Autor Thema: Punktauge  (Gelesen 9403 mal)

Rawfoto

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Re: Punktauge
« Antwort #15 am: September 25, 2016, 07:28:17 Vormittag »
Guten Morgen Kurt

Ja, Du verstehst mich falsch, zu meiner ersten Bemerkung - Heike zeigt das die Wanze bei 15:00 bis 18:00 eine runde Form hat, das bestätigt meine erste Beobachtung das es sich um ein Beleuchtungsproblem handelt ...

Es handelt sich um eine Halbkugel ...

Mit welchem Hilfsmittel ich beobachte habe, mit dem Auflichtmikroskop. Also durch den Trinokulartubus des Olympus BX und durch das STEMI Wild M3C mit der dazugehörigen Auflichteinheit ...

Liebe Grüße

Gerhard

PS: die Herausforderung bei der Beleuchtung sieht man aber am fertigen Bild, da wurde ich im Unterrichtsfach "technische Fotografie" scheinbar sensibilisiert. Ich versuche ja selbst gerade verzweifelt meine Beleuchtungstechnik in diesem Bereich zu optimieren. Bei größeren Objekten im Studio nimmt man einen Diffuser in Halbkugelform und hat ein Loch das so klein ist wie die Makroobjektiv-Frontöffnung. In Relation zum Objekt ist das sehr klein und da liegt das Problem bei diesen Vergrößerungen ==> das Mikroskopobjektiv ist größer wie das zu fotografierende Objekt und man kann dem nur entgegenwirken wenn man mehr WD hat oder durch das Objektiv zusätzlich Licht schickt ...
Gerhard
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Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Kurt Wirz

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Re: Punktauge
« Antwort #16 am: September 25, 2016, 10:15:02 Vormittag »
Hallo Gerhard

Die WD, freier Arbeitsabstand, kann nicht so weit erhöht werden, dass sich auf dem gewölbten Auge (oder einer Kugel), das dunkle Objektiv, nicht mehr als abgedunkelter Punkt abzeichnet.
Augen mit glatter Oberfläche und dunklem Inhalt reflektieren das Licht nicht nur so, wie eine weisse Fläche, also hell in alle Richtungen, sondern das reflektierte Licht ist wie bei einem gebogenen Spiegel und bildet "mit Fokus" die Umgebung ab.
Verhindern kann man dies, indem das Objekt mit einem Mattlack besprüht wird.
Das oft erwähnte Licht durch das Objektiv, ist in diesem Falle kontraproduktiv, denn die spiegelnde Oberfläche, die parallel zur Filmebene ist (nahester Punkt der Kugelform), reflektiert dann nicht mehr die dunkle Objektivform, sondern das Licht, das durch das Objektiv kommt. Dies so stark, dass auch bei wenig Licht immer noch ein heller Bereich entsteht, der die Lichtquelle hell abzeichnet.

Bei reflektierenden Steinschliffen, die durchs Objektiv beleuchtet werden, müssen diese deshalb leicht schräg ausgerichtet werden, so dass die Lichtquelle nicht abgebildet wird. Enthält der Steinschliff unterschiedlich ausgerichtete stark reflektierende Kristalle, dann können diese störende Reflektionen ergeben.

Bei der natürlichen Betrachtung befindet sich unser Kopf als abdunkelnder Bereich um die Augen (ausser man ist ein heller Kopf, oder eine Leuchte). Dies bedeutet, dass bei der natürlichen Betrachtung, nie Licht aus Richtung Augen kommt!
Will man also Bilder naturnah, so wie wir es sehen, herstellen, dann muss dies berücksichtigt werden und nicht zu sehr aus Richtung Objektiv beleuchtet werden und schon gar nicht durch das Objektiv!

Es gibt Operations-Brillen, die zwischen den vergrössernden Linsen vor den Augen, eine Lichtquelle dazwischen, also bei der Nasenwurzel (Bereich Glabella, Nasion) besitzen. Damit kann tief und gut in Höhlen beleuchtet werden, ergibt aber bei Zahnärzten durch die glatte Zahnoberfläche starke Reflektionen.

Will man in der Dunkelheit Tiere gut erkennen, dann verwendet man ebenfalls eine Stirnlampe. Sehr gut erkennt man dann durch die Lichtreflektion der Augen, die Tiere. Helle Flecken, rund herum ist es dunkel.

Ein weiteres Problem durch Licht aus Objektiv Richtung, ist der "Rote-Augen-Effekt", den wir alle kennen, wenn mit auf der Kamera aufgesetztem Blitz, oder eingebautem Blitz beleuchtet wird. Dabei muss durch die fotografierte Person, nicht unbedingt, direkt in die Kamera geschaut werden.

Man sagt, dass die Auflicht-Mikroskopie nur halb so hoch auflöst, wie die Durchlicht-Mikroskopie. Dies trifft zu, wenn nur durch das Objektiv beleuchtet wird. Sobald aber eine seitliche Beleuchtung verwendet wird, erhöht sich durch "Schattenbildung" die Auflösung. Im Sinne einer hohen Auflösung, ist somit in der Auflicht-Fotografie eine seitliche Beleuchtung dienlich. Ist diese seitliche Beleuchtung gleichmässig aus allen Richtungen, z.B. mit Ringblitz oder Ringdauerlicht, dann wird die auflösungserhöhende Schattenbildung aufgehoben und dadurch sinkt die Auflösung und das Bild wirkt flach.

Ich kenne somit nur negative Folgen durch Licht, das direkt aus Betrachter Richtung kommt.

Aus dem Erwähnten geht hervor, dass die Beleuchtung, wie sie Adi und Heike in ihren Bildern verwirklicht haben, einen realitätsnahen Eindruck erzeugt!

Kurt
« Letzte Änderung: September 25, 2016, 10:26:24 Vormittag von Kurt Wirz »
.
Klassisches auflicht Focus-Stacking
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anne

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Re: Punktauge
« Antwort #17 am: September 25, 2016, 11:17:21 Vormittag »
Hallo Kurt,
vielen Dank für diese ausführliche Erläuterung!
Dies erklärt mir viele Beobachtungen und bestätigt die daraus resultierenden Ergebnisse.
Es geht nichts über die Praxis.
alt
Anne

rheinweib

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Re: Punktauge
« Antwort #18 am: September 26, 2016, 00:59:51 Vormittag »
Hallo Ocellenfans,
man möge nur mal kurz drüber nachdenken, wie "groß" so ein Punktauge auf einem Wanzenkopf
in der Realität ist.

Glaubt hier irgend jemand ernsthaft, er/sie könnte so ein, wirklich winziges Objekt, gezielt
beleuchten?? Nach dem Motto:....hier noch etwas Schatten...da vielleicht ein kleines Spitzlichtchen......
also DAS will ich sehen!
Und...frontales Licht von oben (durchs Objektiv) bringt bei solchen Objekten rein gar nichts.
Ich kann mitreden, weil ich es am Ortholux aufprobieren durfte. Für flache Objekte senkrechtes
Licht von oben, durchs Objektiv geschossen, ist ok, aber bei solchen Objekten kann man das getrost
vergessen.

Innen dunkler, außen heller, eine optische Täuschung entsteht. Aus einer Wölbung wird,
wenn es einem jemand sagt, plötzlich eine Art Napf.
Es gibt Fotos von Mondkratern, bei denen greift die selbe, optische Täuschung. Die Krater sehen
nicht wie Krater aus, sondern wie Hügel.....aber meistens erst, wenn es einem jemand sagt.

Unser Gehirn lässt sich wirklich erschreckend leicht verscheissern.

LG
Heike

« Letzte Änderung: September 26, 2016, 13:13:43 Nachmittag von Rheinweib »

Baldrian

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Re: Punktauge
« Antwort #19 am: September 26, 2016, 05:06:04 Vormittag »
...  Aus einer Wölbung wird, wenn es einem jemand sagt, plötzlich eine Art Napf.
Es gibt Fotos von Mondkratern, bei denen greift die selbe, optische Täuschung. Die Krater sehen
nicht wie Krater aus, sondern wie Hügel.....aber meistens erst, wenn es einem jemand sagt. ...

Als ich das Bild sah, nahm ich sofort einen Trichter wahr, der nach innen führt. Halbkugelig gewölbt sah ich das Eingangsfoto nie. An den unterscheidlichen Wahrnehmungen kann man die Grenzen der zweidimensionalen Darstellung von 3D Objekten erkennen.

Tom
Eine meiner Websites: http://www.photoinfos.com

Adalbert

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Re: Punktauge
« Antwort #20 am: September 26, 2016, 12:03:53 Nachmittag »
Hallo Tom,
wie siehst Du die kleinen Hügel bzw. Krater um das Auge herum, wahrscheinlich als Wölbungen, oder?
Danke und Gruß,
Adi

Adalbert

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Re: Punktauge
« Antwort #21 am: September 29, 2016, 12:05:37 Nachmittag »
Hallo Gerhard,

die LED-Beleuchtung  habe ich bereits zusammengeschraubt :-)


Wahrscheinlich sieht sie etwas komisch aus aber passt perfekt zu meinem Makro-Brettchen.
Sie besteht aus einem Aufhell-Galgen mit  5 * 12W LEDs und zwei  Kühlkörpern mit  jeweils  30W COB-LEDs.

Die Kühlkörper und Halterungen sind aus Aluminium und werden ziemlich heiß.

Ale Löcher haben einen Durchmesser von 6mm, damit die Segmente an Foto-Stative befestigt werden können.
Die Schmetterlingsschrauben  erleichtern die Positionierung der LEDs am Galgen.

Danke und Gruß,
Adi

Rawfoto

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Re: Punktauge
« Antwort #22 am: September 29, 2016, 15:40:37 Nachmittag »
Hallo Adi

Der Aufbau schaut super aus, so richtig nach Laboraufbau ...

Was mich wundert ist die Licht-Charakteristik, Du hast ja sehr gerichtetes Licht - wie bekommst Du das weich .-)

Liebe Grüße

Gerhard

PS: Schmetterlingsschrauben sind bei uns Flügelschrauben - das finde ich spannend ...
Gerhard
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Adalbert

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Re: Punktauge
« Antwort #23 am: September 29, 2016, 15:53:45 Nachmittag »
Hallo Gerhard,
dafür habe ich einen dicken Diffusor (aus Omeprazol) mit einem verschiebbaren Zylinder:
http://www.photomacrography.net/forum/viewtopic.php?t=29422&highlight=
Dazu gehören auch zwei Deckel mit Löchern ( einmal RMS und einmal 25mm ).
Danke und Gruß,
Adi

Rawfoto

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Re: Punktauge
« Antwort #24 am: September 29, 2016, 18:46:43 Nachmittag »
Hallo Adi

Dann verstehe ich warum die so viel Leistung brauchst .-)

Danke & liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
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rheinweib

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Re: Punktauge
« Antwort #25 am: September 29, 2016, 19:13:59 Nachmittag »
Hallo Adi,
aus Omeprazol???  ;D ;D
Dein Diffusor ist nicht aus Omeprazol, da bin ich mir aber sicher  ;D :D ;D

nix für Ungut  ;)
LG
Heike
« Letzte Änderung: September 29, 2016, 19:19:43 Nachmittag von Rheinweib »

Adalbert

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Re: Punktauge
« Antwort #26 am: September 29, 2016, 19:48:15 Nachmittag »
Hallo Heike,
stimmt aber beim Blitzen verwende ich Müller Milch :-)
Danke und Gruß,
Adi