Autor Thema: Kondensor- und Objektivapertur  (Gelesen 1190 mal)

GMaier

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Kondensor- und Objektivapertur
« am: Mai 29, 2018, 17:21:05 Nachmittag »
Liebe Mikroskopiefreunde,

ich möchte mir ein neues Objektiv für mein ZEISS Axio Lab.A1 anschaffen. Bei der Auswahl ist eine Fragestellung aufgetaucht, zu deren Beantwortung mein "Fachwissen" in Sachen Optik leider nicht ausreicht, weshalb ich mir vom Forum einen Rat erhoffe.

Zur Vereinfachung möchte ich meine Frage anhand eines theoretischen Zahlenbeispiels erläutern: Zur Auswahl stehen zwei Objektive der selben Vergrößerung aber unterschiedlicher Apertur, einmal 0,50 und einmal 0,75.

Im ersten Fall setze ich das Objektiv mit der Apertur von 0,75 zusammen mit einer Kondensorapertur von 0,50 (Kondensorblende weiter zugezogen) ein.

Im zweiten Fall setze ich das Objektiv mit der Apertur von 0,50 zusammen mit einer Kondensorapertur von 0,50 ein.

Sind die beiden Ergebnisse über die Okulare oder auf einem Kamerasensor "gleich gut"? Ist die Schärfentiefe in beiden Fällen gleich groß (für Wasserorganismen wäre das vorteilhaft)? Oder handelt man sich im ersten Fall andere Probleme ein? Der Vorteil im Fall 1 wäre, dass ich bei Bedarf eine höhere Gesamtapertur erreichen könnte.

Danke für Eure Hilfe!

Grüße aus der Oberpfalz

Gerhard

Florian D.

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Re: Kondensor- und Objektivapertur
« Antwort #1 am: Mai 29, 2018, 17:35:27 Nachmittag »
Mit dem 0.75 ist die Auflösung höher, die Tiefenschärfe dafür aber geringer.

reblaus

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Re: Kondensor- und Objektivapertur
« Antwort #2 am: Mai 29, 2018, 17:56:56 Nachmittag »
Hallo -

Faustregel: Auflösung entspricht dem Mittel der beiden Aperturen, also hier (0,5+0,75)/2 = 0,625.
Das mit der höheren Tiefenschärfe könnte man dann auch so ausdrücken: Weil alles etwas unschärfer ist, fällt es nicht auf, dass diese beim stärkeren Vergrößerungen eigentlich nicht vorhanden ist.

Im Zweifelsfall sollte man immer die höhere Apertur vorziehen - abblenden für mehr "Tiefenschärfe" kann man ja immer noch. Wenn man z.B. an die Auflösung von Objektiven mit kurzem Arbeitsabstand und größerer Apertur gewöhnt ist und dann aus technischen Gründen mal LD-Objektive benutzen muss, deren Apertur wegen des größeren Arbeitsabstandes geringer ist, fällt einem sofort der Qualitätsverlust auf.

Gruß

Rolf

GMaier

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Re: Kondensor- und Objektivapertur
« Antwort #3 am: Juni 04, 2018, 14:46:44 Nachmittag »
Hallo Florian, hallo Rolf,

vielen Dank für Euren Rat ...

Grüße

Gerhard

MikroTux

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Re: Kondensor- und Objektivapertur
« Antwort #4 am: September 17, 2018, 23:00:58 Nachmittag »
Im ersten Fall setze ich das Objektiv mit der Apertur von 0,75 zusammen mit einer Kondensorapertur von 0,50 (Kondensorblende weiter zugezogen) ein.

Im zweiten Fall setze ich das Objektiv mit der Apertur von 0,50 zusammen mit einer Kondensorapertur von 0,50 ein.

Das schliessen der Kondensorapertur steigert den Kontrast der Abbildung -Auf Kosten der Auflösung. Da das Auge kontrastreiche Abbildungen besser erkennen kann, ist eine Kondensorapertur von 2/3 Objektiv-Apertur meist ein Optimum. Die theoretische Auflösung im Fall 2 ist zwar nicht allzuweit unter der von Fall 1, aber der geringere Kontrast, gerade beim Tümpeln mit ungefärpten Präparaten meist nicht so gut zu erkennen, wie wenn Kondensorblende etwas geschlossen wird.
In Praxis geht man so vor, daß man Blende einigermaßen auf theoretischen wert schliesst, dann probiert man ein wenig. Je nach Präparateigenschaften kann man mal mit Blende etwas weiter offen, oder etwas weiter geschlossen mehr/besser erkennen.