Autor Thema: Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)  (Gelesen 5226 mal)

Bernd Kaufmann

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Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)
« am: August 17, 2014, 23:16:40 Nachmittag »
Liebe Freunde,

Wiederholungen sind sicher nicht besonders beliebt und sinnvoll. Aber in dem Fall möchte ich Euch trotzdem meinen jüngsten (und zweiten) Versuch des Fe-Nachweises zeigen. Ich arbeite gerade am interessanten Thema "Biofilme" mit überwiegendem Bezug zu Aquaristik und Gartenteich. Gestern kam ich wieder an eine ziemliche Menge feinsten Filterschlamms aus einem meiner Aquarien. Natürlich musste da eine Probe wieder unter die Linsen. Dass im Filterschlamm erhebliche Mengen Eisen stecken, "weiß" man als interessierter Aquarianer, aber sichtbar machen ist besser als theoretisches Wissen. Deshalb erinnerte ich mich sofort an meine beiden Fläschchen mit gelbem Blutlaugensalz und Salzsäure (10 %), die mir unser lieber Hoflieferant Klaus gemixt hat. Die Reaktion funktioniert einfach und völlig problemlos, wenn man je einen Tropfen der Lösungen durchs Präparat saugt. Die Berliner Blau Färbung liefert einfach perfektes Blau, wenn Eisen vorhanden ist.


Die Biofilm-Flocken, wie man sie aus einem Filterschwamm auswaschen kann.


So sieht eine Flocke ungefärbt im DIC mit Objektiv 40x aus.


Hier eine Flocke nach Durchleitung der beiden Lösungen.
Viele Grüße
Bernd ©¿©
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talrand

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Re: Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)
« Antwort #1 am: August 25, 2014, 13:34:48 Nachmittag »
Hallo lieber Bernd,
Das erfreut den alten Chemiker, sowas hab ich als Youngster immer gern gemacht.  ;D
Kennst du auch die chemischen Gärten, wenn man in eine "Wasserglaslösung", d.h. Na-meta-Silikatlösung einige farbige Schwermetallsalzkristalle einwirft, gelbes und rotes Blulaugensalz, Kupfersulfat, Nickelchlorid, Cobaltnitrat aber auch Magnesiumsulat. Stand mal im Römpp, Chemische Experimente die Gelingen, den ich als 15jähriger besaß. Heutzutage wird es schwer sein, alle diese hübschen und giftigen Stoffe zu bekommen.
Jedenfalls wachsen aus den eingeworfenen Kristallen hübsche bunte Schläuche und "Pflanzen" ähnliche Gebilde!

Übrigens, Vorsicht wenn es bei deinen Versuchen anfängt nach Bittermandeln zu riechen, Cyanid Gefahr!!
 :o
Grüße vom Randolf
« Letzte Änderung: August 25, 2014, 16:39:03 Nachmittag von talrand »
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Bernd Kaufmann

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Re: Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)
« Antwort #2 am: August 25, 2014, 14:15:31 Nachmittag »
Lieber Randolf,

freut mich sehr, wenn Dir das gefällt, danke für Deinen Kommentar!

Zufällig habe ich noch einen größeren Kanister mit Wasserglas im Keller stehen, weil ich einst einmal die "Chemischen Gärten" auch erblühen lassen wollte. Aber wie das manchmal so geht, waren Pläne, Zeit und Beschaffung aller notwendigen Zutaten nicht so recht unter einen Hut zu bringen.

Eine recht gute Anleitung fand ich im Buch "Chemische Kabinettstücke" von H. W. ROESKY u. K. MÖCKEL. Danach braucht man AlCl3, CoCl2, CrCl3, CuCl2, FeCl3, MnCl2, CaCl2, KMnO4 und Ni(NO3)2. Wie giftig oder harmlos diese Substanzen sind, vermag ich als Laie nicht zu sagen und bitte deshalb Mitleser, sich vor eventuellen Versuchen bei den Fachleuten schlau zu machen.

Im Augenblick ist mein Rentnerdasein dem Klischee entsprechend "zeitlos" und mit Arbeit und Hobbys randvoll ausgelastet. So werde ich wohl das Wasserglas noch ein Weilchen im Keller lassen, bevor ich Pflanzen sprießen lasse.
Viele Grüße
Bernd ©¿©
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Klaus Herrmann

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Re: Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)
« Antwort #3 am: August 25, 2014, 14:30:30 Nachmittag »
Lieber Bernd,

ist doch erfreulich, dass meine Suppen funktionieren. Wenn es Goldspuren wären würde sich das Sammeln deiner Filterschlämme lohnen, aber für Eisen müssen die Chinesen erst den Markt lehrkaufen!
Die Chemischen Gärten habe ich mit meinem Bruder schon im zarten Alter von 14 gezüchtet- bei ihm hat es nichts genützt er wurde "nur" Arzt. ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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talrand

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Re: Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)
« Antwort #4 am: August 25, 2014, 14:47:03 Nachmittag »
Hallo lieber Bernd,
Zitat
Wie giftig oder harmlos diese Substanzen sind, vermag ich als Laie nicht zu sagen und bitte deshalb Mitleser, sich vor eventuellen Versuchen bei den Fachleuten schlau zu machen.

Ist recht einfach, je bunter desto giftiger, jedoch ist AlCl3 auch nicht besonders Gesundheitsfördernd und Verbindungen mit CN (Cynide, Cyanate, etc) auch nicht. Chromverbindungen sind auch nicht ohne, besonders Chrom III chromate. Übrigens, Kaliumdichromat K2Cr2O7 (orangerote Kristalle) gibt auch schöne Farben.
Also, immer schön vorsichtig sein!
Har, har!  ;D
« Letzte Änderung: August 25, 2014, 16:44:12 Nachmittag von talrand »
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Re: Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)
« Antwort #5 am: August 25, 2014, 17:08:33 Nachmittag »
Hallo Randolf,

erst mal willkommen im Club! :)

Dazu:
Zitat
Chromverbindungen sind auch nicht ohne, besonders Chrom III chromate. Übrigens, Kaliumdichromat K2Cr2O7 (orangerote Kristalle) gibt auch schöne Farben.

...habe ich andere Info: Cr 3+ ist im Gegensatz zu Cr6+eher harmlos. Wobei das K-Dichromat natürlich als Cr6+ zu den "Bösen" gehört.
Aber aufpassen ist natürlich immer angesagt! Auch im eigentlich harmlosen Kochsalz eingelegt macht man es nicht lange! ;D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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talrand

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Re: Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)
« Antwort #6 am: August 25, 2014, 22:23:26 Nachmittag »
Hallo lieber Klaus, Danke für die Willkommensgrüße. Man erfährt und sieht hier echt tolle Sachen. Bin wirklich begeistert hier im board.

Leider sind Chrom III chromate als äußerst toxisch und cancerogen eingestuft, hatte beruflich mit solch einem Zeug auf Kieselgelträger zu tun. War aber auch CrO3 drin, das wäre dann Chrom VI oxid.

http://de.m.wikipedia.org/wiki/Chrom(III)-chromat

Liebe Grüße vom Randolf

Übrigens, kochen tu ich auch sehr gerne (nicht nur Analysen oder Präparate).
Die Langoustines (auf italienisch Scampi) habe ich schon mal in der Bretagne (Trevignon) direkt am Hafen gekauft und mit ner Aioli und Salat und Baguette zubereitet. Dazu ein schöner frischer Weißer, einfach lecker!
Schlürf, Schluß jetzt!
« Letzte Änderung: August 25, 2014, 22:32:20 Nachmittag von talrand »
Randolf aus Duisburg

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Klaus Herrmann

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Re: Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)
« Antwort #7 am: August 26, 2014, 10:58:26 Vormittag »
Hallo lieber Randolf,

natürlich sind alle Cr(VI)- Verbindungen krebserregend aber die Cr(III)- eigentlich nicht. Um Verwirrungen zu vermeiden sollte man von Oxidationsstufen sprechen. Das hatte ich ja auch getan. Vielleicht bin ich schon zu alt, dass ich nicht mitbekommen habe, dass es einen Wechsel gegeben hat bei der Bezeichnung der Oxidationsstufen. Was da in dem Wiki-Zitat steht ist für mich auf jeden Fall irreführend. In meinem alten Jander-Blasius sind die römischen Ziffern eigentlich immer gleichzusetzen mit Oxidationsstufen.

Aber ich koche inzwischen auch eher mit Wasser, als mit konzentrierter Salpetersäure! ;D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Re: Noch einmal Filterschlamm und Berliner Blau (Eisen-Nachweis)
« Antwort #8 am: August 26, 2014, 12:46:07 Nachmittag »
 ;)
Hallo Klaus, sehr, sehr leckere Sachen kochst du da, du ehemaliger Labor Brutschler. Sorry als Berufskollege darf man das doch so leger sagen, oder? Mmmmmhh!

Na klar meine ich mit den römischen Zahlen die Oxidationsstufen, macht man doch immer noch so (bin ja erst  seit 4 Monaten in Rente)?
Die meisten Cr (III)- Verbindungen sind eh nicht bekömmlich ( ich denke an die Chloride und Sulfate, Nitrate und Fluoride, jedoch kannste ja mit Cr2O3 malen (Chromgrün), aber auch nicht essen.
Die Chrom(III)chromate(VI) sind leider in Verruf! Wir (bzw mein Vorgänger bei Messer) haben eine patentierte Geschichte mit CrO3, auf Silicagel gezogen, das im reduzierten Zustand (H2 oder CO) Sauerstoff aus Inerten Gasen entfernt und zwar heftig. Das Zeugs hieß bei Messer Oxisorb. Damit konntest du weit unter 1ppm O2 erzielen.
Uff bitte das nicht alles weiter erzählen!
Die aktivierte Masse fiel unter die GefStoffV, da sie Cr(II) und Cr(III) enthielt und natürlich auch noch Cr(VI) und schon gab's Riesenauflagen durch Umweltamt, Regierungspräsident und GA in der Produktion.
Weiß ich, da ich den Laden von der Fachaufsicht und der Analytik (Produkt und Abwasser) in der Firma betreut habe.

Psssst  8)

Randolf
« Letzte Änderung: August 26, 2014, 13:06:19 Nachmittag von talrand »
Randolf aus Duisburg

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