Autor Thema: Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase  (Gelesen 2427 mal)

Jürgen H.

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Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase
« am: November 09, 2016, 22:36:15 Nachmittag »
Liebe Mitmikroskopiker,

hier kommen ein paar Bilder von  inneren Geschlechtsorganen der Rhododendronzikade:

Dies hier hatte ich schon einmal gepostet.



Gut zu erkennen ist ein Hodenfollikel mit der Spermatogonienregion oben im Bild und sodann nach unten folgend mit verschiedenen Stadien der Reifeteilung.

Ganz ähnlich zeigt sich der Hoden im folgenden Kunststoffschnitt mit Toulidinblau gefärbt:




Näher herangezoomt lassen sich schön einige Reifeteilungen erkennen:



Hier folgt ein Reifeteilungsstadium näher betrachtet, mit den intensiv rot gefärbten Acrosomen und Nuclei:


Acridinorange lässt die Kerne in Blaufluoreszenz schön hell aufleuchten:



Hier findet rechts oben noch ein Stück Mitteldarm mit großen Zellkernen im Bild und unten rechts geht es zu dem nächsten Organ, der Samenblase. Dort werden die Spermien zwischengespeichert:






Das Fluoreszenzbild zeigt die Samenblase umgeben von Hodenfollikeln:




Die Samenblase ist offensichtlich aus zwei Kammern gebaut, wie dieses Bild einer herauspräparierten Samenblase zeigt:





Näher herangezoomt zeigt sich eine enorme Fülle von reifen Spermien, deren Köpfe blau und deren Schwänze rot gefärbt sind (Methylenblau/Fuchsin):




Im folgenden Bild ist die Scheidewand zwischen den beiden Kammern abgebildet:



Von der Samenblase aus geht es weiter zur Spermienpumpe, einem ziemlich längsgestreckten Organ, das allerdings im folgenden Bild quer geschnitten dargestellt ist. Der paarige ductus ejaculatoris ist von Muskelsträngen förmlich umwoben. Ich stelle mir vor, dass die Samengänge  zusammengepresst werden, wenn sich die Muskulatur zusammenzieht und so die Samenzellen bei der Begattung herausgepresst werden können



Schöne Grüße in die Runde

Jürgen

HDD

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Re: Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase
« Antwort #1 am: November 10, 2016, 10:42:13 Vormittag »
Lieber Jürgen

Ich kann nur sagen: Die Bilder sind ein Wahnsinn!  ;D  Das ist eine überragende Leistung, besonders wenn man weiß, wie klein diese Organe sind.
In der Blaufloureszenz kommen die Details nochmal eine Stufe besser. Klasse gemacht, ich bin total begeistert.

Herzliche Grüße
Horst-Dieter

Ronald Schulte

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Re: Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase
« Antwort #2 am: November 10, 2016, 16:08:08 Nachmittag »
Jürgen,

Sehr schon angeschnitten, gratuliere. Toll das mal wieder was Histologisches zu sehen ist, mache weiter so.

Ich bin neugierig  wie du das aus präparierte Gewebe fixiert hast? Auch wurde mich die Schnittdicke von den Kunststoff Schnitt Interessieren. Wenn es Technovit 7100 ist kannst du es auch sehr schon mit nur Haematoxyline (z.B. Weigert) anfärben.
Dann sieht es ungefähr so aus (nach meine Meinung etwas mehr detailreich wie Toluidin). Ich Farbe das 15 Minuten unverdünnt und Blaue es wie normal in Kalkreiches Leitungswasser oder gebe in ein Becherglas von 50ml ein Tropfen Ammoniak dazu.


 


Meine Versuche mit Acridin sind meist nicht so toll, ich Farbe dann lieber mit DAPI an. Das sieht dann ungefähr so aus.
Das wäre vielleicht auch mal was für dich um was DAPI dazu zu legen.




Gruße Ronald
Mikroskope:
2x Leitz Orthoplan (DL, DF, Phako, POL, AL-Fluoreszenz, AL-DIC und Diskussionseinrichtung).
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LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.
Reichert Ultracut E Ultramikrotom.
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Jürgen H.

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Re: Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase
« Antwort #3 am: November 11, 2016, 08:54:51 Vormittag »
Lieber Horst Dieter,

Hab Dank für Deine Worte!

Lieber Ronald,

Die Tierchen der Kunststoffschnitte sind in gepuffertem Formalin fixiert worden. Du vermutetst richtig Technovit 7100 als Einbettungsmedium. Die Schnittstärke ist 2 µ.

Und richtig: Die Weigert Färbung bei Dir gibt besseren Kontrast. Das Chromatin hebt sich farblich besser vom Rest ab. Gleiches gilt für DAPI gegenüber Acridinorange. Acridinorange bleicht zudem sehr schnell unter dem Lichtbeschuss aus. Etwas besser wird es, wenn man ein paar Tropfen Essigsäure zugibt.

SChhöne Güße

Jürgen

Fahrenheit

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Re: Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase
« Antwort #4 am: November 11, 2016, 15:05:13 Nachmittag »
Lieber Jürgen,

ich schließe mich Ronald an: schön, mal wieder etwas histologisches aus der Welt der Insekten zu lesen!
Du zeigst sehr schöne Präparate, die es auch dem Laien erlauben, die angesprochenen Strukturen zu erkennen.
Gerne mehr davon!

Herzliche Grüße
Jörg
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Jürgen H.

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Re: Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase
« Antwort #5 am: November 12, 2016, 09:07:27 Vormittag »
Lieber Jörg,

Danke für Deine Worte! Ja, ich hoffe im nächsten Jahr wieder etwas mehr zum Mikroskopieren zu kommen. Der Kühlschrank ist schon voll von eingelegten Viecherln. Projekte gibt es genug....

Schöne Grüße

Jürgen

Klaus Herrmann

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Re: Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase
« Antwort #6 am: November 12, 2016, 09:50:09 Vormittag »
Lieber Jürgen,

du bist ja wirklich ein phantastischer Mikrohistologe. Dieser Querschnit der Samenpumpe ist ja nicht von einem Stier.
Welchen Durchmesser hat denn dieses Organ?
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Jürgen H.

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Re: Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase
« Antwort #7 am: November 13, 2016, 18:43:00 Nachmittag »
Liebe Klaus,

Ein Stier käme mit dieser Samenpumpe wahrlich nicht zurecht. Der Durchmesser beträgt etwas mehr  als 0,2 mm. Aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Hier ist die Samenpumpe längs aufgeschnitten zu sehen. Sie wird so deutlich als ein länglicher tubulärer Körper, der sich nach unten hin verschlankt und bis auf den oberen Rand  von einer festen  Hülle umgeben ist. Mich irritiert noch etwas, dass diese Hülle im Querschnitt, der azangefärbt ist, als doppelwandig mit einer blau gefärbten Zwischenschicht (Bindegewebe?), im anders gefärbten Längsschnitt hingegen als einheitlich einwandige Hülle erscheint.

Oben links sieht man bereits die Zuführung eines Samenleiters in das Pumpenorgan.Eine entsprechende Zuführung erfolgt aber auch von rechts oben außerhalb der im Bild dargestellten Schnittebene, so dass der Samenleiter also paarig durch die Pumpe verläuft, wie auf dem Querschnitt im ersten Beitrag dargestellt.





Ein paar Schnittebenen früher zeigt sich auch der Ausgang des Samenleiters aus der Samenblase




Etwas vergrößert:



Paraffinschnitt ca. 4µ stark, Azophloxin und Hämatoxylin Ehrlich.

Schöne Grüße

Jürgen

Jan Dunst

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Re: Histologie: Graphocephala f. Hoden und Samenblase
« Antwort #8 am: November 25, 2016, 21:06:31 Nachmittag »
Lieber Jürgen,

spät, aber besser als nie, komme ich nun auch in den Genuss deinen Beitrag bei einem schönen Glas Wein im Detail zu betrachten. Zunächst, wie immer, Chapeau! für die Präparate, Schnitte und Bilder. Ebenfalls Danke für die Erläuterungen, die mich nun seit einer Weile in die Literatur haben versinken lassen.

Ich sehe eine Möglichkeit der "Doppelwandigkeit" der Samenpumpe: Könnte es sein das diese im Bereich zum Ductus ejaculatoris flexibel, also dehnbar in Längsrichtung ist? Dies spricht zumindest für die Funktion einer Pumpe. Es könnte so zu einem Hohlzylinder kommen. Klingt nun allerdings beim Schreiben etwas weit hergeholt.

Etwas Lektüre habe ich gefunden in Google Books: The Insects: Structure and Function, Reginald Frederick Chapman ab Seite 268. Leider fehlen ein paar wichtige Seiten in dieser kostenlosen Vorschau. Jedoch wird dargestellt das es sehr heterogene Aufbauten im Insektenreich gibt. Mal mit Ektodermalem Ursprung, daher mit Cuticula Umhüllung mal ohne. Vielleicht hilft dir die Lektüre, leider kann ich nicht mehr helfen.

Beste Grüsse,
Jan