Autor Thema: Binotubus delaminiert ??  (Gelesen 1761 mal)

Carex

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Binotubus delaminiert ??
« am: August 24, 2018, 17:33:09 Nachmittag »
Hallo alle,

vorgestellt hab ich mich vor ich glaub 5 Jahren oder so. Um diese Zeit erwarb ich bei Thilo Immel ein Zeiss KF2 in einem sehr guten Zustand. Nun hab ich das Mikroskop nach etwa einem jahr wieder hervorgeholt und einige nette Algen damit beobachtet. dabei fiel mir vor allem beim 40er mit schiefer Beleuchtung eine schlechte Abbildung auf.
Daraufhin bin ich auf Fehlersuche gegangen. Schließlich hab ich den Tubus abgeschraubt und etwas entdeckt....ich denke das ist eine Delamination. Hab sowas noch nie gesehen! Liege ich richtig?

Falls ja, ist der Tubus nun wohl für die Tonne...oder? Was tun? Ich hoffe das mit Bilderupload haut hin...

In einem der beiden Okulare (KPL W 10x Brille) findet sich ausserdem etwas Schmutz der beim Beobachten stört! Kann man sowas zerlegen? Als Amateurastronom weiss ich über die Komplexität eines Okularaufbaus Bescheid. Ein Astrookular würde ich nie zerlegen...vielleicht ist das hier aber anders gelagert? Hier noch ein Foto auf dem die mutmaßliche delamination zu sehen ist...



Schöne Grüße, David

Klaus Herrmann

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #1 am: August 24, 2018, 19:49:12 Nachmittag »
Hallo David,

5 Jahre dabei und kein Problem, das ist doch schon mal eine gute Bilanz!

Die Delamination ist ärgerlich, ob man sie beheben kann?? Vielleicht, aber keine grundsätzliche Katastrophe: der Tubus ist austauschbar.

Die Okulare lassen sich sicher reinigen; ist etwas fizzelig, weil irgend ein Stäubchen ist danach immer noch drin. Noch eine Frage: ist in den Okularen eine Meßplatte, weil da gerne Schmutz drauf ist, da ist die Einfachlösung: rausnehmen!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Herbert Dietrich

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #2 am: August 24, 2018, 19:56:44 Nachmittag »
Hallo David,

in die Tonne würde ich den Binotubus nicht werfen, ich glaube auch nicht, dass das der Grund für die schlechte Abbildung des 40er Objektivs ist.
Hast Du vor einem Jahr mal mit dem 100er Objektiv mikroskopiert? Wenn ja, kann es sein, dass Du nach Beendigung auf das 40er gedreht hast?
Kann ja sein. Schau Dir die Frontlinse mit einer Lupe mal genau an.

Zur Zerlegung des Kpl W 10X   https://mikroskopie-forum.at/index.php/Thread/2348-Delaminierte-Okulare/
vielleicht hilft Dir das weiter.

Am Tubus würde ich nichts unternehmen. Ob man das bei der Beobachtumg groß merkt?

Herzliche Grüße

Herbert

Klaus Herrmann

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #3 am: August 24, 2018, 22:19:38 Nachmittag »
Hallo David,

 zur Fehlersuche hat sich bewährt einfach verdächtige Komponenten auszutauschen.

Also wenn du das 40er gegen ein anders 40er austauscht und das Bild dann immer noch schlecht ist, dann könnte ja doch die Delmination im Tubus Schuld sein. Und die könnte vielleicht sogar nach der Methode im Link, den Herbert angegeben hat, zu reparieren sein.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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jochen53

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #4 am: August 25, 2018, 08:55:00 Vormittag »
Hallo,
die beschriebene Methode, ein laminiertes Kpl-Okular zu "reparieren", ist sehr gut beschrieben und klingt von der Vorgehensweise her auch sehr einleuchtend.
Mir ist nur aufgefallen, daß zur Reparatur als Harz das früher verwendete Caedax verwendet wird, das ja bekanntlich nicht mehr erhältlich ist, weil es PCB (= Polychlorierte Biphenyle, auch als Clophen bekannt) enthielt, wie übrigens auch alte Immersionsölrezepturen. PCB, Di-n-butylphthalat und die sog. Chlorparaffine haben alle einen sehr hohen Brechungsindex und eine günstige Abbé-Zahl, sind aber leider reroduktionstoxisch, wobei ich vielen hier vertretenen Mitgliedern durchaus zutrauen würde, mit den erforderlichen Minimengen sicher umzugehen.
Es wird auch von Klaus Herrmann empfohlen, diese Methode nach wie vor anzuwenden.

Nur:
1. Woher weiß ich, daß das optische Bauteil wirklich mit Caedax verkittet war und nicht mit einem UV-härtenden Acrylat, diese sind ja gegenüber Xylol sehr resistent?
2. Woher bekommt man noch Caedax? oder
3. Was könnte man stattdessen verwenden?

Viele Grüße, Jochen (auch Kpl-Delaminationsgeschädigter im Anfangsstadium)

Dr. Jekyll

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #5 am: August 25, 2018, 09:11:00 Vormittag »
Reproduktionstoxisch dürfte für die Mehrzahl der Mikroskopiker hier im Forum eine untergeordnete Rolle spielen. Der Höhepunkt der mikroskopischen Aktivität liegt zeitlich deutlich hinter der Reproduktionsphase😅🔬🔬🔬🔬🔬🔬🔬🔬🔬🔬
Beste Grüße
Harald

Reinhard

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #6 am: August 25, 2018, 11:00:49 Vormittag »
Hallo Harald,

so richtig diese Aussage weitgehend (cave: "Picasso-Syndrom") auch sein mag, tut sie dennoch ein bißchen weh!  :( :( ;D ;D ;D

Reinhard (67)
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plaenerdd

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #7 am: August 25, 2018, 11:37:13 Vormittag »
Hallo,
Zitat von: jochen53
Woher weiß ich, daß das optische Bauteil wirklich mit Caedax verkittet war und nicht mit einem UV-härtenden Acrylat, diese sind ja gegenüber Xylol sehr resistent?
Da es um einen Binotubus eines KF2 geht, denke ich, dass damals noch kein UV-Kleber benutzt wurde. Genau weiß ich es aber nicht.

Ich kann aber auf dem Bild von David auch nicht wirklich eine Delamination erkennen. Für mich sieht es wie die Reflektion einer vergüteten Linse aus, aber ich weiß natürlich auch, dass das nur schwer zu fotografieren ist. Eine ordentliche Schritt-für-Schritt-Diagnose der optischen Komponenten des Strahlenganges wäre sicher sinnvoll. Der Hinweis, dass das Problem nur beim 40er Objektiv auftritt, spricht ja eher dagegen, dass es der Tubus ist. Da würde ich auch als erstes mal das 40er Objektiv herausschrauben und mit einem umgekerten Okular mir die Frontlinse einmal genau ansehen. David, wenn Du ein Einstellfernrohr für Phasenkontrast haben solltest, kannst Du damit sehr gut die einzelnen optischen Bauteile im Strahlengang untersuchen, in dem Du die verstellbare Linse hoch und runter bewegst. Wenn Du Unregelmäßigkeiten findest, versuchst Du einfach mal die verschiedenen Komponenten etwas zu drehen (z.B. das Objektiv, den Kondensor oder den Tubus) Je nach dem, wann es sich mitdreht, weiß man welche Komponente betroffen ist.
Beste Grüße
Gerd
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Durchlicht: CZJ-Nf und AMPLIVAL mit Phv, Pol, DF, HF; Auflicht: VERTIVAL, Stemi: MBS-10, Technival; Inverses: Willovert mit Ph

Jürgen Boschert

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #8 am: August 25, 2018, 16:39:54 Nachmittag »
Hallo Gerd,

das ist definitiv eine Delamination und -oh, ja- Zeiss hat damals schon UV-Kleber verwendet, weiß aber nicht, ob speziell bei dieser Tubusserie.

Gruß !

JB
Beste Grüße !

JB

Carex

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #9 am: August 25, 2018, 20:56:51 Nachmittag »
Danke für die vielen Antworten...

ich bin schon weiter... Nach allerlei drehen hab ich die Okulare (KPL W 10x Brille) als Quelle für die schlechte Abbildung identifiziert. Mit freiem Auge und niedriger Vergrösserung schauen die ja gut aus. Mit steigender Vergrößerung wird die Abbildung allerdings schlechter. Das eine hat einige dunkle Flecken, die sich auch nach zerlegen und reinigen nicht verabschiedet haben. Das andere zeigt eigenartige bogenförmige Strukturen, die ins Gesichtsfeld ragen - auch daran hat sich nach zerlegen und reinigen nix geändert. Hab versuchsweise meine alten C 10x reingegeben und siehe da - alles gut. Wenn man in den Strahlengang durch das Bino schaut, sieht man, daß die Delamination des Binotubus gerade eben (noch!?) ausserhalb des Strahlengangs liegt.

Die KPLs hab ich über ebay erstanden... offenbar Lehrgeld gezahlt. Welche Okulare passen da eigentlich. Kann ich auch Leitz, zeiss Jena, Olympus Okus mit 23,2 mm und 10x nehmen? Und wo kauf ich am besten. Bei www.Mikroskop-online.de ist die Sache relativ teuer (auch ein Binoansatz kostet da gleich ordentlich. Da bekomme ich bei Thilo Immel ein ganzes KF2 dafür...Hmmm. Ich hab mal im Suche-Board reingeschrieben. was meint ihr?

Die Okus werd ich in jedem Fall so schnell wie möglich tauschen....und dann gleich den Ansatz...Oder doch gleich ein neues Mikroskop?

LG, David
« Letzte Änderung: August 25, 2018, 20:58:40 Nachmittag von Carex »

Klaus Schloter

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #10 am: August 25, 2018, 22:06:41 Nachmittag »
Hallo Carex,

was den Tubus angeht, bin ich bei meinem delaminierten Tubus so vorgegangen :
den delaminierten Linsenbloch vorsichtig herausgeschraubt, in einem Exsiccator auf die obere Linse 2 Tropfen nicht zu dieckflüssiges Caedax im Randbereich und dann unter Vaccum 1 Woche belassen.Reste vom Caedax mit Xylol entfernt,das war's.
Wenns nicht so klappt von der anderen Seite versuchen oder länger inkubieren.

Vielleicht findet sich im Forum noch jemand der ein paar Tropfen Ceadax übrig hat.

Übrigens Kanadabalsam funktioniert nicht,weil es vergilbt !

Schönen Abend
Klaus


Lungu

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #11 am: August 25, 2018, 22:14:38 Nachmittag »
Hallo David,

ein KPL ist ein kompensierendes Okular. Sprich es gleicht die Abbildungsfehler des Systems aus. Es funktioniert daher nur mit den passenden Objektiven. Soweit die Theorie, aber ich würde ein Neues Okular in China / Indien kaufen. Notfalls auch ein neues Objektiv.

Grüße Lungu
Grüße Lungu

plaenerdd

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #12 am: August 26, 2018, 15:04:27 Nachmittag »
Hallo David,
optimal sind die Okulare, die zu den Objektiven gehören, also auch der gleichen Firma, wobei Jeiss-Jena nicht gleich ZEISS (West) ist. Wir müssten also erstmal wissen, was Du am Revolver hast. Jehöher die Objektive korregiert sind, desto wichtiger wird das. Bei einfachen Achromaten tuts vielleicht auch ein China-Implantat.
Kaufen am besten hier im Mikromarkt möglichst mit Rückgaberecht.
LG Gerd
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Carex

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #13 am: August 27, 2018, 17:39:22 Nachmittag »
Hallo alle,

Danke für die vielen Infos. Ich nutze "einfache" Achromate (10, 40 und 100) und ein 2.5 Plan. ich werd die Chinadinger da mal testen und dann berichten. Ich überleg darüberhinaus ja ohnehin schon länger ein ausbaufähiges Gerät anzuschaffen (vor allem Dunkelfeld, DIC oder Phasenkontrast würde mir schon gefallen....und eine köhlerbare Beleuchtung wär ohnehin fein) In Studienzeiten hab ich neben einem Reichert Neovar 2 (im übrigen auch ein Superteil!!)ein Leitz Laborlux als Mikroskop gehabt das is mir noch in guter Erinnerung. Ich schwanke zwischen einem Standard 16 und einem Laborlux 12 ....und die Leitz-Mikroskope gefallen mir obendrein richtig gut. Sind die EF-Objektive mit den Achromaten von Zeiss vergleichbar? Schwierige Entscheidung!

LG, David

Ulf Titze

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Re: Binotubus delaminiert ??
« Antwort #14 am: August 27, 2018, 19:48:32 Nachmittag »
Hallo David,

... Ich schwanke zwischen einem Standard 16 und einem Laborlux 12 ....und die Leitz-Mikroskope gefallen mir obendrein richtig gut. Sind die EF-Objektive mit den Achromaten von Zeiss vergleichbar? Schwierige Entscheidung!

Die EF-Objektive sind im direkten Vergleich mit den Achromaten besser plangeebnet und liefern ein Bild mit etwas satteren Farben. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Leitz bei der Objektivkorrektur mehr in sattere Farben investiert hat als Zeiss - alles eine Frage des Geschmacks. Insgesamt sind die EF-Objektive m. E. hier im Forum die meistunterschätzen Objektive. Wenn man nicht gerade Histologien bearbeitet, kommt man mit denen ziemlich weit.

Falls Du Dich mal für ein Laborlux interessieren solltest, ich habe noch ein Laborlux S mit Fototubus und ggf. Diskussionsbrücke abzugeben. Damit habe ich es aber nicht eilig.

Beste Grüße

Ulf
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