Autor Thema: Botanik: Straucheibisch (Hibiscus syriacus) *  (Gelesen 4075 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: Straucheibisch (Hibiscus syriacus) *
« am: Juli 05, 2016, 14:33:39 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

zur Gattung Hibiscus werden rund 300 Arten gerechnet. Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich auf die Tropen und Subtropen.
Der Strauchhibiskus (Hibiscus syriacus) stammt ursprünglich aus China, in Syrien kommt diese Pflanze nicht vor.

Bild 01 Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

Foto: H.-J_Koch

Der Eibisch wird in Asien meist Sharonrose genannt. In Korea wird der Hibiscus syriacus seit über 2000 Jahren gezüchtet. Der koreanische Name ist Mugunghwa, was übersetzt "die unvergängliche Blume" heißt. In Südkorea schmückt er die Ein-Won-Münze und wurde so inoffiziell zur Nationalblume. Selbst in der Nationalhymne wird der Eibisch erwähnt:
"Wir Koreaner werden immer wachen über unser Land mit seinen Flüssen und herrlichen Bergen, auf denen die Sharonrose blüht."
Das klingt schon fast nach einem Garten Eden. Berghänge mit blühenden Eibisch-Sträuchern bewachsen – das muss eine wahre Augenweide sein!

Bild 02 Illustration

Quelle: Flora de Filipinas , Gran edicion , Atlas II
Urheber: Francisco Manuel Blanco (O.S.A.)
Dieses Werk ist gemeinfrei.

syriacus kann bis zu 4 Meter hoch werden.
Der lat. Name „hibiscum, „biscum“ = Eibisch.
Die Blätter von Straucheibisch sind wechselständig, 5 - 15 mm lang und gestielt. Die Blattform ist spitz-eiförmig und dreilappig. Mit dem Blattaustrieb im Frühling lässt sich der Eibisch etwas Zeit. So haben die meisten anderen Sträucher und Gehölze schon längst ein Lebenszeichen von sich gegeben, wenn der Eibisch erst zögerlich mit dem Austrieb beginnt. Doch er kann es sich leisten, denn seine Hauptblütezeit beginnt erst im Juli und dauert je nach Sorte bis in den September. Die Blüten sind groß, trichterförmig und malvenartig. Letzteres kommt nicht von ungefähr, denn der Strauch-Eibisch gehört in die Familie der Malvengewächse (Malvaceae).
Die Blüten sind proterandrisch, d. h. der Pollen reift bevor die Narben empfängnisbereit sind.
Gut sichtbar wird sehr viel Pollen produziert, der auch von Honigbienen gesammelt wird. Aber auch die Nektarbildung ist beachtlich.
Die Blüten öffnen sich - wie bei den meisten Arten der Gattung - nur einen Tag.
 Die Palette an Blütenfarben ist sehr groß. Von Reinweiß, Weiß, Rosa, Rot, Lila und Blau ist alles zu finden. Zusätzlich gibt es Sorten mit andersfarbiger Mitte oder mit gefüllten Blüten.

Systematik:
Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Malvengewächse (Malvaceae)
Unterfamilie: Malvoideae
Gattung: Hibiskus (Hibiscus)
Art: Straucheibisch
Wissenschaftlicher Name: Hibiscus syriacus
Volkstümliche Bezeichnung: Echter Rosen - Eibisch, Scharonrose, Syrischer Eibisch, Garteneibisch oder Festblume
Englischer Name: rose of Sharon, rose althea

Teil 1: Spross, Querschnitt, Schnittdicke: 25 Mikrometer

Bild 03 Schnittstelle, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 04 Ungefärbter Schnitt, Übersicht, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 05 Ungefärbter Schnitt, Trichome, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 06 Vergrößerung, ungefärbter Schnitt, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 07 Vergrößerung, Sklereiden, ungefärbter Schnitt, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 08 Abschlussgewebe, ungefärbter Schnitt, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 09 Dunkelfeld, ungefärbter Schnitt, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 10 Dunkelfeld, Übersicht, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 11 Dunkelfeld, Übersicht, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Arbeitsablauf :
1. Schnitte  liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung  8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 15 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest.
7. Nachfärbung Astrablaulösung  1 Minuten, 30 Sekunden.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis  3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in Entellan

Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5500

Bild 12 Übersicht, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 13 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

ST = Steinzellen (Sklereiden), PHST = Phloem-Strahl, RP = Rindenparenchym, SK = Sklerenchym, PH = Phloem, XY = Xylem, K = Kambium, T = Trachee, MP = Markparenchym

Eine Steinzelle (Sklereide) ist in Pflanzen eine meist tote Zelle, die eine stark verdickte Zellwand besitzt, jedoch nicht faserartig ausgebildet ist. Sklereiden dienen häufig der Festigung und Verstärkung von Pflanzenteilen.

Bild 14 Vergrößerung aus der Übersicht, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 15 Vergrößerung,  Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 16 Phloem-Strahl, Kristalldrusen Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 17 Sklereiden, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 18 Oxalat Kristalle, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


In den Pflanzenteilen vom Straucheibisch kommen echte Kristalle vor. In ihrer Gestalt sind die Oxalat Kristalle außerordentlich mannigfaltig. Zum Nachweis, dass die Kristalle aus Calciumoxalat bestehen, kann man Schnitte in Essigsäure legen; die Kristalle bleiben erhalten. In Salzsäure lösen sich die Kristalle auf.

Bild 19 Übergang vom Xylem zum Markparenchym, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 20 Vergrößerung aus der Übersicht, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 21 Dunkelfeld, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 22 Dunkelfeld, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 23 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 24 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 25 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
« Letzte Änderung: Juli 06, 2016, 08:45:31 Vormittag von Fahrenheit »
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Straucheibisch (Hibiscus syriacus)
« Antwort #1 am: Juli 05, 2016, 14:35:41 Nachmittag »
Teil 2: Spross, Längsschnitt, Schnittdicke: 25 Mikrometer

Bild 26 ungefärbter Schnitt, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 27 ungefärbter Schnitt, abgebrochenes Trichom, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 28 ungefärbter Schnitt, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

Vergrößerung des Xylems. Gefäße (Tracheen) besitzen schrauben-, ring- oder netzförmige Verdickungsleisten in ihren Zellwänden.

Bild 29 Radialschnitt, Übersicht mit Beschriftung, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

MP = Markparenchym, XY = Xylem, PH = Phloem, SK = Sklerenchym, RP = Rindenparenchym, T = Trichom

Bild 30 Vergrößerung, Trichom, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)


Bild 31 Radialschnitt, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

 
Bild 32  Auflicht – Fluoreszenzaufnahme,  Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 33 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

Schraubengefäße mit Windungen verschiedener Weite.
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 34 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 35 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Straucheibisch (Hibiscus syriacus)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Quellenangaben und verwendete Literatur:
Peter a. Schmidt / Ulrich Hecker „Taschenlexikon der Gehölze“ ISBN: 978-3-494-01448-7
Spohn „Kosmos-Baumführer“ ISBN: 978-3-440-11741-5
Wikipedia; Freie Enzyklopädie

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen



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Fahrenheit

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Re: Botanik: Straucheibisch (Hibiscus syriacus) *
« Antwort #2 am: Juli 06, 2016, 08:46:54 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,

danke für die sorgfältige Darstellung, schöne Präparate und interessant zu lesen!
Ich habe Deinen Beitrag unter "Eibisch" gelistet.

Herzliche Grüße
Jörg
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Christian3000

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Re: Botanik: Straucheibisch (Hibiscus syriacus) *
« Antwort #3 am: Juli 06, 2016, 22:42:14 Nachmittag »
Hallo Hans-Jürgen,

fantastisch! Kann mich kaum sattsehen...danke für den aufwendigen Beitrag.

Viele Grüße,
Christian
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the_playstation

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Re: Botanik: Straucheibisch (Hibiscus syriacus) *
« Antwort #4 am: Juli 07, 2016, 00:16:36 Vormittag »
Hallo Hans-Jürgen,

Für die Färbung braucht man bestimmt viel, viel Erfahrung und Routine. Aber das Ergebnis ist fantastisch und lohnt den Aufwand. Danke fürs Zeigen.

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Straucheibisch (Hibiscus syriacus) *
« Antwort #5 am: Juli 07, 2016, 08:26:56 Vormittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

danke für Eure lobende Worte.
Hier noch eine Anmerkung zu den Längsschnitten.
Meine Proben haben nur noch eine Länge von ca. 2 cm. Diese kurzen Stücke lassen sich leicht mit UHU Sekundenkleber auf einem kleinen Holzklotz kleben. Alle weiteren Arbeitsschritte wie das Färben und die Erstellung der Dauerpräparate wird erheblich erleichtert.
Die kurzen Längsschnitte rollen sich nicht mehr und das Problem mit den Luftblasen ist gelöst.

Gruß
Hans-Jürgen
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