Autor Thema: Glockentierchen  (Gelesen 8439 mal)

Eckhard

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Glockentierchen
« am: September 15, 2013, 21:28:44 Nachmittag »
Hallo,

zum Abschluss des Wochenendes die Aufnahme eines Glockentierchens.


BSD Detektor, 20 KV, etwa 4.000x

Herzliche Grüsse
Eckhard
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Fahrenheit

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Re: Glockentierchen
« Antwort #1 am: September 15, 2013, 23:00:47 Nachmittag »
Lieber Eckhard,

da darf ich wohl davon ausgehen, dass das eine Aufnahme mit Deinem eigenen EM ist? ;-)

Kannst Du sagen, was wir da auf dem Körper des Glockentierchens sehen? Zeigen die Ringe die Struktur des Mantels, ggf. als Faltenwurf?

Herzliche Grüße
Jörg
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TPL

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Re: Glockentierchen
« Antwort #2 am: September 16, 2013, 00:45:11 Vormittag »
Lieber Eckhard,

ein tolles Bild! Unglaublich, dass diese filigranen Strukturen so schön herauskommen.

Ist das wirklich der BSD, also Rückstreuelektronen-Detektor? Ich habe noch nie so plastische Bilder mit solch einem Detektor gesehen...

Herzliche Grüße
Thomas
« Letzte Änderung: September 16, 2013, 09:56:36 Vormittag von TPL »

HDD

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Re: Glockentierchen
« Antwort #3 am: September 16, 2013, 06:00:03 Vormittag »
Lieber Eckhard

Ist das Tierchen beim Präparieren zusammengeschnurrt?
Es hat den Anschein als hätte sich die Geißel nach dem Sputtern
zu einer Feder zusammengezogen und die Sputterschicht gestaucht.

Die Aufnahme ist sehr schön und die Präparation dürfte nicht einfach
gewesen sein.
Hannst Du etwas dazu sagen?

Vielen Dank und herzliche Grüße

Horst-Dieter

Detlef Kramer

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Re: Glockentierchen
« Antwort #4 am: September 16, 2013, 08:56:01 Vormittag »
Lieber Horst-Dieter,

das ist nicht die Geißel, sondern der Schwanz, mit dem das Tierchen auf dem Substrat festsitzt. Wenn Du einmal lebende Glockentierchen beobachtest, wirst Du sehen, dass sie zur Nahrungsaufnahme an dem langestreckten Schwanz umher kreisen. Bei der geringsten Störung kontaktiert sich dieser Schwanz, wobei die Hülle diese schraubenförmige Struktur annimmt. Das erkennt man an dem Foto auch daran, dass der Zellkörper kugelförmig zusammen gezogen ist, eben nicht glockenförmig geöffnet und man erkennt auch nicht die Wimpern des Peristoms.Es hat wohl einen Mordsschreck bekommen, als es das EM zu Gesicht bekam. :D

Herzliche Grüße
Detlef
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Peter V.

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Re: Glockentierchen
« Antwort #5 am: September 16, 2013, 09:00:10 Vormittag »
Hallo,

Lieber Horst-Dieter,

das ist nicht die Geißel, sondern der Schwanz, mit dem das Tierchen auf dem Substrat festsitzt. Wenn Du einmal lebende Glockentierchen beobachtest, wirst Du sehen, dass sie zur Nahrungsaufnahme an dem langestreckten Schwanz umher kreisen. Bei der geringsten Störung kontaktiert sich dieser Schwanz, wobei die Hülle diese schraubenförmige Struktur annimmt. Das erkennt man an dem Foto auch daran, dass der Zellkörper kugelförmig zusammen gezogen ist, eben nicht glockenförmig geöffnet und man erkennt auch nicht die Wimpern des Peristoms.Es hat wohl einen Mordsschreck bekommen, als es das EM zu Gesicht bekam. :D

Herzliche Grüße
Detlef

siehe auch hier. Auf den Videos kann man auch das Retrahieren der Wimpern und die Kugelgestalt im kontrahierten Zustand gut sehen.

Herzliche Grüße
Peter
« Letzte Änderung: September 16, 2013, 09:02:51 Vormittag von Peter V. »
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Manfred Melcher

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Re: Glockentierchen
« Antwort #6 am: September 19, 2013, 00:30:01 Vormittag »
Hallo Eckhard,

eine interessante Welt öffnest Du uns mit Deinem EM. Es ist faszinierend, an sich vertraute Objekte mit dieser Tiefenschärfe und diesem Detailreichtum zu sehen. Es stellt sich mir allerdings die Frage: in wieweit entspricht das gezeigte Bild noch dem Lebewesen, oder welche Veränderungen und Artefakte werden durch die Probenvorbereitungen erzeugt. Die Objekte müssten im Vakuum doch völlig dehydriert sein, was bei so zarten Wasserlebewesen eine Gestaltveränderung unvermeidlich macht. Kannst Du uns dazu näheres sagen?

Liebe Grüße

Manfred

Eckhard

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Re: Glockentierchen
« Antwort #7 am: September 19, 2013, 13:57:51 Nachmittag »
Hallo Manfred,

natürlich müssen Einzeller für die Betrachtung mit dem REM besonders präpariert werden. Im Probenraum ist ein Vakuum im Bereich von 10-5 bis 10-8 mbar. Das hält auch das robusteste Glockentierchen nicht aus ;)

Nach dem Fixieren wird die Probe über die aufsteigende Alkoholreihe vorsichtig entwässert. Dann wird in einem "Kritischen Punkt Trockner" der Alkohol gegen flüssiges Kohlendioxid ausgetauscht. Das Kohlendioxid wird in die überkritische Phase gebracht und dann abgelassen. In der überkritischen Phase (bei Kohlendioxid > 65 bar und > 31°C) verhalten sich Gas und Flüssigkeit identisch und beim Phasenübergang treten keine Oberflächenspannungen auf.

Dann wird die nun absolut trockene Probe in einem Kathodenzerstäuber (Sputter Coater) mit einer feinen Metallschicht (in diesem Fall Gold) von ca. 30 nm überzogen, um sie leitfähig zu machen.  

Die Präparation dauert den grössten Teil eines Tages - dafür hat man hinterher eine Art Dauerpräparat, welches man im Exsikkator lange aufbewahren kann. Wie lange das dann wirklich hält, weiss ich noch nicht. Das Glockentierchen habe ich in einem Präparat, das ich vor einem halben Jahr angefertigt habe, gefunden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Überkritische_Trocknung
http://de.wikipedia.org/wiki/Sputtern

Herzliche Grüsse
Eckhard
« Letzte Änderung: September 28, 2013, 09:23:04 Vormittag von Eckhard »
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rhamvossen

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Re: Glockentierchen
« Antwort #8 am: September 19, 2013, 14:24:14 Nachmittag »
Hallo Eckhard,

Ich wurde auch das lichtmikroskopische Bild dieser Probe interessant finden. Weil manche informationen in das SEM Bild nicht da sind wie die interne Details oder die Geißel. Also, das lichtmikroskopische Bild wurde das SEM Bild ergänzen und so hat man ein mehr komplettes Bild. Und ein Vergleich zwichen SEM und Lichtmikroskop von die selbe Probe wurde auch interessant sein weil mit das Lichtmikroskop der Organismus noch lebendig ist oder zumindestens nicht oder wenig "präpariert". Dan wurde vielleicht auch die Frage beantwortet ob die Probenvorbereitungen mit SEM zum Artefakte führen können. Beste Grüsse,

Rolf
« Letzte Änderung: September 19, 2013, 16:35:58 Nachmittag von rhamvossen »

Bernhard Lebeda

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Re: Glockentierchen
« Antwort #9 am: September 19, 2013, 15:24:20 Nachmittag »

 Zeigen die Ringe die Struktur des Mantels, ggf. als Faltenwurf?



...und damit diese Frage nicht so einsam im Raume steht: Glockentierchen haben eine quergestreifte Pellikula!! Sehr schön dargestellt im einleitenden Teil des "Wassertropfens" !

Mantel der Falten wirft...tz, tz, tz... ::)  Es herbstelt wohl, gelle?  ;D

Viele quergestreifte Mikrogrüße

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

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Eckhard

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Re: Glockentierchen
« Antwort #10 am: September 29, 2013, 11:24:43 Vormittag »
Hallo,

um Bernhards Ausführungen zur quer gestreiften Pellikula etwas zu untermalen, hier zwei Detailbilder des Glockentierchens:


Peristom und Pellikula


Peristom Details

Herzliche Grüsse zum Sonntag,
Eckhard

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Frank Fox

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Re: Glockentierchen
« Antwort #11 am: September 29, 2013, 14:36:28 Nachmittag »
Lieber Eckhard,

"starke" Aufnahmen !!!
Ich beneide Dich um Dein REM  ;) .

Herzliche Grüße
Frank

Fahrenheit

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Re: Glockentierchen
« Antwort #12 am: September 29, 2013, 23:20:06 Nachmittag »
Lieber Eckhard,

toll! Da scheint die neue Säule ja den erwünschten Effekt gehabt zu haben.

Und es wird klar: es ist kein Präparationsartefakt, sondern die natürliche Textur des Haut des Glockentierchens.

Herzliche Grüße
Jörg
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the_playstation

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Re: Glockentierchen
« Antwort #13 am: September 30, 2013, 15:14:06 Nachmittag »
Hallo,

Geniale Aufnahmen.
Ich hatte mich am Anfang auch gewundert über die Strukturen.
Aber die neuen Deteilaufnahmen bestätigen, daß es Strukturen des Glockentierchens sind.
Beeindruckend!

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Eckhard

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Re: Glockentierchen
« Antwort #14 am: Oktober 03, 2013, 17:28:29 Nachmittag »
Hallo,

natürlich sind Präparationsartefakte vorhanden. Normalerweise sind die Streifen in der Pellikula viel regelmässiger und nicht so gewunden. Leider erzeugen die Fixierungen, die die Corticalstruktur von Ciliaten erhalten, bei Amöbenplasma Artefakte. Und da es mir derzeit vor allem um Amöben geht ...

Herzliche Grüsse
Eckhard

  
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