Aufruf zur Bildbearbeitung: Staurastrum

Begonnen von Monsti, März 07, 2015, 20:55:00 NACHMITTAGS

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Monsti

Und um nochmals auf das Eingangsproblem zurückzukommen, zeige ich die vorhandenen Bearbeitungen des Ausgangsfotos im Vergleich:

 

 

Die Grundlage für die Bildbearbeitung war jeweils identisch. Trotzdem gibt es deutlich sichtbare Unterschiede. Das meinte ich eigentlich mit Bildbearbeitung ...

Herzliche Grüße
Angie

Cuxlaender

Hallo,
Zitatder Ausgangspunkt der Bildbearbeitung ein JPG-Bild
Zu beachten ist, dass man erst das Endresultat wieder ins (möglichst verlustarme) JPG-Format speichert. Zwischenschritte als TIF oder ins jeweilige proprietäre Format der Software speichern (PSD beim Photoshop).
Gruß,
Hans

A. Büschlen

Hallo Angie,

mein Ziel ist, mit einem guten Präparat eine optimale Vorlage für ein gutes Bild zu erarbeiten. Das kostet mich oftmals sehr viel Zeit bis ich "den schönen Schnitt" hergestellt, ihn unter Vielen am Stemi ausgesucht und zu einem sauberen Präparat auf dem Objekttisch am Mikroskop habe.

Dann warten, bis "die dünne Schicht" ( wenn sich am Deckglasrand schon erste Stellen zeigen wo die Luft einzieht) da ist, um mit dem idealen Objektiv zu fotografieren. Ideales Objektiv eisst für mich formatfüllend und optimale Schärfentiefe.

Bei der Bildbearbeitung möchte ich in möglichst wenigen Schritten zum Ziel kommen.

Objekte die ich auf einem Bild anordnen muss z.B. Blattquerschnitte wähle ich mit dem Lasso aus, lege sie geordnet in eine neue Datei mit weissem Grund stelle sie dort mit dem Pinselwerkzeug frei.

Tatsächlich zeigt sich bei mir, dass sich das RAW-Format lohnt und der  zusätzliche Zeitaufwand ist kaum erwähnenswert.

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Gerald



Hallo Angie,

Zitat von: Monsti in März 11, 2015, 20:16:59 NACHMITTAGS
Die Grundlage für die Bildbearbeitung war jeweils identisch. Trotzdem gibt es deutlich sichtbare Unterschiede. Das meinte ich eigentlich mit Bildbearbeitung ...

hieran siehst Du selber, dass jeder die Regler für Helligkeit, Kontrast ect. anders angewendet hat und das Ergebnis jeweils dem persönlichen Geschmack des jeweiligen entspricht. Übrigens war die Grundlage nicht identisch für dieses Bild: jeder Teilnehmer hat ein anderes Bildbearbeitungsprogramm verwendet  ;)!

Zitat von: Monsti in März 11, 2015, 20:02:40 NACHMITTAGS
Nun habe ich aber noch eine vielleicht dumme Frage: Spielt es wirklich eine so bedeutende Rolle, ob RAW- oder JPG-Bilder erzeugt werden, wenn ich auf meiner Homepage alle Fotos in maximaler Breite von 500 px zeige?

Bei diesem Qualitätsanspruch (500px / 72dpi für´s Internet) spielt es meiner Meinung nach keine Rolle, ob Du mit RAW oder dem kameraseitigen JPG arbeitest. Aber dafür (500px / 72dpi für´s Internet) brauchst Du auch keine Canon 600D! Ich arbeite mit RAW, weil gerade der nächträgliche Weißabgleich für mich einen großen Vorteil gegenüber JGP bringt.

Zitat von: Monsti in März 11, 2015, 20:02:40 NACHMITTAGS
Und wo bleiben konkrete Tipps für die Optimierung eines vorgegebenen Bilds? Natürlich: Weißabgleich, Kontrast, Helligkeit, Farbtemperatur, Sättigung und Scharfzeichnen lassen sich mit einem Bildbearbeitungsprogramm innerhalb weniger Minuten erledigen. Das Ergebnis ist dann schon besser als ursprünglich, aber doch bei weitem noch nicht optimal. Was ist aber mit der Detailarbeit, z.B. mittels Pinsel, Stempel oder Weichzeichner? Wie ich an meinen eigenen RAW-Fotos gesehen habe, komme auch da - trotz fehlender JPG-Artefakte - nicht ohne diese aus.

Bei Deinem in diesem Thread vergegebenen Bild brauche ich nichts zu stempeln. Und auf Grund der geringen Auflösung kann ich auch keine Detailarbeit vornehmen, denn es gibt keine auflösenden Details (das ist nicht herablassend gemeint, sondern bezieht sich einfach auf die Vorgabe). Die erste Frage, welche ich mir gestellt habe, als ich Dein Vorgabebild gesehen habe: warum hast Du kein stärker vergrößerndes Objektiv verwendet, um eine höhere Auflösung zu erhalten? Die zweite Frage nach einem größeren Rohbild (Ausgangsbild) wurde ja dann hinreichend diskutiert und so kamst Du zu dem RAW-Format.

Arnold hat es ja geschrieben, es wurde schon mehrfach in diesem Forum darauf hingewiesen und auch ich vertrete die Meinung: nur ein gutes Ausgangsbild (Präparat) ergibt ein gutes Endergebnis. Die Präparatvorbereitung ist oft aufwändiger als die Software-Nachbearbeitung und wird einfach unterschätzt (vielleicht auch oft ein bisschen belächelt).

Aber ich will Dir mal hier ein Beispiel zeigen, wo das Präparat nicht gut war. Es handelt sich um die Polypenlaus Trichodina. Ich war froh, endlich einige von Hydras gelöst bekommen zu haben und habe mir anscheinend viele Bakterien (oder andere Fremdpartikel) mit auf den Objektträger "eingeschleppt". Wer Trichodina kennt, der weiß, dass es ein schneller Schwimmer ist und eigentlich nicht einzeln auf einen neuen Objektträger zu überführen ist. Hier nun das Ausgangsbild - Objektiv 63x Öl (konvertiert in ein jpg, wie es meine Software (lightroom) ohne Änderungen einzeigt - nur das Copyright habe ich eingeblendet)



Hier nun das Endergebnis nach dem Formatbeschitt, einer Stempelaktion (im lightroom nicht mit dem Kopierstempel, sondern mit der Reparaturfunktion), Reglerschieben (Farbtemperatur / Kontrast / Klarheit ect.) und Durchlauf durch Neatimage (Rauschminderung):



Viele Grüße

Gerald

Lupus

Hallo Angie,

zu deinem abgebildeten Vergleich: was ist denn gut, was schlecht? Es gibt kein richtig bearbeitetes Bild, keine objektive Darstellung eines Objektes! Bildbearbeitung kann zum Fetisch werden.   ;)
Es hängt doch auch vom Zweck ab. Wenn ein real kontrastarmes Objekt kontrastarm abgebildet wird, dann ist das aus Sicht der Reproduktion richtig. Wenn es kontrastverstärkt wird um bestimmte Strukturen hervorzuheben, dann ist das bereits eine Art Verfälschung, aber für diesen Zweck sinnvoll. Wenn es kontrastverstärkt wird nur um andere zu beeindrucken kann es wahre Kunst sein oder schlechter Geschmack   ;D
Problematisch ist meiner Meinung nach nur, wenn mit ungeeigneten Schärfefiltern Strukturen erzeugt werden, die real nicht vorhanden sind .....

Hubert

Monsti

#50
Hallo Hubert,

was ich für gut bzw. schlecht halte, schrieb ich weiter vorne schon mal. "Schlecht" sind für mich unscharfe/überschärfte, unter- oder überbelichtete Fotos und solche mit unnatürlicher Färbung. Ein gute Foto sollte auch das zu zeigende Objekt in den Vordergrund rücken (--> Freistellung und passender Ausschnitt). Alles andere ist tatsächlich reine Geschmacksache. Und natürlich kommt es auch auf das fotografierte Objekt an. Ein histologischer oder Pflanzenschnitt bedarf anderer Prioritäten als ein rumflitzender Ciliat oder eine Collotheca im Detritus. Ein Organismus, der zwecks Bestimmungshilfe abgelichtet wurde, benötigt i.d.R. eine andere Darstellung als ein ästhetisch wirkender Eindruck ohne taxonomische Relevanz. Sicher, manch einer schafft es, beides unter einen Hut zu kriegen. Das ist bewundernswert. Auch diese Bilder sind natürlich verfälscht, wie überhaupt alle DIK-, Phako- und Pol-Fotos. Diese Verfälschung hat aber durchaus ihren Sinn - entweder aus ästhetischen oder taxonomischen Gründen.

Hier ging es aber nicht um gut oder schlecht, sondern um verschiedene Vorgehensweisen bei der Bildbearbeitung und unterschiedliche Ergebnisse. Bei meiner obigen Zusammenstellung der Ergebnisse hatte ich keine Beurteilung abgegeben. Sehr viele User und stille Leser des Forums verfügen nicht über die technischen Möglichkeiten, um jene sauberen DIK-Fotos zaubern, die hier im Forum gezeigt werden. Inzwischen verfüge ich mit einer fest adaptierten DSLR-Kamera wenigstens fotografisch über mehr Möglichkeiten als noch vor 1,5 Jahren, da ich noch mit einer billigen Kompaktkamera durch das Okular fotografierte.

Was meinst Du mit "Bildbearbeitung als Fetisch"? Ganz ohne Bildbearbeitung geht in der Mikrofotografie nun mal fast nichts. Zufälligerweise macht mir die Bildbearbeitung auch richtig Spaß, d.h. bei mir muss es nicht möglichst schnell gehen.

Herzliche Grüße
Angie

Monsti

Hallo Gerald,

die von Dir gezeigten Fotos sind zweifellos fantastisch. Auch Dein erstes Bild - trotz der vielen Bakterien - gefällt mir gut. Ein Vergleich ist aber schwierig, da es sich hier um DIK handelt. Ich finde, dies ist ein ganz anderes Thema, bei dem ich allerdings nicht mitreden kann, weil ich keinen DIK habe.

Heute machte ich an die 70 Fotos, die als RAW aber auch als jpg (fine) gespeichert wurden. Da ich nur über Photoshop CS2 verfüge, habe ich die RAW-Dateien in DNG konvertiert. Das dauerte schon mal an die 20 min. Ich wählte ein Foto eines Euastrum humerosum aus und bearbeitete es einmal im jpg-Format, einmal im dng-Format. Beide wurden als jpg (hohe Qualität) gespeichert. Hier das Ergebnis im Vergleich:





Die Alge lag vollkommen frei, so dass ich nur die Flecken meines dreckigen Zwischenobjektivs wegstempeln musste. Der Bearbeitungsaufwand war bei beiden Fotos nahezu identisch (jeweils gut 10 min.). Was meinst Du, welches der beiden Fotos im dng-Format bearbeitet wurde? Die Bilder sind 600 px breit und würden in meiner Website etwas verkleinert in 500 px Breite erscheinen. Ehrlich gesagt sehe ich keine relevanten Unterschiede.

Zu meinem Eingangsbild fragst Du, warum ich kein höher auflösendes Objektiv benutzt habe. Das ist leicht zu beantworten: Die Alge lag nicht still, sondern kippte permanent. Mit dem 40er Objektiv wäre die Schärfentiefe noch geringer geworden, doch ein Stacken war wegen der ständigen Bewegungen ausgeschlossen.

ZitatAber dafür (500px / 72dpi für´s Internet) brauchst Du auch keine Canon 600D!

Okay, vielleicht hätte es eine einfachere DSLR auch getan. Ich genieße es aber, nicht mehr durch das Okular fotografieren zu müssen und gezielt fokussieren zu können. Außerdem kann ich ohne abenteuerliche Konstruktionen stacken. Nebenbei sind aber die Bilder deutlich besser als mit meiner alten Canon Power Shot A495 - auch im jpg-Format.

Herzliche Grüße
Angie

treinisch

Hallo Angie,

tja, da kann man sich beim Raten eigentlich nur blamieren. Zumal natürlich in der Tat der Eindruck auch von der Bearbeitung abhängt und die ist nicht exakt identisch gelaufen. Beim unteren Bild sind sicherlich deutlich stärkere dunkle Blauanteile.

Naja, wie auch immer: Mein Tip würde auf das untere Bild für RAW gehen.

Herzliche und gespannte Grüße

Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

piu58

Ich rate mal:

Das ober ist jpg. Man sieht um den Fremdkörper links oben einen hellen Hof, der offensichtlich ein Artefakt ist.
Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

Monsti

Hallo Timm, hallo Uwe,

es ist umgekehrt: oben RAW, unten JPG.  ;D

Klar, die Bearbeitung war nicht exakt identisch, da jeweils nach Gefühl erfolgt. Dafür hätte ich die beiden Fotos bei der Bearbeitung nebeneinander stellen müssen. Außerdem musste ich beim JPG-Foto den pixeligen Hintergrund weich zeichnen, was beim RAW-Foto nicht erforderlich war. Damit erklärt sich auch, warum die drei Krümel im unteren Bild weniger deutlich erscheinen.

Herzliche Grüße
Angie

rhamvossen

Hallo Angie,

ZitatGanz ohne Bildbearbeitung geht in der Mikrofotografie nun mal fast nichts

Vielleicht sollte ich auch alle meine Foto's denn  von Forum löschen  ;). Die sind nämlich meistens gar nicht bearbeitet. Weil mir das bearbeiten keinen Spass macht.

@Gerald:
Zitatund habe mir anscheinend viele Bakterien (oder andere Fremdpartikel) mit auf den Objektträger "eingeschleppt"

Hast du die entfernt? Mmm, das erscheint mir ein bischen wie ein Paar tote Bäume löschen auf ein Foto von ein Wald................... Warum?

Beste Grüsse,

Rolf

limno

#56
Liebe Angie, wertes Rateteam,
man sieht es nicht allein an den Krümeln! Vergleicht man nämlich die sehr dunkelgrünen Partien der beiden Algen, so kann man deutlich sehen, dass beim JPEG-Bild die Einzelheiten "abgesoffen" sind, beim RAW-Bild hingegen sind sie gut sichtbar. Um das erkennen zu können, ist natürlich ein gut eingestellter Monitor nötig.
Liebe Angie, ich bin Dir sehr dankbar, dass Du diese Sache mit der Bildbearbeitung nochmal so konsequent und hartnäckig aufgegriffen hast, auch wenn dieser Faden nicht den Weg (Bearbeitung von JPEG-Bildern) genommen hat, wie Du und ich wie so viele andere am Anfang dachten, sondern über die Bearbeitung von RAW-Bildern. Wie Du ja weisst, ist mir die Bildbearbeitung lästiger als Dir, denn Du bist auch sehr viel routinierter als ich. Trotzdem denke ich, dass wir viel lernen durften und jetzt aus dem Labyrinth heraus sind. Unsere liebe Ariadne hieß in diesem Falle Heike, denn mit ihren vom Fenster aufgenommenen Bildern ist mir buchstäblich ein Licht aufgegangen. Danke, Heike!
Herzliche Grüße
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

treinisch

Hallo,

Zitat von: limno in März 13, 2015, 14:39:30 NACHMITTAGS
man sieht es nicht allein an den Krümeln! Vergleicht man nämlich die sehr dunkelgrünen Partien der beiden Algen, so kann man deutlich sehen, dass beim JPEG-Bild die Einzelheiten "abgesoffen" sind, beim RAW-Bild hingegen sind sie gut sichtbar.

das liegt aber nicht am RAW, sondern daran, dass der Schwarzpunkt bei JPG anders gesetzt ist, als beim RAW.

Was Deine Beobachtung angeht, würde ich pauschal Zweifel anmelden, denn während beim JPEG der blaue Kanal reichlich differenziert ist und die natürlichen Strukturen gut abbildet, ist beim RAW basierten Bild der blaue Kanal komplett abgesoffen und zeigt vielleicht 3 oder 4 Tonwerte und ansonsten nur rauschen. Rein technisch sollte das doch der Annahme von ,,mehr erkennbarer Struktur" entgegenstehen.

Für mich heißt das aber auch, dass da beim Arbeiten mit dem RAW vielleicht etwas schiefgegangen ist, oder, dass die Kamera cleverer beim RAW-entwickeln ist, als das alte Photoshop, was ja dann auch wieder nicht so absolut unmöglich ist.

Vlg

Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

A. Büschlen

Hallo Gerald,

besten Dank für deine Beispielbilder. Du zeigst damit sehr eindrücklich das grosse Potential im RAW - Format!

Du schreibst: ... Aber dafür (500px / 72dpi für´s Internet) brauchst Du auch keine Canon 600D!...
Ich arbeite mit der Canon EOS 700D. Diese Kamera hat für mich unter anderem den grossen Vorteil, dass sie mit dem Canon 40mm Pankake sehr gut an die endlich-Systeme von Zeiss adaptierbar ist und sie hat einen sehr guten Monitor.
Gibt es eine aktuelle digiCam die diese Leistungsmerkmale erfüllt und sehr viel günstiger ist?

Gruss Arnold

Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

limno

Liebe Angie,
da hab' ich Deinen Post mit des Rätsels Lösung doch glatt übersehen :o ???
Mein Lob bleibt aber!
Herzliche Grüße
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.