Autor Thema: Botanik: Nerium oleander, Blatt - ein Objekt für lange Winterabende *  (Gelesen 7967 mal)

Muschelbluemchen

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Botanik: Nerium oleander, Blatt - ein Objekt für lange Winterabende *
« am: Februar 15, 2014, 22:17:29 Nachmittag »
Hallo an alle Mikrofreunde

Die Blätter des Oleander (Nerium oleander) zeigen eine ganz interessante Art der Anpassung, damit die Pflanze längere Trockenperioden überdauern kann:
Die stomatären Einsenkungen oder Höhlen d.h. auf der Blattunterseite befinden sich Einsenkungen, in denen die Spaltöffnungen zu finden sind.
Um die Wasserverdunstung noch weiter zu reduzieren, sind die Öffnungen dieser Höhlen noch mit Trichome (Pflanzenhaaren) verschlossen.

Informationen zur Pflanze: http://de.wikipedia.org/wiki/Oleander
Oleander ist aber sehr giftig - 15-20g der frischen Blätter sollen für ein Pferd tödlich sein: http://www.botanikus.de/Botanik3/Ordnung/Oleander/oleander.html
wobei die Zuchtformen jedoch deutlich reduzierte Glykosidwerte aufweisen sollen: http://www.gizbonn.de/?id=177

Da eingewinterte Pflanzen ihre Blätter in den Wintermonaten nicht verlieren, hat man so ein interessantes botanischen Studienobjekt auch
für lange Winterabende.
Ich habe Blattquerschnitte von Oleander mit W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) gefärbt.
Zuvor hatte ich die Querschnitte noch mit Natriumhypochlorit gebleicht - offensichtlich nicht lange genug, da Reste der Zellkerne übrig blieben
und sich deutlich rot anfärbten, ein Umstand von dem das Präparat aber deutlich profitiert.

Die Aufnahmen wurden am Lomo Biolam gemacht, mit einem Lomo Apo20/0.65 und einem JenaOkular PK12,5 - um das ganze Präparat ab zu bilden
waren 197 Einzelbilder notwendig, was somit einer meiner aufwändigsten Stitchversuche war.
Das Endergebnis war immerhin ein jpg-Bild mit 60104*8135 Pixel (488946040 Pixel), für google-Picasa musst ich es jedoch verkleinern,
da man nur Bilder bis zu 50Megapx hochladen kann.
Hier nun das Ergebnis:


Hier der Link um das Bild herunter zu laden - das Original hat immerhin noch 20000*2707 Pixel - da kann man schon etwas herumzoomen im Bild  :D :
https://lh4.googleusercontent.com/-q6DRvgkBVkY/Uv86strCc8I/AAAAAAAACnc/8vZ1XNtIfvY/s0-d/NeriumOleander-Blattquer-W3A_197_20000x2707.jpg

Hier vielleicht noch der Link zum Album - google stellt auch selbst eine Zoomfunktion zur Verfügung, sollte in den meisten Browsern funktionieren:
https://plus.google.com/photos/117049968871761169147/albums/5417708096979221361

Um die interessante Anpassung der Pflanze - die stomatären Einsenkungen oder Höhlen - etwas anschaulicher zu machen hier noch ein Stack aus 26 Aufnahmen
von der Blattunterseite, Aufnahme mit dem Lomo Apo10/0.3 Okular Jena PK8:


Anmerkung: Die lange Seite des Bildes zeigt einen Ausschnitt von 1098µm also 1,1 Millimeter.

mit herzlichen Mikrogüßen
Leo

« Letzte Änderung: Oktober 21, 2014, 22:41:10 Nachmittag von Fahrenheit »

hajowemo

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  • Jochen Mooßen
Re: Botanik: Nerium oleander, Blatt - ein Objekt für lange Winterabende
« Antwort #1 am: Februar 16, 2014, 15:52:56 Nachmittag »
Lieber Leo,
ein tolle Arbeit hast du dir da gemacht. Das ist dir wirklich gelungen.
Kannst du vielleicht mal sagen wie du den Schnitt hergestellt hast.
Einbettung des Blattes in z.B. PEG oder Paraffin (Größe des Blockes) oder ohne ?
Geschnitten mit welchem Mikrotom? usw.
Liebe Grüße
Jochen

Vorstellung
Homepage www.mikroskopie-hobby.de
Gerne per "Du"
Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Muschelbluemchen

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Re: Botanik: Nerium oleander, Blatt - ein Objekt für lange Winterabende
« Antwort #2 am: Februar 17, 2014, 11:19:43 Vormittag »
Hallo Jochen

Danke für Dein Interesse.
Das Oleanderblatt habe ich einfach in Holundermark eingeklemmt und geschnitten. Dazu habe ich ein Leitz-Studentenmikrotom verwendet.
Dieses Mikrotom hat einfach zwei Führungsflächen aus Glasschienen, dazwischen ist das Präparat positioniert und kann über eine Schraube
mit feinem Gewinde in die Höhe transportiert werden. Die Schnitte selbst machte ich mit Mikrotom-Einmalklingen von Leitz, die in einem
einfachen Halter aus Kunststoff mit Metallklammer fixiert ist.
Der Aufbau ist vergleichbar mit diesem Mikrotom - wie es Hans Jürgen Koch verwendet, zu sehen
in seinem interessanten Beitrag zum Breitwegerich: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=6585.0

Leider hat mein Leitz nicht diese Metallfeder, die ein Hochziehen des Präparats beim Schneiden verhindern soll. Manchmal,
je nach Präparat, verwende ich deshalb ein starkes Gummiringerl um die Präparatklemme nach unten zu ziehen.
Beim AO-Mikrotomentwurf hat offenbar ein Praktiker mitgeredet, beim Leitz vermutlich nur ein Schreibtischtäter  :-\
(aber gerade diese Kleinigkeiten entscheiden oft über Erfolg oder "Na geht gerade").

Dabei verfertige ich sehr viele Schnitte und such mir unter dem Stereomikroskop dann die schönsten (dünn, gleichmäßig,.. ) heraus
und diese werden dann weiter verarbeitet.
herzlich Mikrogrüße
Leo