesehen zu haben. War mir aber auch nicht mehr sicher, welches Einschlussmittel die benutzt haben.
Das mit der Nichteignung für UV-Anregung weiß ich, aber das habe ich auch nicht vor.
Viele Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

abbeköhl

#6
Abend Gerd,

Ich habe da noch eine schnelle, radikale Methode in einem Film gesehen.

Diatomeen Teil 2. Herstellung von Dauerpräparaten mit Pleurax. ;)
Falls du beide Methoden ausprobierst, wäre ich an einem Bericht interessiert.

Schöni Grüess us dä Schwyz, Reto B.

anne

Hallo Gerd,

so wie in dem Film mache ich das teilweise auch, funktioniert gut. Allerdings habe ich kein Pleurax sondern  ZRAX. Evtl. kann bei zu hoher Temperatur eine Verfärbung auftreten, aber dass lässt sich durch ein Probepräparat leich ermitteln.
lg
anne

Gerd Schmahl

Hallo Reto, Hallo Anne,
das ist genau der Film, den ich noch vor Augen hatte. So werde ich das auch probieren, Habe dazu ein gut regelbares Encaustikbügeleisen, mit einem Griff, der es erlaubt das Ding Kopfüber an eine Tischplatte zu stecken, so dass 3 OT gut nebeneinander passen. Da kann ich sowohl die brutale Bläschenmethode, als auch die sanfte 60 Grad-Methode ausprobieren. In jedem Fall muss das Lösungsmittel da raus (in diesem Fall Isopropanol), so dass mir die brutale Methode schon einleuchtet.

Jetzt muss ich aber erstmal Diatomeen aufbereiten habe mit RORAX schon gute Erfahrungen gemacht, aber z.Z. kein brauchbares Material mehr da.
Viele Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

abbeköhl

#9
Abend Gerd,

Ich wüsste da noch eine Alternative zu deinem Encaustikbügeleisen..... ;D :D
Das wäre dann die extrem brutale Methode,;D (Schwyzer Humor)

Auf jeden Fall bin ich an deinen Testergebnissen interessiert.....

Die sanfte 60 Grad-Methode...
Die brutale Bläschenmethode...

Auf ein gutes Gelingen.

Schöni grüess us dä Schwyz, Reto B.

Gerd Schmahl

#10
Hallo,
meine ersten PLEURAX-Präparate sind gelungen, zumindest was den Einschluss an sich betrifft. Unzufrieden bin ich noch mit der Verteilung der Diatomeen im Streupräparat, was aber wohl eher an meiner noch unvollkommenen Aufbereitung mit dem Rohrreiniger RORAX liegen dürfte, denn die Diatomeen sind auch im Frischpräparat zu 80% zusammengeklumpt. Aber in den verbleibenden 20% finden sich genügendschöne Exemplare, dass das Betrachten - zumindest mir - Spaß macht. Ich habe das PLEURAX wie im Film auf brutale Weise auf einem kleinen Bügeleisen gegrillt, damit das Lösungsmittel schnell verdampft. Erstaunlicherweise verschwinden die vielen Blasen ziemlich rasch von selbst. Es handelt sich ja auch um ISO-Dämpfe, die vom PLEURAX schnell wieder aufgenommen werden.

Ich habe auch Haare in PLEURAX eingebettet, was auch recht gut ging. Allerdings ist hier die brutale Methode ein wenig glücksspielartig: Durch die Blasen bleibt nicht immer alles an dem Platz, wo ich es hin gelegt habe.

Ich habe bei GÖKE, GERHARD: "Einführung in die Präparation der Diatomeen", Veröffentl. der NWV-Hagen e.V. 1993
einen besseren Ansatz gefunden. Danach spielt sich erstmal alles auf dem Deckglas ab. Diatomeen aufbringen, Eindeckmittel drauf und erstmal nur das DG erwärmen, dass der größte Teil des Lösungsmittels verdampft. Da nach oben offen, gibt es nicht so viel seitlichen Druck. Danach erst wird das DG auf den OT gebracht und noch mal etwas höher erhitzt. Das Einbettungsmittel wird noch mal flüssig, aber ohne die heftige Blasenbildung.

Etwas deprimiert bin ich ja, dass eine wirklich gut Aufbereitung von Diatomeen scheinbar doch nur mit schwer zu beschaffender Chemie geht. Schwefelsäure oder Wasserstoffperoxyd sind ja noch erhältlich, aber Kaliumpermanganatpulver, das benötigt wird um den verbleibenden Kohlenstoff zu oxydieren, ist in keiner Apotheke mehr zu haben. Nach Salpetersäure hab ich gar nicht erst gefragt. Aber das Problem ist ja nicht neu.

Hier noch ein Foto aus dem ersten Präparat. Die dunkle Kieselalge scheint innen noch luftgefüllt zu sein, was aber auch seinen Reiz hat.


Grüße und Dank für die HInweise!
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

abbeköhl

Hallo Gerd,

Danke dir für die Infos.
...........um ISO-Dämpfe, die vom PLEURAX schnell wieder aufgenommen werden.......... Das verstehe ich nicht, wie meinst du das, wenn du schreibst das Isopropanol vom Pleurax schnell wieder aufgenommen wird ? Ich dachte Pleurax sei irreversibel, dass soll heissen, wenn Pleurax einmal ausgehärtet ist, ist es durch das eigene Lösungsmittel nicht mehr löslich.
Und während dem verdampfen nimmt Isopropanol einen Aggregatzustand an in dessen Form es sich verflüchtigen kann.

Verwirrte schöni Grüess us dä Schwyz, Reto B. :D

Gerd Schmahl

Hallo Reto,
ich stelle mir das so vor und es sieht einfach so aus, als ob das verdampfte Lösungsmittel, das in Blasen unter dem DG feststeckt, wieder aufgenommen wird. Die Blasen, die beim Erhitzen entstehen, werden beim Abkühlen einfach immer kleiner und sind  schließlich weg. Kann schon sein, dass das Pleurax irgendwann mal so ausgehärtet ist, dass es nicht wieder angelöst werden kann, aber eine halbe Stunde nach der von mir durchgeführten Prozedur ließ es sich problemlos noch mal etwas verflüssigen - nicht gabz so hoch viskos, aber immerhin so, dass man das DG nochmal etwas grade rücken konnte. Es entstanden auch wieder Blasen, die dann einfach wieder verschwanden, ohne dass sie an den Rand gelangt wären.

Etwas anderes sind wahrscheinlich echte LUFT-Blas, die man mit einschließt. Die werden nicht einfach mal so aufgesogen. Siehe auch mein Beitrag "Spannungsoptik" im Fotoforum. Dort ist wahrscheinlich eine implodierte Luftblase zu sehen.

Was ich auch beobachtet habe: Wenn ich die Deckglasränder zum Schluss mit ISO reinige (Wattestäbchen), dann geht das noch immer sehr gut und es kricht auch immer etwas unter das DG, so dass dort der Brechungsindex im mikroskopischen Bild leicht anders ist, als im übrigen Präparat. Es wird auch bei GÖKE erwähnt, dass viele Einschlussmittel erst nach mehr oder weniger langer Zeit ihren vollen Brechungsindex erreichen. Ich neheme an, dass das auch mit schwindenden Lösungsmitteln oder fortschreitender Polimeration zu tun hat, aber davon weiß ich zu wenig, um wirklich mitreden zu können. Bin ja selber ganz am Anfang und probiere gerade verschiedene Einschlussmittel aus.

Viele Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

abbeköhl

Hallo Gerd,

..........das in Blasen unter dem DG feststeckt, wieder aufgenommen wird........, Jetzt verstehe ich was du meinst. ;) Ich muss trotzdem mal über die Bücher gehen, mich interessiert ob Pleurax irreversibel ist oder reversibel, oder weiss das auf die Schnelle sonst jemand ? Der Rest kann auch ich als Anfänger gut nachvollziehen.
Betreff "Spannungsoptik",,, da sieht man gut den Unterschied des Brechungsindexes des Lichts von der "Gasblase" und dem Pleurax unter dem DG. Man sieht es sehr gut beim Übergang von der Blase zum Pleurax. Bitte korrigiert mich wenn ich das falsch interpretiere. Vielen Dank fürs zeigen und die Infos.

Schöni Grüess us dä Schwyz, Reto B.

felix

#14
Zitat von: plaenerdd in Juli 21, 2013, 18:34:12 NACHMITTAGS
Ich habe bei GÖKE, GERHARD: "Einführung in die Präparation der Diatomeen", Veröffentl. der NWV-Hagen e.V. 1993
einen besseren Ansatz gefunden. Danach spielt sich erstmal alles auf dem Deckglas ab. Diatomeen aufbringen, Eindeckmittel drauf und erstmal nur das DG erwärmen, dass der größte Teil des Lösungsmittels verdampft. Da nach oben offen, gibt es nicht so viel seitlichen Druck. Danach erst wird das DG auf den OT gebracht und noch mal etwas höher erhitzt. Das Einbettungsmittel wird noch mal flüssig, aber ohne die heftige Blasenbildung.

Hallo Gerd,

schön, daß es recht gut geklappt hat.

Meine Kurzanleitung war, so scheint es, doch etwas zu kurz geraten.  

1. Selbstverständlich (?) wird die Diatomeensuspension auf das Deckglas (nicht den OT) aufgebracht.
2. Möglichst lufttrocknen! (Das fördert, ceteris paribus, eine gleichmäßige Verteilung der Schalen.)
3. Danach kurz erhitzen (um letzte Feuchtigkeit auszutreiben).
4. Einen Tropfen des Lösungsmittels für das jeweilige Einschlußmittel auf das DG geben und darauf einen Tropfen des Einschlußmittels. (Ja, bevor wir das Lösungsmittel austreiben, geben wir zunächst noch mehr davon hinzu! Das Einschlußmittel wird so in die Schalen gezogen und verhindert das, was in Deinem Bild zu sehen ist.)
5. Bei niedriger Temperatur (30-60m bei Zimmertemp. ... 2-3m bei 60 Grad) eindampfen lassen. Dann noch einmal _kurz_ auf knapp unter 100 Grad erhitzen. (Das Einschlußmittel ist jetzt gut verteilt und "bewegt" sich nicht mehr.)
6. OT durch Flamme ziehen und gut erwärmen.
7. DG an einer Kante vorsichtig auflegen.
8. Über Spiritusflamme Blasen vorsichtig austreiben (gerade so nahe an die Flamme halten, daß sich noch Blasen bilden).
9. Auf Glas legen und DG in Position bringen.
10. Pleurax: Auf Bügeleisen oder Ähnlichem mindesten 3 Stunden knapp bei ca 90 Grad erhitzen.
11. Nach Erkalten, überschüssiges Harz mit Azeton + Wattestäbchen entfernen.
12. Einringen (falls gewünscht) mit einem Lack, der nicht im Lösungsmittel des Einschlußmittels gelöst ist ...

..., denn Pleurax, auch ausgehärtet, kann jederzeit wieder in Alkohol oder Azeton gelöst werden.  Die Aushärtung ist reversibel -- wie  bei allen Harzen, die mir aus der Mikroskopie bekannt sind.

Das Problem der Verklumpung kann gelöst werden.  Das wurde im Forum schon mehrmals im Detail beschrieben.  Vielleicht wird das irgendwann einmal im Methodenteil abgespeichert.  RORAX ist möglicherweise nicht ideal (enthält neben Natriumchlorit auch -hydroxid, oder?).  Die Methode mit Natriumchlorit ("Eau de Javelle") habe ich ebenfalls vor kurzem einmal beschrieben (mit Ergebnisbildern LM und REM). Allerdings kommt man in der Regel um eine Nachreinigung in Peroxid 30% (heiß, 1-2h, ggf. mit etwas Soda) nicht herum.

Weiterhin viel Erfolg!
--felix
"Du" angenehm.