Autor Thema: Sublimat von Xanthoria parietina: Einige Impressionen  (Gelesen 3577 mal)

-JS-

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Sublimat von Xanthoria parietina: Einige Impressionen
« am: September 19, 2013, 21:32:28 Nachmittag »
Liebes Forum,

anläßlich eines von Horst-Dieter Döricht ausgerichteten Mikroskopikertreffens am Dörnberg erhielt ich von Rolf-Dieter Müller drei Sublimationspräparate der Gelbflechte Xanthoria parietina. Rolf-Dieter hatte die Präparate vor Ort mit der Methodik angefertigt, welche er in diesem Artikel beschrieben hat:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=15926.msg122484#msg122484

Nachstehend möchte ich einige mikroskopischen Aufnahmen der interessanterweise überaus unterschiedlich ausgefallenen Ergebnisse vorstellen.

Die Bilder 1 und 2 wurden erstellt mit einem Zeiss Standard WL, Tubusfaktor 1.0, LED Luminus, 2.8 V, 0.4 A, DL-POL (gekreuzt). Okular S-KPL 10x/20 Br, Kamera Canon EOS 5D Mk II, mit Leitz Elmarit-R 1:2.8/60mm an EOS-Bajonett-Adapter.


Bild 1: Sublimat Nr. 1 mit gekreuzten Pol-Filtern dargestellt. Objektiv PlanApo 4/0.16, Bildbreite 3240 µm


Bild 2: Sublimat Nr. 2 mit gekreuzten Pol-Filtern dargestellt. Objektiv PlanApo 4/0.16, Bildbreite 3240 µm


Die Bilder 3, 4, 5 und 6 wurden erstellt mit einem Zeiss Universal, Tubusfaktor 1,25, Okular, Foto-Optik und Kamera wie oben bereits beschrieben.
Das Sublimat Nr. 3 besteht hauptsächlich aus Parietin (ein Anthrachinonderivat) aus der oberen Flechtenrinde, welches im vorliegenden Präparat eine große Menge relativ langer, flächiger Kristalle ausgebildet hat.


Bild 3: Sublimat Nr. 3 im Hellfeld. LED Luminus, 2.8 V, 0.2 A. Objektiv PlanApo 10/0.32, Bildbreite 1050 µm.


Bild 4: Sublimat Nr. 3 mit gekreuzten Pol-Filtern dargestellt. LED Luminus, 2.8 V, 0.4 A. Objektiv PlanApo 10/0.32, Bildbreite 1050 µm.


Bild 5: Sublimat Nr. 3 mit AL-Fluoreszenz: HBO 50 W, III RS, Anregung Blauviolett (UG 51), Sperrfilter Orange (LP 520), Objektiv PlanApo 10/0.32, Bildbreite 1050 µm


Bild 6: Sublimat Nr. 3 mit AL-Fluoreszenz und DL-POL, kombiniert, DL-POL hierzu mit einem Graufilter 50% abgeschwächt. Objektiv PlanApo 10/0.32, Bildbreite 1050 µm

Herzlichen Dank fürs Anschauen.

Viele Grüße
Joachim
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Ernst Hippe

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Re: Sublimat von Xanthoria parietina: Einige Impressionen
« Antwort #1 am: September 20, 2013, 16:52:03 Nachmittag »
Hallo Joachim,
diese Flechtenstoffe sind ja ein unerschöpfliches Thema.
Danke fürs Zeigen!
Gruß Ernst Hippe
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Fahrenheit

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Re: Sublimat von Xanthoria parietina: Einige Impressionen
« Antwort #2 am: September 21, 2013, 08:41:13 Vormittag »
Lieber Joachim,

Schön die tollen Bilder von Rolf-Dieters Präparaten auch hier zu sehen!

Anfang nächsten Monats werden sie auch auf der Webseite des MKB im Rahmen eines Berichts zum Dörnberg-Treffen zu sehen sein.

Herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
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Heiko

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Re: Sublimat von Xanthoria parietina: Einige Impressionen
« Antwort #3 am: September 22, 2013, 11:42:20 Vormittag »
Hallo Joachim,

danke für die schönen Aufnahmen.

Wie kommt es zu dem Unterschied zw. den Sublimaten eins und zwei im Vergleich zu Nr. drei? Wurden die Stoffe bei unterschiedlichen Temperaturen „abgegriffen“?

Viele Grüße,
Heiko

Rolf-Dieter Müller

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Re: Sublimat von Xanthoria parietina: Einige Impressionen
« Antwort #4 am: September 22, 2013, 21:21:09 Nachmittag »
Joachim, Bild 6 mit der kombinierten Auflicht-Fluoreszenz und Durchlicht-Pol gefällt mir richtig gut, zeigt es doch interessante Einsichten und vor allen Dingen das die Fluoreszenz sehr intensiv ist, so dass Durchlicht hinzugemischt werden kann.

@Heiko,die verschiedenen Ergebnisse waren zu erwarten, da die Inhaltsstoffe in der Flechte nicht gleichmäßig verteilt sind. Normalerweise sublimiere ich nur ein kleines Thallusstückchen oder ein einzelne Apothecium. Auf dem Dörnberg bei HDD waren aber andere Bedingungen und besonders dem Umstand geschuldet, das die zwar gut separierten Stoffe im Ergebnis einem mir gut bekannten und anwesenden Mineralogen zu klein waren. Das geht natürlich auch anders und so habe ich einfach aus dem Vollen geschöpft und reichlich Material sublimiert. Hinzu kommt, dass der Prozess entscheidend für die Kristallbildung ist. Das Material wurde an verschieden Stellen der Flechte entnommen, auf über 200° Celsius erwärmt  und an Deckglas sublimiert. Gekühlt wurde mit destilliertem Wasser. Das genaue Verfahren werde ich demnächst in einer PDF mit Abbildungen beschreiben und sie Jörg für die MKB-Seite anbieten.

Viele Grüße
Rolf-Dieter
« Letzte Änderung: September 23, 2013, 09:59:00 Vormittag von Rolf-Dieter Müller »

Heiko

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Re: Sublimat von Xanthoria parietina: Einige Impressionen
« Antwort #5 am: September 22, 2013, 23:31:50 Nachmittag »
Hallo Rolf-Dieter,

bedanke mich für die Informationen und erlaube bitte noch eine Frage:

Glückt auch die getrennte Sublimation zweier Substanzen aus einem Thallusstück (bzw. aus den Apothecien)?

Viele Grüße,
Heiko

Rolf-Dieter Müller

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Re: Sublimat von Xanthoria parietina: Einige Impressionen
« Antwort #6 am: September 23, 2013, 00:53:48 Vormittag »
...
Glückt auch die getrennte Sublimation zweier Substanzen aus einem Thallusstück (bzw. aus den Apothecien)?
...

Hallo Heiko,

ja das geht über Temperatursteuerung. Die Flechtinhaltsstoffe (Flechtensäuren) sublimieren (soweit sie es tun) bei einer spezifischen Temperatur. Wenn man keine Temperatursteuerung hat (wie ich, arbeite aber noch daran) hilft die Vorgehensweise von Klaus Herrmann. Temperatur hochregeln bis sich ein Niederschlag bildet, Deckglas wechseln bis zum nächsten Niederschlag usw. Ich hoffe ihn richtig verstanden zu haben, das war u.a. auch ein Diskussionsthema auf dem Dörnberg.

Man kann ja die Temperatur auch ganz gut manuell einregeln. Ich verwende dazu mein Mulitmeter (Voltcraft VC150), dessen Temperaturfühler unseren Bedarf mehr als gut abdeckt.

Ein Hinweis noch zur Orientierung. Das bei der Sublimation (kleinste Proben) in Nadeln auskristallisierende Parietin (bei Kristallisation aus Aceton in Nadelbüscheln) sublimiert bei etwas mehr als 200° Celsius.

Und es lässt sich wunderbar mit Fluoreszenz nachweisen wie es Joachim in diesem Beitrag getan hat. Hierfür reicht vollkommen Blauanregung, das heißt man kommt auch mit einer leistungsfähigen 470 nm LED als Anregungslicht, BG3 als Anregungsfilter und einem Sperrfilter mit >=515 nm aus.

Insgesamt ein sehr interessantes und spannendes Thema in dem noch viel Potential ist.

Genauso wie die Xanthoria. Ich habe vor kurzem einem Lichnologen "gestanden", das ich mich u.a. auch mit der "profanen" Gelbflechte beschäftige. Er meinte, die wäre eigentlich sehr interessant, zumal sie in unseren Breiten recht häufig ist. Ich glaube aber er zielte auf die bekannte Schadstoffverträglichkeit dieser Flechte, die er auf einer Exkursion in einem anderen Land nicht (zumindest nicht so oft) gefunden hat.

Viele Grüße
Rolf-Dieter
« Letzte Änderung: September 23, 2013, 01:05:26 Vormittag von Rolf-Dieter Müller »

Heiko

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Re: Sublimat von Xanthoria parietina: Einige Impressionen
« Antwort #7 am: September 23, 2013, 21:50:39 Nachmittag »
Hallo Rolf-Dieter,

herzlichen Dank für die ausführliche Antwort.

Viele Grüße,
Heiko