DSLR-Adaption? Wird gedruckt...

Begonnen von Wilfred Mott, Januar 28, 2014, 17:50:20 NACHMITTAGS

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Wilfred Mott

Ein herzliches Hallo,

vor kurzer Zeit habe ich einen gut erhaltenen Trinotubus für mein Wilomed geschossen, und eine DSLR liegt bei mir auch schon seit längerer Zeit rum. Es stellte sich folgerichtig die Frage, wie man die beiden Teile zusammenkriegt... Am besten natürlich mit Werkzeug auf das ich direkten Zugriff habe.
Es traf sich gut, dass ein Bekannter von mir seit einigen Monaten einen Enthusiasmus für den 3D-Druck entwickelt hat (nachdem er seinen ersten Drucker mit selbst gedruckten Teilen massiv verbesser hat, hat er sich jetzt noch einen zweiten als Bausatz geholt für den er natürlich auch schon fleißig am drucken ist) – von seinem Enthusiasmus (fast) alles drucken zu können liess ich mich ein Stück weit anstecken und fragte ihn folgerichtig ob er nicht mal einen Adapter für die DSLR drucken könne. Zugegeben, skeptisch war ich Anfangs insbesondere bezüglich der Stabilität, aber vorsichtig probieren kann man es ja.

Eine kurze Suche ergab bereits, dass man nicht unbedingt den EF-Bajonett Adapter selbst designen muss. Teleskopliebhaber haben bereits einen designt. Es musste nur noch der 2 Inch Rohradapter gegen die 36mm an der vorhandenen Ringschwalbe getauscht werden. Aus drucktechnischen Stabilitätsüberlegungen riet er dann dazu das ganze als zwei Teile zu drucken – da der Drucker natürlich von unten nach oben druckt sollte idealerweise alles weiter oben stehenden auf einer darunterliegenden Ebene anschließen. Kleine Sünden (wie bei den ,,Rastnasen" des EF-Bajonetts) sind erlaubt, aber ein EF-Bajonett mit knapp 70mm Durchmesser an der dicksten Stelle auf ein 36mm Rohr aufzusetzen erschien ihm nicht sonderlich sicher.
So wurde zusätzlich also noch ein 36mm Rohr mit 70mm Ring und 4 Schraublöchern innerhalb von 10 Minuten designt – die im folgenden mit Mühe zu erkennende schräge Kante zwischen dem Ring und dem Rohr empfahl er aus ästhetischen und statischen Gründen – dagegen habe ich mich natürlich auch nicht gewehrt.

Nach dem Ausdruck musste ich lediglich etwa eine halbe Stunde feilen und am Rohr schleifen um es zum Gewindeschneiden in die Ringschwalbe zu kriegen (das Metall der Ringschwalbe gewinnt gegen den PLA genannten Kunststoff im direkten Härtevergleich, deswegen kann man die Ringschwalbe missbrauchen um das passende Gewinde zu schneiden). Okay, die Schrauböffnungen musste ich noch ein bisschen versenken, da die Schraubköpfe dafür ein bisschen zu hoch waren, aber das kann man auch vorausschauend umdesignen.

Das Ergebnis sieht nun folgendermaßen aus:





Damit war das Bild bei voller Ausleuchtung mit der High-Power LED schon ganz gut, allerdings hat das Umgebungslicht durchgeschienen und die gute Aufnahme bei für die normale Beobachtung eingestellter Beleuchtung unmöglich gemacht. Abhilfe schaffte – wie bei wahrscheinlich vielen anderen Ofenrohren auch – ein Stück schwarze Pappe für 60 Cent (das A4 Blatt):



Überrascht war ich ob der Stabilität der ganzen Angelegenheit. Es wackelt nichts, durch Druck kann ich nur das komplette Mikroskop umkippen. Auch die DSLR rastet ohne Luft ein.

Nun ist die wichtigste Frage natürlich: Wie sieht das aus, wenn man dadurch fotografiert? Gar nicht so schlecht würde ich mal behaupten. Dazu drei Bilder von Niere H.E. gefärbt mit Beschriftung. Jeweils mit 40x / n.A. 0,65 Achromat.

Bild 1: Nur digital verkleinert um die Ladezeit zu optimieren


Bild 2: Leuchtfeldblende so eingestellt, dass Darstellung im Binokulartubus gerade ohne Abblendung. Nur digital verkleinert um die Ladezeit zu optimieren. Natürlich ist die Abbildung durch die Kamera mitlerweile zentriert, entgegen diesem älteren Bild.


Bild 3: Digital nachbearbeiteter Stack aus acht RAW Bildern, digital verkleinert um die Ladezeit zu optimieren. Alternativ: Volle Auflösung


Die ,,Vignettierung am unteren Rand entstand anscheinend dadurch, dass die LED sich ein bisschen zu hell aufregeln lässt und es dem Verschluss der Canon EOS 1000D zu schnell wird. Ich hatte nicht daran gedacht, dass es bei Mikrofotografie auch zu viel Licht geben kann ;-)

Soweit erstmal zu meinen ersten Gehversuchen mit halbwegs ernsthafter Mikrofotografie. Ich bin auf jeden Fall im hohen Maße beeindruckt, was man heutzutage alles drucken kann. Sicher wird es nicht Ewigkeiten halten und ein gedrehtes Teil ist auch um einiges schöner - aber dafür belaufen sich die Materialkosten laut Bekannten nur auf etwas über einen Euro... Plus 60 Cent für die Pappe und was auch immer 4 M3 Schrauben samt Mutter kosten :)

Herzliche Grüße,
WM.
Glauben Sie nichts, bis ich es Ihnen beweise. Aber solange ich es Ihnen noch nicht bewiesen habe, müssen Sie mir schon mal glauben!

Gerne per Du.

Oecoprotonucli

Zitat von: Wilfred Mott in Januar 28, 2014, 17:50:20 NACHMITTAGS
Ich bin auf jeden Fall im hohen Maße beeindruckt, was man heutzutage alles drucken kann. Sicher wird es nicht Ewigkeiten halten und ein gedrehtes Teil ist auch um einiges schöner - aber dafür belaufen sich die Materialkosten laut Bekannten nur auf etwas über einen Euro... Plus 60 Cent für die Pappe und was auch immer 4 M3 Schrauben samt Mutter kosten :)

Hallo Wilfred, sehr interessant! Und was kostet so ein 3D-Drucker und was muss man dafür für Programmiersprachen kennen?

Viele Grüße

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Wilfred Mott

Hallo Sebastian,

mich kostet der Zugriff darauf rein gar nichts, da ich und der Kumpel ein gewisses Werkzeugsharing betreiben. Ein Bausatz für den K8200, wie der Kumpel ihn hat, kostet bei Reichelt aktuell 699 Euro. Es geht günstiger und teuerer. Besonders die verbessert umgebauten und damit vom Original abweichenden Gebrauchtgeräte gehen bei ebay wohl günstiger weg. Ebay Welt halt: Besser und billiger ;-)
"Programmiersprachen"technisch ist der verlinkte Adapter in STL (Stereolitography) beschrieben - das erschließt sich relativ leicht wenn man z.B. schon mal HTML gemacht hat. Ist ja im Prinzip eine Objektbeschreibungssprache. Selbstständig etwas designen kann man aber auch mit zahlreichen GUI Programmen. Im einzelnen kenne ich mich da aber nicht aus - ich kann bei Interesse natürlich meinen Kumpel nochmal fragen wie es diesbezüglich aussieht... Der ganze Ablauf war nach meinem Empfinden aber keine schwarze Magie.

Sollte die Kostenfrage mehr aus dem Beweggrund die niedrigen angegebenen zu relativieren gestellt worden sein, dann muss ich darauf antworten: Ein 3D-Drucker ist eben wie eine Drehbank... Man schmeisst ihn nicht nach einem Teil weg. Der Unterschied ist, dass ich persönlich leider keinen Zugriff auf eine Drehbank habe - dafür aber eben auf einen 3D-Drucker ;-)

Herzliche Grüße,
WM.
Glauben Sie nichts, bis ich es Ihnen beweise. Aber solange ich es Ihnen noch nicht bewiesen habe, müssen Sie mir schon mal glauben!

Gerne per Du.

smashIt

Zitat von: Wilfred Mott in Januar 29, 2014, 19:07:13 NACHMITTAGS
"Programmiersprachen"technisch ist der verlinkte Adapter in STL (Stereolitography) beschrieben - das erschließt sich relativ leicht wenn man z.B. schon mal HTML gemacht hat. Ist ja im Prinzip eine Objektbeschreibungssprache.

meinst du nicht vrml?
stl is einfach nur eine lange liste von koordinaten und wie sie zu dreiecken zusammengefügt werden
das schreibt keiner von hand ;)
MfG,
Chris

Bildung ist das was uns vom Tier unterscheidet.

Funtech.org

Wilfred Mott

Hi,

das ist natürlich gut möglich, da mein Wissen da recht rudimentär ist. Ich ging davon aus, dass es STL sein wird, wenn die Dateiendung an dem verlinkten Teil STL ist. Wir hatten relativ einfach das 2 Inch Rohr aus dem Adapter im Quelltext entfernen können, etc.

Herzliche Grüße,
WM.
Glauben Sie nichts, bis ich es Ihnen beweise. Aber solange ich es Ihnen noch nicht bewiesen habe, müssen Sie mir schon mal glauben!

Gerne per Du.

Oecoprotonucli

Zitat von: Wilfred Mott in Januar 29, 2014, 19:07:13 NACHMITTAGS
Sollte die Kostenfrage mehr aus dem Beweggrund die niedrigen angegebenen zu relativieren gestellt worden sein, dann muss ich darauf antworten: Ein 3D-Drucker ist eben wie eine Drehbank... Man schmeisst ihn nicht nach einem Teil weg.

Hallo Wilfred,

Danke für die Infos, ich will einfach die Welt der 3D-Drucker ein bißchen besser verstehen, da ich mich bisher noch nicht damit beschäftigt und nur wenig gehört/gesehen habe. Ob ich etwas relativieren will? Naja, relativieren heißt ja, ins Verhältnis setzen, und ich versuche das schon gedanklich einzuordnen, ob man sich so etwas mal so eben wie einen Papierdrucker kauft (...und dann irgendwann seine gesamte Wohnungseinrichtung, Werkzeuge, Ersatzteile, ...neue Familienmitglieder... einfach und billig ausdruckt  ;) :D ).

Es interessiert mich eben schon, ob sich das nur lohnt, wenn man jemanden kennt (ist dann so ähnlich wie eine Drehbank, aber die hergestellten Teile sind nicht so stabil), oder eben tatsächlich etwas "für den Hausgebrauch" und damit die fast ultimative Lösung für Bastler ist (wie gesagt: mit dem kleinen Abstrich, dass es keine Metallteile sind).

Viele Grüße

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Wilfred Mott

Hallo Sebastian,

Zitat von: Oecoprotonucli in Januar 29, 2014, 21:42:34 NACHMITTAGS
Danke für die Infos, ich will einfach die Welt der 3D-Drucker ein bißchen besser verstehen, da ich mich bisher noch nicht damit beschäftigt und nur wenig gehört/gesehen habe. Ob ich etwas relativieren will? Naja, relativieren heißt ja, ins Verhältnis setzen, und ich versuche das schon gedanklich einzuordnen, ob man sich so etwas mal so eben wie einen Papierdrucker kauft (...und dann irgendwann seine gesamte Wohnungseinrichtung, Werkzeuge, Ersatzteile, ...neue Familienmitglieder... einfach und billig ausdruckt  ;) :D ).

Es interessiert mich eben schon, ob sich das nur lohnt, wenn man jemanden kennt (ist dann so ähnlich wie eine Drehbank, aber die hergestellten Teile sind nicht so stabil), oder eben tatsächlich etwas "für den Hausgebrauch" und damit die fast ultimative Lösung für Bastler ist (wie gesagt: mit dem kleinen Abstrich, dass es keine Metallteile sind).

dann hat mein Beitrag ja sein Ziel getan etwas neue Technik zu zeigen :) Wohnungseinrichtungen und neue Familienmitglieder hat mein Kumpel m.W. noch nicht drucken können, obwohl ich besonders letzteres eine interessante Idee finde ;-) Ersatzteile lassen sich damit aber ganz gut drucken, besonders geeignet ist es darüber hinaus um Gehäuse für die verschiedenen Bastelprojekte zu drucken. Zum Beispiel kennt jede/r Elektronikbastler folgendes Problem: Die tolle Steuerungsplatine ist endlich fertig gelötet, man geht zum großen C in die Gehäuseabteilung und stellt fest, dass die Platine für das kleinere 5mm zu groß ist und das größere zwar Platz für die Platine hat aber doppelt so groß wie nötig ist. Bezüglich was man mit dem 3D-Drucker alles machen kann kann ich wirklich die Seite http://www.thingiverse.com empfehlen - da gibt es sehr viele Druckvorlagen von sehr vielen Leuten. Besonders beeindruckend fand ich, dass jemand anscheinend einen Laborpipettenbausatz designt hat, den er laut eigenen Angaben in Benutzung hat mit guten Ergebnissen.

Wenn Du Interesse hast kann ich Dir die Adaption bei Gelegenheit auch Live zeigen, wir sind ja schließlich in der selben Stadt - vielleicht klappt es ja auch mit der Objektträgersammelbestellung doch noch und lässt sich dann verbinden. U.U. kann ich besagten Kumpel auch zu einer Live-Vorführung seiner Druckkünste bewegen - er erzählt eigentlich sehr gerne davon ;-)

Herzliche Grüße,
WM.
Glauben Sie nichts, bis ich es Ihnen beweise. Aber solange ich es Ihnen noch nicht bewiesen habe, müssen Sie mir schon mal glauben!

Gerne per Du.

Oecoprotonucli

Hallo Wilfred,

wirklich Wahnsinn, was man so alles ausdrucken kann...!

Ja, vielleicht schaffen wir es mal, uns zu treffen und alle Mikroskopier- und sonstige Themen erschöpfen abzuarbeiten  ;) !

Besten Gruß

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)