Autor Thema: Dünnschliff: Olivine-Gabbro-Scotland (Pol)  (Gelesen 610 mal)

Bayer

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Re: Dünnschliff: Olivine-Gabbro-Scotland (Pol)
« Antwort #15 am: Juli 04, 2018, 13:55:56 Nachmittag »
Bzgl. der Schärfentiefe (DoF) beim Stemi 508doc erhält man aus der Formel Lambda/NA, abhängig vom Zoomfaktor, in Mikrometern:

0,63x ca. 29 (hier liegt fast der gesamte Dünnschliff in der Schärfentiefe)
1x      ca. 18 (hier noch etwas weniger als 2/3)
2x      ca. 11 (hier noch 1/3)
4x      ca.  8
5x      ca.  8

Ich weiss, dass sind theoretische Werte.

Das wäre aber ein Ansatz der Erklärung für den Fall a), dass bei Zoom 0,63x und 1x ein stacking eigentlich nicht erforderlich sein sollte.
Ab einem Zoomfaktor von 2x aber schon.

Zusätzlich tritt ab einem Zoomfaktor von 2x durch die von mir verwendete Kombination aus Objektiv, NVF und Kamerasensor ein oversampling > 200% auf (100% = Optimum, also 2x oversampling).
Das wäre dann ja eine leere Vergrößerung von 2x.
Bei den Zoomfaktoren 4x und 5x liegt das oversampling beim Faktor 3x und 4x.

Mache ich da einen Denkfehler?
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Rawfoto

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Re: Dünnschliff: Olivine-Gabbro-Scotland (Pol)
« Antwort #16 am: Juli 04, 2018, 20:38:03 Nachmittag »
Guten Abend

Was Olav meint musste ich vor ein paar Jahren auch erst verstehen, ich gebe es einmal mit meinen eigenen Worten/Erfahrungen wieder.

Wenn ein Dünnschliff gestackt wird kommt es zu einer unnatürlichen Verdichtung an Details, wir können ja durchschauen und beim Stacken kommen so in der Tiefe liegende Details an die Oberfläche. Das wiederum entspricht in keinster Weise dem was wir eigentlich sehen wollen - die Tiefenwirkung geht ja verloren und auch die Räumlichkeit die wir am STEMI sehen ist nicht fotografierbar da durch einen der beiden Strahlengänge fotografiert wird.

Das bedeutet nicht das Stacken generell schlecht ist, aber wir müssen uns genau überlegen wo es Sinn macht bzw. was für Auswirkungen wir damit produzieren.

Gerade beim Dünnschliff geht es ja um eine Übersicht und damit eine kleine Vergrößerung um die Zusammensetzung zu sehen.

Wer also genau ausrichtet (parallel zu Schliff-Oberfläche) und am POL Mikroskop mit dem 4x oder 10x fotografiert kommt ohne stacken zu besseren Ergebnissen - wie gesagt, ich habe das am Anfang auch nicht geglaubt aber dank Olav gelernt :-)

Liebe Grüße

Gerhard

PS: es gibt jede Menge Motive die durch stacken gewinnen ...

Gerhard
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Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

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Re: Dünnschliff: Olivine-Gabbro-Scotland (Pol)
« Antwort #17 am: Juli 04, 2018, 23:40:51 Nachmittag »
Danke, Gerhard,

da bin ich ja schon mal beruhigt, dass das am Motiv und nicht an der Optik liegt.
Ich habe mal gelesen, dass man dieses Problem umgehen kann, in dem man der stacking Software Bild für Bild sagt, wo die Übergänge sind und sich beim stacken auf "den oberen Teil" beschränkt und nicht durchfokussiert.
Das war aber in einem anderen Kontext - nicht bei Dünnschliffen.
Und das erscheint auch wirklich aufwändig.

@Olaf: Jetzt habe ich das auch verstanden ;-)

@Gerhard:
Wie richtest Du "genau parallel zur Schnittoberfläche" aus?
Mit einem Kugeltisch, der auch für Durchlicht geeignet ist?
Oder mit einem Schwanenhalsadapter wie Olaf das beschrieben hat?

Beste Grüße
Christian

Stemi 508doc
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Rawfoto

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Re: Dünnschliff: Olivine-Gabbro-Scotland (Pol)
« Antwort #18 am: Juli 05, 2018, 05:02:32 Vormittag »
Guten Morgen

Ich habe das Glück das zwei meiner Leitz Wild STEMIS vom Stativ her die Möglichkeit einer Photostellung bieten. Das sind in meinem Fall Stative vom Typ S. Damit liegt die optische Achse in der Photostellung 90 Grad zur Sensorebene und zum Objektträger.

Wenn ich jetzt auch noch exakt den Dünnschliff schleife (mit der Abele Schleifmaus geht das sehr gut wenn Mann die Füße am Einstellgerät auf die gleiche Höhe ausrichtet) habe ich auch die 90 Grad zum Deckglas.

Ich kontrolliere die Kernschärfenlage am Bildschirm des MACs bei 100%. Damit bin ich sehr exakt. Ich fotografiere Dünnschliffe eigentlich so gut wie immer direkt am POL-Mikroskop und nur zur Dokumentation von Arbeitsschritten am STEMI,

Dort wird das 4x oder 10x verwendet und ein Multiraw Panorama fotografiert um die benötigte Fläche aufs Bild zu bringen. Damit hat man automatisch genügend Bilddaten um große Ausstellungsprints von einem Quadratmeter und plus mit 300 Dpi zu drücken oder mit 400 Dpi ausbleichten zu lassen.

Liebe Grüße

Gerhard

Ps: den Hersteller deiner Dünnstliffe kenne ich ja auch, er schleift maschinell und damit passt die Oberfläche sehr gut, sie ist absolut parallel zum Objektträger
Gerhard
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Bayer

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Re: Dünnschliff: Olivine-Gabbro-Scotland (Pol)
« Antwort #19 am: Juli 05, 2018, 08:46:23 Vormittag »
Nochmals danke, Gerhard,

die Kernschärfenkontrolle führe auch ich am iMac über LiveView durch (nicht immer bei 100%, aber mit >= 50%) - das klappt ganz gut.
Ich nehme da CameraControlPro 2 von Nikon.

Gut zu wissen, dass meine Schliffe absolut parallel zum Objektträger sind.
Vielleicht muss ich mal meinen Stemi Tisch überprüfen.
Ich habe die Lab Stativ Version und vielleicht ist da eine kleine Unebenheit.

Bisher habe ich am Axioscope nur Objektive >= 20x.
Das 10x ist bestellt mit NA 0,45. Das hat halt eine geringe Schärfentiefe.
Freue mich trotzdem drauf und werde auch mal RAW-Panorama fotografieren.

Mit welcher Software verbindest Du dann die Kacheln zu einem Bild?

Darf ich Dich auch noch nach einer Empfehlung für ein professionelles Fotolabor für die Ausbelichtung bitten?
Mit wem arbeitest Du zusammen? (gerne per PM, wenn das hier im Forum nicht gehen sollte)

Beste Grüße
Christian
Stemi 508doc
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Bayer

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Re: Dünnschliff: Olivine-Gabbro-Scotland (Pol)
« Antwort #20 am: Juli 05, 2018, 08:59:24 Vormittag »
Bzgl. "händischem" stacken durchscheinender Objekte (dort ein Netzwasserfloh) schrieb Michael (sushidelic):

"Ich musste hier nämlich heftigst die Möglichkeit von Zerene Stacker verwenden, die Tiefenebenen nach dem Stapel selektiv zu maskieren, viel zu viel aus dem Innenleben des Wasserflohs kam überall durch und machte das Bild nicht nur weniger ästhetisch, sondern auch irgendwie unverständlich. Also habe ich ewig Masken gemalt, um ausschliesslich den Blick auf die Aussenhaut zu fokussieren.
Das Ergebnis kam zwar dann etwa so raus, wie ich es mir vorgestellt habe, aber irgendwie fühlt sich ein unretouchierter Stack doch "sauberer" an. Da bin ich ja mächtig froh, dass man die Handarbeit anscheinend gar nicht so wahrnimmt."

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=31780.0
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