Es lebe der Lebedeff-Kontrast

Begonnen von Nomarski, August 24, 2013, 16:06:25 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Nomarski

Guten Tag Foristen,

als Nomarski zeige ich heute mal zur Abwechslung ein paar Bilder im Jamin-Lebedeff-Kontrast. Dazu einige Diatomeen aufgenommen mit dem Objektiv 40/0,65 und dem dazugehörigen Kondensor Pol-Int II:


Eine Pinnularia..


..dazu die Prismenneigung etwas verändert, gibt andere Interferenzfarben.


Eine Pleurosigma, es geht auch "farblos".


Eine Stauroneis.

Wozu ist das Kontrastverfahren hilfreich?

Man u.a. feststellen, wie gut die Präparation wirlklich gelungen ist.

Viele Grüße
Bernd

Florian Stellmacher

Lieber Bernd,

herzliche Glückwunsch zum Jamin-Lebedeff! Den hast Du neu, oder?

Interessante Bilder. Was meinst Du hiermit:

ZitatMan u.a. feststellen, wie gut die Präparation wirlklich gelungen ist.

Kannst Du das bitte noch ein bisschen erklären?

Viele Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Nomarski

Lieber Florian,

wie schön dich mal wieder zu sehen, bist aber ganz schön rar geworden...

Zitatherzliche Glückwunsch zum Jamin-Lebedeff! Den hast Du neu, oder?

Du, den habe ich schon ganz lange. Habe ich mir mal irgendwann als Student gekauft.

ZitatKannst Du das bitte noch ein bisschen erklären?

Kann ich, aber dazu muß ich noch ein paar Unterlagen rauskramen und einscannen. Das liegt auch schon alles etwas länger zurück.

Viele Grüße
Bernd

Rawfoto

Guten Morgen Bernd

Da bin ich auch schon gespannt was Du da an Unterlagen hervorzauberst ...

Also drei Bilder gefallen mir sehr gut und auch das letzte glaube ich zu verstehen, Qualitaetskontrolle. Aber Pleurosigma sehe ich den Vorteil nicht, da sehe zumindest ich die Details nicht. Gut, Na 0,65, aber wo siehst Du da den Vorteil. Ich raetsle was Du uns mit dem Bild zeigen willst. Nur das es unbunt auch geht?

Liebe Gruesse

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Johannes Kropiunig

Hallo Bernd,

interessante Bilder.
Ich muss gestehen diese Kontrastmethode und ihre Funktionsweise bis heute nicht zu verstehen.
Was zeigen diese Farben, Spannungen im Material, Höhenunterschiede, oder ganz was anderes ?

Jedenfalls sehe ich ihn dank dir zum ersten mal nicht mit tot geputzten Hintergrund, ist zwar nicht so beeindruckend, aber an Informationsgehalt deutlich höher einzuschätzen.
Dadurch Stellt sich mir wieder eine neue Frage, dafür mache ich aber einen eigenen Thread auf.


Viele Grüße
Johannes
Biologische Mikroskop: Zeiss Standard 16
Stereomikroskop: Lomo MBS 10
Kameras:  EOS 1100D, EOS 1000D, EOS 1000Da, und EOS 350Da Peltier gekühlt

Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen.
Laotse

Nomarski

Hallo Johannes,

diese Farben sind Interferenzfarben und  zeigen den Unterschied der Brechungsindizes. Da du dich bereits selber mit der Präparation von Diatomeen auseinandergesetzt hast, wirst du wissen, daß das keine ganz einfache Geschichte ist. Der erzielbare Kontrast hängt vom Einschlußmittel ab und das sollte die Diatomeen möglichst blasenfrei umgeben. Daß das leider nicht so recht gelungen ist, zeigt das letzte Foto der Reihe.

Um weitere Unvollkommenheiten bei der Präparation aufzudecken, kann man an der Einrichtung die Interferenzfarben verändern, dazu habe von der Pleurosigma noch ein Bild in einer anderen Einstellung aufgenommen:



Diese unschönen Fussel sind tatsächlich an der Diatomee und nicht irgendwo anders im Strahlengang des Mikroskopes oder auf dem Kamerachip. Und die Mikroskopie ist eigentlich zur wissenschaftlichen Untersuchung gedacht, nicht zur Beschönigung. Daher habe ich das auch nicht weggeputzt.
Das Objektiv ist ein Achromat und hat die Apertur 0,65. Es vermag daher die Pleurosigma nicht besser aufzulösen als ein Achromat oder Planachromat derselben Apertur. Das geht zwar mit anderen Kontrastverfahren wie z.B. Dunkelfeld besser, dafür bleiben eben wieder andere Informationen auf der Strecke.

Viele Grüße
Bernd

Johannes Kropiunig

Hallo Bernd,

vielen Dank für die Erklärung, der Brechungsindex ist es also was wir hier so Bunt sehen.
Mit den Staubfuseln in dem anderen Thread meinte ich zB. die markierten Beriche.

Das sollte auch keine Kritik sein, einen Reinraum hat keiner von uns daheim und ich kenne es aus leidvoller Erfahrung, vor allem die Bastelei ist da nicht hilfreich.
Die Wirklichkeit ist eben nicht perfekt, auch wenn viele (auch ich) sie durch eine Stempelfunktion dazu machen wollen.

Viele Grüße,
Johannes
Biologische Mikroskop: Zeiss Standard 16
Stereomikroskop: Lomo MBS 10
Kameras:  EOS 1100D, EOS 1000D, EOS 1000Da, und EOS 350Da Peltier gekühlt

Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen.
Laotse

Nomarski

Hallo Johannes,

sorry, daß wir uns da ein wenig mißverstanden haben. Du meinst also die rot eingekreisten Flecken, die ich an dem Monitor, vor dem ich gerade sitze, kaum wahrnehme. Kleine Makel in gewissen Bereichen der abbildenden Optik werden bei zunehmenden Kontrast leider immer stärker betont, zudem sind die Sachen oftmals aus zweiter Hand und man kennt dessen "Werdegang" nicht. Da nehme ich lieber einen Straubkrümel in Kauf, den man wegpusten kann anstatt einen Kratzer, der durch die falsche Reinigungsmethode entsteht.
Aber es ist irgendwo doch schon bezeichnend, welche Gewichtung solchen Dingen beigemessen wird.

Viele Grüße
Bernd

Rawfoto

Danke Bernd, jetzt habe ich es verstanden ...

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Holger Adelmann

Lieber Bernd,

Glückwunsch zur JL-Ausrüstung.

Zitat... diese Farben sind Interferenzfarben und  zeigen den Unterschied der Brechungsindizes ...

Nur der Vollständigkeit halber: Diese Interferenzfarben repräsentieren einen Gangunterschied zwischen ordentlichem und ausserordentlichem Strahl.
Neben einem unterschiedlichen Brechungsindex geht auch die jeweilige Dicke des durchlaufenen Materials mit ein.

Herzliche Grüsse
Holger

wilfried48

#10
Zitat von: Nomarski in August 25, 2013, 09:01:47 VORMITTAG
Hallo Johannes,

diese Farben sind Interferenzfarben und  zeigen den Unterschied der Brechungsindizes.......


Lieber Bernd,

schön, dass du deinen Lebedeff wieder hervorgekramt hast, das hatte ich an Hand der schönen Farbenrauschbilder von Eckhard eigentlich auch vor.
Aber es ist halt nicht nur der Unterschied im Brechungsindex der die Farben macht, sondern genau genommen der Unterschied in der optischen Weglänge im Präparat und das ist das Produkt aus Brechungsindex und Objektdicke. Und da sich in vielen  Objekten lokal beides ändert erhält man leider nur einen zwar schönen aber wenig interpretierbaren "Farbenrausch".
Das ist wahrscheinlich auch die Ursache, warum diese Kontrastmethode so wenig Verbreitung gefunden hat und heutzutage für neue Mikroskope nicht mehr angeboten wird.
Interessant wird es aber bei Objekten wo eine der beiden Ursachen konstant ist. dann kann man die andere exakt messen.
Also in der ortsaufgelösten optischen Messtechnik (z.B. in der Forschung an Graphene Schichten).

Auf jeden Fall finde ich schön dass du und Eckhart mich wieder auf diese alte Kontrastmethode aufmerksam gemacht habt, danke.

viele Grüsse
Wilfried

P.S.: Ich sehe gerade Holger war in der exakten Interpretation der Kontrastentstehung schneller
vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Axiophot,  AL/DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Axiovert 35, DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Universal Pol,  AL/DL
Zeiss Stemi 2000 C
Nikon Labo-/Optiphot mit CF ELWD Objektiven

Sammlung Zeiss Mikroskope
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

Nomarski

Hallo,

dieses optische Verfahren ist auch als Zweistrahl-Interfernz bekannt. Die Strahlen haben einen definierten Abstand zueinander und werden als Meßstrahl und Vergleichsstrahl genannt. In dem Vergleichsstrahlengang wird ein Objekt definierter Dicke und mit definiertem Brechungsindex gebracht. Ist nun beim Objekt im Meßstrahlengang die Dicke bekannt, so läßt sich zum einem der Brechungsindex bestimmen oder zum anderen bei doppelbrechenden Stoffen die jeweiligen Brechungsindizes.

Viele Grüße
Bernd