Historische Mikroskope, Bücher, Päparate - neues Kulturschutzgesetz

Begonnen von Michael L., November 22, 2015, 08:50:37 VORMITTAG

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Michael L.

Danke Gerd für den Link!

Die Liste der namenhaften Wissenschaftler die diesen Apell unterschrieben haben ist groß, alles international anerkannte Personen, das sind sicher keine Immernörgler oder Pegida Prediger  ;D

Gruß

Michael

treinisch

Hallo,

hmmm,  ich nehme die Stellungnahme der deutschsprachigen Paläontologischen Gesellschaften als ziemlich verworren dar. Vielleicht habe ich das Gesetz auch nicht voll durchdrungen, könnte mir eventuell jemand erklären, warum genau:

1. der Import oder Export eines Minerals von dem Gesetz betroffen ist
2. das Ausgraben deutscher Kulturgüter durch von deutschen Wissenschaftlern beauftragte Nichtwissenschaftler (die Stellungnahme sagt, das sei seit 200 Jahren Tradition) betroffen ist, solange erstere die Gegenstände / Fundstücke in Besitz nehmen?


Danke!

Vlg
Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Peter V.

Hallo,

mir kommt es vor, als habe sich in unserem Forum in den letzten Monaten eine Diskussionskultur entwickelt, nach der nur noch mitdiskutieren darf, wer alles bis ins Letzte hieb- und stichfest mit Originalquellen (und nicht sekundären Quellen wie Berichten in - auch allgemein als "seriös" angesehenen - Medien) belegen kann. Insofern beteilige ich mich hier nur noch selten an Diskussionen, denn ich habe weder Zeit noch Lust, für jeden "Cafe"-Meinungsbeitrag ein umfangreiches "Primär"-Literaturstudium und eine umfangreiche Recherche durchzuführen. Ich bewundere und beneide diejenigen Diskutanten, die das tun und die Zeit dazu haben. Ich will das gar nicht kritisieren, schließlich hebt das ja durchaus den Wahrheitsgehalt der Aussagen. Aber mir wäre das für eine lockere Cafe-Diskussion zu viel Aufwand. Und so gebe ich zu, mich auch hier insofern nicht absolut 100%ig kundig gemacht zu haben, als ich den kompletten Gesetzesentwurf gelesen und durchdacht hätte.

Dennoch: Sind denn all diese Leute, die ich in folgenden Links "zitiere", wirklich uninformierte Spinner, Angsthasen, Schwarzmaler, geldgierige Kunsthökerer und Scharfmacher?

http://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article144018783/Die-Regulierungswut-fuehrt-zu-Protestpotenzial.html

http://www.tagesspiegel.de/kultur/peter-raue-zum-neuen-kulturgutschutzgesetz-und-das-soll-keine-enteignung-sein/12045352.html

Ich denke, ein Teil der Befürchtungen liegt einfach darin begründet, dass man nicht weiß, wie solche Gesetze hinterher "ausgelegt" werden. Das hat ja oft in der gelebten Praxis nichts mehr mit "gesundem Menschenverstand" zu tun, wie wir es in anderer Form zum Beispiel auch in steuer- und wettbewerbsrechtlichen Angelegenheiten erleben. Da werden Menschen, die Opas geerbten Hausstand oder die nicht mehr bemötigte Babyausstattung in zahlreichen Einzelauktionen für zusammen ein paar Hundert EUR bei Ebay verscherbeln, plötzlich als "gewerblich eingestuft" (mit allen steuer- und wettbewerbsrechtlichen Konsequenzen) weil sich die "Gewerblichkeit" nach der Auslegung mancher Finanzämter und Gerichte nach der Anzahl der Auktionen bemisst, nicht aber nach dem Wert. So kann ich ein geerbetes Auto für 50.000 EUR problemlos privat für diesen Preis verkaufen, Opas Uhrensammlung in vielleicht viel geringerem Wert könnte mir aber große Probleme bereiten, weil es eben viele (minderwertige) Einzelstücke sind. Das "gefühlt" selbstverständliche Recht, private Dinge auch privat wieder verkaufen zu dürfen, erfährt hierdurch eine massive Einschränkung.
Oder eine völlig private Webseite ohne Impressumspflicht führt plötzlich zur Abmahnung durch Abzockanwälte, weil bereits ein kleines geschaltetes Werbebanner, das dem Webseitenbtreiber vielleicht 3 EUR pro Monat einbringt, diese Privatseite in deren Auslegung plötzlich zur gewerblichen Seite mit umfassender Impressumspflicht macht.

Das hat zwar wenig mit dem aktuellen Thema zu tun, zeigt aber meines Erachtens gut den Mechanismus, der bei der Bevölkerung zu einem tiefen Mißtrauen und Ängsten bei solchen Gesetzesvorhaben (und deren potenzieller letztlicher Auslegung) führt. Zumal sich ganz allgemein (und vielleicht auch nicht ganz unberechtigt) der Eindruck verfestigt, dass der Staat immer tiefer in die "Freiheit" des Einzelnen eingreift.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Oecoprotonucli

Hallo,

Mal 'ne Frage: Was ist eigentlich so deutsch an z.B. einem Archaeopteryx? Oder selbst, wenn wir den Neanterthaler nehmen. Deutsch daran sind doch höchstens die Ausgräber und Wissenschaftler, die etwas daraus machen. Und das waren/sind ja oft auch engagierte Privatleute, die auch eigenes Kapital in die faszinierende "Schatz"jagd stecken... ...und nicht immer einfach skrupellose Raubgräber sind, die etwas verhökern möchten.

Viele Grüße

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

treinisch

Hallo Sebastian,

Zitat von: Oecoprotonucli in November 23, 2015, 22:53:57 NACHMITTAGS
Mal 'ne Frage: Was ist eigentlich so deutsch an z.B. einem Archaeopteryx?

wer sagt denn, dass daran etwas deutsch ist? Ich habe den Gesetzentwurf so verstanden, dass es sich um ein ,,Kulturgut" handelt und nicht um ein nationales Kulturgut. Habe ich das falsch verstanden?

vlg

Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Lupus

Hallo Timm,

Zitatwarum genau:

1. der Import oder Export eines Minerals von dem Gesetz betroffen ist
2. das Ausgraben deutscher Kulturgüter durch von deutschen Wissenschaftlern beauftragte Nichtwissenschaftler (die Stellungnahme sagt, das sei seit 200 Jahren Tradition) betroffen ist, solange erstere die Gegenstände / Fundstücke in Besitz nehmen?
in § 2 Abs. 1 Nr. 9 wird Kulturgut definiert, u.a. auch als Sachen von paläontologischem Wert. Mein Eindruck ist, dass die paläontologische Gesellschaft im Text etwas überängstlich agiert, da sie eine nicht ausreichend präzise Anwendung des Begriffes paläontologisch befürchtet und eventuell Gesteine mit einbezogen sieht. Man sieht das auch am Textanfang bei der Befürchtung, dass der Begriff archäologisches Kulturgut in Nr. 1 auch paläontologische, mineralische oder geologische Objekte beinhalten könnte. Das kann nicht gemeint sein, dazu ist der Begriff archäologisch eindeutig genug definiert, denke ich jedenfalls. Und bei dem Gesetz geht es nun wirklich nicht um inländische Grabungsarbeiten, oder ob private oder Hobbypaläonthologen graben dürfen. Das ist nicht Gegenstand des Gesetzes.

@Sebastian:
ZitatWas ist eigentlich so deutsch an z.B. einem Archaeopteryx?
Es geht nicht darum, dass er arisch war und blond, und auch nicht die Nationalität der Finder, sondern um die wissenschaftliche Bedeutung des Fundes. Ob er auch zusätzlich nationales Kulturgut ist hängt von der Einstufung im Verzeichnis des § 6 ab, das müssten Fachleute wissen.

Hubert

Jürgen H.



Für  Bönnsche und ehemalige ehemalige Bönnsche und Kunstfreunde aus sonst woher,  zur Freude, einfach so.

TPL

Lieber Jürgen,

vielen Dank von einem Bönnschen, ehemaligem Bönnschen und Kunstfreund ;).

Herzliche Grüße aus Bonn
Thomas

Oecoprotonucli

Hallo zusammen,

so ist es doch auch entspannend, mit etwas Kunst.

Ich war ja eher auf der albernen Schiene und wollte eigentlich fragen, ob jemand einen arischen Archäopteryx zeichnen kann (Arischopteryx?)...  ;)

Zitat von: Lupus in November 24, 2015, 00:04:21 VORMITTAG
ZitatWas ist eigentlich so deutsch an z.B. einem Archaeopteryx?
Es geht nicht darum, dass er arisch war und blond,...

Entspannten Tag wünscht

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Jürgen H.

Lieber Sebastian,

ich liebe halt die Bilder von August Macke sehr. Dieses hier zeigt den Mackeschen Garten und wohl seine Frau Elisabeth und eines seiner Kinder, das auf etwas wackeligen Fußen unterwegs ist. Macke wohnte in Bonn im Haus seiner Schwiegereltern und hatte dort auch im Dachgeschoß sein Atelier. Fast wäre dieses Haus abgerissen worden, weil die Stadt Bonn wohl nicht wußte, wer dort gelebt und gearbeitet hatte. Zum Glück ist es doch erhalten geblieben und kann heute als Mackemuseum besichtigt werden.

Die Bilder von Macke sind alle so herrlich farbenfroh, wie dieses hier aus dem Jahre 1911. Das einzige düstere, das ich von ihm kenne, in dunklen bräunlichen Farben gemalt, stammt aus dem Jahre 1914 und heißt Abschied. Es ist glaube ich sein letztes. Macke ist in den ersten Kriegstagen 1914 in Frankreich gefallen.

Schöne Grüße

Jürgen





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