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Strukturfrage

Begonnen von Heiko, Februar 27, 2016, 10:37:58 VORMITTAG

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Heiko

Gerne, lieber Olaf,

denn bevor ich mich monoklin durchprobiere und enorme Winkel erwische ...



... so geschehen bei Weinsäurekristallen ...

Viele Grüße,
Heiko

Heiko

Liebe Interferenzler,

wer sich mit Olaf gut stellt, bekommt vorverlegte Ostergeschenke.
Ich muss gründlich prüfen, ob keine faulen Eier ;D darunter sind, also bitte etwas Geduld.

Zwischenzeitlich ward ich noch einmal auf das Fixiersalz fixiert, um im Kristallwasser-Schmelz-Präparat tatsächlich einen ,,willigen" (vermutlich weil er blau :D war) Klunker auszumachen, der gekreuzte Dispersion zeigt:





Hoffende Grüße, einer Wurzelextraktion diesmal zu entgehen,
Heiko

Heiko

Lieber Olaf,

mit Deinem tollen Sanidin hat sich die geneigte Dispersion schön gezeigt:



Die Ähnlichkeit mit der Referenz ist deutlich:



Was die Aussagekraft der Tafel im GROTH von 1921 anbelangt, komme ich jetzt allerdings in's Grübeln. Suggeriert die Diagonalstellung nicht sogar horizontale Dispersion?


Paul Groth: Elemente der physikal. u. chem. Krystallographie

Und wie ist das Muster der Normalstellung des Sanidins zu interpretieren? Für mich ,,riecht" das nach gekreuzter Dispersion. Auf eine derartige Kombination fand ich aber bisher keinen Hinweis. Also doch nur der Effekt einer Störung im Gitter?



Viele Grüße,
Heiko

olaf.med

Lieber Heiko,

ZitatWas die Aussagekraft der Tafel im GROTH von 1921 anbelangt, komme ich jetzt allerdings in's Grübeln. Suggeriert die Diagonalstellung nicht sogar horizontale Dispersion?

hervorragend beobachtet, aber sehr nachlässig nachgelesen ;D ;D ;D. Auf Seite 37 im GROTH steht: ...; man nennt diese Art die "horizontale Dispersion"; ein Beispiel derselben liefert der Sanidin (Feldspat), dessen Interferenzfiguren in Fig. 1a und 1b der Tafel IV dargestellt sind.

Dein Interferenzbild der Normalstellung des Sanidins (letztes Photo im letzten Beitrag) befriedigt mich allerdings noch nicht. Die eigenartig versetzt erscheinenden Isogyren und Isochromaten weisen auf eine ungeeignete Objektstelle hin. Verschiebe doch einfach mal das Präparat lateral, dann erhälst Du ein ungestörtes Interferenzbild mit der klar erkennbaren Dispersion.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Heiko

Es gibt demnach, lieber Olaf,

horizontal und geneigt dispergierenden Sanidin. Das ,,Und" – so interpretiere ich diese Quelle: https://books.google.de/books?id=11RnCwAAQBAJ&pg=PA512&lpg=PA512&dq=Sanidin+geneigte+Dispersion&source=bl&ots=oCUGjQrGlD&sig=9xEaObgEjSCrkAo7D_S_GRS9sFE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj7l7K7w77LAhUG0xQKHe0OCIYQ6AEINzAF#v=onepage&q=Sanidin%20geneigte%20Dispersion&f=false – schließt Mischformen ein.

Die Tafel im GROTH zeigt also Sanidin mit horizontaler, die MEDENBACH-Präsentation mit geneigter Dispersion.

Der ,,Versatz" nun aber tritt in beiden Deiner Präparate durchgehend auf:



Viele Grüße,
Heiko

olaf.med

Lieber Heiko,

der Sanidin ist nicht so ganz trivial und daher besonders interessant.

Seine Strukturformel ist K[AlSi3O8], er hat 4 tetraedrisch von Sauerstoff-Atomen umgebene Plätze, die von 3 Silizium-Atomen und einem Aluminium-Atom besetzt werden. Bei hohen Temperaturen haben diese Atome viel kinetische Energie, sie wechseln dauernd die Plätze, sodass die Besetzung streng statistisch ist, also jeder Platz hat im Mittel 1/4 Aluminium- und 3/4 Silizium-Atome. Kühlt der Kristall sehr langsam ab, merkt das Aluminium, dass ihm einer der vier "Sessel" besser paßt, die Verteilung ist nicht mehr statistisch, sondern Aluminium hält sich bevorzugt auf dieser Position auf. Das führt zu einer sukzessiven Änderung der optischen Eigenschaften mit dem Ordnungsgrad - der Achsenwinkel ist bei hohen Temperaturen (völlige Unordnung) nahe 60°, die Achsenebene ist die Ebene (010) und die Dispersion geneigt. Mit zunehmender Ordnung wird der Achsenwinkel kleiner, schließlich 0° (pseudoeinachsig) und öffnet sich dann in einer Ebene senkrecht zu (010), die Dispersion ist dann horizontal. Zusätzlich ändert sich die Symmetrie von monoklin zu triklin. Die einzelnen Stadien heißen Hochsanidin (monoklin, geneigte Dispersion), Tiefsanidin (horizontale Dispersion) und, im Endstadium, Mikroklin (triklin).

Da diese Ordnungsphänomene auf Diffusion beruhen, kann man sie abschrecken. Man sieht also an der Optik des Kristalls, bis zu welcher Temperatur er sehr langsam abgekühlt wurde und wann der dabei eingestellte Ordnungsgrad durch schnelle Abkühlung eingefroren wurde. Das kann man zur Ermittlung der Abkühlungsgeschwindigkeit eines Gesteins nutzen. Hier die entsprechende Folie aus der "MEDENBACH-Präsentation".



Das Bild mit dem Versatz ist eindeutig pathologisch, und das ist ganz sicher gerätespezifisch, da ich die Kristall vorher kontrolliert habe. Hast Du etwa ein Stück Deiner geliebten Küchenfolie irgendwo im Strahlengang vergessen ??? Sind die Polarisatoren anständig gekreuzt ??? Bin gespannt...

Herzliche Grüße,

Olaf

Gerne per Du!

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Heiko

Lieber Olaf,

Deinen Prolog habe ich mir noch nicht vollständig ,,erarbeitet" – klingt plausibel, ich könnte es aber noch nicht aufmalen ...

Erst einmal in die Pathologie: keine Knisterfolie, auch bei Objektiv- und Okularwechsel präsent, x-Pol. eingehalten, ... bleibt die Amici-Bertrand-Linse?!

Nochmal zurück: Die bisherigen Aufnahmen entstanden mit dem 40er, nicht immergiert. Wie war das doch gleich mit dem Spruch Deines alten Lehrers ...?

Das 50er Immersionsobjektiv liefert bei dieser Schichtdicke aber kein gescheites Muster.

Jetzt das 16er:






Der Argumentation Deines Prologs folgend, ,,sehe" ich jetzt auch horizontale Dispersion.
Gestehe, Du hattest die Normalstellung nicht kontrolliert.  ;D
In diesem Fall sende ich Dir eines der ,,faulen Eier" :D zur Revision zurück.
Zeigst Du Dich aber ,,verstockt", dann habe ich ein Problem, weil ein ,,krankes" Mikroskop ...

Verzagte Grüße,
Heiko





Miner

Hallo Heiko,
sehen denn auch die Achsenbilder anderer Dünnschliffe so verzerrt aus?

Hallo Olaf,
bei geneigter Dispersion würde ich doch erwarten, dass es im Achsenbild KEINE Spiegelebene senkrecht zur (010)-Ebene gibt. Tatsächlich sieht es aber für mich so aus, als wäre da eine Spiegelbene. Ist meine Erwartung falsch, oder übersehe ich eine kleine Assymetrie im Bild, oder ist der Effekt einfach zu schwach?
Viele Grüße
Ole

olaf.med

#23
Lieber Heiko,

eigentlich mußt Du garnichts aufmalen, denn es ist ja alles klar ersichtlich auf der Folie dargestellt - die Lage des Achsenbilds bezüglich der Symmetrieebene (010) links in den Interferenzbildern und der Gang des Achsenwinkels rechts in der Graphik, alles in Abhängigkeit des Ordnungsgrades.

Ja, ich bin alt, verstockt und bockig und stehe dazu ;D ;D ;D Außerdem wette ich aber noch meinen "Kopp gegen einen faulen Appel", dass die Pathologie gerätespezifisch ist. Die Präparate sind lehrbuchartig perfekt. Auch mit dem 50iger solltest Du gute Achsenbilder an dieser Schichtdicke bekommen; wenn Du keine fokussierbare Bertrand-Linse hast mußt Du das Okular entsprechend herausziehen um eine gute Abbildung zu erreichen. Eventuell hilft es auch das Objektiv zur besseren Ausleuchtung leicht nach oben oder unten bewegen.

Hast Du einmal kontrolliert, ob Deine Optik spannungsfrei ist? Wenn nicht würde das die Effekte erklären. Die Kontrolle ist einfach möglich, wenn Du bei streng gekreuzten Pol's ohne Präparat in die hintere Brennebene schaust (mit der Bertrand-Linse).

Lieber Ole,

Die (010) ist immer und unter allen Umständen die Symmetrieebene. Ich sehe die Farbverteilung auch ganz deutlich, aber gebe auch zu, dass mein Auge diesbezüglich gut geschult ist. Bei dem Beispiel der geneigten Dispersion ist der Effekt allerdings so schwach, dass er in dem linken Bild in der Normalstellung nicht zu sehen ist, aber in der Diagonalstellung sehr wohl.

Herzliche Grüße,

Olaf
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Miner

Hallo Olaf,
dass die (010)-Ebene immer eine Spiegeleben ist, steht außer Zweifel. Aber senkrecht dazu sehe ich eben bei der geneigten Dispersion AUCH eine Spiegelebene, in beiden Stellungen, obwohl dort keine sein sollte (richtig?). Es sei denn, du hypnotisierst mich und sagst mir, dass diezwei zentralen blauen Streifen unterschiedlich dick sind.
Viele Grüße
Ole

Heiko

Lieber Olaf,

also ein Fehler im System, den ich erst einmal nicht ausmachen, geschweige beheben kann. Vielleicht ist es der Analysator, ein vermeintlich guter Filter aus dem Fotobereich, der sich nach dem Okular im Strahlengang befindet. Auch stelle ich bei x-Pol ohne Objekt einen leichten Helligkeitsgradienten im nicht konoskopischen Bild des Bertrand-Aufsatzes fest, den ich nicht erklären kann.

Unter diesen Voraussetzungen erscheint es wohl nicht gerechtfertigt, dem Fixiersalz (etwas weiter oben im Faden) gekreuzte Dispersion zu unterstellen.

Zum Sanidin bitte ich um eine Lernzielkontrolle, da mir der Überblick (den ich nie hatte) verloren zu gehen droht:


Hochsanidin, monoklin, geneigte Dispersion, Diagonalstellung


Tiefsanidin, aus GROTH, monoklin, horizontale Dispersion


Tiefsanidin, monoklin, horizontale Dispersion, Normalstellung, 40er


Tiefsanidin, monoklin, horizontale Dispersion, Normalstellung, 50er

Viele Grüße,
Heiko

olaf.med

Lieber Heiko,

Zitatvielleicht ist es der Analysator, ein vermeintlich guter Filter aus dem Fotobereich

jetzt unterstelle ich einfach einmal, dass Du einen zirkular polarisierenden Pol-Filter benutzt und den mit der λ/4-Seite in Richtung des Objekts eingelegt hast. Das würde alles erklären. Dreh' ihn doch einfach einmal um.

Lieber Ole,

bei dem Bild der geneigten Dispersion in Diagonalstellung sieht man eindeutig eine andere Farbverteilung, sowohl an der Isogyre als auch an den Isochromaten um die erste Ordnung. Die Isogyre im ersten Quadrant zeigt deutlich stärkere Farbränder, dagegen ist die Isochromate weniger "farbig".



Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

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Miner

Hallo Olaf,
sehe ich, ganz klar.
Ole

Heiko

Lieber Olaf,

man drehe also einen Heliopan lin pol einfach um, und schon funktioniert's ,,mit der Nachbarin":


Tiefsanidin, 40er

Müsste ich das jetzt verstehen sollen???

Danke und viele Grüße,
Heiko

olaf.med

Ahh, lieber Heiko, geht doch :) :) :) :) :) :).

Dein Foto-Filter ist auf der einen Seite mit einer λ/4-Folie verkittet, die macht aus dem linear polarisierten Licht zirkular polarisiertes, damit der Belichtungsmesser in der Kamera nicht spinnt. Bezogen auf das Mikroskop bedeutet das, dass Du bei falscher Lage des Pol-Filters ständig mit einem Kompensator arbeitest.

Herzliche Grüße,

Olaf
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