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Carl Zeiss Jena Mikroskop L , Kriegsversion

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wilfried48:
Liebe Mikroskopsammler,

mir ist ein schönes altes Zeiss Mikroskop "zugelaufen", das völlig unbenutzt aussieht und einige Besonderheiten aufweist.

die ich dem Materialmangel gegen Ende des 2. Weltkrieges zuschreibe.

Das Mikroskop ist im Zeiss Katalog von 1940 als "Großes binokulares Forschungsmikroskop"  Stativ L Wd E bezeichnet.



mit Abbeschem Beleuchtungsapparat Wd mit Diaphragmenträger und seitlich verstell- und drehbarer Irisblende und mit grossem Kreuztisch E



was and dem ansonsten hervorragend verarbeiteten Stativ sofort auffällt ist, dass der Tubusträger, der Revolver und die Objektive nicht wie sonst üblich hochglanzverchromt sondern seidenmatt geschwärtzt sind.



Ausserdem ist auf jedem Objektiv zusätzlich zur Fabrikationsnummer die Zahl 1944 also offenbar das Kriegsjahr 1944 eingraviert.






Die Objektivgehäuse des 3x, 8x und 40x Objektive und deren RMS Gewinde sind nicht wie üblich aus Messing sondern aus Aluminium gefertigt und die Objektive fühlen sich daher extrem leicht an



Die Produkktionsnummer des Stativs würde auch in das Kriegsjahr 1944 passen und wurde mit einem zusätzlichen * gekennzeichnet



Das Mikroskop ist wie gesagt in einem neuwertigen praktisch unbenutzen Zustand und alles läuft satt und spielfrei. Offensichtlich hatte man beim Fett noch edle Vorräte im Vergleich zu den verharzenden Nachkriegsvarianten.

Der Transportkasten aus feinstem Mahagoniholz sieht ebenfalls aus wie neu.

Viel Spass beim betrachen des schönen Stücks und vielleicht kann mir ja jemand meine abschliessenden Fragen beantworten:

Liege ich richtig mit meiner Vermutung, dass die Abweichungen dem kriegsgsbedingten Materialmangel geschuldet sind ?

Hat jemand Zeiss Mikroskope mit ähnlichen Besonderheiten aus den Kriegstagen in seiner Sammlung ?

viele Grüsse
Wilfried

hinrich husemann:
Hallo Herr Nisch,
ich habe ein vom Stativ her sehr ähnliches schwarzes ZEISS-Mikroskop, allerdings nur mit Monotubus und mit einfacherem Kondensor. Auch fehlt ein Objektführer auf dem runden Drehtisch. Die Objektive, ebenfalls 3,2 , 8/0,20 und 40,0,65 und 33mm Abgleich, sind Messing verchromt (mit oben schwarzem Ansatz); das Okular ist ein 10X Huygens. Die äußeren Triebknöpfe zur Grob- und Fein-Einstellung sind schwarz; der Tubuskopf zur Aufnahme des Objektivrevolvers dagegen blank.
Eingraviert an allen Teilen ist " Charite PIB xxx " (wobei xxx jeweils eine 3-ziffrige Zahl ist). Die Stativ-Nummer ist 394044.
Es ist also irgendwann mal von der Charite ausgemustert worden und wird deshalb so "jung" nicht mehr sein. Vielleicht mache ich noch mal ein Photo.

Freundliche, historisch motivierte Mikrogrüße
H. Husemann


koestlfr:
Hallo Wilfried!

Schnuckeliges, gut erhaltenes Teil!

Bitte mach bei den nächsten Fotos zumindest den Weissabgleich! :-(

Liebe Grüße
Franz

plaenerdd:
Hallo Wilfried,
hat das 3er Objektiv wirklich 33 mm Abgleichlänge? Ich kenne die immer nur mit 45mm Abgleichlänge, auch bei den älteren Typen. Die neueren sind ja dann 3,2 und auch mit 45mm Abgleich.

Grüße
Gerd

Florian Stellmacher:
Lieber Wilfried,

herzlichen Glückwunsch zu diesem schönen Mikroskop! In so wunderbarer Erhaltung bekommt man kaum ein späteres Modell aus VEB-Produktion mit Bakelitknöpfen zu Gesicht.

Dass in den Kriegsjahren andere - billigere/verfügbare - Materialien verwendet wurden, ist bekannt. Wolfgang hat HIER ein schönes Beispiel vorgestellt. Ich selbst habe einmal ein noch älteres Leitz AA besessen, bei dem auch etliches aus Aluminium gefertigt war; dieses Mikroskop stammte offenbar aus der Zeit des WK I oder kurz danach - datieren ließ es sich nicht, denn es trug keine Seriennummer (ein militanter Leitz-Sammler wollte es unbedingt haben, und ich habe es gegen ein Wülfing'sches petrographisches Miroskop getauscht).

Ich finde es toll, dass nicht nur die Knöpfe des Grobtriebes anders aussehen als bei so gut wie allen anderen L(g)s!

Herzliche Grüße,
Florian

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