Anschliff von Gleitlager (DU-Buchse)

Begonnen von Georg Abele, Dezember 26, 2016, 13:47:05 NACHMITTAGS

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Georg Abele

Frohe Weihnachten allerseits!

Da ich jetzt endlich die Zeit gefunden habe, unsere neue Anschliff-Einrichtung zu testen, möchte ich gerne die ersten Ergebnisse mit Euch teilen:

Ich habe sogenannte DU-Buchsen in Araldite 2020 eingebettet. Es handelt sich um Gleitlager, wie sie z.B. im Maschinenbau verwendet werden. Ein Stahlblech wurde mit poröser Bronze mit Bleieinlagerungen und einer Polymer-Gleitschicht mit Blei- und Öleinlagerungen beschichtet. Sodann passend zugeschnitten und zum richtigen Durchmesser gebogen.

In der Übersicht sind die gesamten Buchsen zu sehen, eingebettet in einer Form mit 30mm Durchmesser.

In den Details sieht man, daß das Blech nicht etwa gesägt, sondern abgeschert wurde. Es sind nämlich dabei Grate entstanden.

In dem Bild mit der größten Vergrößerung (Epiplan Neofluar 50x/0,85 mit DIC) sind sehr gut die Bleiflocken und die Öl-bedingte (?) Inhomogenität des Polimers zu erkennen.

Diesen Schliff habe ich auf meiner Universal-Schleifmaschine mittels normalem, Siliziumkarbid-beschichtetem Schleifpapier, automatisch während dem Weihnachtsessen hergestellt.

Profis polieren sicher noch ein wenig besser nach...

Hier also die Bilder:

So sieht die Probe in der Übersicht aus


Eine einzelne DU-Buchse, mit dem 1,25-fach Objektiv


Mit Plan-Neofluar 5-fach


Bei 10-fach sind die Grate schon besser zu sehen, auch die Einschlüsse werden deutlicher.


Mittels Plan-Neofluar 50-fach und DIC hat man zwar keine Orientierung mehr (die Polymerschicht ist unten), die Einschlüsse sind jetzt aber sehr gut zu beurteilen!

P.S.: Ich suche noch gute, möglichst ungewöhnliche Beispiele von Proben zum Anschleifen. Wer hat Vorschläge? Wäre dankbar für interesante Objekte!

Grüße aus Aalen

Georg Abele





www.duennschliff.com  www.thin-section.com  Gute Ideen sind fast immer einfach.

the_playstation

Hallo Georg.

Mal etwas Technisches unter dem Mikroskop. Gefällt mir. :) Die Bilder sind Dir sehr gut gelungen.

Wie wäre es mit Damast?

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

treinisch

Hallo Georg,

schön, mal wieder etwas technisches! Sehr interessant.

Zitat von: Georg Abele in Dezember 26, 2016, 13:47:05 NACHMITTAGS
P.S.: Ich suche noch gute, möglichst ungewöhnliche Beispiele von Proben zum Anschleifen. Wer hat Vorschläge? Wäre dankbar für interesante Objekte!

Ich könnte Dir eine Cello C Saite anbieten, die ich gerade ausgetauscht habe. Sollte aus mehreren konzentrisch gelegten feinen Stahldrähten bestehen, die mit einem Wolfram Flachdraht umwickelt sind. Gefühlt ist eine Cello-C Saite etwas unter 1mm dick.


vlg
Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Georg Abele

Hallo Jorrit, hallo Timm!

Damast wäre eher etwas für eine normale Schleifmaschine aus der Metallbearbeitung, ist damit einfach zu schleifen, eine Einbettung lohnt sich deshalb eher nicht. Wäre jedoch sicher sehr hübsch. Die Cello-Saite ist sehr ausgefallen und sicher ein dankbares Objekt. Wie komme ich an diese?

Vielleicht fällt anderen Mitlesern hier noch etwas dazu ein?

Vielen Dank für die Tips

Georg
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treinisch

#4
Hallo Georg,

zum Beispiel in dem Du mir per PM Deine Adresse sendest?

Ich habe gerade nachgeschaut und habe die kaputte Saite noch, wenn Du willst, kann ich Dir auch noch andere mitschicken (zB dünnere).

vlg

Timm


Edit: Es kommt wohl eine forensische Dimension hinzu! Es handelt sich bei der alten doch nicht um eine Larsen Magnacore Saite, wie ich dachte. Vielleicht wird man ja im Anschliff sehen können, was für eine es ist? Ich werde mal schauen, ob ich im Wirbelkasten ein Stück von der Magnacore abkneifen kann.
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

the_playstation

Hallo Georg.

Kommt auf den Damast an. Aber Du willst ja nicht. Schade. Wäre sicher 1000x eindrucksvoller als die C-Seite.

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Jürgen H.

Lieber Jorrit,

ZitatKommt auf den Damast an. Aber Du willst ja nicht. Schade. Wäre sicher 1000x eindrucksvoller als die C-Seite.

Kommt sicher auf die persönliche Interessenlage an ;-) Mich würd der Saitenquerschnitt als Cellist schon sehr interessieren.


Und, Georg, ich könnte bei Interesse sicher noch ein Vergleichsobjekt beisteuern, müsste noch eine Wolfram Tungsten Spirocoe Saite irgendwo im abgelegten Fundus haben. Das wären dann zwei Saiten im Vergleich. Bei Interesse maile mich bitte kurz mit Deiner Adresse an.

Schöne Grüße

Jürgen


Georg Abele

Hallo Jorrit,

nicht daß ich Damast nicht interessant finde. Damast kann aber, als nahezu homogene Stahlmasse, wunderbar auf einer normalen Schleifmaschine geschliffen werden, mit wesentlich weniger Aufwand. Ich suche jedoch ungewöhnliche Proben, bei welchen einbetten erforderlich ist. Zudem ist echter Damast praktisch nur in Form von teuren Messern erhältlich, welche ich nur ungern zerstören würde. Bei billigen "Damast"-Messern ist meist nur ein Muster aufgeäzt, so dass es wie Damast aussehen soll.

Dennoch vielen Dank für den Vorschlag

Grüße aus Aalen

Georg
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the_playstation

Hallo Georg.

Sicher hätte ich noch einen Rest irgendwo gefunden. Ansonsten: "Hängt vom Damast ab". Da hätte es sicherlich überaus aufwendige, komplexe oder historische Bruchstücke gegeben, ... Strukturen, die man bisher hier warscheinlich noch nie gesehen hat. 8) Egal.

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Bob

Hallo Jorrit,
Deinen Damast kann ich auch anschleifen. Ich habe eine Universal-Werkzeugschleifmaschine, da kann man auch mit flachschleifen.

Hallo Georg,
vielen Dank fürs Zeigen der Gleitlageranschliffe! Ich persönlich mag solche technischen Themen sehr gerne.
Interessante Objekte wären vielleicht ein Gleitlager das gefressen hat, eine Lötstelle, und eine ausgelutschte Laufgarnitur einer Motorsäge.


Viele Grüße,

Bob

Klaus Herrmann

Hallo Bob,

ZitatDeinen Damast kann ich auch anschleifen. Ich habe eine Universal-Werkzeugschleifmaschine, da kann man auch mit flachschleifen.

Da müsste dann aber ein polierter und angeätzter Anschliff am Ende rauskommen. Anschleifen alleine reicht nicht!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Wutsdorff Peter

Hier noch mein Senf:
Was versteht man in der Metallurgie unter Damast? Das habe ich noch nie gehört.
Georg: Das ist aber ein sehr einfaches Gleitlager!
Die Bindung zwischen Weißmetall und Stahl ist sehr schwach!
Bei hoher  Belastung und Drehzahl würde auch bei genügender Schmierung das "Weißmetall" ausbrechen oder schmieren.
Aus diesem Grunde verwendet man keine Zusätze von Pb.
Welche spezifische Belastung (Lagerkraft/(Durchm. x Breite) und welche Drehzahl ist vorhanden?
Dann ist noch das sog. Lagerspiel von Interesse (Zapfendurchm. und Lagerdurchm.)

Das ist mein Senf.

Mit den besten Wünschen für 2017
                                                                       Inschpeter
                                     

Georg Abele

Hallo Inschpeter!

Damast: Gemeint ist Damaszener Stahl (nach Damaskus benannt), ein vielfach in glühendem Zustand gefalteter Stahl verschiedener Sorten. War über Jahrhunderte, so lange man noch keine harten und gleichzeitig zähen Stahlsorten kannte, ein adäquater Notbehelf für Stich- und Hiebwaffen. Zwischen den Stahlschichten sind, je nach Verarbeitungstemperaturen und Herstellungsverfahren, Fremdmaterialien (z.B. Oxyde)  zu sehen. Die zähen Schichten tragen die harten Schichten, welche für die eigentliche Schneidarbeit zuständig sind.

Einfaches Gleitlager: Es handelt sich um eine handelsübliche DU-Buchse. Pb ist sehr wohl (ich meine zur Notschmierung) vorhanden, siehe:

https://www.ggbearings.com/de/gleitlager-produkte/metall-polymer/du

Das Lagerspiel stellt sich nach einigen Umdrehungen selbst ein, sobald die Polymer-Einlaufschicht verschlissen ist und die Welle mit der Sinterbronze direkt in Berührung kommt.

Grüße aus Aalen

Georg Abele
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the_playstation

#13
Hallo Peter.

Es gibt 3x Arten von Damast:
1.) Den nahöstlichen Tiegelstahl (Wootz)
2.) Den falschen, optischen feuerverschweißten Damast der eigentlich eher dem Falten gleichzusetzen ist und bei dem z.B. der Kohlenstoff zwischen den Lagen difundiert.
3.) Den echten feuerverschweißten Damast, bei dem jede der verwendeten Stahlsorten seine charakteristischen Eigenschaften behält. Der Damast ist insgesamt dann leistungsfähiger, als seine Einzelkomponenten. Ähnlich einer Spannbetonbrücke, bei der der Beton die Druckkräfte und die gespannten Stahlseile die Zugkräfte übernehmen.

Gefaltet wurde in Europa weit vor Christi Geburt (um den Kohlenstoffanteil zu homogenisieren und zu steuern) und ca. 1000 bis 2000 Jahre später in Japan. Echten Damast gibt es erst später aber vor 0 bis 1200 nach Christi Geburt.
Danach wurde Er aus Kostengründen und wegen der Massenfertigung von Monostahl nur noch vereinzelt angewannt. Trotzdem gibt es selbst Kanonen aus Damaststahl.

Wootz wird meiner Meinung nach überschätzt. Bisher ist mir noch kein Wootz mit herausragenden Eigenschaften untergekommen. Er wurde in der jüngst aufkommenden Nanotechnologie-Euphorie gehypt.

Hallo Klaus.

Bei historischen teilkorrodierten, teiloxidierten Bruchstücken, braucht man nicht anätzen. Da würde sich sogar ein Einschluß lohnen.

Edit:
Hallo Georg

Echter Damast funktioniert auch heute. Er verbessert auch die Eigenschaften moderner Stahlsorten. Er war zwar mit der Herstellbarkeit guter, leistungsstarker Stahlsorten nicht mehr notwendig und daher zu teuer. Aber auch mit heutigen Hochleistungsstählen macht Er Sinn. Er wird nur sehr selten genutzt, da teuer und sehr schwer feuerzuverschweißen. Einen C60 mit einem C90 kann jeder ..... verschweißen.

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Georg Abele

Hallo Jorrit!

Jetzt machtst Du mich als Metaller aber neugierig. Klein vorbereitete Stücke (max ca. 20 x 20 x20 mm), mit wechen ich also nicht meine Sägezähne ruiniere, könnte ich natürlich sehr wohl schleifen und polieren...

Grüße aus Aalen

Georg
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