Autor Thema: Parasit an Micrasterias  (Gelesen 5151 mal)

plaenerdd

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Parasit an Micrasterias
« am: September 30, 2016, 09:23:59 Vormittag »
Hallo,
bei der Durchmusterung meiner Zieralgenkultur mit dem Stereomikroskop fielen mir mehrere Micrasterias-Paare auf, die nach der Teilung zwar noch vereint waren, deren Chloroplasten aber sehr zerknittert aussahen. Sie machten einen unregelmäßigen Eindruck. Ein solches Paar habe ich dann herausgefischt und im Durchlichmikroskop fielen mir gleich die zahlreichen Mitreisenden auf. Hier erstmal im Überblick mit dem 16/0,40 APO (Stak aus 10 Bildern):


Hier ein Einzelbild mit dem 40/0,95 APO:


Und hier noch ein Ausschnitt, ebenfalls mit dem 40er APO:


Während in den Micrasterias-Zellen noch relativ viel Bewegung zu sehen war, war in den vermeindlichen Parasiten von mir keinerlei Bewegung zu registrieren. Ihre eiförmigen Zellen haben eine Länge von ca. 15µm.
Hat jemand dazu einen Hinweis, um welchen Parasiten es sich handeln könnte?
Beste Grüße
Gerd
« Letzte Änderung: Oktober 05, 2016, 17:03:49 Nachmittag von plaenerdd »
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ SMXX;
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plaenerdd

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Re:Parasit an Micrasterias
« Antwort #1 am: Oktober 02, 2016, 00:23:57 Vormittag »
Hallo,
hat das noch niemand beobachtet? Kann da wirklich keiner was dazu sagen?
Erstaunte Grüße
Gerd
« Letzte Änderung: Oktober 05, 2016, 17:04:12 Nachmittag von plaenerdd »
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Bernd

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Re: ?amöboider? Parasit an Micrasterias
« Antwort #2 am: Oktober 02, 2016, 08:13:50 Vormittag »
Hallo Gerd,

es könnten vielleicht Zoosporangien von Chytriden sein. Bei dem Zustand der Micrasterias-Zellen (die sind tot, oder?) frag ich mich aber: sind das Parasiten oder Saprophyten? Kannst du, ausgehend von den vermeintlichen Zoosporangien, im Zellinneren Rhizoide erkennen, die bis zu Chloroplasten gehen?

Viele Grüße
Bernd

Bernhard Lebeda

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Re: ?amöboider? Parasit an Micrasterias
« Antwort #3 am: Oktober 02, 2016, 16:01:57 Nachmittag »
Hallo,
hat das noch niemand beobachtet? Kann da wirklich keiner was dazu sagen?
Erstaunte Grüße
Gerd

Hallo Gerd

ich hab das schon oft beobachtet, aber auch nie weiterverfolgt was das genau ist. "Irgendwelche Flagellaten" dachte ich mir immer.

Vielleicht bekommt Ihr mehr heraus, Bernd kennt sich da aus!

Viele Mikrogrüße

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

plaenerdd

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Re:Parasit an Micrasterias
« Antwort #4 am: Oktober 02, 2016, 20:17:12 Nachmittag »
Hallo,
nach nichteinaml 3 Tagen sehen die Micrasterias wirklich tot aus. Was am Freitagmorgen noch grün war ist jetzt braun (Stak aus 14 Einzelbildern):


Die Parasiten sind erheblich gewachsen (Durchmesser 23µm) und sind jetzt auch alle kugelig. Einige scheinen ausgeflogen zu sein bzw. sind gerade dabei. In ihnen wuseln längliche ?Flagellaten von nur 1..2 µm, die ich kaum auflösen kann mit dem 40/0,95 APO. Vielleicht sind es auch Bakterien, die die Reste verwerten, aber so sahen sie eigentlich nicht aus. Hier erstmal noch volle Kugeln. In denen bewegt sich nichts:



Und hier noch eine GIF-Animation, wie es in manchen Kugeln wimmelt. Aber bitte bedenken: Dies ist eine Animation, die aus nur 4 Bildern im ca. 2-Sekunden-Abstand gemacht wurden. Leider kann ich mit meiner Kamera nicht filmen.

Übrigens ist das immer noch das gleiche Präparat, dass Dank der Vaseline-Konservierung vor Eintrocknung geschützt ist. Es sind aber auch noch immer andere einzelne Micrasterias-Zellen im Präparat, die sich bester Gesundheit erfreuen.
Beste Grüße
Gerd

« Letzte Änderung: Oktober 05, 2016, 17:04:39 Nachmittag von plaenerdd »
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plaenerdd

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #5 am: Oktober 05, 2016, 17:13:29 Nachmittag »
Hallo,
jetzt am 5. Tag sind deutlich "Wurzeln" zu sehen, die von den Kugeln ausgehen. Ich halte das aber eher für Pilzmycel, als für Rizopodien. Zumindest kann ich keinerlei Bewegung ausmachen. Stak aus 5 Einzelbildern, aufgenommen mit Hilfe CZJ APO 40/095

Es sind aber auch jede Menge Bakterien zugegen, wie immer wenn wer gestorben ist. Für mich ist nicht sicher, ob die Pilze nicht vielleicht auch eher sekundärer Natur sind. Vielleicht sind es auch irgendwelche Reste des Zellinhaltes, die so wurzelartig zusammengeschrumpelt sind. Wenn die Kugeln die Fruchtkörper eines Pilzes wären, sollte doch zuerst das Mycel da sein und dann die Fruchtkörper. Außerdem sieht das alles so ungleichmäßig in den "Sporenträgern" aus, dass ich nicht recht glauben kann, dass das Sporen sein sollen, aber was???
Vielleicht weiß ja doch noch jemand, was das ist.
LG
Gerd
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plaenerdd

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #6 am: Oktober 07, 2016, 23:03:14 Nachmittag »
Hallo,
das Rätsel ist gelöst: Es sind Flagellaten. Hier in dieser Gif-Animation aus 3 Fotos kann man schön die Geißel sehen. Die Flagellaten werden irgendwann länglich und lösen sich ab. Es sind hunderte von den Dingern im Präparat.

Beste Grüße
Gerd
« Letzte Änderung: Oktober 07, 2016, 23:05:00 Nachmittag von plaenerdd »
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liftboy

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #7 am: Oktober 08, 2016, 10:51:32 Vormittag »
Hallo Gerd,

tolle Animation; besser als ein Video und außerdem auch kleiner.

Grüße
Wolfgang

Michael

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #8 am: Oktober 08, 2016, 12:03:17 Nachmittag »
Hallo Gerd,

eine absolut tolle Langzeit-Dokumentation! Ich bin immer wieder erstaunt, wie sich Vaseline-Präparate über die Zeit entwickeln.

Vielen Dank

Michael
Gerne per Du

Bernhard Lebeda

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #9 am: Oktober 08, 2016, 16:22:15 Nachmittag »
Hallo,
das Rätsel ist gelöst: Es sind Flagellaten.

...und ich säch noch.... ;D

LG Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

Eckhard

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #10 am: Oktober 09, 2016, 12:06:20 Nachmittag »
Hallo Gerd,

Wie Bernd sagte, dass sieht nach Sporangien von Chytriden aus. Die Sporen haben Geißeln!

Herzliche Grüße
Eckhard
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
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plaenerdd

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #11 am: Oktober 09, 2016, 14:25:09 Nachmittag »
Hallo Eckhard und Bernd,
nach dem ich mich im Netz erstmals über Chytriden informiert habe, denke ich, dass ihr Recht habt. Es ist doch längst nicht alles ein Flagellat, was eine Geißel trägt. Also sehr warscheinlich ein Pilz. Danke für die wertvollen Hinweise!
Gerd
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beamish

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #12 am: Oktober 09, 2016, 20:51:24 Nachmittag »
Hallo Gerd,

ich habe das mit Spannung verfolgt und war dann schon erstmal enttäuscht, daß das doch kein Pilz sein sollte.  ;)
Hier eine Seite mit einer kleinen Übersicht: http://www.desmids.nl/info/fungal_parasites/fungal_parasites.html

Herzlich
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Piper

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #13 am: Oktober 09, 2016, 23:58:33 Nachmittag »
Hallo Gerd,

habe gerade die Korrekturfahne eines Manuskripts im "Querlesen" gesichtet (erscheint im nächsten Heft 4 der Zeitschrift Mikroskopie), welches meines Erachtens genau diese begeißelten Objekte mit Text und Bildern beschreibt. Es handelt sich wohl um den Partrasiten OLPIDIUM UTRICULIFORME, ein Pilz, dessen Zoosporen mit einer Geißel vesehen sind. Der befällt verschiedene Algen, auch die von Dir beobachteten
Dass es um einen Pilz bzw. dessen begeißelte Zoosporen handelt, wurde ja schon zuvor geschrieben, vielleicht ist der Nachtrag des o.g. Namens aber noch von Nutzen.

Deine Fotos und Animationen entsprechen jedenfalls, soweit ich es beurteílen kann, exakt den Sporen, die in dem besagten Artikel fotografiert und wie vorerwähnt mit Namen klassifiziert wurden.

Wenn Dich der Artikel interesssiert, schreibe mir gerne eine private Email.

Viele Grüße
Jörg

Bernd

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Re: Parasit an Micrasterias
« Antwort #14 am: Oktober 10, 2016, 19:55:07 Nachmittag »
Hallo Gerd,

deine Parasiten sind keine Oplidium. Olpidium wächst als verzweigter, schlauchförmiger Thallus im Inneren der Wirtszelle. Bei deinen Viechern, die ihr sog. Zoosporangium außerhalb der Wirtszelle bilden, würde ich auf Chytridium oder Rhizophydium tippen. Alle diese Pilze bilden begeißelte Sporen, die schnell und ausdauernd schwimmen können.

Viele Grüße
Bernd