Autor Thema: Amphora-Haufen  (Gelesen 3182 mal)

Ernst Hippe

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Amphora-Haufen
« am: Oktober 12, 2016, 09:56:59 Vormittag »
Hallo Kundige,
in einer Rheinufer-Probe (dank Regi) fanden sich viele Diatomeen, besonders Amphora ovalis, meist rasch beweglich. Einige Stunden nach Umsetzen in eine Petrischale zeigten sich massive Häufungen:



Ist etwas bekannt über solche auffälligen Haufen? Nebenbei: könnten die kleinen meist zweispitzigen Grünalgen Oocystis sp. sein?

Wasserimm.40x0,75 eingetaucht, Stapel 5x Combine ZP.
Gruß Ernst Hippe
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Bernd Kaufmann

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Re: Amphora-Haufen
« Antwort #1 am: Oktober 12, 2016, 12:18:21 Nachmittag »
Lieber Ernst,

das Wasserimmersionsobjektiv scheint recht gut und praktisch zu sein. Schöne Aufnahme!

Diese "Haufenbildung" sehe ich sehr häufig in den Algenproben, die ich bekomme. Sie sind fast immer Bestandteile vielfältig zusammengesetzter Biofilme, die sich zum Beispiel auf alten Blättern langsam wachsender, submerser Pflanzen entwickeln. Offensichtlich gehören bewegliche Diatomeen zusammen mit diversen Bakterien zu den Erstbesiedlern in den Biofilmen. Was Du da also beobachtet und fotografiert hast, war sehr wahrscheinlich der Startversuch eines komplexen Biofilms.
Viele Grüße
Bernd ©¿©
www.aquamax.de
Lieber per Du.

Ernst Hippe

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Re: Amphora-Haufen
« Antwort #2 am: Oktober 12, 2016, 12:56:37 Nachmittag »
Lieber Bernd,
danke für den Hinweis! Von Biofilmen ist nach einem weiteren Tag bisher nichts zu sehen. Auffällig aber, daß kaum noch A. beweglich sind - sie haben offenbar ihre Ziele gefunden.
Gruß Ernst Hippe
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Michael Plewka

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Re: Amphora-Haufen
« Antwort #3 am: Oktober 12, 2016, 16:47:02 Nachmittag »
Hallo Herr Hippe,

schön, mal wieder was von Ihnen zu lesen!

ich habe vor ein paar Jahren mal eine  ähnliche Aggregation bei dem Cyanobakterium Phormidium beobachtet und auch im Forum darüber berichtet (müsste 2012 gewesen sein). Bei Phormidium ist für die Aggregation eine photophobische Reaktion verantwortlich. Es läuft nach folgendem Programm ab: Ist die Beleuchtungsstärke höher als optimal bewegen sich die Cyanobakterien aktiv solange, bis sie an Orte  geringerer Beleuchtungsstärke kommen. Dieses sind nun die Schatten der sich in der nächsten Umgebung befindenden Trichome weiterer Cyanobakterien. Auch diese versuchen wiederum in abgeschattete Bereiche zu kommen, was dann letztlich in einer Aggregation der Trichome endet.

Sehen kann man das hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Procaryota/e-procaryota/e-source/Phormidium%20sp..html
Dort befindet sich auch ein Literaturhinweis auf das beschriebene Phänomen.

Warum soll das nicht auch für andere Organismen wie z.B. Amphora gelten? Überprüfen kann man das leicht mit einem Hell-Dunkel-Vergleich.


beste Grüße
Michael Plewka

Ernst Hippe

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Re: Amphora-Haufen
« Antwort #4 am: Oktober 13, 2016, 10:01:53 Vormittag »
Lieber Herr Plewka,
vielen Dank für Ihre Erklärung! Die A.-Haufen sind freilich so unregelmäßig verteilt, daß mir eine Lichtabhängigkeit unwahrscheinlich aussieht. Und zwischen Diatomeen und Phormidium gibt es ja vielleicht doch einige Unterschiede.
Was meinen Sie zu Oocystis?
Gruß Ernst Hippe
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Michael Plewka

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Re: Amphora-Haufen
« Antwort #5 am: Oktober 13, 2016, 10:33:52 Vormittag »
hallo Herr Hippe,

leider habe ich momentan keine Bestimmungsliteratur zu Algen hier (Urlaub), jedoch meine ich mich zu erinnern, dass Oocystis mehrere Chloroplasten haben kann. Das ist bei Grünalgen nur in wenigen Gattungen der Fall. Die Chloroplasten werden aber nur als distinkte Einheiten sichtbar, wenn man eine Alge stark komprimiert (quetscht). Deshalb taugen die meisen Bilder im www. nicht zur Bestimmung. Aber wenn mehrer Chloroplasten erkennbar sind, ist Oocystis wahrscheinlich.

Gerade die Tatsache, dass die Amphora-Haufen so unregelmäßig verteilt sind, ist ein Anzeichen für den von mir angesprochenen Vorgang.  Im Gegensatz zu der filamentösen Phormidium sind die Amphora-Diatomeen ja eher kugelig, was dann zu einer statistischen (unregelmäßigen) Verteilung der Aggregationen führt.

Edit:
.....gleichmäßige Beleuchtung vorausgesetzt. Sind die Aggregationen denn auch bei Schwachlicht zu beobachten?

beste Grüße
Michael Plewka
« Letzte Änderung: Oktober 13, 2016, 11:01:53 Vormittag von Michael Plewka »

Ernst Hippe

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Re: Amphora-Haufen
« Antwort #6 am: Oktober 13, 2016, 12:30:19 Nachmittag »
Auch nach längerer Dunkelheit oder bei starkem Abblenden sind die Häufungen ortsfest und unverändert. Die verstreuten Einzelexemplare bewegen sich jetzt kaum noch.
Gruß Ernst Hippe
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