Autor Thema: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen  (Gelesen 1176 mal)

reblaus

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Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« am: Mai 31, 2018, 23:41:55 Nachmittag »
Hallo -

wer sich ein gutes Gebrauchtmikroskop gekauft hat, möchte meist bald eine Kamera anpassen und dazu gibt es sehr viele Möglichkeiten.
         Ein Problem ist, dass die früheren, heute oft preiswert erhältlichen, Kamera-Adaptationen fürs Kleinbildformat (24 x 26 mm) bestimmt waren, das sich im Digitalzeitalter etwas euphemistisch "Vollformat" schimpft und viel kostet.
         Um preiswerte APS-C-Format-Kameras an ältere Mikroskope mit Kompensationsoptik anzupassen werden wiederum relativ teure und/oder schwer erhältliche Kameraobjektiv/Okularkombinationen benötigt, wenn man nicht Vignettierung oder zu kleine Bildausschnitte in Kauf nehmen will.
Eine beliebte Standardanpassung für APS-C arbeitet mit einem Pancake-Objektiv 40 mm vor der Kamera, das mit seinem Filtergewinde (bäh - Plastik) und einem Adapter über einem 10x Kompensationsokular befestigt wird. Aber diese beiden Teile kosten allein schon mal um die 150.- und man kann nicht viel verändern. Oder man nimmt ein 50 mm Objektiv vor der Kamera und sucht lange nach eine teuren 6,3x Kompensationsokular.

Ideal wäre hier also eine Variooptik, wie sie als Setobjektiv bei diesen Kameras mitgeliefert wird. Sie sind billig auf dem Markt, weil der "ambitionierte" Fotograf, dann gerne was tolleres vor seine Kamera setzt. Aber sind diese Plastikdinger denn gut? Und wie harmoniert denn deren große Frontlinse und tiefliegende Pupille mit einem Mikroskopokular?
Also ich hatte solch ein Ding hier herumliegen (Canon EF-S 18-55 mm). Vollplastik, Autofokus kaputt, passt nicht an Vollformat-EOS etc. Habe das an meinem Zeiss GFL-Trinotubus angepasst (Details später), ein EOS 500D-Gehäuse drauf und probiert. Und wer sagts:
Hier als Referenz zunächst das Foto (auf die Schnelle) eines Objektmikrometers (Strichstärke ca. 2 µm) mit meinem Axioskop, einem PlanApo 40x/0,95, einem 2,5x Projektiv und einer EOS 5D Mk2. Abgebildet ist hier die linke Hälfte der Aufnahme. Bildmitte also am rechten Rand, linke untere Ecke leichte Vignettierung:



Und jetzt mit der Plastik-Variooptik 18-55 (in Stellung ca 40 mm) auf der EOS 500D, aufgesetzt auf ein S-Kpl 10x/20, das Zeiss speziell zum Fotografieren vorgesehen hat und das (gebraucht) mit mindestens 150.- zu veranschlagen ist:



Und jetzt wieder das Plastik-Vario, aber auf einem Plastik-Cpl 10x/18-Brillenokular aufsitzend (Gebrauchtwert ca. 35.-):



Ihr seht recht! Das Okular hat eine kissenförmige Verzeichnung, die mir direkt im Okular gar nicht aufgefallen war - aber ist die übrige Optik viel schlechter? Wird das ein Tümpler überhaupt bemerken? Selbst bei einem Flachschnitt dürfte das nicht auffallen, zumal das Bild ja hinreichend plan ist!

Fortsetzung (weitere Details der Plastikproblematik bei der Anpasseung) bei Interesse ggf. später.

Viele Grüße

Rolf



wejo

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Re: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« Antwort #1 am: Juni 03, 2018, 15:29:08 Nachmittag »
Hallo Rolf,
herzlichen Dank für den interessanten und ausführlichen Vergleich der Möglichkeiten! Ich warte schon gespannt auf die Weiterführung Deines Artikels!
Viele Grüße
Werner

ImperatorRex

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Re: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« Antwort #2 am: Juni 03, 2018, 16:46:26 Nachmittag »
Vielen Dank Rolf für Deinen informativen Beitrag. Das Thema Fotoadaption ist noch lange nicht ausdiskutiert :-)

Zitat
Eine beliebte Standardanpassung für APS-C arbeitet mit einem Pancake-Objektiv 40 mm vor der Kamera, das mit seinem Filtergewinde (bäh - Plastik) und einem Adapter über einem 10x Kompensationsokular befestigt wird. Aber diese beiden Teile kosten allein schon mal um die 150.- und man kann nicht viel verändern. Oder man nimmt ein 50 mm Objektiv vor der Kamera und sucht lange nach eine teuren 6,3x Kompensationsokular.

Pancake-Objektiv 40mm: Ich wollte einmal das maximale Sehfeld des KPL W 10/20 ausnutzen, gerade noch so ohne Vignettierung. Hierzu gibt es ein relativ günstiges Objektiv von Yongnuo (dieser chinesische Hersteller bietet ja günstige Canon EF "Clones" an): Yongnuo Objektiv YN 35mm F/2.0 AF Weitwinkel/Festbrennweiten. Kosten unter 90 Euro.

50 mm Objektiv: Alternative die auch sehr gut funktiniert und einen grossen Bildausschnitt ergibt: Canon EF Objektiv 50mm plus KPL 8 fach Objektiv. Das KPL 8 hat ja nur SF von 18 und da passt das KPL 8fach Objektiv sehr gut.

Ich bin gespannt, was Du noch zu berichten hast.

gespannte Grüße
Jochen

 
« Letzte Änderung: Juni 03, 2018, 16:48:26 Nachmittag von ImperatorRex »

reblaus

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Re: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« Antwort #3 am: Juni 04, 2018, 01:03:24 Vormittag »
Hallo -

mir geht es hier im wesentlichen darum, Anfangslösungen für den kleinen Geldbeutel aufzuzeigen, die aber trotzdem gute Bildqualität liefern sollen - also Kompensation der Restfehler, ebenes Bild, guter Ausschnitt. Ich bin mir aus eigener Erfahrung bewusst, dass man irgendwann doch nach teuren Originallösungen strebt da hier auch Emotionen eine große Rolle spielen.
       Denn obwohl es im Digitalzeitalter eigentlich kaum eine Rolle spielen sollte, möchte man gerne ein rechteckiges Bild, das möglichst bis in die Ecken des Bildfeldes geht aber noch keine Vignettierung zeigt. Ein Verschwenden von nutzbarer Bildfläche soll vermieden werden, obwohl gerade Zeiss bei seinen alten Kameraanpassungen kritische Randzonen großzügig weglässt - vermutlich weil diese auch bei teuersten Objektiv-Okularkombinationen noch deutliche Farbfehler zeigen, zumal wenn man Okulare mit größeren Bildfeldern verwendet, die mit der Zeit oft dazugekauft werden. Hier bietet eine Variooptik natürlich Vorteile.

Ein Problem bei der Verwendung von Fotoobjektiven an der Kamera kann die Mechanik sein. Während die älteren Ganzmetallkonstruktionen eine sehr solide Entfernungseinstellung hatten, bei der die Unendlichstellung identisch mit dem mechanischen Anschlag war, ist dies bei den neueren Plastikkonstruktionen oft nicht der Fall. Der Autofokusmechanismus bringt es mit sich, dass die für Mikroskopzwecke erwünschte optische Unendlichstellung noch vor dem mechanischen Anschlag erreicht wird. Gleichzeitig ist das Gewinde sehr klapperig und das Kameragewicht lastet in der Regel voll darauf, wenn sie über das Filtergewinde des Objektivs mit dem Fototubus verbunden wird.
Ein Test mit dem o.e. Varioobjektiv hat jedoch gezeigt, dass der Entfernungsring ohne optische Verschlechterung bis zum Anschlag eingedreht werden kann, wenn man eine geringfügige Verschlechterung der Parfokalität in Kauf nehmen kann. Mit live-view ist das sowieso kein Problem.
Da ich mehrere Gebrauchtobjektive in der Preislage zwischen 15 und 25 € (28/2 x 35/Vario 18-55) im Test hatte, schraubte ich in deren Plastikfiltergewinde einen StepDown-Adapter aus Metall (je nach Filtergewinde mit 49/52/55/58 mm Außenmaß aber mit einem konstanten Innengewinde von 37 mm. Dieser blieb immer drin.
Auf dem Fototubus (Glockenprinzip) sitzt ein StepUp-Adapter, der im Zentrum als Gegenstück ein 37 mm Außengewinde hat. Dies gibt eine leicht lösbare aber sehr solide Verbindung, weil diese Teile nach Einschrauben mit einer größeren Ringfläche aufeinandersitzen und wegen des relativ kleinen Gewindedurchmessern nicht vermurkst werden, wie das bei den Plastikfiltergewinden so oft der Fall ist. Diese Filtergewindeadapter sind für etwa 4.- erhältlich.

Auf dem folgenden Foto ist das Objektiv abgeschraubt und nach hinten umgelegt. Man sieht das 37 mm Innengewinde des im Filtergewinde einschraubten StepDownAdapters und unten auf dem Glockenadapter (mit Cpl 10x/18 Okular) das 37 mm Außengewinde des StepUp Adapters, der in dieser Experimentierversion allerdings noch auf einen M42-Ring geschraubt ist:


Einige weitere Erkenntnisse: Von den 15-25 € Objektiven zeigt das 28 mm und eines von zwei getesteten 35 mm einen leichten hot spot in der Mitte. Erstaunlicherweise ist das ausgerechnet beim Varioobjektiv in keiner Stellung der Fall.
Bei letzterem tritt aber das mechanische Problem auf, dass auch das Variogewinde aus Plastik und etwas klapperig ist. Wenn man die für den entsprechenden Kamerasensor ideale Brennweite ermittelt hat, muss diese Stellung irgenwie fixiert werden, denn unter dem Kameragewicht würde der Tubus in eine Mittelstellung sinken. Im vorliegenden Fall war genügend Fläche für einen Tesafilmstreifen vorhanden und diese Fixierung ist mechanisch o.k. und leicht entfernbar. Zusätzlich ist hier der Entfernungsring noch durch einen großen O-Ring untersützt.

Viele Grüße

Rolf


reblaus

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Re: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« Antwort #4 am: Juni 04, 2018, 12:20:55 Nachmittag »
Hallo -

in  Ergänzung zu Jochens Beitrag hier noch ein Foto mit einem normalen "Schlüssellochobjektiv"-Kpl 8x/18, das Varioobjektiv wurde auf ca 50 mm gestellt. Ich war verblüfft - entgegen der Lehrmeinung keine Vignettierung und eine gut kompensierte Abbildung ohne Farbränder, allerdings am Rand eine Art "radialer" Unschärfe der Linienenden. Aber was will man bei einer Optik für insgesamt 35.- mehr verlangen?




ImperatorRex

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Re: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« Antwort #5 am: Juni 04, 2018, 17:50:26 Nachmittag »
Hallo Rolf,
hast Du das normale KPL 8x/18 verwendet, oder das mit "KPL 8x/18 Br"? Das würde ja bedeuten, dass die Eintrittspupille des Vario-Objektives garnicht mal so tief liegt? Oder ist evtl. damit die leichte Unschärfe zu erklären?
viele Grüße
JOchen

reblaus

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Re: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« Antwort #6 am: Juni 04, 2018, 18:38:58 Nachmittag »
Hallo Jochen -

das Okular ist ein altes Kpl 8x mit etwas verputzter Frontlinse von einem Souvenirmikroskop (wie gesagt "Schlüsselloch"). Ein 8x Br habe ich nicht. Es liegt mit der Frontfassung über eine Samtzwischenlage direkt auf der Frontlinse des Zooms auf. Die bei diesem eingestellten 50 mm Brennweite liegen nahe am Ende des Zoombereichs und könnten damit außerhalb der Optimalstellung der Variooptik liegen.
EDIT: Gerade sehe ich, dass ich dieses Foto versehentlich mit einem Ph2 Neofluar 40 gemacht habe statt mit dem Plan 40 der ersten drei Bilder.!
Allerdings gäbe es da jetz so viele Parameter zu vergleichen, dass mir eine systematische Versuchsserie zu viel wird. Auf alle Fälle musste ich eine gewisse Voreingenommenheit in puncto Vario-Billigkonstruktion als Relaisobjektiv korrigieren.

Viele Grüße

Rolf
« Letzte Änderung: Juni 04, 2018, 19:40:21 Nachmittag von reblaus »

ImperatorRex

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Re: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« Antwort #7 am: Juni 04, 2018, 21:50:15 Nachmittag »
Hallo Rolf,
dann ist die Welt ja wieder in Ordnung...für ein Neofluar ist die Randunschärfe ja vollkommen in Ordnung, ich hätte da noch mehr Fehler am Rand erwartet.

Ausnutzung des Sehfeldes (aus Deinen Beispielfotos):
Mit dem KPL 8x und ca 50mm Objektiv-Brennweite sind es 20'
Mit dem KPL 10x/20 und 40 mm Objektiv-Brennweite sind es dagegen nur 15'.

Um das SF des KPL 10x/20 ganz auszunutzen bedarf es demnach einer Obejektiv-Brennweite von 35mm. Insofern ist die Kombination mit dem 8x/18 KPL und den 50mm oder (etwas weniger Brennweite) optimal um das SF maximal auszunutzen.

viele Grüße
Jochen

Ulf Titze

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Re: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« Antwort #8 am: Juni 04, 2018, 23:27:37 Nachmittag »
Hallo EOS-Adaptierer,

ein Bild sagt manchmal mehr als 1000 Worte. Und nachdem photobucket eine wie ich fand hilfreiche Abbildung zu diesem Thema nicht mehr verfügbar macht, erlaube ich mir sie hier passend zum Thema neu beizutragen:


Sie soll den Bildausschnitt von 3 Okular-Relaisobjektiv-Kombinationen zeigen.

Herzlich

Ulf
“Do not worry about your problems with mathematics, I assure you mine are far greater.” (A. Einstein)

"Komm wir essen Opi!" - Satzzeichen können Leben retten!!!

reblaus

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Re: Gute APS-C Anpassung mit preiswerten Bestandteilen
« Antwort #9 am: Juni 29, 2018, 15:47:46 Nachmittag »
Hallo -

unterdessen habe ich noch etwas weiter herumprobiert:

Bei der Verwendung von preiswerten Autofokus-Objektiven im Handbetrieb hat man (zumindest beim Canon 18-55 mm) das Problem, dass der Anschlag der Entfernungseinstellung nicht mit der Unendlichstellung übereinstimmt, da die Fokusautomatik etwas Spiel zum Hin- und Herfahren benötigt. Eine Entfernungsskala ist hier sowieso nicht angegeben - man stellt halt scharf.

Nach der Lehrmeinung sollte aber ein Relaisobjektiv auf Unendlich eingestellt sein, um bei korrekter Justage des Fotookulars maximale Bildqualität und Parfokalität beim Umschlagen der Objektive zu gewährleisten.

Deshalb habe ich mal Aufnahmen mit dem EF-S 18-55 in Unendlichstellung mit solchen verglichen bei denen die Optik bis zum Anschlag eingedreht ("überfokussiert") war. An der Bildqualität war keinerlei Unterschied festzustellen. Die Parfokalität zwischen 2 gut justierten Objektiven (Plan 10 und 16) war tatsächlich eine Spur verringert. Allerdings waren die Unterschiede innerhalb des kompletten Objektivsatzes (6,3/10/16/40/100) auch bei bestmöglicher Justierung des Binokulartubus weit größer als der Einfluss der Fehleinstellung des Relaisobjektivs.
Ich folgere daraus, dass man die Entfernungseinstellung auch bei Autofokus-Objektiven für die Routine-Mikrofotografie einfach bis zum Anschlag eindrehen darf, was die Nutzung der Zoomfunktion bedeutend erleichtert.

Viele Grüße

Rolf