Diatomeen aus dem Packeis Ostgrönlands

Begonnen von anne, Mai 14, 2016, 09:41:28 VORMITTAG

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anne

Liebe Diatomeenfreunde, liebe Foristen,
von Michael Lüttgen habe ich eine meiner interessantesten Proben aus dem Packeis Ostgrönlands bekommen.
Er war dort auf Expedition und hat unter anderem Material welches in Blasen im Packeis eingeschlossen war gesammelt.
Das Material ist sehr reich an Diatomeen, auf den ersten Blick überwiegen Coscinodiscus spec.
Stark vertreten sind auch Chaetoceros spec. mit bizzaren Dauersporen.
Viele andere Spezies und Silicoflagelaten sowie mir unbekannte Lebensformen sind enthalten.
Hier ein paar Bilder und "Szenen" aus den Streupräparaten.
Das erste Bild ist im Hellfeld mit dem 60er Wasserimmersionsobjektiv gemacht, hier lohnt es sich zu zoomen.
Alle anderen Blider sind mit dem 100er Objektiv im DIC gemacht.
Meinen herzlichsten Dank an Michael der mir diese Einblicke ermöglicht hat.





Was ist das?


Skurille Formen, Diatomeen?



Pinnularia quadratarea var. interrupta Cleve (Schmidt Atlas Tafel 260 Bild 1)


Silicoflagelat von "unten"


Silicoflagelat von "oben"



sehr kleine Gomphoneis spec.


Chaetoceros spec.




hier nochmals


Dauerspore


Dauerspore vermutlich Dicladia mitra E.


Dauerspore vermutlich Syndendrium diadema Ehr.


Schöne Pfingsten
lg
anne

Schrodt

#1
Guten Morgen Anne,

das sind wieder sehr schöne und interessante Bilder von Dir. Vielen Dank fürs Zeigen.

Beste Grüße
Jürgen aus Hemer

koestlfr

Hallo Anne!

Super Bilder, tolle Bildqualität!

Liebe Grüße
Franz

PS: ich würde die Bilder mittels Weissabgleich auf gleichen Ton bringen - vielleicht eine Geschmacksfrage, biologisch irrelevant. Mich wundert auch, dass du doch, zum Teil, deutliche Gradienten im Hintergrund hast, das kenne ich vom Olympus DIC so nicht, hast du den DIC-HC verwendet?
Liebe Grüße
Franz

Alfons Renz

Hallo Anne,

Wunderschöne Bilder, die daran erinnern, dass im Polarmeer eine überreiche Flora und Fauna zu finden ist!

Ich erinnere mich, in Fridjof Nansens Beschreibung seiner Polarexpedition ('In Nacht und Eis', Brockhaus 1898) von seinen Beobachtungen über Diatomen in Süßwassertümpeln gelesen zu haben. Vielleicht finden Sie dort noch weitere Anregungen!

Herzliche Grüße,

Alfons

anne

#4
Hallo Franz,

ich verwende ein Vanox AH3 welches von Olympus modifiziert wurde um mit BH2 Kondensoren genutzt werden zu können.
Als DIC Kondensor habe ich ein ganz exotisches Teil welches auch für die UV Anwendung konzipiert ist und speziell auf die D-Planapos abgestimmt ist.

Aufgrund dessen bin ich zwar etwas unglücklich über den Gradienten nehme es aber hin.

DIC-HC sagt mir leider nichts.

Danke für die Kommentare an Alfons uns Jürgen.
Ich denke es handelt sich hier aber nicht um Süsswasserdiatomeen sondern um typische Vertreter ähnlich des Atlantiks.

lg
anne

Peter V.

#5
Hallo Anne,

da Du statische Objekte fotografierst, kannst Du doch zuvor alles "einrichten". Da böte sich doch an, mit einer Flatfield-Korrektur zu arbeiten. Das Canon-Programm für die EOS-Kameras hat doch bereits eine solche Funktion implementiert, meine ich. Das kann auch Photoshop und mich würde es schwer wundern, wenn nicht auch der Alleskönner "Picolay" irgendwo.... ;)

Bernd antwortete auf meine Frage nach dem Gradienten beim Zeiss-Axio-DIK:

ZitatHallo Peter,

ich habe zwar kein Axioskop, aber ein Axioplan 1, und da habe ich beim DIC immer auch einen Helligkeitsgradienten, dessen Stärke vom Objektiv und der Einstellung des jeweiligen DIC-Prismas abhängig ist. Bestimmt spielt auch die Kamera-Adaption eine Rolle, bei mir über MC63 mit 8x Fotookular. Da wird nur ein Teil des im Okular sichtbaren Bildes von der Kamera erfaßt. Meine Fotos haben keinen Helligkeitsgradienten. Warum das so ist, steht hier: Mikro-Know-How - Photoshop für Dummies - Hintergrund-Artefakte entfernen (Flatfiel-Korrektur).

Viele Grüße
Bernd


Hast Du das mal probiert?

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Alfons Renz

Hallo Anne,

Es handelte sich nach Deiner Beschreibung um "Material welches in Blasen im Packeis" eingeschlossen war. So eine "Blase im Eis" kann eigentlich nur hohl sein (und damit leer sein) oder eben Süßwasser enthalten, was ja garnicht abwegig ist. Im Sommer taut es und die sich bildenden Süßwassertümpel enthielten laut Nansen eine reiche Flora, die dann im Winter wieder einfriert.

Insofern könnte es sich durchaus auch um Süß- oder Brackwasser-bewohnende sowie Windtrift-Organismen und deren Bruchstücke handeln. Anders wäre es bei einem Fang mit dem Planktonnetz im offenen Meer.

Von Ralph Nötzel bekam ich vor Jahren ein schönes Präparat, das mich an meine Jugendlektüre (3 Bände 'In Nacht und Eis') erinnerte:



Bilder der Objekte zeige ich hier lieber nicht - ich fürchte, ich würde mich blamieren!

Herzliche Grüße

Alfons

koestlfr

Hallo Anne!

Den DIC-HC gibt´s zu den Unendlich Serien und das sind steilere Prismen, die einen höheren Kotrast erzeugen (high contrast), dies Prismen neigen, wenn nicht optimal justiert, zu Gradienten.

Ich weiss nicht, ob es den DIC-HC auch für die Vanoxe, bzw. die BH-Verwandten gab. Für die Unendlichen gibt es auch den DIC-HR (high resolution) der ganz toll auflöst....

Liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

Peter V.

Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

anne

Hallo Peter,
werde ich gerne testen!
Hallo Alfons,
evtl. hast Du recht. Michael kann zu den Bedingungen unter denen er die Proben genommen hat sicherlich mehr sagen und zur Klärung beitragen.
lg
Anne

Heribert Cypionka

Hallo Anne,

eine sehr schöne Bilderserie! Aber deswegen melde ich mich hier gar nicht.

Zitat"Material welches in Blasen im Packeis" eingeschlossen war. So eine "Blase im Eis" kann eigentlich nur hohl sein (und damit leer sein) oder eben Süßwasser enthalten, was ja garnicht abwegig ist.

Doch abwegig, umgekehrt wird ein Schuh bzw. eine Soletasche daraus ;). Meereis hat nur 3 - 5 Promille Salz, statt wie Meerwasser 35. Bei seiner Bildung bleibt mit Salz angereichertes Wasser zurück - oft in Soletaschen oder Blasen, in denen man eine reiche Mikrobenwelt findet...

Frohe Pfingsten

Heribert Cypionka

P.S. Drei Leute meine Arbeitsgruppe sind gerade mit der 'Sonne' unterwegs nach Alaska http://www.icbm.de/forschungsplattformen-schiffe/sonne/sonne-forschungsfahrt-bacgeopac/


Michael L.

Hallo Anne,

freut mich das Du so schöne Präparate und Bilder von meinen Proben machen konntest. In den Laugenkanälchen lebt wie Herr Cypionka angemerkt hat eine reichhaltige, teils spezialisierte Flora und Fauna. Die von mir gesammelte Probe stammt richtig bezeichnet aus einen Stück Treibeis. Tatsächlich eine Hohlraum im Eis ca. 15x20mm groß und wurde mit den Geologenhammer geöffnet um die Probe zu pipettieren. Zu Alfons Hinweise: mann mus unterscheiden zwischen den Wassertümpeln auf dem Meereis, Gletschereis und der Eisfläche unter dem Meereis und den Laugenkanälen die sich im Meereis bilden, jeweils spezifische Unterschiede.

Herr Cypionka viel Erfolg auf Ihrer Reise, ich wäre gerne dabei :-)

Viele Grüße und schöne Pfingsten,
Michael

Rene

#12
Hallo Anne, sehr schoenes Material und Fotos!

Concerning the spiny non-diatom forms, they look like chrysophyte cysts. I think there are pores on the surface.

Best wishes, René

Alfons Renz

Hallo Anne, Herbert und Michael,

Vielen Dank für die für mich sehr interessanten Erläuterungen. Das Polarmeer hat mich seit früher Jugend fasziniert!

Wenn ich es jetzt recht verstehe, handelte es sich um einen Hohlraum im Treibeis um ein 'Laugenkanälchen', das (teilweise?) mit einer (grünlichen??) Flüssigkeit (mit erhöhter Salninität?) gefüllt war. Diese Flüssigkeit wurde abpipettiert und fixiert (?). Zur Aufbereitung der Probe wurde diese (von Anne?) mazeriert, um so alle organischen Reste zu beseitigen. Somit kann man auch nicht mehr sagen, ob die Organismen zum Zeitpunkt der Probenentnahme noch lebten. Oder ob es sich um eine Ansammlung diverser toter, früher in anderen Biotopen lebender Arten handelt.

Durch die diversen Schmelz- und Konzentrationsvorgänge auf und unter der Treibeisscholle müssten sich in solchen Blasen die Bewohner und ihre Reste ganz unterschiedlicher Biotope ansammeln können.

Interessant und letztlich entscheidend ist, ob die Organismen in dieser Blase noch lebten und sich vermehrten, oder ob es abgestorbene Reste aus anderen Biotope waren. Vielleicht kann Michael dazu etwas berichten.

Das soll natürlich nicht von der ästhetischen Schönheit der Bilder ablenken. Nur, und das war Gegenstand der Diskussion in einem anderen Thread, wenn wir die Mikroskopie nicht nur zum Selbstzweck unserer Augenbelustigung betreiben, dann müssen wir uns auch den wissenschaftlichen Herausforderungen und den noch offenen Fragen widmen.

Deshalb wäre es interessant zu erfahren: Welche Fragestellung steht hinter dieses Forschungen und welche neuen Erkenntnisse bringen diese Untersuchungen? Vielleicht können Michael und Herbert als Experten dazu etwas sagen?

Mit herzlichem Dank und Sonntagsgrüßen,

Alfons


anne

Hallo Alfons,
da ich selbst fachlich wenig beitragen kann, hoffe ich auch noch auf Antworten der Spezialisten.
Ich werde eine Probe noch an Wilfried schicken, evtl. bringt das REM zu den "Unbekannten" noch neue Erkenntnisse und kann die These von René der Goldalgen Cysten besser darstellen.
Diese Objekte sind nur ca. 10-15µm groß und damit klar an der Grenze.

Ich freue mich über jede weiter Anmerkung die uns mehr Erkenntnisse zu dieser Probe bringt.

lg
anne