Meine ersten Holzschnitt-Versuche nach der " MIGGEL-METHODE "

Begonnen von Schrodt, Juli 18, 2017, 17:44:13 NACHMITTAGS

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Schrodt

Hallo Mikrofreunde,

ich habe heute mal einen morschen Ast ( weiches Holz !) von einer Hainbuche abgebrochen, Scheiben gesägt, Würfel gespalten und daraus Handschnitte mit der Rasierklinge angefertigt.

Die nachstehenden Bilder zeigen ungefärbte Schnitte mit Durchlicht-Hellfeld in Wasser mikroskopiert und fotografiert.
Die wesentlichen Merkmale sind schon zu erkennen. Man muss halt noch fleißig üben, aber die Methode funktioniert ganz gut !

Mit herzlichen Mikrogrüßen
Jürgen aus Hemer

Querschnitt




Tangentialschnitt




Radialschnitt


Bernd Miggel

#1
Hallo Jürgen,

schöne Arbeit!  :)
Wenn du mal lebendes, saftfrisches Holz verwendest, werden die Präparate noch viel aussagekräftiger.
Dann kann man tatsächlich sämtliche bestimmungsrelevanten Merkmale der speziellen Holzart darstellen!
Färben solltest du aber in jedem Fall, monochrom geht das schon sehr schön mit Baumwollblau.

Zu deinen Schnitten:

Querschnitt (1. Bild):
Es sind Gefäße und Grundgewebe erkennbar, es gibt keine sprunghafte Änderung der Gefäßdurchmesser, also zerstreutporiges Laubholz.
Im oberen Bildbereich horizontal eine geschwungene Jahresringgrenze. Vertikal verlaufen dünne Holzstrahlen.
Im rechten Drittel vertikal ein falscher Holzstrahl.

Tangentialschnitt (2. Bild):
Vertikal verlaufen Gefäße mit einfachen Durchbrechungen, das links außen befindliche Gefäß mit einer Andeutung von Spiralverdickungen.
Außerdem frontal geschnittene Holzstrahlen. Die Strahlbreite ist leider nicht erkennbar!

Radialschnitt (3. Bild):
Vertikal verlaufen etwa 7 Gefäße. Leider alles ziemlich undeutlich (Das wird mit dem Üben immer besser!)

Mein Vorschlag für weitere Schnitte:
1) saftfrisches Holz verwenden, möglichst Stammholz. Im Stammholz-Randbereich verlaufen die Holzstrahlen eines kleinen Würfels fast parallel. Aber nicht den Rindenbereich nehmen!
2) Beim Tangentialschnitt darauf achten, dass du exakt senkrecht zu den Holzstrahlen schneidest (Lupe!). Dann lässt sich auch die Holzstrahlbreite zeigen.
3) Den Radialschnitt hauchdünn anfertigen, nur fast durchsichtige Präparate sind brauchbar. Sie brauchen nur 2 mm breit sein. Exakt in Richtung der Holzstrahlen schneiden.
4) Für jeden Schnitt eine noch unbenutzte Stelle der Rasierklinge nehmen.
5) Unbedingt färben, entweder mit Baumwollblau, Toluidinblau, Brillantkresylblau oder mit Etzold.

Auf deine weiteren Versuche bin ich gespannt!

L.G. - Bernd


Schrodt

Guten Morgen Bernd,

vielen Dank für deine schnelle und konstruktive Antwort. Es freut mich, dass dir mein erster Schnittversuch gefällt. Deine Ratschläge werde ich befolgen.
Ich habe mir heute von einem verwilderten Grundstück saftfrisches Stammholz von der Hainbuche und dem Weißdorn geholt. Da beide Hölzer sehr hart
sind, werde ich sie mehrere Stunden lang in Wasser kochen, damit sie weicher werden. Inzwischen werde ich erstmal weiter das Schneiden von Radial-und
Tangentialschnitten am morschen, weichen Hainbuchenholz üben.

Liebe Grüße
Jürgen aus Hemer

Bernd Miggel

Hallo Jürgen,

wenn du die Mikromerkmale von Weißdorn (Crataegus) vergleichen möchtest, musst du im Buch unter Apfel (Malus) nachschlagen.
Apfel, Birne, Quitte, Weißdorn und die Sorbusarten besitzen allesamt die gleichen Mikromerkmale.

Herzliche Grüße

Bernd

Schrodt

#4
Hallo Bernd,

vielen Dank für deinen Tipp. Bei dem Weißdorn handelt es sich um den " Eingriffeligen Weißdorn ( Crataegus monogyna ) ".
Die Seiten 86/87 ( Malus ) in deinem Buch sehen interessant aus. Mal sehen , was ich die Hartholzschnitten hinkriege
und ob ich auch Kristalle finde.

Herzliche Grüße
Jürgen aus Hemer

hajowemo

Lieber Jürgen,
ich freue mich das ein weiteres Forenmitglied sich mit den Holzschnitten nach Bernd Miggels Buch beschäftigt.
Seit meinen ersten Beitrag zu diesem Thema bin ich nicht mehr dazu gekommen zu üben.
Viel Glück bei deinen Versuchen wünscht
Jochen
Vorstellung
Homepage www.mikroskopie-hobby.de
Gerne per "Du"
Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Schrodt

Lieber Jochen,

vielen Dank für deine Antwort. Die Sache macht Spaß und ich hoffe, dass du auch bald wieder dazu kommst.
Ich habe heute etwas Tangentialschnitte am morschen Hainbuchenholz geübt. Nachstehend ein Bild davon ungefärbt mit Durchlicht-Hellfeld.

Mit herzlichen Mikrogrüßen
Jürgen aus Hemer



Bernd Miggel

Hallo Jürgen,

bist du sicher, dass es sich bei deinem letzten Bild (Tangentialschnitt) um Hainbuche handelt?  ;)
Man erkennt an zwei Gefäßen deutlich leiterförmige Durchbrechungen, was es bei Hainbuche nicht gibt.
Was mir noch auffällt, du schneidest beim Tangentialschnitt nicht unter 90 Grad zu den Holzstrahlen. Deshalb werden bei deinem Schnitt die Holzstrahlen nicht scharf abgebildet.

Herzliche Grüße

Bernd

Schrodt

#8
Guten Morgen Bernd,

vielen Dank für deine Antwort.
Als ich gestern auf dem verwilderten Grundstück das saftfrische Stammholz von der Hainbuche und dem Weißdorn geholt habe, habe ich mir die Buche,
von der ich den morschen Ast abgebrochen habe, genau angesehen und Blätter davon mitgenommen.
Aufgrund deiner Zweifel ( leiterförmige Durchbrechungen im Tangentialschnitt = keine Hainbuche ) habe ich mit " www. Baumkunde.de " diese Buche jetzt
als " Süntel-Buche " bestimmt. Es war die einzige verkrüppelte Buche und ihre Blattränder waren gewellt.
Die Süntel-Buche ist in der hiesigen Gegend sehr selten. Sie ist eine Varietät der Rotbuche.
Deine Zweifel waren also berechtigt und aufgrund deiner Erfahrung konnte die Fehlbestimmung geklärt werden.

Bei der Schnittführung muss ich noch fleißig üben und die Winkel beachten !

Mit herzlichen Mikrogrüßen
Jürgen aus Hemer




Ulrich S

Moin Jürgen,

Alle Texte und Bilder auf Baumkunde.de unterliegen dem Urheberrecht,
Verwendung nur nach ausdrücklicher Genehmigung

hast Du doch sicherlich eingeholt!

Einfach einen Link setzen und schon ist alles i.O.
also so:
http://www.baumkunde.de/Carpinus_betulus/

Ulrich
Es kommt immer anders wenn man denkt

Schrodt

#10
Hallo Ulrich,

vielen Dank für deinen Hinweis auf das Urheberrecht. Das wusste ich nicht.
Zur Vorsicht nehme ich die Texte und Bilder lieber raus. Jeder Interessierte
kann sich ja " baumkunde .de " aufrufen.

Herzliche Grüße
Jürgen aus Hemer

Schrodt

#11
Ein Tangentialschnitt vom saftfrischen Stammholz der Hainbuche  • DL-HF mit Orange-Filter.



Mit herzlichen Mikrogrüßen
Jürgen aus Hemer

Schrodt

#12
Ein Querschnitt und 4 Radialschnitte vom saftfrischen Stammholz der Hainbuche  •  DL-HF mit Orange-Filter.













Mit herzlichen Mikrogrüßen
Jürgen aus Hemer

Bernd Miggel

#13
Hallo Jürgen,

das sieht schon recht gut aus!  :)
Was zum Untermauern der Holzart Carpinus in deinen Bildern noch fehlt: die Scheinstrahlen (falschen Holzstrahlen). Um sie zu zeigen, schaust du dir unter dem Stereomikroskop oder mit der Lupe den Querschnitt deines Stammholzes an. Vorher die Schnittfläche mit Rasierklinge oder Cuttermesser glätten.
Sobald du einen falschen Holzstrahl entdeckt hast, fertigst du genau in diesem Bereich Querschnitte und Radialschnitte Tangentialschnitte  an. Hainbuchenholz besitzt immer auch falsche Holzstrahlen.  ;)

Noch etwas zum Orangefilter: Verbessern lässt sich der Kontrast nur mit einer passenden Einfärbung, kaum mit einem Farbfilter.

Herzlichen Gruß

Bernd

Schrodt

Guten Morgen Bernd,

vielen Dank für deinen Tipp. Ich werde damit gezielt nach " Falschen Holzstrahlen " suchen.
Zum Orange-Filter:
Ich habe das Orange-Filter nur eingesetzt, um bei den ungefärbten Handschnitten etwas Farbe ins Bild zu bringen, da mir die tristen SW-Bilder
nicht mehr gefielen.
Ich werde demnächst auch mit der Färbung der Handschnitte mit Etzold beginnen. Mal sehen , was dabei herauskommt.

Mit herzlichen Mikrogrüßen
Jürgen aus Hemer