Benutzt jemand das Zeiss Jena-Objektiv Planktonsucher?

Begonnen von JB, August 12, 2015, 16:09:13 NACHMITTAGS

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JB

Hallo Forum,

Gibt es jemanden, der noch den inzwischen um die 100 Jahre alten Planktonsucher benutzt?

Wenn ich es richtig verstehe, handelt es sich um ein Eintauchobjektiv https://archive.org/stream/zeitschriftfrw15stut#page/n23/mode/2up . Kann man der Abdichtung des Objektivs nach so langer Zeit noch trauen, oder sollte man selbst nochmals abdichten?

Beste Gruesse, Jon

Oecoprotonucli

Hallo Jon,

hast Du zufällig ein Foto dieses Objektivs? Das würde mich interessieren, auch wenn ich Deine Frage nicht beantworten kann.

Im Text ist noch von einer Kapsel die Rede, muss die vielleicht übergestülpt werden?

Besten Gruß

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

JB

Hallo Sebastian,

So sieht das Objektiv aus https://twitter.com/fleaglass/status/505010688373555200

Mit der "Kapsel" ist der Objektivbehaelter aus Messing gemeint, der dient nur der Aufbewahrung!

Beste Gruesse,

Jon

Klaus Henkel

Zitat von: Oecoprotonucli in August 31, 2015, 19:46:49 NACHMITTAGS

Im Text ist noch von einer Kapsel die Rede, muss die vielleicht übergestülpt werden?


Bitte zitieren Sie die entsprechenden Stellen wortwörtlich!
Gruß
KH

Oecoprotonucli

Gute Nacht allerseits,

stimmt, die Erwähnung im Text ergibt jetzt erst einen Sinn, wenn es sich um die Aufbewahrungskapsel handelt:
Zitat
"Der Preis des Planktonsuchers mit Kapsel ist 20 Mark."
(Seite 2)

Immerhin glaube ich, aus dem Text herauslesen zu können, dass das Objektiv wirklich ins Wasser getaucht wird:

Zitat
"...erscheint die Anwendung einer ... Wasserimmersion... erforderlich;  ein derartiges Objektiv ist jetzt nach meinen Angaben... von Carl Zeiss ausgeführt worden und tritt unter dem Namen 'Planktonsucher' in die Reihe..."
(Seite 1)

Was mich noch interessieren würde, ist die Vergrößerungsstufe: Mit dem damaligen Huygens-Okular Nr. 1 erreicht man 25-fache Vergrößerung, mit Nr. 2 35x, mit Nr. 3 50x etc. (siehe oben von Jon zitierter Link). Welche Vergrößerung hatten denn diese Okulare?

Was das Eintauchen ins Wasser betrifft: Ich würde die Frontlinse einfach noch einmal genau unter der Lupe/dem Stemi anschauen und, falls es gut aussieht, mal mit destilliertem Wasser das Eintauchen ausprobieren - kann da denn viel passieren?

Viele Grüße

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

JB

#5
Hallo Sebastian,

Ja, letztlich habe ich es auch mit Aqua dest. ausprobiert. Das Bild ist recht gut, der Arbeitsabstand mit 3,6 mm cm riesig!

So richtig weiß ich die Vergrößerung auch nicht. Ich habe mir zusammengereimt, daß die Eigenvergrößerung des Objektivs am Tubus 160 mm ca. 5,6x ist.

Okular No. 2: Brennweite 40 mm http://www.musoptin.com/zeiss_8773.html  250 mm / 40 mm = 6,25x
Okular No. 3: Brennweite 30 - 33 mm

Beste Gruesse,

Jon

Oecoprotonucli

#6
Hallo Jon,

ich bin noch am Suchen und Nachdenken, ob und wie man sich die Sache mit einfachen Physikformeln errechnen kann... aber habe auch ein bißchen herumgegoogelt, die Frage nach den historischen Okularen hatte ich nämlich schon mal in einem früheren Faden.

Jedenfalls habe ich gerade in folgendem Link auf Seite 24 gefunden, dass die Vergrößerung von Okular Nr. 2 ca. 4-fach ist, von Okular Nr. 3 ca. 5,5-fach, etc.

- falls es sich um die gleichen Okulare handelt -

Die Vergrößerung des Planktonsuchers wäre dann 8-9-fach (8,75 bei Okular Nr. 2).

Aber wenn Du es schon getaucht hast, kannst Du ja mal ein Objektmikrometer drunterlegen und messen...

Viele Grüße

Sebastian

P.S.: Ach ja, der Link: http://cnum.cnam.fr/CGI/redir.cgi?M9980 unter "exports" downloadbar.
   Auteur(s)
   Zeiss, Carl (1816-1888)
   Titre
   Mikroskope und Mikroskopische Hilfsapparate : Catalogue Mikro 184
   Adresse
   Leipzig : Hermann Hönnicke Buchdruckerei, 1913
   Collation
   1 vol. (127 p.- 10 pl.) : ill. ; 27 cm
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Oecoprotonucli

Zitat von: JB in September 01, 2015, 12:00:43 NACHMITTAGS
Okular No. 2: Brennweite 40 mm http://www.musoptin.com/zeiss_8773.html  250 mm / 40 mm = 6,25x

Zitat von: Tausendblatt in Mai 27, 2013, 20:34:26 NACHMITTAGS
ich meine, da hat man bei Zeiss früher (vor etwa 1921) bei den Kompens-Okularen die Okularvergrößerung aus 160 mm / Brennweite berechnet,
heute werden 250 mm /Brennweite genommen.

Bei 160/40 kommt man auch auf den Wert, der in dem alten Katalog steht = 4x.

Besten Gruß

Sebastian
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Oecoprotonucli

#8
Zitat von: JB in September 01, 2015, 12:00:43 NACHMITTAGS
Das Bild ist recht gut, der Arbeitsabstand mit 3,6 mm riesig!

Hallo Jon,

wenn es sich in den zitierten Schriften nicht um einen zwei Mal vorkommenden Fehler handelt, ist der Arbeitsabstand noch viel riesiger, nämlich 36 mm !

(Mikroskope und Mikroskopische Hilfsapparate 1913 (Referenz siehe oben): Seite 21 unten - dort ist auch noch einmal explizit die Wasserimmersion erwähnt.)

Ich frage mich dann natürlich, wie tief die dazugehörige Kammer eigentlich war.

Besten Gruß

Sebastian

P.S. Im Voraus für Herrn Henkel: Es wird dort von "freiem Objektabstand" gesprochen.
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)


Oecoprotonucli

Hallo Jon,

alles klar - und wie tauchst Du es dann ein? Es erreicht doch wahrscheinlich die beste Bildqualität erst in eingetauchtem Zustand, oder ist es auch "mit Luft" ganz gut brauchbar?

Viele Grüße

Sebastian
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beamish

#11
Hallo,
hier noch ein paar Informationen aus T. Péterfi, Mikrophotographie, Wien 1933, S. 38:



Herzlich
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Oecoprotonucli

Hallo Martin,

Danke, langsam nimmt das Bild des Planktonsuchers Gestalt an. Ein vergleichbares modernes Objektiv gibt es wohl nicht? Die Wasserimmersionsobjektive, die ich so bisher gesehen habe, haben ja nicht so einen riesigen Arbeitsabstand (wenn jedoch auch ausreichend) und vielleicht nicht so eine große Schärfentiefe?

Besten Gruß

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

beamish

#13
Hallo Sebastian,

hier ist übrigens die erste (m.W.) Beschreibung von 1898(!) eines Planktonsuchers: http://www.biodiversitylibrary.org/item/22009#page/25/mode/1up
In der Neuauflage der "Mikrophotographie" durch Michel 1957 wird ein solches Objektiv schon nicht mehr erwähnt.

Herzlich
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Oecoprotonucli

#14
Hallo Martin,

Zitat von: beamish in September 06, 2015, 18:24:36 NACHMITTAGS
hier ist übrigens die erste (m.W.) Beschreibung von 1898(!) eines Planktonsuchers: http://www.biodiversitylibrary.org/item/22009#page/25/mode/1up
In der Neuauflage der "Mikrophotographie" durch Michel 1957 wird ein solches Objektiv schon nicht mehr erwähnt.

Zitat von: JB in August 12, 2015, 16:09:13 NACHMITTAGS
https://archive.org/stream/zeitschriftfrw15stut#page/n23/mode/2up

Danke. Der Link zeigt das gleiche Buch in einer anderen online-Bibliothek.

Ein neueres Objektiv dieser Art wäre sicher für alle Tümpler und Planktonisten (Gewässerökologen) interessant. Aber man bewerkstelligt so etwas heute vermutlich mit long-distance-Objektiven, Inversmikroskopen und "normalen" Wasserimmersionsobjektiven. Dennoch würde mich interessieren, ob der "Planktonsucher" nicht doch noch ein "besonderes Erlebnis" bietet (z.B. bezüglich Schärfentiefe).

Oder Jon schafft es, eine Kamera zu adaptieren und postet Bilder unter
Wer im Forum arbeitet mit dem ältesten Mikroskop?
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=13573.0

Viele Grüße

Sebastian

Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)