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Kaufberatung - Was muss ein Mikroskop für die Pilzbestimmung können?

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Peter Reil:
Liebe Mikrofreunde,

immer wieder mal kommt ein "Pilzler" ins Forum und ist auf der Suche nach einem geeigneten Mikroskop. Wenn ein solcher in die Mikroskopie einsteigen möchte, so will er in erster Linie Pilzsporen, Basidien, Schläuche, Paraphysen, Zystiden, Schnallen und weiteres sehen und messen können. Diese wichtigen mikroskopischen Merkmale helfen ihm bei der Bestimmung von Gattungen und Arten. Fast immer werden Quetschpräparate angefertigt, teils auch gefärbt, Schnitte bilden die Ausnahme. Das 100er Öl Objektiv ist dauernd im Einsatz. Es wird für feine Strukturen und die Messungen benötigt.


Mindestausstattung eines „Pilzlermikroskops“
Standfestes Stativ,
Binokular mit 2 Weitfeldokularen (Sehfeld 18 oder größer), ein Okular davon mit Okularmikrometerplatte (um Messen zu können)
mindestens 3 Objektive: 10-fach, 40-fach, 100-fach mit Ölimmersion
Kondensor für Hellfeld, numerische Apertur mind. 0,9 besser 1,25
gute Beleuchtung (Halogen (10) 20 Watt oder mehr, alternativ LED)
Kreuztisch mit Objektführung

Die Kosten für Neugeräte beginnen bei ca. 500 Euro. Aber Vorsicht – gerade bei Billiggeräten (meist Asia-Importe) kann es vorkommen, dass man ein „Montagsgerät“ erwischt. Oft ist die Freude über die Neuerwerbung zunächst groß und man merkt erst nach längerer Zeit, was man da erstanden hat, weil die Vergleichsmöglichkeiten vorher fehlten.
Sollte man sich gleich für ein Markengerät entscheiden (Olympus, Zeiss, Nikon, Leitz,...), ist man auf der sicheren Seite. Allerdings wird man sich auf einen zumindest 4-stelligen Betrag einstellen müssen.

Mein Rat geht immer zu einem gebrauchten Markengerät. Da kann man ab ca. 400 Euro fündig werden. Und wenn das Mikroskop aus vertrauenswürdiger Quelle mit Rückgaberecht stammt, sind die Chancen sehr groß, etwas Zufriedenstellendes zu erhalten. Besonders die älteren Olympus Mikroskope der CH2 - Baureihe sind bei Pilzlern sehr beliebt und verbreitet.
Es ist zusätzlich hilfreich, jemanden im Bekanntenkreis zu haben, der sich mit Mikroskopen auskennt und den Anfänger beraten kann. Auch Pilzvereine oder Pilz-Arbeitskreise sind mögliche Anlaufstellen.

Käufe bei Internetauktionen sind möglich, beinhalten jedoch ein nicht zu unterschätzendes Risiko über die tatsächliche Qualität des Erworbenen. Und wenn Reparatur oder gar Ersatzteile fällig werden, kann es gleich richtig Geld kosten.

Mögliche „Komfortausstattung“ des Mikroskops für die Pilzbestimmung
Messokular: Wird nur von Brillenträgern benötigt, die ohne Brille mikroskopieren.
Zeichentubus: Wird immer noch von vielen Pilzlern gerne genutzt, um auf einfachere Weise Sporen und Zystiden maßstäblich zeichnen zu können.
Trinokulartubus: Wird nötig, falls man Fotos machen möchte. Besser gleich mit erwerben, weil Nachrüstung meist teuer wird.
Mehr Objektive: 4-fach Objektiv, 20-fach Objektiv erleichtern das Arbeiten
Bessere Objektive: Eine Sache des persönlichen Anspruchs und des Geldbeutels.
Phasenkontrast: Wird für Pilzmikroskopie praktisch nicht benötigt.

Freundliche Grüße
Peter R.

PS: Ein Mikroskop ist lediglich ein zusätzliches Werkzeug zur Pilzbestimmung, dessen Benutzung zunächst eingeübt werden muss. Dabei ist der Besuch  spezieller Mikroskopiekurse gerade für den Anfänger sehr hilfreich (z. B. hier: www.pilzzentrum.de).

beamish:
Lieber Peter,

das ist ein wunderbarer Vorstoß, die Anfragen von Pilzlern zu "verkürzen". Nur einen Punkt finde ich nicht mehr ganz zeitgemäß: die Strichplatte/Messokular.
Heute will doch eigentlich jeder seine Beobachtungen fotografisch dokumentieren, das geht sehr preiswert. Und da ist es doch ein Leichtes, die vorhandene Ausrüstung mit einem Objektmikrometer zu kalibrieren. Anschließend können die Objekte der Begierde mit geeigneter (Free-!)Software leicht vermessen und bemaßt werden, ohne häßliche Fadenkreuze im Bild.

Herzlich
Martin

Peter V.:
Lieber Peter,

zunächst einmal muss ich mich entschuldigen, dass ich auch Deine PN nicht geantwortet habe, hatte ich Dich doch zu dieser kleinen Pilzlerberatung angestachelt. Ich habe Deine PN schlicht übersehen  :o
Umso dankbarer bin ich, dass Du hier einmal zuammengefasst hast, was für den Pilzler wirklich wichtig ist, denn die Fragestellung taucht immer wieder auf und nunmehr können wir stets darauf verweisen.
Ich habe diesem Artikel in meiner "Kaufberatung für Anfänger" verlinkt.

Eine Frage habe ich noch in diesem Zusammenhang (ggf. auch an andere Pilzmikroskopiker): Bei Kaufgesuchen von Pilzlern stellt sich immer wieder das "Messplättchen" als Problem heraus, denn es gehört ja nicht zur Standardausrüstung von Mikroskopen und nicht alle Mikroskope haben überhaupt stellbare Okulare, in die man ein Messplättchen hineinfriemeln könnte. Die meisten privaten Verkäufer, die ansonsten gute Angebote hätten, können eben mit diesem Teil nicht dienen. Gibt es da eine Lösung? Gibt es ein Quelle eines preiswerten Fremd-Okularpaars, wobei ein Okular mit Messplättchen ausgestattet ist?

Herzliche Grüße
Peter
 

Herbert Dietrich:
Lieber Pilzler,

für den Mikroskopiker mit kleinem Geldbeutel kann ich dieses Okular empfehlen:

http://www.ebay.de/itm/320605623913?_trksid=p2060778.m1438.l2649&ssPageName=STRK%3AMEBIDX%3AIT

Ich habe es selbst und verwende es in Kombination mit Zeiss KF 10x/18 Brille und Kpl W 10x(18 Brille.
Nachteil, das Okular ist nicht stellbar, wenn ich als Brillenträger (-8 Dioptrien) das Okular ohne Brille benützen will, erscheint die Skala etwas unscharf.
Die Verwendung mit Brille ist problemlos, auch was das Sehfeld betrifft.

Herzliche Grüße
Herbert

Bernhard Lebeda:

--- Zitat von: Herbert Dietrich am Dezember 14, 2014, 09:01:35 Vormittag ---

Ich habe es selbst und verwende es in Kombination mit Zeiss KF 10x/18 Brille und Kpl W 10x(18 Brille.
Nachteil, das Okular ist nicht stellbar, wenn ich als Brillenträger (-8 Dioptrien) das Okular ohne Brille benützen will, erscheint die Skala etwas unscharf.
Die Verwendung mit Brille ist problemlos, auch was das Sehfeld betrifft.


--- Ende Zitat ---

Hallo liebe Pilzköpfe

was ich nicht verstehe: braucht ihr die Messskala denn ständig im Bild? Da mich das nervt, tausche ich nur zum messen ein Okular gegen das hier aus:

http://www.biologie-bedarf.de/products/312531/


und messe monokular. Spricht da was dagegen?

Viele pilzinteressierte Mikrogrüße

Bernhard

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