Autor Thema: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae *  (Gelesen 3537 mal)

Carsten Wieczorrek

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Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae *
« am: Dezember 11, 2016, 21:13:23 Nachmittag »
Ein Farn

Ich stelle hier mal einen kletternden tropischen Farn aus Brasilien vor. Nach meinen Recherchen traue ich mich mal bis zur Familie Polypodiaceae.

Dieser Farn erklimmt mit seinem Spross Bäume und wächst bis in etwa 25 m Höhe. Die Schnitte sind auf den ersten Blick sehr einfach, wenn man sie mit Sproßachsen von Bäumen vergleicht. Erstaunlich ist, dass die Pflanze mit sehr wenig Leitbündeln auskommt, obwohl sie ja viel Wasser über große Höhen transportieren muss.

Bild 1 zeigt die Oberseite eines Blattes. Die Sporangien sind gegen das Licht als Schatten zu erkennen. Bild 2 zeigt das Blatt von der Unterseite mit den Sporangien.

Bild 1 : ein Blatt


Bild 2 : Blatt mit Sporangien


Bild 3 zeigt, wie der Farn einen Baumstamm emporwächst. Gut zu sehen ist, dass die ganz jungen Blätter noch nicht gefiedert sind. Der "Stamm" wird gut 8 mm Dick. Das Bild hier ist ein kleiner Trick, der Baum ist in einem Sturm umgefallen und liegt waagerecht, sonst wäre ich vermutlich auch gar nicht an die Blätter gekommen.

Bild 3 : Stamm des Farns auf Baumstamm



Präparation und Färbung
Das Stammstück wurde sofort in AFE gelagert. Zuhause habe ich auf dem Handmikrotom mit Leica-Einmalklingen im SHK-Klingenhalter geschnitten. Die Schnittdicke beträgt rund 50 µm. Das Material ließ sich sehr schlecht schneiden. Alle Versuche, dünnere Schnitte zu erhalten, führten nur zu kleinen Bröseln.

Die Schnitte wurden aus AFE heraus einmal mit 50% Ethanol gespült und dann 3 mal mit dest. Wasser ausgespült. Gefärbt wurde mit Wacker ASIM II bei 60°C für etwa 6 Minuten. Nach der Färbung wurde mehrmals mit Wasser gespült, bis keine sichtbare Farbe mehr abging. Anschließend wurden die Schnitte mehrfach mit 100% Isopropanol gespült/entwässert. Eingedeckt sind die Schnitte in Euparal, die Deckgläschen wurden 2 Tage beschwert.


Aufnahmen
Die Aufnahmen wurden mit CZJ Apochromaten und dem Projektiv PK 2,5 mit meiner Samsung aufgenommen. Das Übersichtsbild und die Übersichts-Fluoreszenzaufnahme sind gestitched aus 34 Kacheln. Jede Kachel ist in voller Kameraauflösung und besteht aus 10 bis 20 Einzelaufnahmen, die mit PICOLAY gestackt wurden. Die gestackten Bilder wurden mit Helicon Filter optimiert (geputz, weißabgleich). Zum Stitchen habe ich Image Composit Editor im automatik-Modus verwendet.


Fluoreszenz
Für die Fluoreszenzaufnahmen wurde Auflicht einer 5 Watt 400 nm LED verwendet. Gefiltert wurde mit dem CZJ-Filterwürfel 450-3 (enthält Anregungs- und Sperrfilter). Zusätzliche Anregungs- und Sperrfilter wurden nicht verwendet.


Übersicht
Bild 4 zeigt die gestitchte Übersichtaufnahme in 900 Pixel Breite. Das Originalbild ist 21491 x 22339 Pixel groß und kann hier herunter geladen werden (180 MB):

http://www.rheinflut1995.de/Fotos/Mikroskop/Farn/Farn_stitch_gross.jpg


Bild 4 als "begehbares Bild" mittels Silverlight gibt es hier:

http://www.rheinflut1995.de/Fotos/Mikroskop/Farn/Farn_stitch_gross_01_stitch.html


Bild 4 : Übersicht über den Astquerschnitt



Details
Jetzt kommen einige Detailaufnahmen. Deteils gibt es ja eigentlich nicht so viele.

Bild 5 zeigt ein Leitbündel. Das Bild ist aus 6 Kacheln gestichtched. Jede Kachel wurde mit PICOLAY gestacked. Aufnahme mit dem 16/0,40 Objektiv.

Bild 5 : Leitbündel des Farn



Bild 6 zeigt ein Detail des Leitbündels. Es ist nicht gestitched, aber gestacked. Aufgenommen mit dem 40/0,95 Objektiv.

Bild 6 : Leitbündel Detail



Bild 7 zeigt die gleiche Ansicht wie Bild 6, aber in UV-Auflichtfluoreszenz.

Bild 7 : Leitbündel in Auflichtfluoreszenz



Viel Spaß beim Betrachten,

Carsten
« Letzte Änderung: Dezember 12, 2016, 20:54:11 Nachmittag von Fahrenheit »
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Manfred Rath

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Re: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae
« Antwort #1 am: Dezember 12, 2016, 07:16:17 Vormittag »
Hallo Carsten,

traumhaft schön...
Ich hab mich erst vor geraumer Zeit der Botanik zugewandt - angeregt durch die faszinierenden Arbeiten der großen Meister hier in diesem Forum.
Leider fehlen mir noch die Chemikalien um solche Färbungen hinzubekommen.

Weiter so...

Grüße
Manfred
Ich lebe in der Region "Steirisches Vulkanland" - bin aber kein Vulkanier sondern waschechter Steirer.

Klaus Herrmann

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Re: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae
« Antwort #2 am: Dezember 12, 2016, 09:56:08 Vormittag »
Zitat
Leider fehlen mir noch die Chemikalien um solche Färbungen hinzubekommen.

Hallo Manfred, da könnte ich sicher Abhilfe schaffen, bei Carsten hat es auch geklappt! ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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A. Büschlen

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Re: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae
« Antwort #3 am: Dezember 12, 2016, 10:04:36 Vormittag »
Hallo Carsten,

du schreibst:
Zitat
Dieser Farn erklimmt mit seinem Spross Bäume und wächst bis in etwa 25 m Höhe. Die Schnitte sind auf den ersten Blick sehr einfach, wenn man sie mit Sproßachsen von Bäumen vergleicht. Erstaunlich ist, dass die Pflanze mit sehr wenig Leitbündeln auskommt, obwohl sie ja viel Wasser über große Höhen transportieren muss.

Ist es nicht so, dass dein gezeigter Farn als Epiphyt auf seinen Trägerbäumen das nötige Wasser vor Ort (in den Baumkronen!) beziehen kann?

Gruss Arnold

Manfred Rath

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Re: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae
« Antwort #4 am: Dezember 12, 2016, 10:41:20 Vormittag »
Hallo Klaus,

das Angebot nehme ich gerne und dankend an, ich schreib Dir eine PM
Ich lebe in der Region "Steirisches Vulkanland" - bin aber kein Vulkanier sondern waschechter Steirer.

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae
« Antwort #5 am: Dezember 12, 2016, 16:00:27 Nachmittag »
Hallo Carsten,

deine Färbungen und die Bilder werden immer besser. Das Bild Nr. 5 gefällt mir sehr gut.
Wenn Du eine neuen Einwegklinge verwendest und das Schnittmaterial und die Klinge mit Ethanol benetzt, sollten auch dünnere Schnitte möglich sein.

Mit freundlichen Gruß

Hans-Jürgen
Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.

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Gerne per "Du"

Klaus Herrmann

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Re: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae
« Antwort #6 am: Dezember 12, 2016, 19:47:11 Nachmittag »
Hallo Carsten,

sehr schön!

Kannst du die Sporangien mal mit UV-Auflicht untersuchen und Bilder zeigen. Könnte ganz attraktiv aussehen!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Rawfoto

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Re: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae
« Antwort #7 am: Dezember 12, 2016, 20:10:14 Nachmittag »
Hallo  Carsten

Bild fünf ist der Hammer, wirkt richtig räumlich ...

Ein Teil das Problems beim Schneiden kann auch die Stabilität der Präparatehalterung sein. Eine zwei bis drei Milimeterscheibe auf ein Holzklötzchen aufkleben hat bei mir bei vergleichbaren Material den Durchbroch gebracht, natürlich mit befeuchteter Klinge ...

Liebe Grüsse

Gerhard
Gerhard
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Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Fahrenheit

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Re: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae *
« Antwort #8 am: Dezember 12, 2016, 20:55:32 Nachmittag »
Lieber Carsten,

Du hast Dir da wirklich ein interessantes Portfolio aus dem Urlaub mit gebracht. :)
Ich habe Deinen Beitrag unter "Tüpfelfarn, Tropischer" gelistet.

Herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
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Carsten Wieczorrek

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Re: Botanik: ein Farn aus der Familie Polypodiaceae *
« Antwort #9 am: Dezember 12, 2016, 21:55:36 Nachmittag »
Hallo,

es freut mich, dass es Euch gefällt.

Das man mit feuchten Klingen schneidet, hat mir Jörg schon beigebracht. Und ich weiss, dass ich die Klingen öfter wechseln könnte, bei verholzten Ästen leiden die schon deutlich. Aber billig sind die ja nicht.

Dennoch habe ich bei meinen Urlaubsproben einige, die sich problemlos auf 30 µm schneiden lassen, einige, die deutlich schlechter zu schneiden sind, und ein paar, die gar nicht hier ankommen ;D

Und natürlich habe ich von dem Farn ein Blatt mit reichlich Sporangien zur Auflichtfluoreszenz mitgenommen.

@Arnold
Zitat
Ist es nicht so, dass dein gezeigter Farn als Epiphyt auf seinen Trägerbäumen das nötige Wasser vor Ort (in den Baumkronen!) beziehen kann?

Ich habe keine Ahnung, würde aber vermuten, dass der Farn sehr wohl auch Wasser von der Rinde des Baumes aufnehmen kann.

Schönen Abend

Carsten
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