Aufruf zur Bildbearbeitung: Staurastrum

Begonnen von Monsti, März 07, 2015, 20:55:00 NACHMITTAGS

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Lupus

Hallo Angie,

ZitatWas meinst Du mit "Bildbearbeitung als Fetisch"? Ganz ohne Bildbearbeitung geht in der Mikrofotografie nun mal fast nichts. Zufälligerweise macht mir die Bildbearbeitung auch richtig Spaß, d.h. bei mir muss es nicht möglichst schnell gehen.
das war sicherlich eine leicht provokante Bemerkung, die sich aber nicht auf dich bezog  :)
Und vor allen Dingen nicht auf die "normale" Bildbearbeitung, die wahrscheinlich so jeder macht wie z.B. Optimierung des Kontrastes oder Retusche von "Staubkörnern". Aber wenn das "Schönen" von Bildern mit allen Mitteln im Vordergrund steht und nicht mehr die Informationen über das Objekt könnte man es schon so bezeichnen. Ich gebe zu dass ich ein stiller Genießer der vielen fantastischen Bilder hier bin, andererseits bin ich berufsbedingt wissenschaftlich orientiert, so dass ich bei zu viel aufeinander folgenden Bildbearbeitungsschritten innerlich etwas unruhig werde.  ;D
Ich habe mich vor einiger Zeit intensiv mit den mathematischen Algorithmen mancher Bildbearbeitungsfilter beschäftigt, auch viele scheinbar harmlose fügen dem Original etwas nicht vorhandenes hinzu. Aber jetzt sind wir wieder beim Thema Geschmack ........

Was ich nicht ganz verstehe ist, welche Erwartung du damit verknüpfst, wenn andere Forumsteilnehmer dein Bild auch bearbeiten. Bei den Standardmethoden sollte kein diskussionswürdiger Unterschied zu erkennen sein.  ;)

Hubert

Monsti

#61
Liebe Diskutanten,

Euch allen herzlichen Dank für Eure Beiträge, ich habe (wie andere auch) viel gelernt.

@Hubert:

ZitatAber wenn das "Schönen" von Bildern mit allen Mitteln im Vordergrund steht und nicht mehr die Informationen über das Objekt könnte man es schon so bezeichnen.

Das sehe ich genauso. Ich persönlich beachte ein inhaltlich interessantes Foto nicht weniger als die makellosen Fotokreationen, bei denen ich mitunter das Fachliche vermisse. Doch dies ist ja auch nicht unbedingt der Anspruch desjenigen, der hier Fotos veröffentlicht.

ZitatWas ich nicht ganz verstehe ist, welche Erwartung du damit verknüpfst, wenn andere Forumsteilnehmer dein Bild auch bearbeiten.

Ausgangspunkt war, dass ein Foto von Carsten - http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=22514.0 - von mehreren Usern (auch von mir) bearbeitet worden war, weil wir der Ansicht waren, dass man aus dem gezeigten Bild sehr viel mehr rausholen kann. Nun interessierte es mich, was andere aus meiner - ebenfalls nicht optimalen - Vorlage eines nicht ganz einfachen Motivs basteln würden. Dass dieses Thema offenbar viele interessiert, entnahm ich vielen Mails, z.T. von Leuten, von denen ich hier noch nie ein Mikrofoto gesehen habe bzw. die überhaupt noch nie aktiv waren. Ist es jetzt verständlicher?

Herzliche Grüße und nochmals vielen Dank an alle!
Angie

Bernd

Hallo Angie,

um den Thread noch etwas länger zu machen, hier noch ein paar Anmerkungen von mir.

Ich nutze eine Canon EOS 500D und vermute einfach mal, daß deine 600D alle kann, was die 500D kann (und noch viel mehr).
- Warum benutzt du nicht die mitgelieferte Software Digital Photo Professional? Die Kamerasteuerung über den Computer ermöglicht es, denn Weißabgleich mittels Testaufnahme und einem Mausklick zu machen. Einfacher geht es mit anderen Programmen wohl auch nicht.

- Mit der Software kannst du deine RAW-Bilder auch ganz einfach ins tif-Format konvertieren, einzel und im Batch.

- Helicon Focus kann CR2-Files (das RAW-Format deiner Canon) ohne vorherige Konvertierung stacken. Hast du die aktuelle Programmversion? Wenn du das Programm, wovon ich ausgehe, durch Kauf erworben hast, solltest du "lebenslange" kostenlose Updates mit gekauft haben.

- CR2-Files zu stacken, muß aber nicht immer die beste Wahl sein. Hat man z. B Dreck im optischen System und das zu stapelnde Objekt bewegt sich ganz leicht oder wird von der Stackingsoftware beim Überlagern ganz leicht verschoben, macht man aus eine Dreckfleck so viele, wie man Aufnahmen stackt. Die Arbeit, das wieder wegzukriegen, muß man sich nicht wirklich antun (siehe Flatfielkorrektur weiter unten, ggf. automatisch mit der Automatisieren-Funktion von Photoshop).

- Wie ich hier im Forum schon mehr als einmal ge- und beschrieben habe, bin ich überzeugter und konsequenter Anwender der sog. Flatfieldkorrektur. Diese Methode beseitigt schnell und effektiv die Dreckflecken im Strahlengang, Helligkeitsgradienten beim DIC und leichte Farbstiche durch nicht ganz korrekten Weißabgleich. Damit du nich lange suchen mußt hier die Kopie des alten Threads:
Da das Thema "Wie beseitige ich Hintergrundartefakte, die durch Dreck im Strahlengang, auf dem Kamerachip oder sonst irgendwo ins Bild kommen" (sog. Flatfield-Korrektur) immer mal wieder auftaucht, möchte ich hier eine mögliche Vorgehensweise in Photoshop CS4 beschreiben.
Man braucht dazu 1) das Mikrofoto (= BILD) und 2) ein unter gleichen Bedingungen (Aperturblende, Stellung der DIC-Prismen, etc.) aufgenommenes Bild (= FLAT), auf dem keine Objekte zu sehen sind. Bei stärkeren Vergrößerungen lassen sich solche Bilder meist schon durch geringes Bewegen des Kreuztisches aufnehmen, bei schwächeren Vergrößerungen muß man sich eine leere Stelle im Präparat oder sonst irgendwo auf dem Objektträger suchen. Ggf. leicht defokussieren, um ein homogenes Hintergrundbild zu erzeugen.
BILD und FLAT in Photoshop öffnen, das BILD anwählen und im Menü ,,Bild" ,,Bildberechnungen" auswählen. Dann als Quelle FLAT auswählen, Füllmethode ,,Subtrahieren" wählen und ,,Versatz" einstellen. Ich stelle den Versatz immer so ein, daß im Histogramm (Kanal RGB) der alte und neue Helligkeitspeak übereinander liegen. Jetzt noch OK drücken und weg ist der Dreck.


Viele Grüße
Bernd

Monsti

Hallo Bernd,

vielen Dank für Deine Ergänzungen, die ich z.T. aber noch genauer anschauen und durchblicken muss (z.B. Thema "Flatfieldkorrektur"). Allerdings sollte ich wohl auch mal das Okular im Fototubus reinigen, denn dieses habe ich als Dreckspender im Verdacht.

ZitatDie Kamerasteuerung über den Computer ermöglicht es, denn Weißabgleich mittels Testaufnahme und einem Mausklick zu machen.

Das stimmt und funktioniert auch gut. Der Weißabgleich muss dann aber ständig erneut eingestellt werden, je nachdem, welches Objektiv ich benutze und welche Helligkeit ich einstelle. Das ist extrem lästig, zudem habe ich während der Arbeit oft nicht die Zeit dafür. Arnold hatte dieses Thema auf S. 2 ja schon angesprochen.

Beispiel: Ich finde einen spannenden Ciliaten, der ziemlich flott durch die Gegend flitzt. Ich entscheide mich für den 25er Planapo, für den ich den Weißabgleich eingestellt habe. Leider ist das Viech derart schnell, dass ich keine Chance habe, es bei meiner gängigen Beleuchtung scharf zu kriegen. Also drehe ich die Beleuchtung auf volle Pulle, die beim Blick durch das Okular schon nicht mehr erträglich ist, und verfolge das Viech am Monitor. Die dabei entstehenden Bilder sind dann zwar (mit Glück) scharf, sie haben aber zwangsläufig einen extremen Farbstich. Diesen anschließend per Photoshop zu beseitigen ist eine Sache von nicht einmal einer Minute. Habe ich da einen Denkfehler?  ???

So, und nun beschäftige ich mich mit der Flatfieldkorrektur ...

Herzliche Grüße
Angie


Bernd

Hallo Angie,

zum Thema Weißabgleich: Ich betreibe meine Halogenlampe immer mit der gleichen Spannung und je nach Lichtbedarf mit oder ohne Graufilter (Mikroskop der Luxusklasse).

Viele Grüße
Bernd

schuppi

#65
Hallo,

erst jetzt habe ich Deinen Beitrag gelesen und habe mich auch mal mit ganz andren Mitteln versucht.

Das "Rohbild" habe ich in neatimage geladen, entrauscht und direkt unter "Noise Filter Settings unter Sharpening die Parameter High 120, Mid 80 und low 60 geschärft.

Dann nach Gusto mit ACDSEE ein wenig die Helligkeit und Kontrast geändert und dann ausgeschnitten.

Hier das ausgeschnittene Ausgangsbild:


Und hier das Endergebnis.


Da Dein anderes Rohbild nur Graustufen hat und eigentlich von der Helligkeit gut ausgeleuchtet ist, habe ich die gleichen Einstellungen nochmals mit neatimage durchlaufen lassen.

Ausgangsbild:


Endergebnis:


Liebe Grüße
Rainer

DFK 72AUC02 an
- Motic BA310 Trino LED
- Motic SMZ-168 Trino LED
Web-Site: http://www.mikroskopie-bilder.de

Peter V.

#66
Hallo,

ich denke, man muss einfach sehen, dass es verschiedene Intentionen und Herangehensweisen für ein Mikrofoto gibt. Da gibt es auf der einen Seite die ästhetisch-künstlerisch durchgestalteten Mikrofotos, so, wie sie beispielhaft Frank Fox zeigt. Seine Intention ist nicht, die Bestimmungsmerkmale eines Lebenswesens herauszuarbeiten, sondern es in einer fotografischen Ästhetik - vielleicht auch einmal recht verfremdet - zu zeigen. Aber ein Ziel von David Hamilton war es ja auch nicht, medizinisch-anatomische Bestimmungsmerkmale des Menschen herauszuarbeiten. Bei solchen Mikrofotos liegt das Augenmerk nicht darauf, die Stellen mit einem Bestimmungsmerkmal zu fokussieren, sondern zu einer ästhetischen Gasamtkomposition zu kommen. Letztlich ist aber am Zustandekommen dieser Bilder typisch, dass dass sie mit gewissem Aufwand vorbereitet und nachbearbeitet  (Auspipettieren, Isolieren, Schaffen bestimmter Aufnahmebedingungen, Nachbearbeitung in Photoshop nach "ästhetischen" Aspekten) werden. Das stellt natürlich nicht immer die "Lebenswirklichkeit" solcher Objekte dar, aber eine Leinwand in einem Fotostudio ist ja auch nicht das normale Lebensumfeld eines Menschen. In beiden Fällen ist das "inszenierte" Foto das Ziel, das Mikroskop wird gewissermassen zum Fotostudio. Es sei angemekt, dass auch die oft bewunderten REM-Aufnahmen von Kage und Meckes wahrlich nicht die Realität widergeben - schon wegen der phantasievollen Kolorierung, die ja nun nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Auf der anderen Seite gibt es die mehr auf Dokumentation des Gesehenen angelegte Mikrofotografie, wobei die Fotos eher nebenbei während des Mikroskopierens entstehen. Das vom ästhetisch-künsterlischen Aspekt "perfekte" Foto ist hierbei überhaupt nicht das Ziel. Als Beispiel mögen Angies Bilder sowie auch die Bilder von Jorrits letzter Tümpelaktionen dienen. Naturgemäß können diese Bilder, die während des "normalen" Mikroskopieren entstehen, nicht die "fotografische" Qualität haben wie inszenierte "Studioaufnahmen" a la Frank Fox. Dennoch (und das macht Angie ja auch) schadet es nicht, diese Fotos qualitativ mit angemessenem Aufwand zu verbessern (wohlgemerkt, zu verbesserrn, nicht zu verändern!).
Ich finde, beide Arten der Mikrofotografie haben ihre Berechtigung!  

Martin Kreutz, Michael Plewka, Wolfgang Bettighofer (die "Drei" pars pro toto, falls ich jemanden vergessen habe) schaffen es nun, beide Arten der Fotografie auf treffliche Weise miteinander zu verbinden. Das setzt sicher außerordentliche Kenntnis der Objekte als auch einige Fähigkeiten (und viel Übung/Erfahrung) voraus, über die nun einmal nicht jeder verfügt. Und die sich vielleicht auch nicht jeder, der die Mikroskopie nur als Hobby betreibt, derart anzueignen bereit ist. Auch das finde ich nicht schlimm.

Ich denke, man sollte das Ganze einfach nicht zu dogmatisch sehen. Es ist ein Hobby! Nicht immer muss Perfektionsmus (in welche Richtung auch immer) das oberste Ziel sein. Es soll doch Spaß machen!

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Gerald

Zitat von: Monsti in März 12, 2015, 20:15:36 NACHMITTAGS
Ein Vergleich ist aber schwierig, da es sich hier um DIK handelt. Ich finde, dies ist ein ganz anderes Thema, bei dem ich allerdings nicht mitreden kann, weil ich keinen DIK habe.

Hallo Angie,

mir ging es bei dem Beispiel nicht um das Kontrastverfahren, sondern um den Vergleich vorher / nachher, insbesonders dem "Wegstempeln" und Formatbeschnitt.

Zitat von: Monsti in März 12, 2015, 20:15:36 NACHMITTAGS
Heute machte ich an die 70 Fotos, die als RAW aber auch als jpg (fine) gespeichert wurden. Da ich nur über Photoshop CS2 verfüge, habe ich die RAW-Dateien in DNG konvertiert. Das dauerte schon mal an die 20 min.

Ja - den Umweg musste ich auch lange gehen. Seit einem viertel Jahr arbeite ich mit Lightroom und diese Vorgehensweise gehört der Vergangenheit an. Für mich ist das Lightroom sowieso eines der besten (und bezahlbaren) Software für meine Bedürfnisse. 95% meiner Bilder muss ich in keiner anderen Software mehr bearbeiten.

Zitat von: rhamvossen in März 13, 2015, 14:09:20 NACHMITTAGS
@Gerald:
Zitatund habe mir anscheinend viele Bakterien (oder andere Fremdpartikel) mit auf den Objektträger "eingeschleppt"
Hast du die entfernt? Mmm, das erscheint mir ein bischen wie ein Paar tote Bäume löschen auf ein Foto von ein Wald................... Warum?
Beste Grüsse,
Rolf

Hallo Rolf,

Ziel bei diesem Foto war nicht die Polypenlaus in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren (Dein Vergleich mit dem Baum im Wald), sondern ich wollte den Haftring abbilden. Hier empfinde ich (meine persönliche Einstellung) die Bakterien (oder was es waren) als störend.

Zitat von: A. Büschlen in März 13, 2015, 15:26:10 NACHMITTAGS
Du schreibst: ... Aber dafür (500px / 72dpi für´s Internet) brauchst Du auch keine Canon 600D!...
Ich arbeite mit der Canon EOS 700D. Diese Kamera hat für mich unter anderem den grossen Vorteil, dass sie mit dem Canon 40mm Pankake sehr gut an die endlich-Systeme von Zeiss adaptierbar ist und sie hat einen sehr guten Monitor.
Gibt es eine aktuelle digiCam die diese Leistungsmerkmale erfüllt und sehr viel günstiger ist?
Gruss Arnold

Hallo Arnold,
diese Aussage von mir bezog sich auf Angies Satz "...wenn ich auf meiner Homepage alle Fotos in maximaler Breite von 500 px zeige?". Für diese Qualitätsmerkmal benötige ich kein RAW oder eine D600. Aber wenn ich eine Spiegelrefelxkamera adaptiert habe (warum ist eine andere Frage - wie in Deinem Fall die bessere Adaptionsmöglichkeit), dann würde ich immer deren Vorzüge / Stärke ausnutzen und unter Anderem mit RAW abeiten.

Viele Grüße

Gerald