In Anbetracht des baldigen Karnevals ... Macrophthalmothrips hemipteroides

Begonnen von Manfred Ulitzka, Februar 24, 2014, 02:01:05 VORMITTAG

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Manfred Ulitzka

Hallo,

in Anbetracht des baldigen Karnevals möchte ich Euch diesen lustigen Gesellen zeigen: Der Thrips mit dem längsten Namen  ;D: Macrophthalmothrips hemipteroides (Thysanoptera: Phlaeothripidae).


Macrophthalmothrips hemipteroides ♀: lateral "im Sprung".

M. hemipteroides ist die häufigste Art dieser Gattung. Die Tiere findet man in Süd- und Mittelamerika. Sie sind Totholz- und Rindenbewohner, kommen aber auch an abgestorbenen Blättern häufig vor. Sie ernähren sich (soweit bekannt) durch Saugen an Pilzhyphen. Wie auch einige andere Thripse verfügt diese Art über ein ausgeprägtes Sprungvermögen. Bei Gefahr hüpfen sie einfach weg und fliegen los.

Die Augen dieser Fransenflüglerart sind fast holoptisch. Von oben betrachtet stoßen sie in der Mitte annähernd zusammen, was bei Thysanopteren selten zu finden ist.
Arttypische Merkmale sind u.a. die breit verbundenen Fühlerglieder VII und VIII, das quergerunzelte Pronotum und das rote Subintegumentalpigment.

Aufnahme mit Zeiss Plan 10/0.22 160/0. Auflicht durch 2 IKEA Jansjö (...von Heike gelernt - Danke! :)). Unter dem Tier lag weißes Papier.
Das Bild besteht aus 31 Einzelaufnahmen, die in Helicon Focus gestackt wurden.

Objekt: Der Thrips ist ein (ungebleichtes) Präparat in Kanadabalsam. Das Tier wurde 1998 im Primärwald in Les Nouragues (Französisch Guayana) auf toten Blättern erfasst.

Viel Spaß beim Anschauen und herzliche Grüße

Manfred.

www.thrips-iD.de    -    www.thysanoptera.de

Michael Plewka

hallo Herr Ulitzka,

leider habe ich von Insekten, insbesondere den Fransenflüglern, so gut wie keine Ahnung, Umso schöner, dass Sie uns diese Viecher ein bisschen näherbringen. Ich würde mir deshalb eine Beschriftung wünschen: ist es richtig, dass man auf dem Foto einen Saugrüssel erkennen kann? Womit springen diese Viecher? die Beine sehen relativ schwach aus (gemessn z.B. an den Sprungbeinen eines Flohs). Oder funktioniert das Springen ähnlich wie bei den Collembolen?


beste Grüße Michael Plewka

Manfred Ulitzka

#2
Hallo Herr Plewka,

wie gewünscht eine Version mit Beschriftung:



Noch ein paar Erläuterungen:
Fühlerglieder: Thysanopteren haben meist VII - VIII.
Die Facettenaugen bestehen bei Thripsen oft nur aus ganz wenigen Ommatidien (Einzelaugen). Der Macrophthalmothrips ist hier eine Ausnahme.
Die drei Occellen (wie bei allen Insekten nur bei geflügelten Arten vorhanden) befinden sich in dem sog. Occellarhügel.
Die Postoccellarborste (Es gibt noch weitere Occellarborsten, die aber hier winzig klein sind) ist oftmals bei Thysanopteren ein Bestimmungsmerkmal (Lage, Länge, Form, ...)
Der Mundkegel ist grundsätzlich lang und nach hinten gerichtet.
Maxillartaster (Kiefertaster) können 2 oder auch dreigliedrig sein.
Die Stechborsten werden von beiden Maxillen, aber nur einer Mandibel (der linken) gebildet. Die Mundwerkzeuge sind also grundsätzlich asymmetrisch. Eigentlich müssten die Thripse "Schiefmäuler" heißen. Wenn man genau hinschaut, so sieht man bei der Mundöffnung noch eine Stechborste (welche?) ganz fein herausragen.
Die Lippentaster sind bei dieser Art sehr winzig ausgeprägt und auf dem Foto nicht zu sehen.
Prothorax: 1. Brustsegment mit erstem Beinpaar.
Mesothorax: 2. Brustsegment mit zweitem Beinpaar und vorderem Flügelpaar
Metathorax: 3. Brustsegment mit den Hinterbeinen und Hinterflügeln.
Abdominalsegmente gibt es 10. auf dem Bild zu sehen sind das erste (bei den Thripsen auch Pelta genannt; trägt wiederum artspezifische Merkmale), das zweite und das dritte ist noch angeschnitten.
Das Bein entspricht dem typischen Aufbau des Insektenbeins: Coxa (=Hüfte), Trochanter (=Schenkelring), Femur (=Schenkel), Tibia (=Schiene) und Tarsus (Fußglieder) folgen aufeinander.
Das rote Pigment unter der Chitinkutikula findet man bei vielen Phlaeothripiden. Von den früheren Spezialisten (Priesner, Schliephake) wurde es immer als Bestimmungsmerkmal mit angeführt. Da heute fast alle ihre Tiere in KOH bleichen wodurch diese Färbung verloren geht, findet man in den neueren Bestimmungsschlüsseln selten Hinweise darauf.

Die Tiere springen tatsächlich mit den Beinen, aber eben nicht weit. Nach dem Absprung fangen sie dann sofort an zu fliegen.

Herzliche Grüße

Manfred.

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... gerne per DU!
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Michael Plewka

Hallo Manfred,

Vielen Dank für diese ausführlichen Zusatzinformationen!
Beste Grüße Michael Plewka

koestlfr

Hallo Manfred!

Tolles Tier, interessante Beschreibung - Danke!

Liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

Rawfoto

HAllo Manfred

Danke für den Link, die Bilder sind mir durch die Lappen gegangen, aber genau so eine Ansicht habe ich gemeint ==> spitze :-)

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...