Autor Thema: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster  (Gelesen 7542 mal)

Ronald Schulte

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HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« am: Juni 08, 2014, 20:37:07 Nachmittag »

Heute mal kein Maus oder Ratte. Heute gibt es Insekten. Grosse nachteil ist das ich wenig davon verstehe so wurde mich freuen wenn einer mal was Erläuterungen schreiben könnte.
In ein Stuck Melone ist es sehr einfach um die Larven von den Drosophila Melanogaster zu Züchten.
Im dritten Stadium (genau vor die Verpuppung) habe ich einige Larven Fixiert in ein Gemisch von Formalin und Glutaraldehyde (2,5%, 2%).
Eingebettet wurde in Technovit 7100.







Um das Bild in Zoomify zu beobachten bitte HIER klicken.






Links, Haut; Mitte, Muskel; Rechts, Tracheen; Gans Rechts, Fett ??

Farbung: Toluidin blau. Objektiv: Leitz planapo 63x NA 1.4. Kamera: Moticam 2300.





Links, Zellen von die Darmen??; Rechts davon, Fett ??

Farbung: Toluidin blau. Objektiv: Leitz planapo 63x NA 1.4. Kamera: Moticam 2300.





Speisserohre quer geschnitten??

Farbung: Toluidin blau. Objektiv: Leitz planapo 63x NA 1.4. Kamera: Moticam 2300.





Links, Fett; Mitte, Muskelzellen mit zwei Kernen; Rechts, Haut??

Farbung: Toluidin blau. Objektiv: Leitz planapo 63x NA 1.4. Kamera: Moticam 2300.





??

Farbung: Toluidin blau. Objektiv: Leitz planapo 63x NA 1.4. Kamera: Moticam 2300.





Fett??

Farbung: Toluidin blau. Objektiv: Leitz planapo 63x NA 1.4. Kamera: Moticam 2300.



Grusse Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
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Mikrotome:
A&O 820 Rotationsmikrotom.
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Jürgen H.

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Re: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« Antwort #1 am: Juni 09, 2014, 12:07:52 Nachmittag »
Lieber Ronald,

wie schön, dass ich von Dir auch einmal etwas zu den Insekten sehe, und dann gleich so fantastische, an Elektronenmikroskopie erinnerende Bilder!

IMHO sind auch alle Deine Bezeichnungen zutreffend bis auf die Annahme, dass es sich bei Bild 3 nach dem Zoomifybild um einen Querschnitt der Speiseröhre handeln soll. Ich sehe Zellen mit Mikrovillibesatz, die in ein Lumen hineinragen, sowie rechts und links außen, besonders oben links vermutlich quer geschnittene Muskulatur, die dann eine longitudinal verlaufende Muskulatur wäre. Beides, Mikrovillibesatz und längs zur Verlaufsrichtung des Organs verlaufende Muskulatur spricht gegen die Diagnose Oesophagus. Die Speiseröhre ist ektodermalen Ursprungs, also eine Einstülpung des Integuments und daher innen mit einer feinen Cuticula, nicht aber mit Mikrovilli versehen, longitudinal verlaufende Muskulatur soll in der Regel bei der Speiseröhre der Insekten nicht vorkommen. Ich vermute, dass Du einen Querschnitt eines Malphigischen Gefäßes abgebildet hast, also auf der einen Seite blind, auf der anderen Seite in den Darm endende Schläuche, die der Exkretion  und der Osmoregulation dienen.

Herzlichen Glückwunsch zu diesen schönen Schnitten!

Jürgen

Jan Kros

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Re: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« Antwort #2 am: Juni 09, 2014, 13:05:34 Nachmittag »
Hallo Ronald
Sehr interessante Bilder hast du hin gestellt
ich kenne mich mit Insekten zwar nicht aus aber man kann es trotdem geniesen
Herzlichen Gruessen
Jan

Oecoprotonucli

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Re: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« Antwort #3 am: Juni 09, 2014, 14:49:04 Nachmittag »
Ja, "wie üblich" tolle Bilder, Ronald, Danke fürs Zeigen!

Lieber Ronald,
IMHO sind auch alle Deine Bezeichnungen zutreffend bis auf die Annahme, dass es sich bei Bild 3 nach dem Zoomifybild um einen Querschnitt der Speiseröhre handeln soll. Ich sehe Zellen mit Mikrovillibesatz, die in ein Lumen hineinragen, sowie rechts und links außen, besonders oben links vermutlich quer geschnittene Muskulatur, die dann eine longitudinal verlaufende Muskulatur wäre. Beides, Mikrovillibesatz und längs zur Verlaufsrichtung des Organs verlaufende Muskulatur spricht gegen die Diagnose Oesophagus. Die Speiseröhre ist ektodermalen Ursprungs, also eine Einstülpung des Integuments und daher innen mit einer feinen Cuticula, nicht aber mit Mikrovilli versehen, longitudinal verlaufende Muskulatur soll in der Regel bei der Speiseröhre der Insekten nicht vorkommen. Ich vermute, dass Du einen Querschnitt eines Malphigischen Gefäßes abgebildet hast, also auf der einen Seite blind, auf der anderen Seite in den Darm endende Schläuche, die der Exkretion  und der Osmoregulation dienen.

Hallo Jürgen, in Vorbereitung auf unser "geheimes Projekt" ;) sollte ich mir solche Bilder langsam mal etwas genauer anschauen und mich einarbeiten...

Zur Identifizierung der Strukturen wäre es natürlich hilfreich, zu wissen, aus welchem Körperabschnitt/Region der jeweilige Schnitt ungefähr stammt. Die Malpighischen Gefäße müssten hier ja letztendlich in den Enddarm münden bzw. Ausstülpungen desselben sein. Wobei ich aber keine Ahnung habe, wie das bei den Larven aussehen müsste und ob diese länglichen Gefäße auch in andere Körperregionen hineinreichen*. Was Du zum Muskel geschrieben hast: Jedenfalls dürfte dieser dann doch mit den Malpighi-Gefäßen wenig zu tun haben? Oder gibt es bei denen etwa auch eine Art Peristaltik, zusätzlich zu Filtration und aktivem zellulären Transport an den Membranen?

Weiterhin bin ich auf dem Präparat noch am Suchen, ob und welche Strukturen Blutgefäße/Herzen sein könnten und inwieweit die Larven diese überhaupt besitzen? Hier ist wohl wieder einmal einiges an Lesearbeit meinerseits erforderlich... Zumindest zu Drosophila sollte es umfangreiche Literatur geben.

Viele Grüße

Sebastian

P.S.: Hier eine Tolle Zeitrafferaufnahme der Embryonalentwicklung, aus den anderen Folien ersieht man auch, dass da am Enddarm Malpighi-Gefäße angelegt werden. http://www.uni-tuebingen.de/genetiere/lernmodul/Modul1/modul1_37.htm

* P.P.S.: Ich habe das vermeintliche Malpighi-Gefäß inzwischen im Gesamtpräparat lokalisieren können. Ist das nicht ein bißchen zu weit vorn?

P.P.P.S: Dieser dorsale Schlauch (etwas weiter hinten und oberhalb des mutmaßlichen Malp. Gef.) ist also Trachee? Kann kein Dorsalgefäß sein? (Und noch eine spätere Anmerkung: Ach nein, das ist ja gar nicht dorsal, es ist ja wohl ein Frontalschnitt, kein Sagittalschnitt...)
« Letzte Änderung: Juni 09, 2014, 17:35:29 Nachmittag von Oecoprotonucli »
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Jürgen H.

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Re: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« Antwort #4 am: Juni 09, 2014, 18:44:49 Nachmittag »
Lieber Sebastian,

ich denke Du hast Recht: Ronald hat frontal geschnitten, also in einer Parallelebene zur Lauffläche. Rechts unten sieht man daher die eine Haupttrachee verlaufen und mehr mittig oben die andere.

Malphighigefäße gibt es sicher auch bei den Larven von Drosophila. Und zu den M.Gefäßen bei den Imagines kenne ich  begleitende Muskulatur, die eine Bewegung der Gefäße verursachen kann, ob auch die Larve von Drosophila solche besitzt, weiß ich nicht. Aber ich habe selbst Zweifel daran, ob es sich bei dem Bild 3 um einen Querschnitt durch ein M. Gefäß handelt, ich kenne die Larvenentwicklung von Drosophila nicht. Ich habe nur eine Vermutung angestellt. Hier würde eine Schnittserie helfen....

Schöne Grüße

Jürgen

Oecoprotonucli

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Re: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« Antwort #5 am: Juni 10, 2014, 09:03:38 Vormittag »
Lieber Jürgen,

ja, jetzt sehe ich auch klarer, was die Lage und die Tracheen betrifft.

Interessant, das mit der Muskulatur und den Malpighi-Gefäßen. Das einzuordnen geht schon etwas über Durchschnittsbiologen-Kenntnisse hinaus  ;) , auch um herauszufinden, was da vorne noch angeschnitten worden sein könnte, muß man wohl mal nach vernünftiger Literatur suchen (und diese auch lesen) - wie gesagt, Drosophila ist "berühmt" (Modellorganismus) und es gibt da wohl einige Standardwerke sowie natürlich Einzelpapers - vielleicht schaue ich mal danach, aber es gibt ja so viele Baustellen...

Oder hier schaut irgendwann noch ein anderer Insektenkundiger hinein - dass Du Recht hast, wollte und will ich ja auch gar nicht ausschließen.

An Ronald:
Kann man das Bild, das man mit Zoomify betrachten kann, eigentlich irgendwie als Ganzes herunterladen? Ich hätte das Foto gerne auf meinem Computer...  :)

Viele Grüße

Sebastian
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Jürgen H.

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Re: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« Antwort #6 am: Juni 10, 2014, 09:42:01 Vormittag »
Lieber Sebastian,

in Betracht käme m.E. auch ein Querschnitt durch einen der vier Blindsäcke.

Hier ist eine nette Übersicht der inneren Organe der Larve von drosophila:



Ob und welche begleitende Muskulatur die caeca haben, weiß ich allerdings auch nicht. Ronald Du gibst uns Rätsel auf. Wir brauchen weitere Schnittbilder! Und hast Du das rechte Ende von der Larve abgeschnitten? Oder kann man das auch einmal sehen?

Schöne Grüße

Jürgen

Oecoprotonucli

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Re: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« Antwort #7 am: Juni 10, 2014, 10:15:08 Vormittag »
Hallo Jürgen,

Danke für die halbschematische Übersicht! Ich geb' ja zu, ich hab' mal ein Drosophila-Praktikum gemacht, ist nur so lange her! Ich muss die alten Ordner herauskramen! Und wo ich es sehe, fällt mir wieder ein: Wir haben auch mal die Speicheldrüsen herauspräpariert (die enthalten ja die "berühmten" endopolyploiden Riesenchromosomen).

Und da frage ich mich nun auch, ob wir die Speicheldrüsen denn gar nicht auf Ronalds Schnitt sehen. Ich habe noch zu wenig histologische Erfahrung, ist es möglich, dass wir die hier für Fettkörper halten? Oder ist das ein typisches Bild von Lipidvesikeln? Sie sind ja hier "weiß", wohl dadurch, dass während der Präparation die Fette herausgelöst wurden? Oder könnten es auch sekretorische Vesikel von Drüsenzellen sein?

Ob und welche begleitende Muskulatur die caeca haben, weiß ich allerdings auch nicht.

Ob: Ich gehe davon aus, dass sie eine haben, ist ja eben doch Darm. Es ist ja auch eine Ähnlichkeit da zu dem, was wir auf den anderen Bildern als Darm identifiziert haben. Also diese Caeca halte ich für eine gute Interpretations-Alternative.

Viele Grüße

Sebastian
« Letzte Änderung: Juni 10, 2014, 10:27:35 Vormittag von Oecoprotonucli »
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Jürgen H.

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Re: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« Antwort #8 am: Juni 10, 2014, 11:58:50 Vormittag »
Lieber Sebastian,

Zitat
Und da frage ich mich nun auch, ob wir die Speicheldrüsen denn gar nicht auf Ronalds Schnitt sehen. Ich habe noch zu wenig histologische Erfahrung, ist es möglich, dass wir die hier für Fettkörper halten? Oder ist das ein typisches Bild von Lipidvesikeln? Sie sind ja hier "weiß", wohl dadurch, dass während der Präparation die Fette herausgelöst wurden?

Genau so ist es m.E.. Das ist das typische Bild eines Fettkörpers nach Extraktion der Lipide durch die Behandlung mit Lösungsmitteln. Wenn es eines Beweises dafür bedarf, dass es sich nicht um Speicheldrüsen handeln kann: Schau einmal, wo das gleiche Organ überall im Körper zu sehen ist......


Schöne Grüße

Jürgen

Ronald Schulte

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Re: HISTOLOGIE: Larve der Drosophila Melanogaster
« Antwort #9 am: Juni 10, 2014, 19:05:23 Nachmittag »
@Sebastian und Jürgen,
Die Speicheldrussen ist auch genau was ich suche.
Wie ich es angeschnitten habe weis ich nicht genau. Ich habe 1mm von das Endteil abgeschnitten um das Fixativ, Ethanol und Kunststoff besser eindringen zu lassen.
Die Mundwerkzeuge habe ich dabei nicht abgeschnitten und sollte eigentlich noch kommen wenn ich weiter schneide.
Hoffe das ich bald zeit habe um das Block weiter zu schneiden.

@Sebastian,
Gebe mich bitte deine mailadresse (vielleicht per PN) dann kannst du das Stitch Bild bekommen. Das werde ich dann mit 'wetransfer' machen weil das Bild 330mb gross ist.

Grusse Ronald

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